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Klogedanken

26. Februar 2013

Es ist mir ein bisschen unangenehm, die Anwesenden mit Toilettengedanken zu belästigen. Aber dort nahm das alles seinen Anfang. Dort hätte ich stutzig werden sollen. Als sich ein Mann fröhlich pfeifend, ich bitte um Verzeihung für die Detailtiefe, ans Nachbarurinal gesellte und ich „My oh My“ von Slade zu erkennen glaubte. War ich in einer Zeitschleife gelandet? In den frühen Achtzigern? Wie hatte der junge Mann von so einem alten Lied gehört? Konnte das überhaupt wahr sein? Sollte ich nicht vielleicht doch nach Hause fahren und mir eine Decke über den Kopf ziehen?

Gleichzeitig waren jedoch all meine Zweifel verschwunden, ob jene Menschen, die kurz zuvor mit lustigen Hüten oder bunten Federn auf dem Kopf Après-Ski-Atmosphäre ins Neckarstadion gezaubert hatten, vielleicht doch nur ein Produkt meiner Fantasie gewesen seien – was nicht nur aus persönlicher Sicht eine gewisse Erleichterung auslöste, sondern ob der jungen und ungezwungenen Wildheit der Protagonisten, gepaart mit einer Prise schwäbischer Bodenständigkeit („“VfBe-he, isch des schee-he“), auch einmal mehr das Selbstverständnis des Vereins ganz wunderbar illustrierte.

Ein Selbstverständnis, in dem ich mich derzeit nur sehr schwer wiederfinde. Das von Lippenbekenntnissen geprägt ist, sowohl beim sportlichen Konzept als auch im Umgang mit den Fans, ein Selbstverständnis, das einer ebenso organisierten wie unverschämten Schwarzmarktabzocke namens Viagogo einen Ehrenplatz einräumt, ein Selbstverständnis, mit dem es vereinbar scheint, auf leere Ränge im Europapokal mit noch etwas stärker gesalzenen Preisen in der nächsten Runde zu reagieren, und ja, ich gebe meine Befangenheit gerne zu, ein Selbstverständnis, dessen Protagonisten nicht zuletzt Gerd E. Mäuser und Bruno Labbadia heißen. Möglicherweise zöge ich dann doch die jungen Wilden von Tekilla vor. Oder Frontal Party Pur, die Sladehuldiger.

Wie auch immer: ungeachtet meiner Toilettenzweifel blieb ich vor Ort. Die Erwartungen waren ja ohnehin überschaubar. Man wusste schließlich um die übermenschlichen Strapazen, denen die Stuttgarter Spieler ausgesetzt gewesen waren, die nach weniger als zwei Tagen (vielleicht mit entsprechender verbaler Begleitung?) gar nicht anders konnten, als die beschwerliche Reise nach Genk noch immer in den Knochen zu haben. (All denjenigen, die wider alle Wahrscheinlichkeit nicht darum wussten, seien Bruno Labbadias Einlassungen zur Wettbewerbsverzerrung im modernen Fußball ans Herz gelegt.)

Um indes der Wahrheit die Ehre zu geben: der VfB hat schon schlechter gespielt diese Saison. Deutlich schlechter. Besser auch, aber darum soll’s jetzt gar nicht so sehr gehen. Es war ein Spiel zweier durchschnittlicher Mannschaften, die – nicht nur dank zweier in der Regel funktionierender Abwehrreihen – kaum Torgefahr ausstrahlten, und von denen erst die eine, dann die andere eine gewisse Unordnung beim Gegner ausnutzte. Natürlich hätte der VfB den viel zitierten, möglicherweise längst ein wenig ausgeleierten Sack zumachen können, vielleicht müssen, aber dafür war man in den Angriffsaktionen letztlich nicht konsequent, nicht präzise, nicht glücklich genug.

Und weil das Spiel dann doch ein wenig plätscherte und sich nur zwischen und selten in den Gefahrenzonen abspielte, war zumindest die Gelegenheit gegeben, Raphael Holzhauser (hier gemeinsam mit Harnik aus österreichischer Sicht betrachtet) nach längerer Zeit mal wieder etwas genauer auf die Füße zu schauen – mit, unter anderem, der Erkenntnis, dass er zweimal zu einer Grätsche ansetzte. Hatte ich zuvor nicht von ihm gesehen, vielleicht ist da ein Prozess im Gange. Dass er für die eine der beiden Aktionen durchaus hätte verwarnt werden können, dürfte für einen eleganten Offensivspieler, der am liebsten mit einem Kontakt spielt und die vermeintlichen Niederungen des defensiven Handwerkszeugs erst noch verinnerlichen muss, nicht ganz untypisch sein; immerhin verhinderte er damit einen Konter, und auch bei der zweiten Grätsche gelang die Abwehraktion.

Tatsächlich ging gar der Ballgewinn vor dem Führungstreffer auf Holzhausers Konto, der dann noch zweimal kurz am Ball war, ehe Traoré Harniks gelungenen Versuch vollendete. Doch so wichtig Holzhausers Defensivnachbesserung auch ist: das Herz geht mir in der Offensive auf. Wenn er am Sechzehner nicht abzieht oder den Doppelpass mit Gentner spielt, sondern auf Ibisevic weiterleitet – der, so mein etwas überraschender Eindruck, gar nicht damit gerechnet hatte. Oder wenn er sich mit drei oder vier Zwei-Meter-Pässen aus einer engen Situation herausspielt und sich so, für den unbedarften Zuschauer eher unvermittelt, Platz geschaffen hat.

