Mehr Eishockey wagen!

4. November 2013

 

Es war schlichtweg beschissen,
aber irgendwie bin ich ganz zuversichtlich.

(Heinz Kamke, 1. November 2013)

Seien wir ehrlich: auf Dauer trägt das nicht. Es sei denn, es geht darum, die eigene Lächerlichkeit zu tragen, der ich mich preisgebe, wenn ich Woche für Woche (nicht nur) die tabellarische Entwicklung außer Acht lasse – dann könnte ich mich auf einem guten Weg befinden. Wenn’s so weitergeht. Was es, davon ausgehend, dass sich Geschichte wiederholt und dass das 1:6 in Dortmund als Nachfolgeereignis des 1:6 in München im September 2012 gelten darf –die Parallelen sind frappierend –, wohl wird. Also: zwei Punkte aus den nächsten fünf Spielen. Und das völlig verdient.

Ok, keine schöne Perspektive. An die ich, um dann doch wieder etwas näher an die eigene Wahrnehmung zu kommen, nicht glaube. Ich fand das phasenweise wirklich nicht so verkehrt, was der VfB am Freitag gezeigt hat. Der Beginn war mutig, vielleicht auch da schon übermütig, und er hat die Dortmunder ein wenig überrascht. Dumm nur, dass der VfB, um vorne überraschen zu können, auf die eigentlich notwendigen Defensivaufpasser für die eigenen Außenverteidiger verzichten muss.

Aber auch hier ist es müßig, sich Woche für Woche zu wiederholen: der VfB ist auf den Außenpositionen zu schwach besetzt, das wissen wir alle, und es bleibt abzuwarten, wie man im Winter damit umgeht, zumal, auch das wissen wir alle, glaube zumindest ich zu wissen, dieses Problem bei geschätzten drei Viertel aller Mannschaften aller Ligen aller Niveaus in ähnlicher Weise besteht. Ich hatte ja mal gedacht, mit Gotoku Sakai habe der VfB zumindest die Hälfte des Problems gelöst, noch dazu beidseitig. Im Moment ist er eher der Inbegriff des Problems, aber ein bisschen hoffe ich noch, dass er sich wieder fängt. Am ehesten links.

Nach dem 4:1 trat übrigens das ein, was in unseren Kreisen gerne mal der Mittwochskickfaktor genannt wird. Anderswo heißt er vielleicht Donnerstagskickeffekt, was weiß ich. Bei uns ist es zumindest so, dass – gerade bei einem anfangs die Illusion von Ausgeglichenheit vermittelnden Spiel, vielleicht gar gegen eine Unterzahlmannschaft, den Klassenunterschied innerhalb der Bundesliga symbolisierend – die auf einen ungefährdeten Sieg zusteuernde Mannschaft gegen Ende die Schlagzahl noch einmal erhöht.

Plötzlich tragen einen die Füße noch einmal ein bisschen schneller, vielleicht kann man es ja noch zweistellig gestalten, und unter Umständen ist es sogar drin, von vornherein noch den einen oder anderen Spieler etwas weiter vorne zu platzieren, um die Konter noch schneller vorzutragen, schließlich sind die anderen ohnehin nicht mehr torgefährlich, haben schon jene paar Prozent verloren, für deren Aktivierung es einer realistischen Erfolgsperspektive bedarf, was auch immer Erfolg im jeweiligen Fall sein möge. Wenn dann noch mancher die Chance sieht, Defizite in der persönlichen Tagesstatistik aufzubessern …

Nein, ich will nicht sagen, dass die Angriffsaktionen der Dortmunder mit unseren mittwöchlichen vergleichbar seien. Zumindest nicht immer. Ich will noch nicht einmal sagen, der Dortmunder Sieg sei zu hoch ausgefallen. Sondern er ist eben so ausgefallen, wie man sich das vorstellt, wenn eine richtig gute Mannschaft richtig gut spielt, dann auch noch auf unstrukturierte Gegenwehr trifft und einfach nur viel Spaß hat. Dann spielt man das eben auch mal aus. Und dass die anderen dann nicht mehr in der Lage sind, sich vernünftig zu wehren, halte ich nicht für ungewöhnlich. Und wenn ich ehrlich bin, noch nicht einmal für verwerflich, auch bei Profis.

Ob Florian Meyer, dessen Laufstil mich erneut für ihn einnahm, letztlich Angst vor der Courage hatte, feige war und nicht zu seiner Entscheidung stand, ob er sich hinter dem Assistenten versteckte oder ob er ein begrüßenswertes Zeichen setzte, mutig war und sein Vorgehen gar einen „Glücksfall für den Fußball“ darstellt, ist vermutlich Ansichtssache. Ich halte es in diesem Fall mit Fredi Bobic und wundere mich ein wenig, dass sich der Schiedsrichter vom deutlich weiter entfernten Assistenten korrigieren ließ und enthalte mich, ein wenig von Bobic abweichend, kontrafaktischer Spekulationen über den Fortgang des Spiels. Dass ich den Elfmeter für gerechtfertigt gehalten hätte, erwähne ich nur der Vollstänndigkeit halber.

Was ich allerdings nicht verstehe: wieso spielt man den Schiedsrichterball nicht aus? Nicht dass ich mir daraus eine klare Torchance erhofft hätte, aber ich versteh’s einfach nicht. Bzw. verstehe noch weniger, wieso man dann den Ball dem VfB zugeschustert hat, wo doch der BVB nach Werners Sturz im Ballbesitz war?

Überhaupt ist mir die mittlerweile fast ausnahmslose Schiedsrichterballharmonie suspekt. Die sollen sich auch mal um den Ball streiten dürfen, und wenn’s noch so unwichtig an einer noch so uninteressanten, gefahrlosen Stelle auf dem Feld ist. Da ist es mir dann auch sehr egal, ob es für den Schiedsrichter möglicherweise ein bisschen schwieriger wird.

Zwar würde ich im Grundsatz nicht so weit gehen, wie der twitternde @el_pibe12 mir unterstellte (eigentlich so gar nicht), aber in dem Fall: ja.

 

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Eine Antwort to “Mehr Eishockey wagen!”


  1. […] weiß, welcher Kommentator diese Woche welches Spiel begleitet. + + + VfB Eishockey: Heinz Kamke (angedacht) bloggt über das letzte Spiel seiner Stuttgarter. Zum Schluss gibt es einen kleinen Schlenker zum […]


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