„Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal.“

23. März 2012

Die geneigte Leserin weiß, dass ich selbst weder organisiert noch initiativ genug bin, regelmäßig den Austausch mit Anhängern anderer Vereine zu suchen, quasi im Sinne einer Vorberichterstattung. Wenn mich aber jemand anspricht, der so etwas in schöner Regelmäßigkeit macht, bin ich gerne dafür zu haben. Dies gilt natürlich in ganz besonderem Maße, wenn derjenige nicht mit 08/15-Fragen um die Ecke kommt, sondern auch mit dem einen oder anderen unerwarteten Ansatz aufwartet – so wie es die Herren von Clubfans United im Vorfeld des sonntäglichen Spiels zwischen dem VfB und dem “Ärgernis” aus Nürnberg getan haben.

Ich durfte mich bei Ihnen über die Aussichten für das Wochenende, über “gemeinsame” Spieler und deren Perspektiven, über Fredi Bobic’ Verhandlungsführung, mein Verhältnis zum “Club”, die intimen Schwächen des VfB (ich habe sie bei der Besetzung der Außenverteidigerpositionen auf eine falsche Fährte gelockt und die Defizite bei Standardsituationen verschwiegen) und – ein wenig deutlich zu ausführlich – über mich selbst und meine Schreiberei auslassen. Wer das lesen will, sei hierhin verwiesen; vor allem aber lege ich jedem, der etwas über den 1. FC Nürnberg wissen will, ans Herz, sich ganz allgemein bei den Clubfans United umzuschauen und Unmengen von Informationen über den sonntäglichen Gast zu sammeln.

Natürlich konnte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und habe Alexander von Clubfans United meinerseits ein paar Fragen gestellt:

[hk] Alexander, ich zögere immer ein wenig, “Clubfans United” als “Blog” zu bezeichnen, was vermutlich daran liegt, dass ich mein eigenes kleines virtuelles Heim als Referenzpunkt heranziehe, der mit dem, was Ihr da auf die Beine stellt (und was Ihr ja auch selbst, in meinen Ohren passender, ein “Fanmagazin” nennt) nicht zu vergleichen ist. Ihr macht das ja hauptberuflich, nicht wahr?

[Clubfans United] Also wenn wir das hauptberuflich machen würden, würden wir uns sofort selbst feuern. Hauptberuflich wäre das doch unbezahlbar. Aber wir fühlen uns geschmeichelt.

Ganz im Ernst: Genau deshalb braucht es doch Fanzmagazine und -blogs, die nicht auf Leser und Quote achten müssen und vom Enthusiasmus leben, um Dinge zu tun, die vielleicht in den Medien gar nicht mehr möglich sind. Wir können vollkommen subjektiv sein, wir können mal ewig lang, mal gnadenlos kurz posten, wir können (verbal) ins Taschentuch heulen oder vollkommen unsportlich unseren Sieg auskosten. Die Zeit, die wir und unsere Autoren da rein stecken, ist vollkommen absurd. Aber da wir uns eh gern mit dem 1. FC Nürnberg beschäftigen, fällt es gar nicht so sehr auf.

Zudem habe ich da schon noch ausreichend Respekt vor dem Handwerk des Journalismus, denn wir können uns auch mal einen subjektiven Bericht ohne große Recherche erlauben, das (sollte) im Profi-Bereich nicht drin sein (und lassen wir jetzt mal den Boulevard weg).