Genug von Holzhauser. Hatte ich übrigens auch am Samstag nach einer guten Stunde, als sein Spiel ein wenig aus dem Gleichgewicht geriet: zwar lief er jeden Konter mit (ohne sich dabei wesentlich geschickter anzustellen als die Kollegen); nach hinten aber fehlten, für den interessierten Beobachter unverkennbar, Kraft und Tempo. Der Trainer interessierte sich etwas weniger ging das Risiko ein, die Mannschaft wurde mit dem Ausgleich bestraft, Holzhauser hatte Feulner nicht folgen können. My oh my.

Wer übrigens zu jung ist, sich an das Stück zu erinnern, dem sei eine kurze Suche in den Tiefen des Netzes ans Herz gelegt. Bzw. ich bin schon mal in Vorleistung gegangen und hab’s ausgegraben (war doch 1983, oder?):

Verzeihung. Muss mein Selbstverständnis überdenken.
Und bei den nächsten Toilettenzweifeln einfach heimgehen.

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Mein Herz schlägt links

1. Oktober 2012

Ein wenig lag es auch daran, dass mein Sohn wieder Fußball gespielt hat. Erfolgreicher als in der Vorwoche, übrigens. Vor allem aber war war es ein grundsätzliches, (nicht nur) familienbedingtes Zeitproblem, das mich am Samstag daran hinderte, das Spiel des VfB in Nürnberg zu verfolgen. Natürlich könnte ich ergänzen, dass angesichts der jüngsten Leistungen auch mein Interesse, meine Lust, ihnen zuzusehen, geschwunden sei. Was nicht nur populistisch, sondern schlicht unwahr wäre.

So habe ich mich wohl oder übel auf die eine oder andere Zusammenfassung und viel Schriftliches beschränkt, habe von Labbadias zurückhaltendem Auftritt nach dem Spiel erfahren, von einem irgendwie augenthalersch anmutenden Mannschaftsabend ohne das Führungspersonal, von Mutmaßungen über des Trainers Anteil an der veränderten Taktik. In der örtlichen Qualitätspresse las ich Forderungen nach Führungsspielern, wie wir sie auch auf Bundesebene zur Genüge kennen, und mancherorts wurde berichtet, dass der Trainer vor drei Wochen ein richtungsweisendes Gespräch mit Raphael Holzhauser geführt habe. Interessant in diesem Zusammenhang die bereits vor dem Spiel angeklungene Frage, ob Labbadia mit dem ersten Startelfeinsatz des jungen Mannes nur gewinnen oder nur verlieren könne.

Für ersteres sprach, dass bei einer guten Leistung der Trainer rechtzeitig Konsequenzen haben würde (noch dazu nach besagter, zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannter vorhergehender verbaler Weichenstellung), während ein schlechter Holzhauser nur die seit langem regelmäßig wiederkehrenden Aussagen der sportlichen Leitung, wonach die jungen Leute noch nicht soweit seien, bestätigen würde.

Verfechter der zweiten These (Es war nicht nur in meinem Kopf. Aber hauptsächlich.) vertraten indes die Ansicht, dass eine gute Leistung des Hajnal–VertretersVerdrängers Labbadias Gerede der letzten Wochen ad absurdum führen würde (also: Verlierer!), während ein schwacher Holzhauser zum einen dem VfB und damit dem Trainer schaden würde und zum anderen ohnehin dem mangelnden Vertrauen (vulgo: Nachwuchsallergie) seitens der Entscheidungsträger geschuldet wäre. So wie Antonio Rüdigers kapitaler Fehler bei seinem jüngsten Drittligaeinsatz dem ständigen Hin und Her zwischen den beiden Mannschaften zuzuschreiben sei, wie man gelegentlich hörte.

Da rückblickend niemand so genau zu wissen scheint, wie gut Holzhauser tatsächlich spielte, und zudem vielerlei Interpretationsansätze über Bruno Labbadias Einsilbigkeit (gespickt mit einer grundsätzlichen Schelte, von der sich jeder oder niemand angesprochen fühlen durfte) verbreitet wurden, bleibt die obige Diskussion letztlich genau so obsolet, wie sie von vornherein war. Aber halt in meinem Kopf.

Was bei mir hängen blieb: Holzhausers Chance zum 2:0. Wie er zum Ball ging, wie er abschloss. Weil er in mir die Erinnerung daran weckte, wie ich dereinst als Kind Jugendlicher junger Erwachsener Fußballer gerne ein Linksfuß gewesen wäre.

Linksfüßer waren immer irgendwie lässiger, häufig eleganter, nicht selten genial bis genialisch, ob in der C-Jugend-Normalstaffel oder ganz oben, vor allem auf offensiven Kreativpositionen. Nicht von ungefähr war die 10 ursprünglich die Nummer des Halblinken, aber das wissen wir ja alle längst, und komm‘ mir keiner mit inversen Halbspielern oder solchem Zeug! Dieser Drang, Overath nachzueifern, oder Andi aus unserer Ersten, gerne Hagi oder Hansi Müller, dem Spielmacher der A-Jugend aus dem Nachbarort oder dem unvergleichlichen Uwe Bein, um nur einige wenige zu nennen, prägte mich schon ein wenig, auch wenn ich selbst im Lauf der Zeit zunehmend defensiver spielte.

