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Pussy, Nazis und Idioten

27. Februar 2015

Im Grunde hatte ich mir das Ganze ja recht schön ausgemalt. Ein Sieg gegen Dortmund würde uns allen guttun: den Spielern, den Fans, dem Verein, meinetwegen auch Huub Stevens und dem Sportdirektor, bei dem ich immer noch ein bisschen erschrecke (wertneutral, natürlich), wenn er sich zum VfB äußert: Ich frage mich dann meist kurz, ob es schon wieder so weit ist, dass neben dahergelaufenen Ex-Bundesligaspielern auch dahergelaufene Ex-Bundesligatrainer eine Bühne bekommen, auf der sie über den VfB reden dürfen, um dann einigermaßen zerknirscht einzuräumen, dass sich die Zeiten halt manchmal ändern und dass ich die Geschehnisse im und um den Verein eine gewisse – noch immer andauernde–  Zeit lang nicht so intensiv verfolgen konnte, wie ich das vielleicht gerne täte. Die Gründe sind vielfältiger Natur, nicht immer schön, wiewohl mit deutlich positiver Tendenz, und gehören darüber hinaus nicht hierher.

Dennoch habe ich natürlich mitbekommen, dass Robin Dutt beim VfB das sportliche Sagen hat. Ich vergesse es nur manchmal. Zudem weiß ich, dass die hiesige Medienlandschaft eins und eins zusammenzählen kann und deshalb gegenwärtig auf der Trainerposition bereits mit dem “Plan B” in Person von Alexander Zorniger liebäugelt, der ja nicht nur eine Stuttgarter Vergangenheit hat, sondern noch dazu – Achtung! – aus der Region kommt, zudem in Vereinskreisen bestimmt als junger Konzepttrainer gilt und zudem – tadaa! – gerade auf dem Markt ist. Wäre doch gelacht! (Wobei: Uwe Rapolder. Die Mutter aller Konzepttrainer hat den Markt betreten. Jetzt wird’s eng.)

Aber ich war beim Ausmalen. Und ja, ich hatte mir auch ausgemalt, diesen Sieg gegen Dortmund dann auch, um mit Francis Durbridge zu sprechen, plötzlich und unerwartet in schriftlicher Form zu kommentieren, hier auf diesem Bildschirm – wohl wissend, dass ich mich damit wieder einmal als reiner Erfolgsblogger zu erkennen geben würde (♫ Write when you’re winning ♫, Sie wissen schon), und ja, ich malte mir die entsprechenden Breitseiten aus der Twitterblase bildlich aus.

Im Lauf des Spiels ging ich dann sogar so weit, mir schon sehr genau auszumalen, wie der Titel des Textes lauten würde: “Pussy, Nazis und Idioten”. Allerdings, so lautete zunächst die Einschränkung, an die ich mich rückblickend dann doch nicht halten würde, müsste dazu zunächst das Spiel die gewünschte Wendung nehmen – zumindest in Sachen Pussy. Die Pussy, das ist nämlich Moritz Leitner. Der trägt nämlich manchmal Handschuhe und wirkt auf dem Platz gerne mal wie jemand, der sich für einen Feingeist hält. Da liegt die Pussy dann natürlich auf der Hand. Lustig, nicht wahr?

♫ Hey Pussy Leitner, tollahi tollahej tolla hoppsassa ♫, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob der zweite Teil tatsächlich so lautet – die Künstler sind in der Regel doch ziemlich pussyfixiert, da geht der Rest des Gesangs schon mal ein bisschen unter.

Wie auch immer: jener Moritz Leitner wurde am Freitag eingewechselt, beim Stand von 1:2, als durchaus noch ein bisschen was drin gewesen wäre, hätte man die Dortmunder Abwehr mit der einen oder anderen Herausforderung konfrontiert. Also mit Maxims Spielwitz, zum Beispiel, oder den Dribblings von Filip Kostic. Der Trainer entschied sich aber für den jungen Herrn Leitner, was mich in jener Situation eher überraschte und eher nicht überzeugte.

Vermutlich ging es den Pussyfreunden ähnlich, und so stimmten sie ihr lustiges Liedlein an, und nicht wenige im Stadion gaben lauthals pfeifend den Backgroundchor. Kann man mal machen, nicht wahr? Im Abstiegskampf, im direkten Duell mit einem Mitbewerber (um den Klassenerhalt, Sie verstehen schon) in der 60. Minute erst einmal dem eben eingewechselten Spieler, der vermutlich den Auftrag hat, das Offensivspiel aus einer strategisch wichtigen Position heraus zu beleben, zeigen, was man von ihm hält, nämlich offensichtlich nichts.