Sicher haben wir mittlerweile einen gewissen eigenen Anspruch entwickelt, z.B., dass wir zu allem, was relevant rund um den Verein ist, irgendwas sagen wollen. Daher passt Fanmagazin jetzt auch besser, wobei die Kommentare weiter den Blog-Charakter ausmachen und unglaublich wichtig für uns sind. Aber als wir uns entschlossen hatten, uns auch nach Außen jetzt als Fanmagazin und nicht mehr als Blog zu bezeichnen, hatte das ganz pragmatische Erwägungen: Mit dem Format “Blog” können einfach viele ‘da draußen’ nichts anfangen. Jetzt nennen wir uns halt “Fanmagazin” und aus Raider wurde Twix…

[hk] Der Club steht derzeit auf Platz 10, 7 Punkte hinter einem Uefa-Cup-Platz und 6 vor dem Relegationsrang. Ganz ehrlich: Ich hätte anstelle der Werte 10-7-6 vor der Saison eher etwas in der Größenordnung 15-20-1 erwartet, zu groß schien mir der Aderlass. War das einfach meiner Distanz und mangelnden Einsicht in Nürnberger Verhältnisse geschuldet, oder seid auch Ihr eher positiv überrascht ob des bisherigen Saisonverlaufs? Und ergänzend dazu: Wie wird diese Zahlenreihe zum Saisonende lauten?

[Clubfans United] Was wir erwartet haben? Alles! Und das z.T. gleichzeitig. Ja! Natürlich hatten wir auch die Abgänge von Ekici, Gündogan und Schieber mit Sorge zur Kenntnis genommen, aber das war schon bald einem grenzenlosen Optimismus gewichen (was bei uns bedeutet: Mittelfeldplatz packen wir). Das ganze hat sich dann im Grunde seitdem wöchentlich geändert. Ich denke, die Abgänge hatten zwar viel Qualität, aber wir wussten ja auch, dass bspw. gerade die drei auch nicht durchgehend den Erfolg der letzten Saison bedeuteten. Gündogan bspw. verletzte sich im Winter und war lange gar nicht am Platz. Zudem hatten wir mit Pekhart und Esswein  wieder zwei viel versprechende Neuzugänge und auch einige Talente in den Startlöchern.
Der Club kam letzte Saison über die Kompaktheit und der Vater der Mannschaft war und blieb Hecking. Wir wunderten uns daher eigentlich eher weniger, dass die Abgänge bei anderen nicht so einschlugen, denn sie funktionierten bei uns eben im Kollektiv.
Was uns bisher in der Saison beinahe das Genick gebrochen hätte waren nicht die Abgänge, sondern die Ausfälle. Die Rekonvaleszenten, die man fest am Zettel hatte, erlitten Rückschläge und aus dem Stamm brachen mit Verletzungen einer nach dem anderen weg. In dem Sog stagnierten dann auch die Talente, die z.T. einfach überfordert waren mit der Verantwortung.
Dem Saisonende sehen wir durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen. Die 6 Punkte tun gut, sind aber kein Ruhekissen und können schnell dahinschmelzen. In Stuttgart punkten wäre daher mehr als beruhigend.

[hk] Um Eure Fragen zu beantworten, hatte ich ein wenig in meinem “Club”-Gedächtnis gekramt und war dabei auf eine Reihe schillernder Perönlichkeiten in der Vereinsführung gestoßen. Angefangen beim ewigen Hern ARO und Gerd Schmelzer über Gerhard Voack (“J.R., wenn ich mich recht entsinne) bis hin zum ehemaligen Schatzmeister Böbel gaben sich in der mittlerweile ferneren Vergangenheit ja schon einige bemerkenswerte Leute die Klinke in die Hand. Heute stellt sich die Situation für mich gänzlich anders dar. Mit Mühe und Not brachte ich noch zusammen, dass das Präsidentenamt abgeschafft wurde, aber den Namen von Martin Baders Vorstandskollegen an der Doppelspitze musste ich bereits nachschlagen. Ist der 1. FC Nürnberg heute ein Verein, der – weitgehend frei von Eitelkeiten – in sich ruht, oder ist das nur die klischeehafte Vorstellung eines weit Außenstehenden?