Zumindest aber trug er dazu bei, dass mein linker Fuß für einen mit rechts Sozialisierten ganz passabel war, und früge man mich heute nach meinen schönsten Toren, was aus gutem Grund niemand tut, aber man kann sich ja mal in die Situation versetzen, so wäre wohl noch immer jener linke Chip aus der B-Jugend ganz vorne dabei, nach einer zu kurz abgewehrten Ecke, von der Strafraumgrenze.

Mir ist schon klar, dass es auch damals schon ganz gute Rechtsfüßer gab, und dass meine Wahrnehmung nicht immer völlig objektiv war. Ich hörte von Micouds Eleganz, von Zidanes Einzigartigkeit, Socrates‘ Lässigkeit und von Schuster im Allgemeinen. Netzer und Platini zählen insofern nicht, als ich sie gedanklich lange Zeit als Linksfüßer h.c. kategorisiert hatte.

Was ich sagen wollte: Wie Holzhauser an diesen Ball heranlief, mit langen, raumgreifenden Schritten, und wie er ihn ohne weitere Kontrolle mit einer gleichermaßen sparsamen wie effetheischenden Bewegung in der keinen Widerspruch duldenden Überzeugung, ihn um den Torwart herum in die kurze Ecke zu platzieren, neben das Tor zirkelte, war eines Linksfüßers würdig.

Im Übrigen wünschte ich mir als Jugendspieler auch O-Beine.

Ein stolzes eins zu acht zur Pause

27. März 2012

Irgendwann war ich mal ein ganz passabler Fußballspieler. Nicht der Allerschnellste, aber läuferisch auf der Höhe, nicht übertrieben torgefährlich, aber mit einem ordentlichen Auge für den Mitspieler, nicht sonderlich zweikampfstark, aber taktisch ganz gut geschult, kein Dribbelkönig, aber mit dem Ball am Fuß doch ganz behänd.

Allerdings besteht ja manchmal die Schwierigkeit, den Ball erst einmal an den Fuß zu bekommen. Durch einen gewonnen Zweikampf (gelegentlich), geschicktes Stellungsspiel (schon eher), oder eben auf Zuspiel eines Mitspielers (relativ häufig, positionsbedingt).

Nun sind diese Zuspiele der Mitspieler ja häufig von unterschiedlicher Qualität. Der eine spielt stets wunderbar in den Fuß, der andere bewusst oder unbewusst immer in den nicht zwingend dorthin geplanten Lauf, und noch ein anderer spielt einen grundsätzlich irgendwo zwischen Hüft- und Brusthöhe und ein bis zwei Meter seitlich versetzt an, gerne scharf.

Wer dann, wie ich, kein Bewegungstalent vor dem Herrn ist und nicht recht weiß, wie er den Ball am besten verletzungs- und flipperfrei verarbeiten soll, kommt möglicherweise im Lauf der Zeit auf den Gedanken, solche Zuspiele konsequent direkt weiterzuleiten, anstatt sich an einer nicht ganz trivialen Ballannahme zu versuchen. Das Blamagerisiko ist wesentlich geringer (schließlich kann sowas schon mal daneben gehen, Hochgeschwindigkeitsfußball und so), und mit etwas Glück kann man sich einen Ruf als vorausschauender One-Touch-Footballer erarbeiten, weil die Abwehrspieler in den unteren Ligen ja tatsächlich nur bedingt damit rechnen.

Manchmal glaube ich, dass sich Martin Harnik meine Strategie abgeschaut hat. Häufig finde ich es auch richtig gut, dass er den halbhohen Ball direkt weiterleitet, gerne in den Lauf eines Mitspielers (oder auch seinen eigenen, wenn niemand ihn will oder Ibisevic drüberspringt). Manchmal würde ich mir indes wünschen, er nähme ihn einfach an, beruhige den in hoffnungsloser Unterzahl angegangenen Angriff und ermögliche einen geordneten Neuaufbau, gerade in Phasen, wie sie gegen Nürnberg mindestens 45 Minuten lang andauerte, in denen es nicht gelingt, das hohe Tempo des Gegners ein wenig herauszunehmen. (Und nein, ich spreche nicht davon, vom gegnerischen Strafraum aus über William Kvist den eigenen Torhüter mit ins Spiel einzubeziehen.) Aber wie gesagt: Ballkontrolle und Blamagerisiko liegen mitunter nahe beieinander.

Wäre es jetzt billig, darauf hinzuweisen, dass auch das Blamagerisiko eines Trainers recht hoch ist, der nach einer furchtbar schlechten Partie gegen einen an der Grenze zum Abstiegskampf wandelnden Gegner davon spricht, wie stolz er auf den Auftritt seiner Mannschaft sei? Einer Mannschaft, die mit 1:8 Ecken in die Pause ging, die nach 3 Minuten zwei Großchancen nur mit viel Glück überstanden hatte, die diesem – zweifellos engagierten und auch gut spielenden – Gegner in fast (Sie wissen schon … das Toreschießen) allen Belangen unterlegen war, ohne den Anschein zu erwecken, sich dessen bewusst zu sein und es ändern zu wollen.