Dass er diese Einschätzung letztlich alles andere als widerlegt hat, dürfte unbestritten sein. Und es wäre mir zu billig, eine Kausalität zwischen den Pfiffen und der anschließenden Leistung in Erwägung zu ziehen. Aber ja, ich frage mich schon, was man sich von solch einer Missfallenskundgebung verspricht. Dass der Trainer ihn gleich wieder auswechselt? Gute Idee. Dass der Trainer für die Zukunft weiß, was er gefälligst zu unterlassen hat? Auch schön. Dass der Sportdirektor einen Hinweis erhält, wie groß das publikumsseitige Interesse an einer Ausweitung oder gar Umwandlung des Leihgeschäfts ist? Hat Priorität. Dass der Spieler sich an der Ehre gepackt fühlt und es allen zeigt? Brillant! Vielleicht nicht total wahrscheinlich, aber zweifellos brillant.

Wie gesagt: wahrscheinlich war es nicht, aber ich hoffte doch sehr darauf. Zum einen, weil mir der Erfolg der Mannschaft am Herzen liegt, zum anderen, weil ich sehr gerne noch einmal mitgesungen hätte. So ein beherzt hinausgejubeltes “Hey, Pussy Leitner, holladiirgendwas”, nachdem die Pussy den Ausgleich geschossen hat, wäre mir eine innere Sexismusdebatte gewesen, und manches mehr. Tja, so hatte ich mir das ausgemalt, aus niedersten Beweggründen.

Tatsächlich fügte sich Leitner indes naht- und folgerichtig mutlos in das Spiel des VfB ein – lediglich Florian Klein hatte sich bis dahin mutig tollkühn an und in ein paar hoffnungslose Dribblings gewagt –, und ja, es war deprimierend. Glücklicherweise liegt das Spiel mittlerweile schon wieder so lange zurück, dass ich mich kaum noch an Details erinnern kann. Weder an die Dortmunder Gnade oder Unfähigkeit im Konterspiel (Wie konnte es überhaupt zu Dortmunder Kontern kommen?) noch an die Stuttgarter Angriffsaktion bis zur 85. Minute. Ja, ich bin mit den gängigen Ausprägungen des Numerus vertraut.

Nebenbei sei kurz erwähnt, dass ich zwar, wie oben beschrieben, bis dato nur sehr wenig von der Rückrunde sehen konnte, weder vom VfB noch von der Bundesliga insgesamt, und auch das Hannover-Spiel wird sich wohl wieder ohne mein Zutun abspielen müssen; ich will aber nicht ganz verschweigen, dass ich auch schon das Heimspiel gegen den, ähem, traditionellen Südrivalen aus München gesehen hatte, Sie wissen schon, jenes Spiel, auf das ganz München immer monatelang hinfiebert. Ja, manches spricht dafür, dass ich einer dieser Eventfans bin, die sich nur die Spiele gegen die ganz großen Gegner ansehen.

Im Laufe jenes Spiels ergab es sich – ich brauchte einen Moment, um es zu kapieren – dass irgendwo in unserer Nähe geistreiche Grüße an den Gast gesandt wurden, nach der Melodie von “We’re not gonna take it”: ♫ Schwule und Zigeuner ♫, hieß es da in Richtung des Münchner Fanblocks der sich wieder einmal recht weit in Haupt- und Gegentribüne hinein erstreckte, gerne auch mit schwäbischem Idiom, aber des Menschen Wille, Sie wissen schon.

Doch zurück zum wichtigen Thema: Nachdem ich meine anfängliche Unglaubens- und die Sprachlosigkeitsphase überwunden hatte, arbeitete es in meinem Kopf, doch nicht sehr erfolgreich. Ich überlegte mir, was ich beim nächsten Anlauf sagen würde. Der eine oder die andere mag sich erinnern, dass ich in einer ähnlichen Situation schon einmal eher hilflos mit Worten gerungen hatte.

Und mal ehrlich: “Hey, Ihr seid echt klasse, Homo- und Xenophobie in einem einzigen Gesang!” hätte vermutlich eher zur mitleidigen Erheiterung der Umstehenden geführt, wenn mir spätestens beim ersten Fremdwort der Satz abhandengekommen wäre, von der Aufmerksamkeitsspanne gar nicht zu reden, und Ironie funktioniert in so einer Situation ja ohnehin blendend, als dass es irgendwen beeindruckt oder beschämt hätte.

Gedanklich experimentierte ich auch mit Schwulenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und was sonst noch so passte. Mit der Zeit verlor sich das Ganze ein bisschen, das Spiel ging seinen Gang, der Gesang kam nicht mehr. Ich regte mich hinterher noch eine Weile auf, doch nach ein paar Tagen hatte ich die Sache, die im Stadion nach meiner Wahrnehmung eine ziemlich lokale gewesen war, wieder vergessen.

Auch beim darauffolgenden Heimspiel – gegen Borussia Dortmund, Sie ahnten es – erinnerte zunächst nichts an jene Episode von vor zwei Wochen. Ich verfolgte das Spiel, war konzentriert, man steckt ja im Abstiegskampf, fiebert, schreit, unterstützt, leidet, und irgendwann nahm ich weit entfernt, nicht räumlich, da eher nah, die Melodie von “We’re not gonna take it” wahr, und langsam dämmerte es. Da war doch was gewesen, beim letzten Mal, und ja, in der Tat, da war es wieder:

“Schwule und Zigeuner!“

Ich erinnerte mich meiner damaligen Sprachlosigkeit, hatte noch immer keine schnell wirkende Antwort parat, ärgerte mich über mich selbst, und hörte zu meiner Überraschung, wie dann auch noch mein unmittelbarer, nicht zufälliger Nachbar mit in die Melodei einstieg (WTF!?).

