Plagiattor

21. Januar 2013

Es ist mir ein wenig unangenehm. Fast schäme ich mich meiner Gedanken. Aber es hilft ja nichts, sie waren da. Unvermittelt.

Ich habe zwei Tore miteinander verglichen. Und damit meine ich nicht die beiden von Messi und Maradona. Bei denen sich die Protagonisten in einem Bereich, den man zumindest aus meinem, Verzeihung, Blickwinkel als Augenhöhe bezeichnen könnte, bewegen.

Gleichwohl sprechen wir auch hier, zumindest im einen Fall, von einem recht profilierten Treffer. Oder anders: der eine wurde vor Jahrzehnten auf der ganz großen Bühne erzielt, der andere jüngst beim Neujahrsempfang der grauen Mäuse. Der eine Torschütze lief zehn Meter hinter der Mittellinie los, der andere nur zehn Zentimeter. Der eine wurde ein wenig ernsthaft angegriffen, dem anderen gewährte man Geleitschutz. Der eine war zweifellos ein Weltstar, der andere möchte gern. Der Weltstar marschierte im högschden Tempo durchs Mittelfeld, beim anderen hätte dafür gar keine Notwendigkeit bestanden. Der eine überwand den Torwart in unhaltbarer Art und Weise, der andere überwand den Torwart auch.

Die Unterschiede sind also unverkennbar. Die Parallelen in Ball- und Laufweg indes ebenso. Ballannahme halblinks, an der Mittellinie Tempo aufnehmen, kurzer Haken nach rechts, leicht diagonaler Lauf, Flachschuss aus halbrechter Position, links unten schlägt er ein: Diego kopierte Lothar Matthäus.

Wie ich schon sagt: der Gedanke ist mir unangenehm. Sowas entsteht halt, wenn man sich so ein Spiel ansieht. Fast hätte ich „ansehen muss“ geschrieben. Spaß hat das nämlich wahrlich keinen gemacht, Ballbesitzzahlen hin, „ordentliches Auswärtsspiel“ (Bruno Labbadia) her.

Dann denke ich doch wesentlich lieber über die WM 1990 nach, als über den völlig überraschend aufgetretenen personellen Engpass im Stuttgarter Angriff. Oder gar über die Begründung, weshalb Okazaki sich besser zurechtfinden sollte, wenn er Tamas Hajnal an seiner Seite hat. Oder hinter sich, wie auch immer. Ganz zu schweigen von der nach dem Spiel eröffneten Diskussion um den Wolfsburger Innenverteidiger Felipe Lopes, der den VfB in der Rückrunde verstärken soll.

Keine Ahnung, ob er das kann. Ich mache mir nur (also doch!) Gedanken. Über die Halbwertszeit von Aussagen zu Transferprioritäten. Über die, ganz vorsichtig ausgedrückt, Nasenstüber für Benedikt Röcker und vor allem Antonio Rüdiger. Und ein bisschen auch darüber, ob das Spiel gegen die Bayern die Trainervertragsverlängerungsdiskussion ihrer Dynamik ein wenig berauben könnte.

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7 Antworten to “Plagiattor”


  1. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich so verblüffend, dass man glauben könnte, die Tore wären miteinander verwandt. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich mir einbilde, dass das eine Tor haltbar gewesen wäre. Also das vom Neujahrsempfang der grauen Mäuse.

  2. heinzkamke Says:

    Ich hatte gehofft, implizit vermittelt zu haben, dass auch ich gewisse Zweifel an der Unhaltbarkeit des Tores beim Neujahrsempfang der grauen Mäuse hege. Vergebens?

  3. jon dahl Says:

    Bitte kein Nationaltorhüter-Bashing.

  4. heinzkamke Says:

    Der Jugoslawe? Ich sagte doch, der Ball sei unhaltbar gewesen! Tststs.


  5. Hm, ja, doch, bei genauerem Hinsehen nicht vergebens. Mir schwant, ich las zu flott.

  6. Markus Says:

    Die Felipe-Verpflichtung lässt mich auch stutzend zurück. Abgesehen vom möglichen Tasci-Wechsel im Sommer ergibt das kaum einen Sinn bzw. den Sinn, den „Stuttgarter (Labbadier) Weg“ zu gehen. Aaargh.


  7. […] es zum Beispiel, wenn der Wolfsburger Fußballspieler Diego sich bei Lothar Matthäus bedient, wie angedacht es in seinem Plagiattor beobachtete. Nicht schön, denn schlicht […]


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