[Clubfans United] Vorweg und mit Ausrufezeichen: Er ist noch ein Verein! Und das will heute schon fast was heißen in der Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg hat sich entschieden, sich von Alleinherrschern ebenso loszusagen wie einem Einfluß von Außen vorzubeugen. Der Verein gab sich eine neue Ordnung, mit fest installierten angestellten Vorständen und einen starkem Aufsichtsrat, der direkt von den Mitgliedern gewählt wird.
Der Eindruck trügt also nicht: Die Verein ruht jetzt in sich und das sorgt für eine stabile Struktur. Ob man damit weit kommt in der Liga, während andere sich in gewagte Finanzkonstrukte werfen und waghalsige Projekte und Transfers in Angriff nehmen, wird die Zeit zeigen.

[hk] Bestens in das eben gezeichnete Bild passt aus meiner Außensicht auch Dieter Hecking. Er wirkt unaufgeregt, produziert kaum (zumindest überregionale) Schlagzeilen, schon gar nicht mit irgendwelchen fußballphilosophischen Weisheiten,  und nimmt wenn auch nicht klaglos, so doch nach vorne gerichtet den Verlust einiger Akteure hin, die das Spiel seiner Mannschaft in der Vorsaison mit geprägt haben, um dann in der neuen Spielzeit wieder eine ansehnliche Rolle zu spielen. Ist er einfach der richtige Mann am richtigen Ort?

[Clubfans United] Ja, keine Frage – aber mit Ansage. Hecking wusste, das hat er auch oft genug geäußert, was ihn beim Club erwarten würde. Dieser “Nürnberger Weg” der Konsolidierung war Grundlage seines Engagement und er nahm diese Aufgabe an. Umgekehrt suchte man mit Hecking auch einen Mann, der dieser Aufgabe gewachsen sein könnte. Bisher hat Hecking es immer hinbekommen, gerade auch in schwierigen Phasen. Unantastbar ist er aber nicht und auch Hecking hat nie ausgeschlossen, dass er nicht mal unter anderen Voraussetzungen arbeiten möchte. Aber vielleicht gibt es ja für alle ein gemeinsames “Happy End”, sobald die Konsolidierung abgeschlossen ist und man auch anders am Transfermarkt agieren kann. Ein Klassenerhalt in dieser Saison wäre ein riesen Schritt in diese Richtung.

[hk] Dem gemeinen Außenstehenden, in diesem Fall mir, fällt beim Stichwort 1. FC Nürnberg mit Blick auf die letzten Jahre recht schnell das auch von Euch verwendete (und in Frage gestellte) Bild vom Leihhaus ein. Man denkt an Ottl und Breno, an Ekici oder Hegeler und natürlich aus Stuttgarter Sicht auch an Schieber und Didavi. Nun werden erneut Namen wie Petersen oder Usami gehandelt. Ist der Ansatz, mit vielen Leihspielern zu arbeiten, wie es ja auch andere Verein – zum Teil noch intensiver – tun, auf Dauer ein tragfähiger? Ist er für manche kleineren Vereine wie Mainz vielleicht sogar die (fast) einzige Möglichkeit, Spieler einer bestimmten Qualität zumindest temporär zu verpflichten? Oder überwiegen die Risiken einer vorprogrammierten Dauerfluktuation (wie sie allerdings, wenn auch mit einer etwas anderen Qualität, auch ohne Leihgeschäfte gang und gäbe ist)?