Recht lautstark, übrigens:

„Nazis und Idioten!“

Einmal reichte.

Es mag natürlich Zufall gewesen sein, dass die Herrschaften so rasch wieder aufhörten, aber ich kann nicht recht daran glauben. Und ich will nicht. Nun liegt es mir fern, die Behauptung aufzustellen, mein Stadionnachbar neige dazu, komplexe Sachverhalte allzu sehr zu vereinfachen, gewiss nicht, er ist ein sehr reflektierter und diskussionsfreudiger Mensch; aber weniger umständlich ist er hin und wieder schon, und manchmal bringt er die Dinge einfach verdammt gut auf den Punkt. Ich verneige mich.

 

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Aufstellungspokerface und mehr

28. November 2014

Tja. War doch eigentlich ein schöner Gedanke gewesen, erst einmal Herrn @yellowled zu zitieren:

Und dann würde ich fragen, ob es denn einen Wert an sich darstelle, alle zu verarschen, wo’s doch eigentlich nur darum geht, ein oder mehr Tore mehr zu schießen als die anderen. Ich würde hinzufügen, mir sei klar, dass der geschätzte Herr @yellowled das auch gar nicht behauptet habe, es aber doch irgendwie mitschwinge, und man sich dann eben an dunkle Zeiten erinnere, in denen man das Gefühl gehabt habe, auch der derzeitige hiesige Bundestrainer sehe eine, wenn nicht die zentrale Herausforderung darin, die heimische Presse und vielleicht en passant auch den Gegner mit der eigenen Aufstellung zu überraschen.

Möglicherweise würde ich einen Schlenker zur Lichtgestalt fahren und auf 1990 verweise, als im Halbfinale gegen England die beiden Kleinen hineinrotierten – ohne dass man damals schon von einer Rotation gesprochen hätte –, von denen einer ungeachtet des Erfolges dann auch wieder hinausrutschte. Vermutlich ginge ich dann zu jenem Aspekt über, dass die Verarsche nicht auf die Aufstellung per se beschränkt sei, sondern auch in individuellen Rollen bestehen könne, die so aus der Aufstellung gar nicht herauszulesen seien. Man denke an Hidegkuti, damals, dessen wahre Position der Legende zufolge nur der große Herberger entschlüsselte, oder an Kroos, der bei der EM 2012 überraschend als Manndecker für Pirlo auflief.

Und dann, so der Gedanke, würde ich direkt zu Veh überleiten, der ja gegen Augsburg ebenfalls ins Klo griff mit der einen oder anderen Überraschung aufwartete. Verzeihung, ins Klo griff er nicht, das ließ sich ja, im Gegenteil, ganz anständig an, auch wenn Ginczek noch nicht allzu viel Gefahr verströmte, auch wenn Hlousek die linke Seite nicht gleich zum Bollwerk machte, Leitner das Offensivspiel nicht revolutionierte und Schwaab einfach nur so spielte wie ein Innenverteidiger war, der außen spielen muss. Dennoch: war ok. Und lief dann halt doch so ganz anders, nachdem die Herren Schwaab, Altintop und Kinhöfer in einem unglücklichen Gemeinschaftswerk nachgerade zinnbaueresk all unsere Erwartungen und Eindrücke komplett über den Haufen geschmissen hatten.

Irgendwie würde ich dann noch einbauen, dass es auch Mannschaften gab und vermutlich immer noch gibt, die einfach qua Qualität, System, Stabilität, Taktik und/oder sonst was ihre Gegner jederzeit in Schach halten, dominieren, zumindest aber schlagen, auch ohne Aufstellungsverarsche. Einschränkend würde ich auf den aktuellen FC Bayern verweisen, der sein Gegenüber trotz ohnehin in vielerlei Hinsicht gegebener Überlegenheit immer wieder aufs Neue zu überraschen versteht, indem er entscheidende Nuancen verändert, wenn man dem über die Maßen begeisterten Philippe Auclair im jüngsten Football-Weekly-Podcast Glauben schenken darf, und welchen Grund hätte ich, der ich das Spiel in Manchester nicht sah, an seinen Worten zu zweifeln?

