Archive for the 'Unfug' Category

Elf des Jahres 2016 (ESPM)

8. September 2015

Bei der Erstellung der Elf des Jahres 2016 wurde eine Trendwende unübersehbar, die so gravierend ausfiel, dass wir in einem Fall von der erst im Vorjahr beschlossenen ESPM-Regel („ein Spieler pro Mannschaft“) abweichen mussten. Um es deutlich zu sagen: einige Mannschaften haben dem FC Bayern in diesem Jahr den Rang abgelaufen. Dies betrifft nicht nur den in einer solchen Rolle möglicherweise erwarteten VfL Wolfsburg, sondern auch Bayer Leverkusen, den wieder erstarkten Hamburger SV und insbesondere den geradezu herausragenden FC Schalke 04.

Letzterem ist demzufolge auch die eingangs angesprochene Abweichung vom ESPM-Prinzip geschuldet: zu außergewöhnlich waren die Werte speziell von Sami Khedira und Filip Kostić – die Redaktion war sich sehr rasch einig, dass es nach objektiven Kriterien keinerlei Rechtfertigung geben kann, einen der beiden außen vor zu lassen. Mit Gökhan Inler konnte zudem ein weiterer Schalker Top-Kandidat nicht berücksichtigt werden, und auch Xerdan Shaqiri hätte für seine königsblaue Performance noch eine Vielzahl an Fürsprechern gefunden.

Insgesamt resultierte eine speziell im Spiel nach vorne nominell sehr stark besetzte Elf, deren taktische Aufstellung ein wenig asymmetrisch und möglicherweise auch etwas zu offensiv erscheint.

In Sachen Erfahrung verfügt die Mannschaft indes über eine gesunde Mischung; eine Neigung zu „gestandenen“ Spielern ist auf der einen Seite unverkennbar – man beachte den ewigen Dimitar Berbatov aus Bremen, die Weltmeister Ramos (FC Bayern), Weidenfeller (Frankfurt) und Khedira (Schalke), zudem den polyvalenten Leverkusener hw4, aber auch Stuttgarts Blaszszykowski, der mit Andriy Yarmolenko aus Dortmund eine ebenso schnelle wie ungewöhnlich offensive rechte Seite bildet. Sie wird abgesichert vom Wolfsburger Antonio Rüdiger, der die andere, die junge Seite anführt, gemeinsam mit Schalkes Kostić und Halilovic vom HSV. Mit etwas Wohlwollen darf auch Augsburgs Taider bei „alt gegen jung“ noch bei den Herausforderern antreten.

Gleichzeitig gab es auch in diesem Jahr naturgemäß eine ganze Reihe von Härtefällen, wie zum Beispiel Leverkusens Didavi, Hoffenheims Alexandre Pato, Herthas Niederländer Douglas oder der vielgereiste Lutz Pfannenstiel Marko Marin vom FC Augsburg. In Stuttgart blieben zwei komplette Innenverteidigungsblöcke auf der Strecke, während Darmstadts Patrick Ochs der gewählten Taktik zum Opfer fiel – seine Rolle als klassischer Rechtsverteidiger ist nicht vorgesehen.

Gladbachs Dante kam erwartungsgemäß nicht an Westermann vorbei, und Wolfsburg war in der Offensive mit Pedro, Vela, Isco und Januzaj schlichtweg nicht gut genug besetzt, um einen Angriffsplatz in der Elf des Jahres zu ergattern. Hamburgs Lucas Silva und Vladimir Darida von Hannover 96 agierten etwas zu unauffällig, was insgesamt auch für Ingolstadt (mit Bobby Wood) und den Mainzer Konradsen gilt. Kölns Kevin Großkreutz konnte aus formalen Gründen nicht berücksichtigt werden.

Der Eindruck aus dem Vorjahr, wonach die Auswahlen früherer Jahre teilweise schlagkräftiger schienen, hat sich in den vergangenen Monaten verfestigt. Die Anziehungskraft der Fleischtöpfe in der Premier League hinterlässt auch hier ihre Spuren.

 

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Elf des Jahres 2015 (ESPM)

2. September 2014

Seien wir ehrlich: wollten wir heute eine Elf des Jahres nach objektiven Kriterien aufstellen, fänden sich dort, eine Entwicklung früherer Jahre verstärkend, fast ausnahmslos Spieler des FC Bayern München, wie die einschlägige Datenbasis von transfermarkt.de unterstreicht. Vor diesem Hintergrund hat sich die Redaktion entschlossen, in diesem Jahr nach dem Prinzip „ein Spieler pro Mannschaft“ (ESPM) zu verfahren, um den Anschein zu wahren.