[Clubfans United] Dem gemeinen Innenstehenden blieben die Leihgeschäfte auch nicht verborgen und wurden mit zumindest gemischten Gefühlen goutiert. Die Sachzwänge sind naheliegend: Fehlende Qualität, die man sich nicht leisten kann, mit Geliehenem kompensieren. Breno und Ottl waren gute Beispiele, wo man in einer schwierigen Lage durch Zufuhr von Qulität korrigieren konnte. Schwieriger ist das schon bei Spielern die Qualität aufgrund ihres Talents höchstens versprechen, man also nicht weiß, ob sie einen wirklich weiter bringen oder nur einen Platz im Kader blockieren. Diese Spieler brauchen meist eine Anlaufzeit und wenn man dann endlich weiß, ob sie die Qualität haben, sind sie auch fast schon wieder weg. Schieber und Ekici waren da fast Sonderfälle, da man fast schon ahnen konnte, dass die sich durchsetzen werden, aber bei Didavi war das wieder was anderes. Und so kommt es wohl, wie zu befürchten war: Erst war Didavi die halbe Hinrunde verletzt, und jetzt, wo er mit Spielpraxis in Form kommt, scheint der Abschied schon bevorzustehen. Deswegen sind Leihen nicht generell verkehrt, aber sie sind zumindest unbefriedigend auf Dauer. Bei Petersen hat man auch wieder diese gemischten Gefühle, bei Usami scheint es aber ja auf eine Leihe mit Kaufoption hinauszulaufen, das dann natürlich eine andere Sache.

Aber an der Stelle noch was Grundsätzliches: Könnte man sich emotional frei machen, dann wäre Leihe oder Kauf eigentlich vollkommen egal. Bei dem ganzen Geflecht eines Transfers heutzutage, gleichen sich auf Dauer Chancen und Risiken fast aus. Wie viele Vereine haben einen Transferüberschuß? Und wer meint, man könne gekaufte Spieler deswegen länger halten, der unterliegt ja auch einer Mär. Du musst einen Spieler im Prinzip ziehen lassen, weil sonst kein anderer mehr zu dir will – es ist ja immer ein Geben und Nehmen. Und die Stories eines Reus, der (warum auch immer, kann es wirklich Liebe gewesen sein??) seinen Vertrag nochmal verlängerte, um dann seinem alten Verein noch mal eine fette Transfersumme zu sichern, sind ja doch eher seltenst. Wobei: Auch bei Wollscheid und Gündogan konnte man zumindest ähnliche Vereinbarungen treffen. – Aber selbst wenn du als FCN einen Spieler fest unter Vertrag hast: Den Preis, den bspw. ein BVB für den gleichen Spieler bekäme, bekommst du nicht.

Unter dem Strich also lieber keine Leihen, denn die Hoffnung auf den großen Deal stirbt zuletzt …

[hk] In Euren Fragen an mich spiegelte sich bereits die eine oder andere Einschätzung des VfB wider. Ein Verein, der sich möglicherweise auf dem Weg ins dauerhafte Mittelmaß befindet, mit einem Manager, der nicht nur gelegentlich verbal über das Ziel hinausschießt, sondern sich auch als unnachgiebiger Verhandler manche Sympathie, so er sie je hatte, verscherzt, zudem die augenzwinkernde Frage, ob der VfB nicht genug Stoff hergebe, um ein Blog zu füllen – das klingt irgendwie nicht uneingeschränkt positiv, oder täusche ich mich? Und das alles wegen Meiras Foul im Pokalfinale?

[Clubfans United] Meira? War das nicht der Kerl der Mintal umgenietet hat? Sofort auspfeifen!! Spass beiseite…..Das Pokalfinale hatte ja ein Happy End, Meira ist da längst vergessen. Daher eine Gegenfrage: Gibt es eine “uneingeschränkte positive Sympathie” zwischen Fans? Nicht einmal zu Schalke würde ich das unterschreiben, wobei hier schon viel good will ist. Fußball ist Wettbewerb und insoweit rivalisiert man mit jedem Gegner. Das ist nichts Persönliches.

Und wenn du mich nicht verpfeifst, dann verrate ich dir, dass ich sogar mal VfB-”Fan” war – naja, “Fan” soweit man das in seiner leichtsinnigen Jugendzeit am Dorf sein konnte. Ich mochte damals die Mannschaft mit Hansi Müller und Karlheinz Förster. Bis ich dann meiner großen (Fußball-)Liebe begegnete – ganz nach Nick Hornby.