All das hätte ich also vielleicht geschrieben, wiewohl ohne den Champions-League-Schlenker, der eine Zeitreise erfordert hätte, wenn nicht, ja wenn nicht Armin Veh noch eine weitere Überraschung aus dem Hut gezaubert hätte, die Joe Zinnbauer dann doch vergleichsweise vorhersehbar aussehen ließ. Gewiss, ich höre Euch, die Ihr mir sagt, dass das doch sehr wohl zu Vehs früheren Abgängen passe, unter Verweis auf Rostock, den HSV, die Frankfurter Eintracht, wenn auch in den letztgenannten Fällen weniger abrupt, und überhaupt und sowieso, aber Hand aufs Herz: jedem, der mir glaubwürdig versichern kann, zum jetzigen Zeitpunkt mit Vehs Rücktritt gerechnet zu haben, gebe ich bei nächster Gelegenheit eine Stadionwurst inklusive Kaltgetränk aus. Geschlechtsunabhängig, übrigens.

Dass ich Vehs Rücktritt bedaure, dürften regelmäßige Mitlesende erahnen, oder Menschen, die noch vor zehn Tagen meine Widerrede erlebten, als eine Freundin die klare Meinung vertrat, der Trainer müsse weg. Noch dazu eine Freundin, die sonst nicht für derlei Forderungen bekannt ist, aber das nur nebenbei.

Gleichzeitig ist klar, dass mein Bedauern ganz wesentlich mit der Wertschätzung der Person Armin Veh zu tun hat, mit seiner zur Schau getragenen Unabhängigkeit, seinem Trotz, seinem Ihr-könnt-mich-mal. Sportlich gab’s gar nicht so viele Argumente, wenn man davon absieht, und das tue ich ungern, dass es ihm zumindest gelang, der Mannschaft im Lauf der Saison wieder ein bisschen mehr Tempo einzuimpfen, auch ein bisschen mehr Zug nach vorn. Will sagen: die Richtung stimmte, wiewohl ein bisschen mäandernd, die Entwicklungsgeschwindigkeit stockte indes immer wieder merklich.

Nun denn. Heute diskutieren wir also darüber, wie Huub Stevens aufstellen wird, und wahrscheinlich wird er uns alle verarschen: und wenn dies nur dadurch geschieht, dass er gar kein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Irgendjemand schrieb in dieser Woche, man ersetze den einen Kauz durch einen anderen Kauz, und obschon ich bei dem Begriff immer Catweazle vor Augen habe, der rein äußerlich wahrlich wenig mit dem Styler Veh gemein hat und mit dem man auch Stevens nicht gerecht würde, zeigte sich doch schon anhand der Torwart-Diskussion (… isch abe gar keine Handschuhe), einmal mehr, dass auch Stevens seinen eigenen Kopf und Humor hat. Und dass zumindest in meiner Wahrnehmung der Weg vom trockenen Witz zum aufgesetzten, lahmen Running „Gag“ ein kurzer ist.

Was nichts daran ändert, dass ich die Entscheidung des Vereins für Stevens nachvollziehen kann. Und an meiner Überzeugung, dass sich der VfB mit Stevens recht rasch aus der Abstiegszone herausbewegen wird. Über alles andere denken wir ein anderes Mal nach, nicht wahr?

 

Sieben. Und elf: link-elf.

24. Oktober 2014

Null. Nominierungen.
Bei Twitter, in Blogs, gerne mal im Facebook, vermutlich auch bei Google plus oder sonst wo, wird man in letzter Zeit gerne mal nominiert. Man möge sein liebstes Buch nennen, oder die besten Musikstücke, oder die schönsten Filmszenen, Sie erkennen das Prinzip, oder kennen es. Ich kann dem nicht so wahnsinnig viel abgewinnen, um es ein bisschen euphemistisch auszudrücken. Also dem Nominierungsprozess. Die jeweiligen Präferenzen und die entstehenden Gespräche an sich sind häufig sehr erquicklich, mir missfällt nur das kettenbriefartige.

Vielleicht bin ich da zu sehr Kind der 80er, das mehrfach um sein Seelenheil fürchtete, weil Papa nicht bereit war, den Brief im Büro neunfach zu fotokopieren, auf dass der Sohnemann ihn durch die Republik oder auch nur an die noch nicht bedienten Mitschülerinnen und Mitschüler versenden könne, sodass ihm, also mir, wegen Kettenbruchs gar schreckliche Szenarien blühten. Sie traten nicht ein, das Trauma blieb.

Eins. Empathie.
Andere Menschen haben möglicherweise auch Traumata. Vielleicht Thomas, wiewohl eher ein Kind der 70er, oder auch @dierudola, von der ich annehme, dass sie ganz gut in die 90er passt, schulisch, aber ich weiß es nicht. Vermutlich gab es aber auch zu ihren Zeiten Kettenbriefe, und wer weiß, ob sie nicht nach wie vor die Angst vor dem Kettenbruch mit sich herumtragen.

Es wäre mir sehr arg, diese beiden liebgewonnenen Social-Media-WeggefährtInnen einem solchen Risiko auszusetzen. Und so schreibe ich nun also sieben Fakten (naja, was man halt so mit viel Wohlwollen Fakten nennt) über mich auf, ergänzend zu jenen zwanzig, die hier vor einem knappen Jahr unnominiert aufgelistet wurden.