Das Ergebnis ist eine nicht nur bezüglich der Vereinszugehörigkeit, sondern auch qualitativ recht heterogen besetzte Elf, die zwar nicht auf allen Positionen absolute Weltklasse verkörpert, dafür aber unter anderem auf Titelhamster Tom Starke im Tor und Weltmeister Mustafi auf seiner Rechtsverteidigerposition setzen kann. Erschreckend indes, dass Vizemeister Dortmund keinen einzigen Spieler stellt. (Öhm, Verzeihung, Fehler:) nur mit viel Wohlwollen einen Spieler stellen kann:

ElfdesJahres2015_20140902

Gleichzeitig fehlt eine Reihe herausragender Akteure, so die Münchner Cuadrado, Ramsey, Varane und Khedira, zudem ihr Torhütertrio Navas, Lopez und Valdés. Auch Herthas Pandev ist ebenso der ESPM-Strategie zum Opfer gefallen wie die Wolfsburger Podolski und Mitroglu sowie Schalkes Welbeck und Bremens Bryan Ruiz.

Knapp gescheitert sind zudem auf den hart umkämpften Innenverteidigerpositionen Kölns van Buyten und der Hamburger Wollscheid sowie Hannovers Manuel Friedrich, der gegen seinen Teamkollegen Robert Huth, einen weiteren WM-Helden, das Nachsehen hatte.

Trotz aller Qualität kann sich die Redaktion des Eindrucks nicht erwehren, dass die Auswahlen früherer Jahre, als die stärkste Liga der Welt noch keine Weltmeisterliga war, teilweise schlagkräftiger daherkamen.

 

Überraschung auf der Mittagsspitze

25. Dezember 2013

(Damüls, 25.12. 2013.) Am ersten Weihnachtsfeiertag wartete Bundestrainer Kamke mit einer Überraschung auf, die das Attribut „faustdick“ wahrlich verdiente. Im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz stellte er auf der Damülser Mittagsspitze, deren symbolische Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ohne dass Kamke näher darauf eingegangen wäre, ungewöhnlich früh seinen Kader für die Weltmeisterschaft in Brasilien vor.

„Der mediale Druck, der mit zunehmender Nähe zum FIFA-Benennungstermin aufgebaut wird, ist schwer zu ertragen und letztlich unmenschlich. Deshalb kam ich gemeinsam mit meinem Kompetenzteam zu dem Schluss, ein selbstbewusstes Zeichen zu setzen und den Kader bereits heute zu nominieren,“ erläuterte Kamke, der mit diesem bemerkenswerten Vorgehen seinerseits einen gewissen Druck auf die anderen 31* Nationaltrainer ausübt, gleichzeitig aber betonte, dass man im Verletzungsfall „natürlich noch was machen“ könne.

Der Bundestrainer informierte zudem über sein innovatives Auswahlsystem, das auf dem gleichermaßen intensiven wie formal strikten Austausch mit etwa 25 Ratgebern beruht, denen Kamke sein vollstes Vertrauen aussprach. Im Ergebnis änderte sich trotz des neuartigen Ausleseprozesses zumindest insofern nichts, als auch für 2014 das eine oder andere Aha-Erlebnis bei der Kaderzusammensetzung herauskam, sowohl bei den Mitfahrern als auch bei den Daheimbleibenden.

Der aus Sicht der Redaktion sehr ausgewogene Kader setzt einige deutliche Fragezeichen. Insbesondere auf der Torhüterposition betreibt man ein gefährliches Spiel, nachdem zunächst Manuel Neuer (wie übrigens weiter vorne auch Mario Gomez) lediglich en passant und keineswegs explizit genannt wurde, ehe Marc-André ter Stegen, der vermeintlich dritte, dann unter Umständen sogar zweite Mann, in letzter Sekunde Zeile herausgestrichen wurde. Hier dürfte Kamke noch nachbessern (müssen), will er sich nicht allein auf den unerfahrenen Weidenfeller verlassen.