Stuttgart im Speziellen ist für uns kein direkter Rivale – die Sache von “Südderbys” sind doch reine Mediengeschöpfe – was empfinden wir also gegenüber dem VfB?
Wir hatten mal zwei Umfragen gemacht. Bei den Vereinen, die wir mögen, landete der VfB weit hinten
http://www.clubfans-united.de/2011/03/17/fan-sympathien-wen-mag-der-clubfan-sonst-so/
bei den Vereinen, die wir ausgesprochen nicht mögen, landete der VfB aber auch nur im Mittelfeld
http://www.clubfans-united.de/2011/03/24/welcher-verein-ist-ein-rotes-tuch-fur-den-clubfan/
Man könnte also provokant sagen: Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal. Man verfolgt euer Treiben und solange man sich nicht in die Quere kommt, macht jeder so sein Ding. Nur eben zuletzt am Transfermarkt kam etwas Unmut auf und Bobic spielt da eine zentrale Rolle. Aber da sind wir auch auf andere nicht gut zu sprechen. Jammern hilft halt nix, wir müssen einfach unsere Verhandlungsposition selbst verbessern.

[hk] Zum Abschluss noch ein paar kurze Entscheidungsfragen, die ihr gerne mit ausführlichen Begründungen oder auch nur ganz knapp beantworten könnt:

Weyerich oder Horsmann?

[Clubfans United] Puh, jetzt greifst Du aber ganz schön in die Historien-Kiste und ich musste gleich mal Stefan als Telefonjoker ziehen. Stefan: Horsmann kam über Stade Rennes von den Bayern zum Club und war als Rädelsführer der Spielerrevolte im Oktober 1984 nach nur 13 Spielen wieder weg, oder sagen wir besser “wurde gegangen”. Wenn dann schon Weyerich, ein echter Clubberer wie wir in Nürnberg sagen würden, auch wenn er gegen Ende seiner Karriere für die Westvorstadt gekickt hat. Ein Makel, zweifelsohne …

[hk] Ekici oder Gündogan?

[Clubfans United] Da sind wir uns nicht ganz schlüssig. Ich bspw. sah Ekici und Gündogan immer als sehr unterschiedliche Spielertypen, bei denen Ekici offensiv, Gündogan (auch) defensiv seine Stärken hatte. Für Stefan waren Ekici und Gündogan in ihrer Spielanlage ähnliche Typen. Einer Meinung sind wir über Ekicis Standards, die in seiner Zeit in Nürnberg erste Sahne waren. Müssten wir uns entscheiden, dann für Gündogan, der taktisch insgesamt reifer wirkte und auch defensiv mehr arbeitete – und alleine schon weil er kürzlich unsere Derby-Schande gerächt hat.

[hk] Schieber oder Didavi?

[Clubfans United] Da sind wir uns einig: Wohl eher Schieber, der bei uns eine konstant gute Saison gespielt hat. Das würde zwar unseren Mangel an Kreativität nicht beheben – hier verspricht Didavi mehr -, aber bei ihm fehlt es vor allem (noch) an der besagten Konstanz.

[hk] Chandler oder, ähem, Celozzi?

[Clubfans United] Von Celozzi kennen wir fast nur die Statements von VfB-Fans – und die sind zu 90% negativ. Chandler hat zwar kein einfaches “zweites Jahr”, aber dennoch eindeutig: Chandler

[hk] Klewer oder Kargus?

[Clubfans United] Ohne Frage: Kargus. Klewer war ein guter zweiter Torwart und hatte das Zeug zum Helden für den Augenblick – aber auch nicht mehr, nicht weniger. Aber da sind wir uns intern etwas uneins. Stefan bspw. fand Klewer immer super, nicht nur als Elfmeterkiller im Pokal, und fand es nach dem Weggang von Schäfer zu eurem VfB sehr schade, dass er keine Chance als Nummer 1 bekommen hatte. Nach den Erfahrungen mit Blazek hätte man es wohl auch mal lieber mit Klewer probieren sollen …

[hk] Meyer oder Hecking?