Zwei. Fußball.
Ich interessiere mich für Fußball. Könnte sehr viel Zeit damit verbringen, mir Fußball anzusehen. Manche(r) mag es geahnt haben. Aus eben diesem Grund sehe ich seit Jahren davon ab, Bezahlfernsehensabonnent zu werden. Denn ich bin schwach. Und habe Angst vor der zweiten griechischen Liga, exemplarisch, die mich fürderhin dreimal pro Woche in ihren Bann ziehen könnte, wenn nicht grade Ligapokalspiele in Chile angesetzt sind. In der Konsequenz muss ich mitunter unwirtliche Orte aufsuchen, um Spiele des VfB Stuttgart zu verfolgen.

So wie jüngst jenen 80er-(schon wieder)-Jahre-Partykeller, der mir als Nebenraum einer „Lounge“ angekündigt worden war, die ihren Namen auch nur so halb verdiente. Drei auf zwei Meter, mit eierkartonähnlichem Relief vor dem einzigen Fenster Lichtschacht, einem Spielautomaten, der sich die Stirnseite mit dem Bildschirm teilte, mit Sitzgelegenheiten, die noch den Duft selbstgedrehter Zigaretten aus den späten 60er Jahren atmeten und so einen gelungenen olfaktorischen Kontrast zur benachbarten Toilette bildeten.

Aber ich war allein, bis weit in die zweite Halbzeit hinein, dann gesellte sich ein junges Pärchen ohne jedes Fußballinteresse hinzu, Fußballsmalltalk war also nicht nötig. Perfekt. Was man von dem Spiel nicht sagen konnte. 2:3 in Berlin, Sie erinnern sich. Frühere 3:2-Spiele, die ich an Einmal-und-nie-wieder-Orten gesehen habe: Bielefeld 2006, Bochum 2007. Besser. Wesentlich.

Drei. Schwächen.
Man kann nicht drumherum reden: ich habe eine Schwäche für Moritz Leitner. Regelmäßige Mitlesende wissen das.

Bei besagtem Spiel in Berlin hatte ich kurz die Hoffnung, erstmals eine größere Anzahl VfB-Anhänger auf meiner Seite zu wissen. Nicht dass es mir wichtig wäre, mein Faible zu teilen, aber es hätte vermutlich darauf hingedeutet, dass sich das Spiel so weiterentwickelt hätte, wie es begonnen hatte. Mit Leitners Tor, Leitners Ballgewinnen und einer Leitner’schen Kopfball-Rettungsaktion. Hat es aber nicht. Nun denn. Frühere Schwächen galten beispielsweise Christian Tiffert, Roberto Hilbert oder Raphael Holzhauser. Es hätte schlimmer kommen können: mein Stadionnachbar stimmt heute noch Emanuel-Centurión-Gesänge an.

Vier. Unwissenheit.
Dass dieses Blog seit mehr als drei Wochen schweigt und auch davor nichts wesentlich anderes tat, hat in allererster Linie mit zeitlicher Auslastung zu tun. Beruflich. Und ganz am Rande damit, dass ich mich aus unerfindlichen Gründen in jüngster Freizeit gerne mal auf Gedichtseiten und in entsprechenden Foren herumtreibe. Eine sehr frustrierende Erfahrung, hatte ich doch gedacht, mich für den Hausgebrauch ganz gut mit Versmaßen, Strophenschemata und dergleichen auszukennen. Pustekuchen!

Es reicht offensichtlich nicht, weitgehend unfallfreie Fünfzeiler zustande zu bringen, Rilkes Panther herunterleiern zu können und irgendwann mal Heines Wintermärchen (Gedicht? Na ja, reimt sich halt.) gelesen zu haben. Den formalen Rahmen eines Sonetts bekomme ich vielleicht grade noch hin, beim Inhalt wird’s schon dünn, von Akrostichen, Haikus oder Terzinen gar nicht zu reden. Geht übrigens häufig auch denjenigen so, die sich an diesen Formen versuchen und ihre Werke zur Diskussion stellen. Nicht dass ich es beurteilen könnte, aber die Reaktionen der Checker lassen darauf schließen.

Fünf. Murphy.
Dass ich das Spiel gegen Leverkusen nicht gesehen habe, hat keine lyrischen Gründe. Stattdessen verbrachte ich einen Kurzurlaub, mit Bergwanderung und so, in Bayern. Schön war’s. Sehr schön sogar. Aber ich gebe zu, dass ich so ein 3:3 nach 0:3 schon auch gern mal mitgenommen hätte. Frühere Spiele, die ich aus Kurzurlaubsgründen verpasst habe: Bremen 2004 (4:4), Hoffenheim 2013 (6:2).

Sechs. Fachwissen.
In der Startelf, die ich vor der Saison in einem Blogger-Fragebogen gegenüber n-tv.de prognostizierte, nahm den linken Außenverteidigerposten Adam Hloušek ein. Eine Personalie, deretwegen ich mitunter belächelt wurde. Bitte vergleichen Sie hierzu auch Punkt drei. Gegen Leverkusen kam er nun erstmals zum Einsatz. Und, was soll ich sagen: 45 Minuten, 3:0 Tore, fiktive drei Punkte. Ich traue mich gar nicht, das auf die Saison hochzurechnen.

