Egozentrische Quengelei

3. März 2014

Ich möchte das nicht. Will mich nicht schon wieder an einen neuen Trainer gewöhnen. Nicht mit etwas anderen Variationen bekannter Floskeln, wie sie eben zum Geschäft gehören, vertraut werden. Keinen neuen Kleidungsstil diskutiert wissen und auch kein anderes Seitenlinienverhalten analysiert sehen.

Der Gedanke, dass der Verein einen Feuerwehrmann („letzte Patrone!“) holen könnte, lässt mich erschaudern. Ich möchte nicht, dass sich Timo Werner auf der Bank und Robin Yalcin in der dritten Liga wiederfinden, weil sie noch Zeit brauchen.

Ich will nicht, dass der Präsident, das Symbol für den neuen, weniger autokratischen VfB, klein beigeben und von seinem Weg, pathetischer: seiner Philosophie abrücken muss. Möchte nicht, dass der Trainer, der wie kein anderer Cheftrainer in den letzten soundsoviel Jahren für das VfB-Jugendkonzept steht, von allem abrücken muss.

Es widerstrebt mir, darüber nachzudenken, vielleicht sogar aufzuschreiben, wieso der neue Mann, oder die neue Frau, doch ganz gut zum Verein passen könnte. Und es widerstrebt mir noch viel mehr, mir diese Frage von Fredi Bobic beantworten zu lassen, begleitet, das ist ganz klar, von einem Bekenntnis zum eigentlich eingeschlagenen Weg.

Ich hätte gerne, dass Thomas Schneider die Kurve kriegt. Von mir aus auch den Bock umstößt, damit kann ich umgehen. Dass er all diejenigen, die gerne seine Herkunft (Jugendtrainer!) betonen, eines Besseren belehrt. Ohne ihnen eine lange Nase zu drehen. Ich möchte, dass Thomas Schneider ein guter und erfolgreicher Trainer ist. Hier in Stuttgart.

Und wünschte mir, dass der Verein zu ihm stünde, der ganze, weiterhin, und dass dessen Führung deutlich machte, im Zweifel auch mit ihm in die zweite Liga zu gehen.

Unter der Bedingung, dass dieser Fall nicht eintritt.

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11 Antworten to “Egozentrische Quengelei”

  1. jon dahl Says:

    Ja.


  2. […] anderen Trainern. u.a. Balakov und Soldo. Eine Entscheidung könne noch heute fallen. Heinz Kamke (angedacht) quengelt herum (seine eigenen Worte!), denn er möchte keinen neuen […]

  3. uk Says:

    Schöner Text, ich bin auch gegen einen sogenannten Retter beim VfB. Aber ich befürchte, spätestens bei der nächsten Niederlage greifen die berühmten Mechanismen des Marktes.

  4. 1ng0 Says:

    ich fürchte, dass er bleiben darf, liegt einzig und allein daran, dass derzeit keine alternative verfügbar ist. ich bin froh, dass die bild mal wieder daneben lag, als sie heute morgen schon thorsten fink ante suabas portas sehen wollte. mich gruselte bei der meldung, dass huub stevens bei paok entlassen wurde. aber ich glaube, soooo behämmert sind die dann doch nicht. außerdem wird es echt teuer: abfindung schneider, vertrag bis 2015 für fink/stevens, der dann aber im mai nach dem abstieg aufgelöst wird, dann der nächste… das wird uli ruf schon zu verhindern wissen. also nicht den abstieg, aber das geldrausgewerfe.

    tatsächlich freunde ich mich gerade mit dem gedanken an relegationsspielen gegen den ksc an.

    nicht anfreunden kann ich mich allerdings mit dem auswechselverhalten von herrn schneider. klar, er ist der trainer und weiß es besser. aber ich frage mich wirklich, was diese passivität soll. ist die mannschaft so fragil, dass er angst hat, ein wechsel (selbst positionsgetreu) sei ein zu großes risiko? ich fand, spielstand und spielverlauf in frankfurt schrien förmlich danach, in der 68. minute werner zu bringen.

  5. martin Says:

    Die Auswirkungen der slapstickartige Abfolge von Fehlern wird man mit einem Trainerwechsel nicht einfach abschalten können. Mir kommt das kalte Grausen, wenn ich an die nächste Saison denke, egal in welcher Liga. Es könnte auch ganz ohne Sportdirektor nicht schlechter sein, finanziell stünden wir sogar besser da.
    Das Verhalten der „Fans“ ist befremdlich, wird aber seinen Grund haben. Die Geister, die ich rief…….