[Clubfans United] Kann man das entscheiden? Meyer wurde geliebt, Hecking wird geschätzt. Meyer brachte wieder ein Stück Ruhm zum Ruhmreichen zurück, Hecking bringt uns vielleicht die Basis für eine stabile Zukunft.

[hk] Depp oder nicht? (Man möge mir diese billige Frage verzeihen.)

[Clubfans United] Keine Frage, der Club hat ziemlich “depperte” Dinge geschafft in seiner Historie, aber seit Jahren ist das auch längst Geschichte. Sogar der Abstieg nach dem Pokalsieg war nun so unglaublich auch nicht, denn viele Überraschungs-Mannschaften kommen danach mit Europapokal nicht zurecht und dann in die Krise. Und in den letzten Jahren haben Mannschaften wie Hertha oder die Eintracht schwer an unserem “Titel” gegraben. – Daher: Wir sind solange der Depp, solange wir selbst von uns glauben, dass wir es sind.

[hk] Vielen Dank für Eure Zeit und Eure ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen Antworten. Auf einen schönen Sportnachmittag am Sonntag!

[Clubfans United] Wir danken für das Interview bei uns und die interessanten Fragen im Interview hier. Vielleicht empfinden viele diese Fan-Interviews als belanglos, aber für viele (wie uns) entstehen damit auch Brücken und es werden Vorurteile abgebaut. Deswegen bleiben wir mit unseren Vereinen Rivalen, aber im Kern verstehen wir, was den anderen bewegt – denn wir sind alle Fans des wahrscheinlich geilsten Sports der Welt.

Advertisements

11 Antworten to “„Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal.“”

  1. heinzkamke Says:

    Ich habe mir kurz überlegt, ob ich auf die mal mehr, mal weniger direkt formulierten Gegenfragen etwas entgegnen soll, habe es aber zunächst einmal der Konsistenz des gesprächs wegen unterlassen, und bitte, dies nicht als Missachtung des Gegenübers zu verstehen.

  2. Vio Says:

    Ich weiß auch nicht warum, aber ich mag die Clubfans einfach nicht.

  3. Thor Says:

    Super!
    Ergänzen möchte ich noch, dass (mein Idol) Horst Weyerich mittlerweile als Erzieher in einem Kindergarten arbeitet. Auch ein eher unüblicher Werdegang für einen Bundesligaprofi. Und nun noch eine kleine Quizfrage: Bei welchen Spiel VfB – FCN standen am Ende der Partie 3 Brüderpaare auf dem Feld?

    @Vio: Musst Du ja auch nicht. Den Kommentare hättest Du Dir trotzdem sparen können.

  4. Vio Says:

    Warum nicht?

    Zur Versöhnung kriegst Du auch ein Antwort :-)

    Täuber, Förster, Hoeneß

    http://www.fussballdaten.de/bundesliga/1979/19/nuernberg-vfbstuttgart/

  5. heinzkamke Says:

    Auf die drei Brüderpaare wäre ich wohl auch gekommen, auf das konkrete Spiel zwar nicht, aber angesichts Uli Hoeneß‘ kurzem Intermezzo in Nürnberg wäre die Auswahl ja überschaubar geblieben …

    Horst Weyerich ist Erzeiher geworden? In der Tat ungewöhnlich. Geständnis am Rande: Immer wenn ich versuche, mir Weyerich vor Augen zu führen, taucht da Wolfgang Petry auf.

  6. Hörnla Says:

    Respekt – das Gegeninterview ist ja genauso klasse wie das bei uns ;-)

    Obige Zeilen haben mich dazu gebracht, mein Verhältnis zum VfB zu überdenken – und ich habe, einigermaßen verwundert bis gelinde erschrocken, feststellen müssen, dass Alexanders Befund auch auf mich inzwischen zutrifft: der VfB ist mir in der Tat inzwischen egal. Auch wenn ich ihn zuletzt in einem Artikel für Clubfans United als „schlafenden Riesen“ bezeichnete, den es, als neues Fernziel, da die Bayern wohl für lange Zeit enteilt sind, im Süden auszustechen gelte.