Sieben. Schuld.
Ich trage eine große Schuld. Nicht alleine, aber mit. An einer bitteren Entwicklung in der Sportbloggerei. Nein, ich habe nicht in dogfoods Kommentarspalte getrollt. Aber ich habe die #Link11 nicht hinreichend unterstützt. Sie wissen schon, drüben bei Fokus Fussball. Wo tolle Typen tolle Dinge tun. Mit hoher Qualität und hohem Aufwand. Nun schläft sie, also die Blog- und Presseschau, allem Anschein nach noch ein bisschen tiefer als zuletzt dieses Blog.

Sicherlich, die Erben sind noch dort, und jeden Besuch wert. Aber eben keine #Link11 mehr. Was dazu führt, dass ich, gerade zu Zeiten eines besonders gut gefüllten Terminkalenders, fußballmäßig verdammt uninformiert durchs Leben gehe. Und was nebenbei auch zur Gewissheit werden lässt, was sonst nur sehr wahrscheinlich wäre: dass kaum jemand diesen Text lesen wird. (Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle ignoriert, dass Charakter und Inhalt ohnehin nicht geeignet wären, dem vorliegenden Text eine #Link11-, Obacht!, -Nominierung einzubringen.)

Klar, ich habe immer mal wieder auf die #Link11 verwiesen, im nennenden wie im verlinkenden Sinne, in der Regel fiel beides zusammen, und sie bei Twitter gelobt, retweetet oder kommentierend verlinkt, aber den Magen der Autoren, leider ohne -innen, füllt das ja auch nicht. Nicht dass der eine oder andere flattr-Obolus gleich geeignet wäre, die Mägen fünf oder noch mehr ausgewachsener junger Männer in der Blüte ihres Lebens zu füllen, aber ich Pfeife bin ja noch nicht mal bei flattr angemeldet!

Nun will ich den jungen Leuten, allen voran den Gründern Jens und Klaas, gar nicht unterstellen, dass die gegenwärtige Funkstille in erster Linie monetäre Gründe habe, es sei denn, was nicht abwegig ist, man bezeichnet die betriebswirtschaftlich unstrittige Priorisierung bezahlter gegenüber unbezahlten Projekten und Aufgaben als monetären Grund.

Vielmehr, um den Gedanken wieder aufzunehmen, unterstelle ich Ihnen zeitliche Restriktionen, in Verbindung mit kaum existenten finanziellen Anreizen, sich stundenlang mit Podcasts, Blog- und Pressetexten zu befassen, eine Auswahl zu treffen, einzudampfen, zu strukturieren, zu zitieren, ein übergreifendes literarisch-musikalisches oder auf anderes Weise Struktur gebendes Thema zu finden und dieses dann auszugestalten, kurz: zu kuratieren, um letztlich von der verwöhnten Leserschaft viel Kenntnisnahme, manches Lob, ein wenig Kritik ob der Textauswahl und gelegentlich blöde Sprüche zu ernten.

Wertschätzung. Sollte ich dran arbeiten. Im Movember melde ich mich bei flattr an. So als Anfang.

Nullnull. Nominierungen.
Keine. Mein Seelenheil wird’s verkraften.

 

Fiktive Gespräche fernab jeder Realität und jedes Realismus sind weder lustig noch erhellend. Warum lässt man es nicht einfach?

22. September 2014

Trainer, erinnern Sie sich noch an unser Gespräch neulich? Sie wissen schon, wegen der Nationalelf und meinen Überlegungen, wie ich mich dort festspielen kann?

Ja, klar erinnere ich mich. Klang doch vernünftig. Und jetzt würdest Du’s gern in die Tat umsetzen?

Ja, logisch! Wenn nicht in Stuttgart, wann dann?

Wieso gerade in Stuttgart?

Nun ja, wie soll ich sagen: erstens wäre der Andi vermutlich ganz froh, wenn er woanders spielen könnte, der hat ja noch sein Trauma vom letzten Jahr. Zweitens versuchen die zwar recht viel über außen, sodass ich einiges zu tun hätte und an meiner Positionierung im Abwehrverbund arbeiten könnte; gleichzeitig spielt aber niemand die wirklich guten, gefährlichen, überraschenden Bälle in die Naht, die unmittelbare Gefahr ist also überschaubar.

Drittens, falls doch mal einer käme und ich überspielt würde, ist die Chance auf ein Gegentor, oder zunächst einmal eine gelungene Hereingabe, immer noch minimal. Macht ja keiner rein. Zumal wir mittlerweile ja einen Torwart haben.

