Ein stolzes eins zu acht zur Pause

27. März 2012

Irgendwann war ich mal ein ganz passabler Fußballspieler. Nicht der Allerschnellste, aber läuferisch auf der Höhe, nicht übertrieben torgefährlich, aber mit einem ordentlichen Auge für den Mitspieler, nicht sonderlich zweikampfstark, aber taktisch ganz gut geschult, kein Dribbelkönig, aber mit dem Ball am Fuß doch ganz behänd.

Allerdings besteht ja manchmal die Schwierigkeit, den Ball erst einmal an den Fuß zu bekommen. Durch einen gewonnen Zweikampf (gelegentlich), geschicktes Stellungsspiel (schon eher), oder eben auf Zuspiel eines Mitspielers (relativ häufig, positionsbedingt).

Nun sind diese Zuspiele der Mitspieler ja häufig von unterschiedlicher Qualität. Der eine spielt stets wunderbar in den Fuß, der andere bewusst oder unbewusst immer in den nicht zwingend dorthin geplanten Lauf, und noch ein anderer spielt einen grundsätzlich irgendwo zwischen Hüft- und Brusthöhe und ein bis zwei Meter seitlich versetzt an, gerne scharf.

Wer dann, wie ich, kein Bewegungstalent vor dem Herrn ist und nicht recht weiß, wie er den Ball am besten verletzungs- und flipperfrei verarbeiten soll, kommt möglicherweise im Lauf der Zeit auf den Gedanken, solche Zuspiele konsequent direkt weiterzuleiten, anstatt sich an einer nicht ganz trivialen Ballannahme zu versuchen. Das Blamagerisiko ist wesentlich geringer (schließlich kann sowas schon mal daneben gehen, Hochgeschwindigkeitsfußball und so), und mit etwas Glück kann man sich einen Ruf als vorausschauender One-Touch-Footballer erarbeiten, weil die Abwehrspieler in den unteren Ligen ja tatsächlich nur bedingt damit rechnen.

Manchmal glaube ich, dass sich Martin Harnik meine Strategie abgeschaut hat. Häufig finde ich es auch richtig gut, dass er den halbhohen Ball direkt weiterleitet, gerne in den Lauf eines Mitspielers (oder auch seinen eigenen, wenn niemand ihn will oder Ibisevic drüberspringt). Manchmal würde ich mir indes wünschen, er nähme ihn einfach an, beruhige den in hoffnungsloser Unterzahl angegangenen Angriff und ermögliche einen geordneten Neuaufbau, gerade in Phasen, wie sie gegen Nürnberg mindestens 45 Minuten lang andauerte, in denen es nicht gelingt, das hohe Tempo des Gegners ein wenig herauszunehmen. (Und nein, ich spreche nicht davon, vom gegnerischen Strafraum aus über William Kvist den eigenen Torhüter mit ins Spiel einzubeziehen.) Aber wie gesagt: Ballkontrolle und Blamagerisiko liegen mitunter nahe beieinander.

Wäre es jetzt billig, darauf hinzuweisen, dass auch das Blamagerisiko eines Trainers recht hoch ist, der nach einer furchtbar schlechten Partie gegen einen an der Grenze zum Abstiegskampf wandelnden Gegner davon spricht, wie stolz er auf den Auftritt seiner Mannschaft sei? Einer Mannschaft, die mit 1:8 Ecken in die Pause ging, die nach 3 Minuten zwei Großchancen nur mit viel Glück überstanden hatte, die diesem – zweifellos engagierten und auch gut spielenden – Gegner in fast (Sie wissen schon … das Toreschießen) allen Belangen unterlegen war, ohne den Anschein zu erwecken, sich dessen bewusst zu sein und es ändern zu wollen.

Warum muss diese Mannschaft bis zur 46. Minute warten, ehe der Trainer  die überfällige Änderung im Sturm vornimmt, bis zur 60. Minute, ehe er nominell etwas ändert, um die Offensive ein wenig zu stärken, und warum wartet sie noch immer auf die Auswechslung des völlig indisponierten Arthur Boka, der nicht nur gegen Timothy Chandler (zumindest weiß ich nun aus eigener Anschauung, weshalb der VfB sein Interesse an ihm bekundet hat) konsequent den kürzeren zog, sondern sich durch absurde Dribblings wiederholt selbst in Situationen brachte, in denen er seine Überforderung zur Schau stellen konnte.

Natürlich war die zweite Halbzeit besser, natürlich fand man zu einer gewissen Ordnung, zumal der Gast sein hohen Tempo unmöglich aufrecht erhalten konnte, und natürlich war das 1:0 ein wahrhaft schön herausgespielter Treffer. Ganz zu schweigen davon, dass Sven Ulreich eine Ecke an der Grenze des Fünfmeterraums herunterpflückte und dass 14 Ecken noch vor wenigen Wochen annähernd so viele Gegentore bedeutet hätten. Wenn das der Anspruch ist.

Was ich noch fragen wollte:

Warum darf Daniel Didavi keine Ecken und Freistöße schießen? (Ok, vermutlich weil die von Adam Hlousek auch nicht schlecht sind.)

War Herr Dingert schon immer so ein Wichtigtuer?