Auch in der Abwehr fehlen einige Namen, fehlt insbesondere ein linker Verteidiger. Kamke ließ sich diesbezüglich zu keinen konkretisierenden Äußerungen bewegen, sodass unter Experten drei Theorien kursieren: entweder wolle der Bundestrainer die in Dortmund bereits erfolgreich praktizierte Dreierkette einführen und sich keinen vierten Mann schnitzen, oder er verlasse sich schlichtweg auf den Umstand, dass in einem Kader mit den Herren Lahm und Großkreutz jede Position von vornherein doppelt besetzt sei. Theorie Nummer drei klingt eher abwegig und lässt sich auch nur schwer in Worte fassen, ließe sich aber möglicherweise mit „Westermann“ umschreiben.

Im Mittelfeld tauchen nicht nur die Langzeitverletzten Sami Khedira und Ilkay Gündogan nicht auf, sondern unter anderem auch Draxler und die Benders sowie, für den einen oder die andere vielleicht ein bisschen überraschend, Kroos und Özil. Kamkes Beratungsgremium hatte ihn von einer etwas anderen Schwerpunktsetzung und insbesondere Altersstruktur überzeugt, die gerade bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied ausmachen kann. Anstelle der jungen Leute, die die Fußballwelt verzaubern, aber immer noch nichts gewonnen haben, entschied sich der Bundestrainer neben einem kleinen Bayern-Block (nur eben ohne den als Turniernörgler verschrieenen Kroos) für die alten Fahrensmänner Fabian Boll, Torsten Mattuschka und Mehmet Scholl.

Ganz vorne setzt Kamke ein Zeichen. Entgegen dem Trend, die Spitze auszudünnen, nominierte er erstmals sieben Angreifer – ein Wert, den selbst Erich Ribbeck nicht erreichte. Naturgemäß fehlt angesichts dieser Zahl keiner der üblichen Verdächtigen. Klose ist auf der Liste, Gomez (mit Fragezeichen, vgl. Neuer), auch Kruse und natürlich Kießling, der sich aus Sicht des Beratungsgremiums allerdings etwas verkriechen werde. Eher überraschend sind indes die Nominierungen der Nachwuchsstürmer Volland und Werner, denen nicht nur Kamke selbst eine bemerkenswerte Rolle zutraut, während die Entscheidung für Jürgen Klinsmann unter den urbanen Mythos die Rubrik „Schwächung des Gegners“ fallen dürfte.

Der ungewöhnlichste Aspekt, neben dem frühen Zeitpunkt, war sicherlich die Entscheidung, nicht nur den Spielerkader zu benennen, sondern darüber hinaus auch gleich zwei Schiedsrichter an die FIFA zu melden – auch dies ein möglicherweise beispielloses Vorgehen, das „nicht mit dem fußballkulturellen Code in Einklang zu bringen“ sei, so Kamke, der diesen Begriff wohl irgendwo aufgeschnappt, ihn aber außerhalb des passenden Kontextes verwendet haben dürfte. Er meinte wohl eher das FIFA-Regelwerk, und in der Tat bleibt abzuwarten, ob tatsächlich die Herren Dr. Brych und Stark an den Zuckerhut reisen werden.

Abschließend dankte der Bundestrainer seinem Kompetenzeam für die kreativ-disziplinierte Mitwirkung, „die mit dem Begriff ‚Zuarbeit‘ gewiss nicht angemessen gewürdigt wäre. Vielmehr ist durch die Vielfalt der Beiträge ein Gesamtbild entstanden, das meine kühnsten Erwartungen übertroffen hat und das einzig und allein dem Fachwissen und der Originalität meiner Ratgeberinnen und Ratgeber zu verdanken ist. Ich bin ein bisschen gerührt.

Der Kader im Überblick:

Tor:
Weidenfeller, (Neuer),  ter Stegen

Abwehr:
Boateng, Großkreutz, Hummels, Lahm, Mertesacker, Westermann,

Mittelfeld:
Boll, Götze, Mattuschka, Müller, Reus, Scholl, Schweinsteiger,

Sturm:
Kießling, Klinsmann, Klose, Kruse, Volland, Werner, (Gomez)

Schiedsrichter:
Dr. Brych, Stark

* Wir bitten angesichts der sprichwörtlichen heißen Nadel, mit der der obige Text gestrickt wurde, um Nachsicht für den Fehler, der sich eingeschlichen hat, den wir aber der Authentizität halber unverändert belassen wollen. Tatsächlich handelt es sich nicht um 31 andere Bundestrainer, sondern um 31 Millionen.