Warum muss diese Mannschaft bis zur 46. Minute warten, ehe der Trainer  die überfällige Änderung im Sturm vornimmt, bis zur 60. Minute, ehe er nominell etwas ändert, um die Offensive ein wenig zu stärken, und warum wartet sie noch immer auf die Auswechslung des völlig indisponierten Arthur Boka, der nicht nur gegen Timothy Chandler (zumindest weiß ich nun aus eigener Anschauung, weshalb der VfB sein Interesse an ihm bekundet hat) konsequent den kürzeren zog, sondern sich durch absurde Dribblings wiederholt selbst in Situationen brachte, in denen er seine Überforderung zur Schau stellen konnte.

Natürlich war die zweite Halbzeit besser, natürlich fand man zu einer gewissen Ordnung, zumal der Gast sein hohen Tempo unmöglich aufrecht erhalten konnte, und natürlich war das 1:0 ein wahrhaft schön herausgespielter Treffer. Ganz zu schweigen davon, dass Sven Ulreich eine Ecke an der Grenze des Fünfmeterraums herunterpflückte und dass 14 Ecken noch vor wenigen Wochen annähernd so viele Gegentore bedeutet hätten. Wenn das der Anspruch ist.

Was ich noch fragen wollte:

Warum darf Daniel Didavi keine Ecken und Freistöße schießen? (Ok, vermutlich weil die von Adam Hlousek auch nicht schlecht sind.)

War Herr Dingert schon immer so ein Wichtigtuer?

Welches Ansinnen ist stärker zu gewichten: das der einen Mannschaft, einen Spielerwechsel vorzunehmen, oder das der anderen, einen kurzzeitig unterbrochenen Konter mit einem raschen Einwurf fortzusetzen? Vermutlich ersteres, was ich für diskutabel halte.

„Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal.“

23. März 2012

Die geneigte Leserin weiß, dass ich selbst weder organisiert noch initiativ genug bin, regelmäßig den Austausch mit Anhängern anderer Vereine zu suchen, quasi im Sinne einer Vorberichterstattung. Wenn mich aber jemand anspricht, der so etwas in schöner Regelmäßigkeit macht, bin ich gerne dafür zu haben. Dies gilt natürlich in ganz besonderem Maße, wenn derjenige nicht mit 08/15-Fragen um die Ecke kommt, sondern auch mit dem einen oder anderen unerwarteten Ansatz aufwartet – so wie es die Herren von Clubfans United im Vorfeld des sonntäglichen Spiels zwischen dem VfB und dem “Ärgernis” aus Nürnberg getan haben.

Ich durfte mich bei Ihnen über die Aussichten für das Wochenende, über “gemeinsame” Spieler und deren Perspektiven, über Fredi Bobic’ Verhandlungsführung, mein Verhältnis zum “Club”, die intimen Schwächen des VfB (ich habe sie bei der Besetzung der Außenverteidigerpositionen auf eine falsche Fährte gelockt und die Defizite bei Standardsituationen verschwiegen) und – ein wenig deutlich zu ausführlich – über mich selbst und meine Schreiberei auslassen. Wer das lesen will, sei hierhin verwiesen; vor allem aber lege ich jedem, der etwas über den 1. FC Nürnberg wissen will, ans Herz, sich ganz allgemein bei den Clubfans United umzuschauen und Unmengen von Informationen über den sonntäglichen Gast zu sammeln.

Natürlich konnte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und habe Alexander von Clubfans United meinerseits ein paar Fragen gestellt:

[hk] Alexander, ich zögere immer ein wenig, “Clubfans United” als “Blog” zu bezeichnen, was vermutlich daran liegt, dass ich mein eigenes kleines virtuelles Heim als Referenzpunkt heranziehe, der mit dem, was Ihr da auf die Beine stellt (und was Ihr ja auch selbst, in meinen Ohren passender, ein “Fanmagazin” nennt) nicht zu vergleichen ist. Ihr macht das ja hauptberuflich, nicht wahr?

[Clubfans United] Also wenn wir das hauptberuflich machen würden, würden wir uns sofort selbst feuern. Hauptberuflich wäre das doch unbezahlbar. Aber wir fühlen uns geschmeichelt.

Ganz im Ernst: Genau deshalb braucht es doch Fanzmagazine und -blogs, die nicht auf Leser und Quote achten müssen und vom Enthusiasmus leben, um Dinge zu tun, die vielleicht in den Medien gar nicht mehr möglich sind. Wir können vollkommen subjektiv sein, wir können mal ewig lang, mal gnadenlos kurz posten, wir können (verbal) ins Taschentuch heulen oder vollkommen unsportlich unseren Sieg auskosten. Die Zeit, die wir und unsere Autoren da rein stecken, ist vollkommen absurd. Aber da wir uns eh gern mit dem 1. FC Nürnberg beschäftigen, fällt es gar nicht so sehr auf.