Welches Ansinnen ist stärker zu gewichten: das der einen Mannschaft, einen Spielerwechsel vorzunehmen, oder das der anderen, einen kurzzeitig unterbrochenen Konter mit einem raschen Einwurf fortzusetzen? Vermutlich ersteres, was ich für diskutabel halte.

Advertisements

7 Antworten to “Ein stolzes eins zu acht zur Pause”

  1. Thomas Says:

    Herr Dingert war mir bisher nur negativ aufgefallen, sei es die Körpersprache oder auch seine Entscheidungen.
    Am Sonntag hat sich mein bisheriges Bild von ihm verstärkt, sei es die Zunichtemachung jeglichen schnellen Spiels, aber auch die Szene, als Hajnal einen Meter von der Eckmarkierung entfernt stand, der Freistoß auch einen Meter von der Seitenauslinie stattfand, aber Herr Dingert Hajnal unmissverständlich aufforderte, noch weiter zurückzugehen.

    Warum zählen heute Markierungen nicht mehr? Wozu sind sie noch gut? Warum wird den Schiedsrichtern in der Ausbildung mitgeteilt, ein schnelles Spiel zuzulassen, um dann in der Bundesliga jeden Freistoß abzupfeifen, weil man selber noch Puste holen oder sich in eine gute Position bringen muss?

    Man weiß es nicht…

    Zum Spiel will ich mich nicht äußern. Nur soviel, dass ich es schon lange diese halbhohen Pässe schrecklich finde. Bis man den Ball unter Kontrolle hat, ist der Gegner längst da. Solche schrecklichen Pässe sehe ich sonst selten bei anderen Mannschaften.

  2. heinzkamke Says:

    Oh, stimmt, die Szene mit Hajnal hatte ich eigentlich auch erwähnen wollen. Völlig unverständlich, sowas.

  3. Horscht Says:

    Ich mag ja die Ösis, was dazu führt, dass ich abends beim komisch überdrehten Tatort Spass habe oder halt bei uns dem Spieler auf der Aussenposition nicht lange böse bin. (Gibt es eigentlich jemand, der keine Österreicher mag?! Wahrscheinlich nicht…) Bei Harnik habe ich immer irgendwie das Gefühl, dass er von allen Optionen, die sich ihm darlegen immer die Falsche wählt und sich blöd verdribbelt oder den Ball verschenkt. Gefühlt immer passiert das dann auch so. Realistisch gesehen macht er offensichtlich doch sehr oft das Richtig, um trotzdem auf seine wahnsinnigen 21 Scorerpunkte in dieser Saison zu kommen. Lange Rede, wenig Sinn: Ja, ich wünsche mir das auch oft…
    Zu Wingert: Ich habe 2 Spiele am WE live gesehen: VfB gg. 1.FCN und Stocke City gg Man City. Möglicherweise ein nicht ganz fairer Vergleich, aber wow, der Unterschied in der Spielleitung zwischen Howard Webb und Christian Dingert ist nicht in Worte zu fassen
    Zum VfB: Boka oder Moli ist mir dann egal, beide bauen immer einen Bock. Wieso aber Schieber nicht von Anfang an in der Mitte gespielt hat, ist mir sowas von schleierhaft. Das ist so offensichtlich, dass ich nun doch ernsthaft an der Vernunf und Begabung des Trainers zweifele.

  4. heinzkamke Says:

    Oh, ich wollte nicht einmal ansatzweise andeuten, ich sei Harnik böse – kann ich nämlich auch nicht, auch wenn er gar nicht wie ein typischer Österreicher spricht … anders als die Bibi am Abend …

    Und natürlich haut Harnik dann auch solche großartigen Dinger raus wie jene Einzelaktion über links, als der Ball dreimal schon weg ist, er aber doch zum Abschluss kommt (wenn er dann noch quer auf Schieber hätte spielen können …)

    Ja, Dingert gegen Webb ist unfair. ;)

    In der Tat bemerkenswert, wie einstimmig die Kritik an Labbadia, zumindest nach meiner Wahrnehmung, mittlerweile ist. Und dass er die Gründe, wiederum nach meiner Wahrnehmung, so gar nicht zu verstehen scheint.

    • Johannes Says:

      Er verstehts nicht, weil er, im Gegensatz zu uns, weiß, wo die Mannschaft herkommt, er nicht so ein hohes Anspruchsdenken hat wie die Fans, und weil er denkt, der Erfolg sollte ihm recht geben.
      Dass der Erfolg in den meisten Spielen auf tönernen Füßen steht, geschenkt…

      Wer weiß, vielleicht gehörte das doch zum Plan, erst Cacau vorne stehen zu lassen, um dann die gegnerische Abwehr zu überraschen? Keine Ahnung, ich hab vom Spiel nix gesehen.

  5. Horscht Says:

    @Heinzi: Yep, da muss er einfach das Ding irgendwie in die Mitte bringen. Am besten hart, dann wird es auch bei einem Abwehrspieler gefährlich…
    @Johannes: Richtig, der Plan den FCN zu verwirren ging wohl auf. Gegen Dortmund dann Cacau ins Tor und Sözer (Himi oder Eddy, egal) in den Sturm. Wie verwirrt die dann erst sein werden…

  6. Horscht Says:

    Korrigiere mich: Harnik, du Vollidiot!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s