Ok, Deine Argumentation hat was für sich. Zudem sind sie viertens immer für zwei Gegentore gut, irgendeiner wird schon patzen. Was indes dagegen spricht: ich glaube, dass Leitner spielt, der die gefährlichen Bälle durchaus drauf hat, zumindest in der Theorie. Auch wenn sie ihn nicht sonderlich mögen dort. Zudem erscheint es mir wahrscheinlich, dass sie das System ändern und mit zwei Spitzen spielen, weil sie irgendwann ja merken müssen, dass der Timo Werner da außen vielleicht nicht verschenkt, aber auch nicht ideal platziert ist.

Hm, da haben Sie natürlich recht. Wenn der Werner in der Spitze spielt, kann ich mich auf Vorstöße von Sakai, Rausch oder sonst einem Christian-Ziege-Gedächtnis-Flankengeber konzentrieren. Soweit es nötig ist, halt. Früher hätte ich vielleicht noch mit Gente gerechnet, aber der geht ja nicht mehr so weit nach vorne.

Stimmt schon. Andererseits könnten es Maxim oder Didavi schon das eine oder andere Mal versuchen, da musst Du drauf gefasst sein.

Trainer, ich bitte Sie! gegen Schottland hatte ich es mit Ikechi Anya zu tun, meist erfolgreich. In ein paar Wochen will ich gegen Polen, Irland und Gibraltar bestehen. Da werd ich ja wohl mit den Freistoßkünstlern des Vorletzten zurechtkommen! Bisschen Stellungsspiel sollte da reichen.

Das ist mir jetzt zu negativ. Die Freistöße sind schon nicht schlecht.

Stimmt schon. Der Toni kommt da ja auch gerne mal ran. Nur rein macht er ihn nicht. Das ist bei meinen anders. Aber ok, ich werde mich bemühen, sie hinten zu vermeiden.

Ok, überzeugt, einerseits. Bleibt andererseits die Frage, ob wir in der Mitte auf Dich verzichten können. Deine Pressingresistenz ist da schon wertvoll.

Freut mich, dass Sie das so sehen, Trainer, aber wieso glauben Sie, dass der VfB plötzlich zu pressen anfangen könnte, dass er Druck ausübt, den Gegner jagt? Und selbst wenn er uns den Ball abnehmen sollte: was macht er dann damit? Ok, vielleicht Harnik anspielen. Aber bis der den Ball angenommen hat, sind wir mit acht Mann hinter dem Ball. Wahrscheinlicher ist aber eh, dass sie Ulreich einbeziehen. Ballgewöhnung, Sie wissen schon.

Jetzt übertreibst Du aber ein bisschen. In einem allerdings hast Du recht: ein paar Querpässe von Schwaab und Rüdiger werden in der Regel schon dazwischengeschoben, Klein soll den Ball auch mal haben, dann darf ihn Gruezo wieder nach vorne spielen.

Gruezo?

Ach was, sorry, natürlich nicht Gruezo, der darf ja nicht mehr. Romeu meinte ich. Zu viele gleiche Vokale. Wie auch immer: in der Zwischenzeit dürfte unsere Abwehr formiert sein.

Dann darf ich also rechts verteidigen? Und ab und zu mal nach innen schauen, falls doch mal ein paar Stuttgarter schneller nach vorne laufen? Lahm-Style, quasi?

Na ja, Lahm-Style würde ich jetzt nicht grade sagen. Du brauchst nicht auf die Grundlinie zu gehen. Die eine oder andere Flanke (Sagnol-Style) wäre mir lieber. Wenn der Veh drüber nachdenkt, mit der überholten Raute spielen zu lassen, können wir auch die Halbfeldflanke aus der Mottenkiste holen.

Die kennt man in Stuttgart eh ganz gut, Trainer. Boka, Sie wissen schon.

Stimmt.
Nochmal ernsthaft: Du brauchst echt nicht ganz nach vorne zu gehen. Wir halten uns insgesamt etwas zurück. Damit kommt der VfB nicht zurecht. Aber wem sag ich das, das weiß nun wirklich jeder Bundesligaspieler, der seinen Beruf halbwegs ernst nimmt. Masseure, Platz- und Zeugwarte übrigens auch, aber das nur am Rande.

Trainer, noch was anderes: diese Unruhe unter den Fans, das Medienspektakel um das Statement, hat das Einfluss auf das Spiel? Wissen Sie, ich war damals gegen Bochum dabei.

Ah, ich erinnere mich. Ein Ruhmesblatt der Fankultur. Aber nein, das wird diesmal anders sein, glaube ich. Die Fans haben ihren Unmut zum Ausdruck gebracht, reflektiert zum Ausdruck gebracht, soweit ich das mitbekommen habe, und die Spieler werden wohl wissen, dass sie den Schulterschluss mit den Fans brauchen. Da sind gescheite Leute auf dem Platz, die haben keine Eurozeichen in den Augen. Die werden zusammenstehen, das wird alles keine Auswirkungen auf das Spiel haben. Höchstens positive. Selbst Schwaab wird seine Lektion gelernt haben und sich nicht mehr abfällig äußern. Bestimmt. Also ganz bestimmt, ehrlich!