Zudem habe ich da schon noch ausreichend Respekt vor dem Handwerk des Journalismus, denn wir können uns auch mal einen subjektiven Bericht ohne große Recherche erlauben, das (sollte) im Profi-Bereich nicht drin sein (und lassen wir jetzt mal den Boulevard weg).

Sicher haben wir mittlerweile einen gewissen eigenen Anspruch entwickelt, z.B., dass wir zu allem, was relevant rund um den Verein ist, irgendwas sagen wollen. Daher passt Fanmagazin jetzt auch besser, wobei die Kommentare weiter den Blog-Charakter ausmachen und unglaublich wichtig für uns sind. Aber als wir uns entschlossen hatten, uns auch nach Außen jetzt als Fanmagazin und nicht mehr als Blog zu bezeichnen, hatte das ganz pragmatische Erwägungen: Mit dem Format “Blog” können einfach viele ‘da draußen’ nichts anfangen. Jetzt nennen wir uns halt “Fanmagazin” und aus Raider wurde Twix…

[hk] Der Club steht derzeit auf Platz 10, 7 Punkte hinter einem Uefa-Cup-Platz und 6 vor dem Relegationsrang. Ganz ehrlich: Ich hätte anstelle der Werte 10-7-6 vor der Saison eher etwas in der Größenordnung 15-20-1 erwartet, zu groß schien mir der Aderlass. War das einfach meiner Distanz und mangelnden Einsicht in Nürnberger Verhältnisse geschuldet, oder seid auch Ihr eher positiv überrascht ob des bisherigen Saisonverlaufs? Und ergänzend dazu: Wie wird diese Zahlenreihe zum Saisonende lauten?

[Clubfans United] Was wir erwartet haben? Alles! Und das z.T. gleichzeitig. Ja! Natürlich hatten wir auch die Abgänge von Ekici, Gündogan und Schieber mit Sorge zur Kenntnis genommen, aber das war schon bald einem grenzenlosen Optimismus gewichen (was bei uns bedeutet: Mittelfeldplatz packen wir). Das ganze hat sich dann im Grunde seitdem wöchentlich geändert. Ich denke, die Abgänge hatten zwar viel Qualität, aber wir wussten ja auch, dass bspw. gerade die drei auch nicht durchgehend den Erfolg der letzten Saison bedeuteten. Gündogan bspw. verletzte sich im Winter und war lange gar nicht am Platz. Zudem hatten wir mit Pekhart und Esswein  wieder zwei viel versprechende Neuzugänge und auch einige Talente in den Startlöchern.
Der Club kam letzte Saison über die Kompaktheit und der Vater der Mannschaft war und blieb Hecking. Wir wunderten uns daher eigentlich eher weniger, dass die Abgänge bei anderen nicht so einschlugen, denn sie funktionierten bei uns eben im Kollektiv.
Was uns bisher in der Saison beinahe das Genick gebrochen hätte waren nicht die Abgänge, sondern die Ausfälle. Die Rekonvaleszenten, die man fest am Zettel hatte, erlitten Rückschläge und aus dem Stamm brachen mit Verletzungen einer nach dem anderen weg. In dem Sog stagnierten dann auch die Talente, die z.T. einfach überfordert waren mit der Verantwortung.
Dem Saisonende sehen wir durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen. Die 6 Punkte tun gut, sind aber kein Ruhekissen und können schnell dahinschmelzen. In Stuttgart punkten wäre daher mehr als beruhigend.

[hk] Um Eure Fragen zu beantworten, hatte ich ein wenig in meinem “Club”-Gedächtnis gekramt und war dabei auf eine Reihe schillernder Perönlichkeiten in der Vereinsführung gestoßen. Angefangen beim ewigen Hern ARO und Gerd Schmelzer über Gerhard Voack (“J.R., wenn ich mich recht entsinne) bis hin zum ehemaligen Schatzmeister Böbel gaben sich in der mittlerweile ferneren Vergangenheit ja schon einige bemerkenswerte Leute die Klinke in die Hand. Heute stellt sich die Situation für mich gänzlich anders dar. Mit Mühe und Not brachte ich noch zusammen, dass das Präsidentenamt abgeschafft wurde, aber den Namen von Martin Baders Vorstandskollegen an der Doppelspitze musste ich bereits nachschlagen. Ist der 1. FC Nürnberg heute ein Verein, der – weitgehend frei von Eitelkeiten – in sich ruht, oder ist das nur die klischeehafte Vorstellung eines weit Außenstehenden?

[Clubfans United] Vorweg und mit Ausrufezeichen: Er ist noch ein Verein! Und das will heute schon fast was heißen in der Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg hat sich entschieden, sich von Alleinherrschern ebenso loszusagen wie einem Einfluß von Außen vorzubeugen. Der Verein gab sich eine neue Ordnung, mit fest installierten angestellten Vorständen und einen starkem Aufsichtsrat, der direkt von den Mitgliedern gewählt wird.
Der Eindruck trügt also nicht: Die Verein ruht jetzt in sich und das sorgt für eine stabile Struktur. Ob man damit weit kommt in der Liga, während andere sich in gewagte Finanzkonstrukte werfen und waghalsige Projekte und Transfers in Angriff nehmen, wird die Zeit zeigen.