  6. heinzkamke Says:

    @uk: Vielleicht greifen sie ja auch bei einem Sieg. Dahingehend, dass er plötzlich wieder fest im Sattel sitzt. (Na ja …)

    @1ng0:
    Ja, schön, dass erschreckende Szenarien abgewendet werden konnten. Irgendwo wurde auch der Name Daum genannt, und derjenige scheint dabei nicht mit der Wimper gezuckt zu haben.

    Mit Relegationsspielen kann ich mich noch gar nicht anfreunden, egal gegen wen. Herzkasper und so.

    Zum Coaching am Sonntag kann ich nichts sagen, habe so gut wie nichts gesehen. Hätte Maxim getroffen, wäre die Strategie indes auch ohne Werner (den ich natürlich immer sehen will) aufgegangen. Und ja, Deine Fragilitätserklärung finde ich als Beweggrund nicht abwegig. Zielführend war das entsprechende Verhalten letztlich dennoch nicht, klar, und dass Schneider an seinen Maßnahmen währende des Spiels noch arbeiten muss, dürfte außer Frage stehen.

    @martin:
    Du kannst an die nächste Saison denken? Dazu fehlen mir grade Distanz und damit Weitblick.

    Welches Verhalten der Fans meinst Du, und wieso die Anführungszeichen?

    Wäre schön, wenn Du keine Blabla-Mailadresse angeben würdest.

    • martinkelsch Says:

      Lieber Herr Kamke,
      die blabla-mailadresse ist meiner Faulheit geschuldet, bzw. den Schwierigkeiten, die ich seit einiger Zeit oft habe, wenn ich mit meinem wordpress account kommentieren möchte. Ich werde versuchen, das anders zu lösen.
      Weitblick? Weiss nicht, jedenfalls Extrapolation in Verbindung mit der Annahme, dass die Dinge weiterhin nicht besser werden.
      Die Anführungszeichen habe ich gesetzt, um die Fans aus der sog. Ultragruppe von denen zu unterscheiden, die auch mal ohne Schal ins Stadion gehen. Befremdlich finde ich, dass quasi ohne jede vernehmbare Unmutsäusserung zugeschaut wird, wie der Verein in den Abgrund gesteuert wird. Aber wenn man dafür das alte Wappen wieder hat ist das wohl nicht so schlimm.

  7. heinzkamke Says:

    Ach, Du warst das!

    Wie sollte denn eine Unmutsäußerung aussehen, die über die zu spürende Enttäuschung, wohl auch Ratlosigkeit, hinausgeht? „Schniedel raus“? „Bratwurst raus“? „Wir schmeißen unsere Sitzkissen auf den Platz!“?

    Ich frage ganz im Ernst, unabhängig von den nicht in jedem Fall ernst gemeinten Vorschlägen, da ich wirklich nicht recht weiß, was Du meinst und was Du Dir vorstellst. Und bezweifle ein bisschen, ob Du den Fans oder den „Fans“ (wer wer ist, hast Du nicht gesagt …) mit dem nicht völlig unpopulistischen Wappenseitenhieb gerecht wirst.


  8. Ja, das würde mich auch mal interessieren, wie eine Reaktion aussehen soll. Es wurde schon im Block nach verlorenen Spielen getobt, es wurde aufgemuntert, es gab Spruchbänder, es gab Choreographien, am Sonntag gab es erst wilde Pöbelei von jeglicher Sorte Fan gegen eine stumm dastehende Mannschaft und dann persönliche klärende Gespräche mit Harnik, Niedermeier und Gentner mit abschließendem Beifall für die drei. Ich würde sagen, so langsam ist das Repertoire an Fanreaktionen erschöpft. Es hilft nur noch beten und hoffen.


  9. […] neun Spielen ohne Sieg und dem nötigen Fortune griffen wieder die Mechanismen des Profifußballs. War ich jetzt zu naiv oder wurde mir etwas vorgegaukelt, dass ich fest an ein Bleiben Schneiders dac… Den Elfer kann er nicht reinmachen, den Ball über die Linie drücken ebenso nicht und Ball nach […]


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