    Ich frage mich, woran das liegt, denn ich hatte eigentlich lange Zeit ein wohlwollendes Interesse am VfB. Aber wenn ich mir selbst die Spieler nennen will, die in meinem Kopf nach wie vor präsent sind, dann gilt für sie unisono: sie sind nicht mehr bei Stuttgart. Zuvörderst steht da für mich ein Karl Allgöwer, das war noch ein Klasse-Typ mit was im Hirn, dem man sofort abnahm, dass es für ihn nicht egal war, bei welchem Verein er seine Brötchen verdiente. Um das klar zu stellen: ich habe überhaupt nichts gegen Spieler, die, ganz wie wir übrigen Arbeitnehmer auch, ihren Arbeitgeber wechseln, wenn sich anderswo bessere (pekuniäre) Perspektiven bieten. Was Otto Normalverbraucher recht ist, muss auch den Bundesligaprofis billig sein können. Aber an diese Spieler kann man sich dann halt in den seltensten Fällen erinnern. Dann erinnere ich mich natürlich an Guido Buchwald, Helmut Roleder, als Trainer Helmut Benthaus, zuletzt als Spieler: Sami Khedira. Als der im Pokalfinale aufdrehte, da wurde mir angst und bange – ein klasse Spieler, dem ich seinen Erfolg bei einem großen Club unter einem Trainer, der seine Fähigkeiten erkannte und offenbar schätzt, absolut gönne.

    Ich mache eine Ausnahme beim aktuellen Kader (oho, nachträgliche Korrektur – es werden doch ein paar Ausnahmen): Julian Schieber hat in Nürnberg einen blendenden Eindruck hinterlassen, auch und gerade weil er nie verleugnete, welcher Verein sein eigentlicher Verein ist. Außerdem mag ich Leute, die ihren Heimatdialekt nicht verleugnen. Dazu solch eine Leistung im Spiel gegen den VfB – ich habe die Szene, wie er Tasci (glaube ich) umkurvte wie ein Skifahrer eine Slalomstange lebhaft in Erinnerung. Außerdem empfinde ich William Kvist als Bereicherung für die Bundesliga. Ein fähiger Spieler mit weit über dem Durchschnitt liegender Spielintelligenz, großem strategischen Können und, glaubt man dem Kicker-Interview, auch sonst einigem in der Birne. Mit dem würde ich gerne mal ein Bierchen trinken. Ach ja – im Unterschied zu vielen Clubfans teile ich die Aversionen gegen Helmut, pardon Cacau überhaupt nicht. Ich finde es ein wenig schade, dass er beim VfB im Moment offenbar einen schweren Stand hat (Außensicht).

    Dann, ganz wichtig: ewigen Dank ans Schwabenland für Willi Entenmann. Einer, der mit seiner Art nach Nürnberg passte wie ein Topf auf einen Deckel, einer der Großen unserer Trainer, der in meinem Herzen Platz hat neben Hans Meyer usw. (Hecking sehe ich, wenngleich nordisch unterkühlter, in Bezug auf die seriöse Trainerarbeit durchaus in der Nachfolge eines Entenmann – ganz großes Kompliment)

    Nun, da doch ein paar Leutchen zusammengekommen sind – warum ist das Interesse doch erlahmt? Ein paar (mögliche) Gründe:

    1. Der VfB hat (nicht böse sein, meine Meinung) in Bezug auf die Vorstände eine ähnliche Kotzbrockenrige zu bieten wie Nürnberg mit korrupten Widerlingen wie Voack: MV, Staudt und Hundt und wie sie alle heißen. Deren politisches Wirken als Die-Hard-Anti-Soziale-Marktwirtschaftler kann ich nicht ganz vergessen. Im Gegensatz zu MV haben seine Nachfolger aber, Außensicht, keine große Vision mehr. Der Verein versackt im Mittelmaß und niemand tut recht was dagegen – so kommt es bei mir an. Ich frage mich, nein ich werfe vor, dass