[hk] Bestens in das eben gezeichnete Bild passt aus meiner Außensicht auch Dieter Hecking. Er wirkt unaufgeregt, produziert kaum (zumindest überregionale) Schlagzeilen, schon gar nicht mit irgendwelchen fußballphilosophischen Weisheiten,  und nimmt wenn auch nicht klaglos, so doch nach vorne gerichtet den Verlust einiger Akteure hin, die das Spiel seiner Mannschaft in der Vorsaison mit geprägt haben, um dann in der neuen Spielzeit wieder eine ansehnliche Rolle zu spielen. Ist er einfach der richtige Mann am richtigen Ort?

[Clubfans United] Ja, keine Frage – aber mit Ansage. Hecking wusste, das hat er auch oft genug geäußert, was ihn beim Club erwarten würde. Dieser “Nürnberger Weg” der Konsolidierung war Grundlage seines Engagement und er nahm diese Aufgabe an. Umgekehrt suchte man mit Hecking auch einen Mann, der dieser Aufgabe gewachsen sein könnte. Bisher hat Hecking es immer hinbekommen, gerade auch in schwierigen Phasen. Unantastbar ist er aber nicht und auch Hecking hat nie ausgeschlossen, dass er nicht mal unter anderen Voraussetzungen arbeiten möchte. Aber vielleicht gibt es ja für alle ein gemeinsames “Happy End”, sobald die Konsolidierung abgeschlossen ist und man auch anders am Transfermarkt agieren kann. Ein Klassenerhalt in dieser Saison wäre ein riesen Schritt in diese Richtung.

[hk] Dem gemeinen Außenstehenden, in diesem Fall mir, fällt beim Stichwort 1. FC Nürnberg mit Blick auf die letzten Jahre recht schnell das auch von Euch verwendete (und in Frage gestellte) Bild vom Leihhaus ein. Man denkt an Ottl und Breno, an Ekici oder Hegeler und natürlich aus Stuttgarter Sicht auch an Schieber und Didavi. Nun werden erneut Namen wie Petersen oder Usami gehandelt. Ist der Ansatz, mit vielen Leihspielern zu arbeiten, wie es ja auch andere Verein – zum Teil noch intensiver – tun, auf Dauer ein tragfähiger? Ist er für manche kleineren Vereine wie Mainz vielleicht sogar die (fast) einzige Möglichkeit, Spieler einer bestimmten Qualität zumindest temporär zu verpflichten? Oder überwiegen die Risiken einer vorprogrammierten Dauerfluktuation (wie sie allerdings, wenn auch mit einer etwas anderen Qualität, auch ohne Leihgeschäfte gang und gäbe ist)?

[Clubfans United] Dem gemeinen Innenstehenden blieben die Leihgeschäfte auch nicht verborgen und wurden mit zumindest gemischten Gefühlen goutiert. Die Sachzwänge sind naheliegend: Fehlende Qualität, die man sich nicht leisten kann, mit Geliehenem kompensieren. Breno und Ottl waren gute Beispiele, wo man in einer schwierigen Lage durch Zufuhr von Qulität korrigieren konnte. Schwieriger ist das schon bei Spielern die Qualität aufgrund ihres Talents höchstens versprechen, man also nicht weiß, ob sie einen wirklich weiter bringen oder nur einen Platz im Kader blockieren. Diese Spieler brauchen meist eine Anlaufzeit und wenn man dann endlich weiß, ob sie die Qualität haben, sind sie auch fast schon wieder weg. Schieber und Ekici waren da fast Sonderfälle, da man fast schon ahnen konnte, dass die sich durchsetzen werden, aber bei Didavi war das wieder was anderes. Und so kommt es wohl, wie zu befürchten war: Erst war Didavi die halbe Hinrunde verletzt, und jetzt, wo er mit Spielpraxis in Form kommt, scheint der Abschied schon bevorzustehen. Deswegen sind Leihen nicht generell verkehrt, aber sie sind zumindest unbefriedigend auf Dauer. Bei Petersen hat man auch wieder diese gemischten Gefühle, bei Usami scheint es aber ja auf eine Leihe mit Kaufoption hinauszulaufen, das dann natürlich eine andere Sache.

Aber an der Stelle noch was Grundsätzliches: Könnte man sich emotional frei machen, dann wäre Leihe oder Kauf eigentlich vollkommen egal. Bei dem ganzen Geflecht eines Transfers heutzutage, gleichen sich auf Dauer Chancen und Risiken fast aus. Wie viele Vereine haben einen Transferüberschuß? Und wer meint, man könne gekaufte Spieler deswegen länger halten, der unterliegt ja auch einer Mär. Du musst einen Spieler im Prinzip ziehen lassen, weil sonst kein anderer mehr zu dir will – es ist ja immer ein Geben und Nehmen. Und die Stories eines Reus, der (warum auch immer, kann es wirklich Liebe gewesen sein??) seinen Vertrag nochmal verlängerte, um dann seinem alten Verein noch mal eine fette Transfersumme zu sichern, sind ja doch eher seltenst. Wobei: Auch bei Wollscheid und Gündogan konnte man zumindest ähnliche Vereinbarungen treffen. – Aber selbst wenn du als FCN einen Spieler fest unter Vertrag hast: Den Preis, den bspw. ein BVB für den gleichen Spieler bekäme, bekommst du nicht.

