Verpasste Rekomposition des Mythos Magath

10. September 2012

Rants seien ja etwas aus der Mode. Also halten wir weiterhin den Ball flach. Das Interview in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 2. September (hier online), das sich knappe fünf Bildschirmseiten lang mit Felix Magaths Image beschäftigt, ist gleichwohl ein schönes Beispiel dafür, wie sinnlos der Versuch ist, seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit neu zu komponieren, wenn die Faktenlage allzu eindeutig ist.

Dabei findet man in diesem über viele Jahre hinweg aufgebauten Magath-Bild bestimmt einige Punkte, bei denen ihm unrecht getan wird. So will ich nicht ausschließen, dass er seit 1995 im Schnitt unterdurchschnittlich viele Spieler transferiert hat (Ernsthaft? Hat er so wirklich argumentiert?), vielleicht geht es ihm wirklich nur darum, Spieler besser zu machen, möglicherweise leidet er auch wie ein Hund, wenn irgendwo ein Provinzblatt noch immer mit dem ollen „Quälix“ um die Ecke kommt (auch wenn er das nicht zugeben würde, es also gar nicht Teil des Rekompositionsversuchs sein kann), und vermutlich zählt sein „Ich bin Sportler“ zu den besseren Antworten, die ich bis dato auf die Frage nach dem Selbstverständnis eines Trainers gelesen habe.

Aber letztlich war all das, war jede Chance auf eine offene, wohlwollende Auseinandersetzung mit Magaths Einlassungen zu seinem Image bereits in jenem Moment vertan, in dem die aufmerksame Leserin die allererste Antwort gelesen hatte und gewahr wurde, wohin der Hase lief: zum Gemüse:

„[…] ich erlaube mir schon den Luxus einer gesunden Ernährung. Ich hatte das Glück, dass meine Mutter Wert auf gesundes Essen legte. Bei ihr habe ich das früh mitbekommen, das war damals im Grunde schon biologisch. Nicht viel Fleisch, einmal die Woche Fisch, viel Gemüse. „

 
 
Das ist ja alles gut und schön.
Allein, ich zweifle am Wahrheitsgehalt.
 
 

 
Jaja, ich weiß, möglicherweise musste er in den frühen 80ern kompensieren. Er sagt ja, um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch im Interview, er habe „das dann irgendwann wieder“ für sich entdeckt.

Aber wenn sich nach so vielen Jahren die Gelegenheit ergibt, zum einen eine Überschrift (und einen halben Absatz) des Trainers und zum anderen die von Herrn jon dahl so gerne zitierte und auch aktuell zur Verfügung gestellte Magath’sche Fleischantwort zu rekomponieren, ist es halt um so manches und manchen geschehen. Fairness, Seriosität, Bildqualität, Humoranspruch, mich, um deren fünf zu nennen.

Und irgendwann werde ich mich bestimmt auch Robert Long widmen. Oder Toni Schumachers Lieblingsessen. Allen Lieblingsessen, am besten, unter besonderer Berücksichtigung der Kriterien Professionalität, Außendarstellung und Plagiarismus.

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7 Antworten to “Verpasste Rekomposition des Mythos Magath”

  1. Gunnar Says:

    Das olle Bildchen erinnert mich daran, dass ich zur WM 86 (u. a.) ein Sammelheft der „Hörzu“ hatte, das mit Karikaturen der Spieler aufwartete. Damals als Elfjähriger fand ich das voll doof, aber aus heutiger Sicht wäre das wahrscheinlich ziemlich witzig. Ich muss wohl mal bei meinen Eltern au dem Dachboden rumwühlen, ob es das Heft noch gibt.

  2. heinzkamke Says:

    Wollte grade nach der Häuptling-Silberlocke-Karikatur fragen, las dann aber 86 …

    Aber ich bin gespannt.


  3. Noch interessanter als Toni Schumachers Lieblingsessen ist allerdings in jenem Album seine, ähem, Antwort auf die Frage nach seinem Hobby.

    Ich vermisse ein wenig den Hinweis, dass zumindest sein eigenes Spiel in der Zeit beim HSV ja eben nicht von körperlicher Fitness gelebt hat. Damals hat er – so frühere Interviews nicht falsch waren – sogar noch dazu geraucht. Aber vielleicht ist ein solcher Hinweis auch nur der Zeichenbegrenzung eines Printprodukts zum Opfer gefallen.

    An die Karikaturen erinnere ich mich auch noch, meine aber, dass diese in der normalen Hörzu waren und in keinem Sammelheft. Dann mal raus mit dem Scan, Gunnar, bei Gelegenheit.

  4. T0bstar Says:

    Die Aussage Magaths, er habe „das dann irgendwann wiederentdeckt“, könnte sich auch auf die zwei Sätze direkt davor beziehen: „Statt Essig hat meine Mutter Zitrone über den Salat geträufelt. Das ist reich an Vitamin C.“

    Andererseits – warum sollte er öffentlich erklären, die Zitrone wiederentdeckt zu haben?

  5. heinzkamke Says:

    @Trainer Baade:
    Ja, schönes Hobby. Das Heftchen ist, das meinte ich durchaus ernst, noch ein vertieftere Betrachtung wert.

    Zumindest ist der Hinweis der selbst gesetzten Zeichenbegrenzung des hiesigen Hausherrn zum Opfer gefallen, der so gern – wider seine Natur – nach dem Scan einfach aufgehört hätte, ohne die zweifellos vorhandenen weiteren Aspekte (in der Tat dachte er auch an die Zigaretten) anzusprechen und auszubreiten.

    (Dass er dann doch nicht umhin konnte, sich für die Verkürzung zu rechtfertigen und zu versuchen, dem Interview wie Magath selbst gerechter zu werden: nun ja.)

    @T0bstar:
    Naja, in den Neunzigern war sie bekanntlich vom Aussterben bedroht. Wenn wir ehrlich sind, ist es Felix Magaths Verdienst (und diebezüglich gehört sein Mythos dringend rekomponiert), dass wir uns heute nicht alle von Essig ernähren müssen.

    Tatsächlich würde ich seine Wiederentdeckung etwas allgemeiner auf eine einfache, vernünftige Ernährung beziehen, wie er sie zuvor skizziert hatte. Also Zitronen und Fisch. Und wenig Fleisch.

  6. Gunnar Says:

    @Trainer: Ja, ist schon richtig, die Karikaturen waren in der normalen Hörzu und dann konnte man die ausschneiden und in dieses Heft kleben. Jede Woche gab’s ein Bild.
    Ich gebe Bescheid, wenn ich es wiederfinde.


  7. […] Heinz Kamke zweifelt an Felix Magaths Aussagen im F.A.S.-Interview: “Verpasste Rekomposition des Mythos Magath” […]


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