Ja, klar. Der Manager wird ihnen ja sicher auch sagen, wie wichtig die Kurve ist. Der ist schließlich lange genug dabei und hat als Einheimischer ein Gespür für die Fans.

 

 

Ignorance is bliss

15. September 2014

Nichts. Wirklich nichts habe ich vom Spiel des VfB in München gesehen. Und nichts, wirklich nichts scheine ich verpasst zu haben. Umso schöner, wenn man sich dann auf das beschränken kann, was man auf der Basis oberflächlichen Medienkonsums an positiven Erkenntnissen aus den letzten Tagen gezogen hat, weitgehend unabhängig von der Leistung in München.

Dass Armin Veh bereits in der vergangenen Woche die sakrosankte Identifikationsfigur Sven Ulreich angezählt hat, zum Beispiel, und dessen Schwächen in der Spieleröffnung als erster Trainer auch einmal offen ansprach. Leistungsprinzip auch im Tor – schön.

Oder dass Timo Werner ein München allem Anschein nach zumindest einmal eine Halbzeit lang in der Sturmspitze statt auf der Außenbahn spielen durfte, anstelle von Vedad Ibišević. Womit auch Letzterer wieder ein Spieler aus Fleisch und Blut wäre, der ansprechende Leistungen zu erbringen hat, wenn er spielen will. Dass dieser Anspruch in analoger Weise auch für Werner gilt, hatte der Trainer bereits kurz zuvor zum Ausdruck gebracht. Gefällt mir.

Und hey, Moritz Leitner! In der Startelf! Sicher, Didavi war wohl erkrankt, und allem Anschein nach hat Leitner nun auch nicht unbedingt ein Feuerwerk abgebrannt. Dennoch: mir fiele die Vorstellung schwer, den VfB weiterhin völlig kreativitätsbefreit aufspielen zu sehen, Leitner aber draußen zu wissen. Seine Ideen, sein Mut, seine Frechheit in der einen oder anderen Szene können dem VfB nur guttun.

Sein Leichtsinn nicht, zugegeben. Wenn er indes nach dem Spiel ein bisschen zickig ist und nebenbei vielleicht einen Konflikt zwischen älteren und jungen Spielern nach außen dringen lässt, dann kann ich dem gegenwärtig nicht viel Schlechtes abgewinnen.

Zu den älteren Spielern zählt mittlerweile auch der Kapitän. Dem, es dürfte angesichts der Beispiele Ulreich und Ibišević kaum mehr überraschen, der Trainer ein paar Sätze ins Stammbuch geschrieben hat, ehe er ihn am Samstag auswechselte. Also auch hier: Leistungsprinzip.

Klingt doch ganz schön, tendenziell. Als hätte der Trainer genug von Erbhöfen, Stallgeruch und Verdiensten aus der Vergangenheit. Dass die genannten Defizite nun wirklich nicht neu sind: geschenkt! Dass wir von außen eh immer alles besser wissen: keine Frage! Dass das Spiel in München trotzdem ziemlich frustrierend gewesen sein muss: nicht schön!

Ob ich mich damit ähnlich belüge kreativ tröste wie die Spieler, die glücklich waren, nicht wie andere zur Pause 0:4 zurückgelegen zu haben, die eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Partie gegen Köln gesehen zu haben glaubten, oder die meinten, dass man in München halt einfach verliere? Ich glaube nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass es ohne einen knorrigen Veh, der Reizpunkte setzt, der den etablierten Akteuren ihre Defizite und deren Folgen aufzeigt, und der Spieler wie Leitner oder Kostic einfach mal machen lässt, zu nennenswerten Veränderungen kommen kann.

Natürlich ist es wohlfeil, sich an ein paar gedrückten Sätzen zu erfreuen, an Kommunikations- statt sportlichen, nun ja, Highlights hochzuziehen und die Fakten auf dem Platz in kolportierter Vogel-Strauß-Manier zu ignorieren, das gebe ich gerne zu.

Gleichzeitig denke ich durchaus, dass diese Unwissenheit, der Verzicht auf die allwöchentliche Portion Frust, nicht nur zu einem gewissen Verständnis für Spieler führt, die in einem 0:2 beim FC Bayern nicht den endgültigen Beweis für die eigene Unfähigkeit sehen, sondern vielleicht tatsächlich den Blick schärft für einzelne Aussagen und Entscheidungen, die unter anderen Umständen, beispielsweise als Zehnter oder Elfter mit vier Punkten, drei davon gegen Aufsteiger Köln, vermutlich als positive kleine Signale wahrgenommen würden. Zumindest möchte ich mir das einreden. Fühlt sich besser an. ‚twould be folly to be wise.

 

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Wer indes meinen ehrlichen Frust hören möchte, dem sei der Kölner Bockcast ans Herz gelegt, wo ich in der Vorwoche meine Eindrücke zum Spiel gegen den dortigen Champions-League-Kandidaten und zu den Perspektiven des VfB ziemlich unstrukturiert und dennoch unzensiert von mir geben durfte, bis hin zu furchtlos-treuen Nebelkerzen.