Unter dem Strich also lieber keine Leihen, denn die Hoffnung auf den großen Deal stirbt zuletzt …

[hk] In Euren Fragen an mich spiegelte sich bereits die eine oder andere Einschätzung des VfB wider. Ein Verein, der sich möglicherweise auf dem Weg ins dauerhafte Mittelmaß befindet, mit einem Manager, der nicht nur gelegentlich verbal über das Ziel hinausschießt, sondern sich auch als unnachgiebiger Verhandler manche Sympathie, so er sie je hatte, verscherzt, zudem die augenzwinkernde Frage, ob der VfB nicht genug Stoff hergebe, um ein Blog zu füllen – das klingt irgendwie nicht uneingeschränkt positiv, oder täusche ich mich? Und das alles wegen Meiras Foul im Pokalfinale?

[Clubfans United] Meira? War das nicht der Kerl der Mintal umgenietet hat? Sofort auspfeifen!! Spass beiseite…..Das Pokalfinale hatte ja ein Happy End, Meira ist da längst vergessen. Daher eine Gegenfrage: Gibt es eine “uneingeschränkte positive Sympathie” zwischen Fans? Nicht einmal zu Schalke würde ich das unterschreiben, wobei hier schon viel good will ist. Fußball ist Wettbewerb und insoweit rivalisiert man mit jedem Gegner. Das ist nichts Persönliches.

Und wenn du mich nicht verpfeifst, dann verrate ich dir, dass ich sogar mal VfB-”Fan” war – naja, “Fan” soweit man das in seiner leichtsinnigen Jugendzeit am Dorf sein konnte. Ich mochte damals die Mannschaft mit Hansi Müller und Karlheinz Förster. Bis ich dann meiner großen (Fußball-)Liebe begegnete – ganz nach Nick Hornby.

Stuttgart im Speziellen ist für uns kein direkter Rivale – die Sache von “Südderbys” sind doch reine Mediengeschöpfe – was empfinden wir also gegenüber dem VfB?
Wir hatten mal zwei Umfragen gemacht. Bei den Vereinen, die wir mögen, landete der VfB weit hinten
http://www.clubfans-united.de/2011/03/17/fan-sympathien-wen-mag-der-clubfan-sonst-so/
bei den Vereinen, die wir ausgesprochen nicht mögen, landete der VfB aber auch nur im Mittelfeld
http://www.clubfans-united.de/2011/03/24/welcher-verein-ist-ein-rotes-tuch-fur-den-clubfan/
Man könnte also provokant sagen: Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal. Man verfolgt euer Treiben und solange man sich nicht in die Quere kommt, macht jeder so sein Ding. Nur eben zuletzt am Transfermarkt kam etwas Unmut auf und Bobic spielt da eine zentrale Rolle. Aber da sind wir auch auf andere nicht gut zu sprechen. Jammern hilft halt nix, wir müssen einfach unsere Verhandlungsposition selbst verbessern.

[hk] Zum Abschluss noch ein paar kurze Entscheidungsfragen, die ihr gerne mit ausführlichen Begründungen oder auch nur ganz knapp beantworten könnt:

Weyerich oder Horsmann?

[Clubfans United] Puh, jetzt greifst Du aber ganz schön in die Historien-Kiste und ich musste gleich mal Stefan als Telefonjoker ziehen. Stefan: Horsmann kam über Stade Rennes von den Bayern zum Club und war als Rädelsführer der Spielerrevolte im Oktober 1984 nach nur 13 Spielen wieder weg, oder sagen wir besser “wurde gegangen”. Wenn dann schon Weyerich, ein echter Clubberer wie wir in Nürnberg sagen würden, auch wenn er gegen Ende seiner Karriere für die Westvorstadt gekickt hat. Ein Makel, zweifelsohne …

[hk] Ekici oder Gündogan?

[Clubfans United] Da sind wir uns nicht ganz schlüssig. Ich bspw. sah Ekici und Gündogan immer als sehr unterschiedliche Spielertypen, bei denen Ekici offensiv, Gündogan (auch) defensiv seine Stärken hatte. Für Stefan waren Ekici und Gündogan in ihrer Spielanlage ähnliche Typen. Einer Meinung sind wir über Ekicis Standards, die in seiner Zeit in Nürnberg erste Sahne waren. Müssten wir uns entscheiden, dann für Gündogan, der taktisch insgesamt reifer wirkte und auch defensiv mehr arbeitete – und alleine schon weil er kürzlich unsere Derby-Schande gerächt hat.

[hk] Schieber oder Didavi?

[Clubfans United] Da sind wir uns einig: Wohl eher Schieber, der bei uns eine konstant gute Saison gespielt hat. Das würde zwar unseren Mangel an Kreativität nicht beheben – hier verspricht Didavi mehr -, aber bei ihm fehlt es vor allem (noch) an der besagten Konstanz.

[hk] Chandler oder, ähem, Celozzi?

[Clubfans United] Von Celozzi kennen wir fast nur die Statements von VfB-Fans – und die sind zu 90% negativ. Chandler hat zwar kein einfaches “zweites Jahr”, aber dennoch eindeutig: Chandler

[hk] Klewer oder Kargus?

[Clubfans United] Ohne Frage: Kargus. Klewer war ein guter zweiter Torwart und hatte das Zeug zum Helden für den Augenblick – aber auch nicht mehr, nicht weniger. Aber da sind wir uns intern etwas uneins. Stefan bspw. fand Klewer immer super, nicht nur als Elfmeterkiller im Pokal, und fand es nach dem Weggang von Schäfer zu eurem VfB sehr schade, dass er keine Chance als Nummer 1 bekommen hatte. Nach den Erfahrungen mit Blazek hätte man es wohl auch mal lieber mit Klewer probieren sollen …

[hk] Meyer oder Hecking?

[Clubfans United] Kann man das entscheiden? Meyer wurde geliebt, Hecking wird geschätzt. Meyer brachte wieder ein Stück Ruhm zum Ruhmreichen zurück, Hecking bringt uns vielleicht die Basis für eine stabile Zukunft.

[hk] Depp oder nicht? (Man möge mir diese billige Frage verzeihen.)

[Clubfans United] Keine Frage, der Club hat ziemlich “depperte” Dinge geschafft in seiner Historie, aber seit Jahren ist das auch längst Geschichte. Sogar der Abstieg nach dem Pokalsieg war nun so unglaublich auch nicht, denn viele Überraschungs-Mannschaften kommen danach mit Europapokal nicht zurecht und dann in die Krise. Und in den letzten Jahren haben Mannschaften wie Hertha oder die Eintracht schwer an unserem “Titel” gegraben. – Daher: Wir sind solange der Depp, solange wir selbst von uns glauben, dass wir es sind.

[hk] Vielen Dank für Eure Zeit und Eure ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen Antworten. Auf einen schönen Sportnachmittag am Sonntag!

[Clubfans United] Wir danken für das Interview bei uns und die interessanten Fragen im Interview hier. Vielleicht empfinden viele diese Fan-Interviews als belanglos, aber für viele (wie uns) entstehen damit auch Brücken und es werden Vorurteile abgebaut. Deswegen bleiben wir mit unseren Vereinen Rivalen, aber im Kern verstehen wir, was den anderen bewegt – denn wir sind alle Fans des wahrscheinlich geilsten Sports der Welt.

Da hab ich wohl was verpasst…

24. Oktober 2011

Aus guten Gründen konnte ich das Spiel des VfB in Nürnberg nicht sehen. Noch nicht einmal in der Zusammenfassung, außer man will die paar Szenen, die es bei Sport im Dritten zu sehen gab, als Spielbericht bezeichnen.

So kann ich also nichts über das Spiel sagen, und muss doch davon ausgehen, dass sich Bemerkenswertes ereignet hat. Die Stuttgarter Nachrichten schreiben von „Taktikfuchs“ Labbadia, der in die „Taktik-Kiste“ gegriffen habe, Bild hat zumindest einen „Taktik-Trick“ ausgemacht, und die Stuttgarter Zeitung will gar eine „Glanzleistung des Trainers“ gesehen haben.

Möglicherweise stimmen all diese Einschätzungen, und ich bin auch weit davon entfernt, „Glanzleistungen“ von Bruno Labbadia als Ding der Unmöglichkeit abzutun – der Klassenerhalt in der Vorsaison ist schließlich mit Glanzleistung noch zurückhaltend beschrieben, der Anteil des Trainers gewiss nicht gering, und die bisherige Bilanz der Saison 2011/2012 ist aller Ehren wert. Dass aus meiner Sicht manches im Argen liegt, dass man meines Erachtens über die Nachwuchsförderung sehr geteilter Meinung sein kann, dass mich die Personalien Leno und auch Gebhart sehr befremden, dürfte die halbwegs regelmäßige Leserin wissen. Dennoch: Tabellenplatz 5, Solidität, Kompaktheit, zum Teil gewiss auch die guten Neueinkäufe – Labbadia hat einige Gründe, zufrieden zu sein. Und wir, die wir mitunter schimpfen, seine Auswechslungen kämen zu spät oder falsch oder gar nicht, müssen vielleicht anerkennen, dass ein guter Trainer gar keine Auswechslungen braucht, um das Spielsystem so sehr zu verändern, dass aus einem verheerenden ein allem Anschein nach guter Auftritt wird. Oder so.

Es ist nur so ungewohnt, auf zahlreichen Kanälen Lobeshymnen auf den Trainer zu hören, nachdem er, nun ja, seinen Job gemacht hat, wenn auch anscheinend gut gemacht hat. Man würde gerne fragen, ob das so außergewöhnlich ist, und wieso. Und was es mit dem bemerkenswerten Medienecho auf sich hat, zumal Labbadia auch noch erstmals in seiner Zeit als VfB-Trainer im Sportstudio auftrat. Es stehen doch keine Vertragsverhandlungen an, oder?

Und wenn mir jetzt noch bitte jemand sagen könnte, ob die Ausführungen in einer der Stuttgarter Zeitungen, wonach Sven Ulreich nicht sehr souverän gewirkt habe, zutreffen? Und was ist da dran an den Tuscheleien über Gebharts gutes Verhältnis zu bzw. mögliche Abwerbeversuche von Hoffenheims Manager Tanner?

Oder wird das alles nur von einem medialen Taktikfuchs lanciert?