    2. der VfB aus seinen riesigen Möglichkeiten (wirtschaftlich starker Ballungsraum usw.) so wenig macht. Super Talentförderung, und die spielten eine Zeitlang dann alle bei Hoffenheim und dort rieb man sich die Hände. Nun unter Bobic schlägt das Pendel extrem in die andere Richtung aus. Verständlich, aber nicht unbedingt sympathisch. Aber wie gesagt – aus der Geschichte des Vereins durchaus verständlich.

    3. In Bezug auf Bobic: als Torhüter kotzen mich solche „Weicheier“-Äußerungen wie letztens an – Angriffe auf den Torhüter gehen gar nicht und ich hätte dem Fredi gerne nach Eishockey-Manier sein großes Maul gestopft.

    4. Es steht mir nicht zu, mich in die internen Angelegenheiten eines anderen Vereins einzumischen, aber auch ein Typ wie Labbadia als Trainer, der vermag nicht wirklich dazu beizutragen, dass ich mich für einen Verein interessiere. Das Gegenbeispiel für mich ist Mirko Slomka. Ihm traute ich eigentlich wenig zu – und wurde höchst angenehm überrascht. Er hat Hannover einen unverkennbaren Spielstil eingeprägt, was dazu führt, dass ich mir zum Beispiel die Hannoveraner Duelle in der Europa League eher und lieber ansehe als die ewiggleichen Begegnungen immer derselben Mannschaften in der Klasse, in der dereinst nur die Besten eines Landes einziehen durften (was der Vierte der deutschen, italienischen, englischen oder sonsteiner Liga, ja was auch der Dritte und Zweite beim Kräftemessen der Meister verloren haben, von denen es per definitionem nur einen geben kann, das erschließt sich mir überhaupt nicht, aber damit oute ich mich wohl als Fußballromantiker, auch egal und kein Makel in meinen Augen).

    Fazit: Der VfB hat als Verein in meinen Augen vieles, fast alles Mögliche unternommen, um von einem stolzen Vertreter des Südens in die Mediokrität zu marschieren, darin durchaus dem HSV vergleichbar. Das ist schade, das sage ich auch und gerade als Fan eines Vereins, der von den Möglichkeiten und vom Potential her locker eine Klasse tiefer anzusiedeln wäre, als die Stuttgarter. Ich wünsche mir jedenfalls, dass der VfB zur möglichen Stärke findet und wieder in den Kreis der möglichen Meisterschaftsaspiranten mit eigener (Spiel-)Philosophie vorstößt.

  7. heinzkamke Says:

    @Hörnla:
    Dass das Interview hier gut ist, kann Dich ja nicht überraschen – die Inhalte kamen schließlich von Alexander …

    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, zu dem ich leider sagen muss, dass er mich nicht überrascht. In der Tat glaube ich auch, dass der VfB, wie vor einiger Zeit schon einmal hier im Blog angedeutet, bei neutralen Zuschauern keine allzu starken Gefühle auslöst. Das ist bei anderen Vereinen anders.

    Auch Deine Erklärungsansätze deuten ja, trotz der deutlichen Aussagen zu Bobic und der Präsidentenriege, eher in Richtung Gleichgültigkeit, und es fiele mir schwer, rational dagegen zu argumentieren. So ich das wollte, ich habe zum Glück keinen Missionierungsauftrag.

    Gleichzeitig erlaube ich mir, aus Deinen Äußerungen nicht nur zu den alten Recken, sondern auch und gerade zu aktuelleren Namen wie Khedira oder Kvist, auf ein durchaus nennenswertes Grundinteresse zu schließen – gerade bei Khedira hatte ich bis zur WM 2010 nur sehr bedingt den Eindruck, dass seine Leistungen außerhalb Stuttgarts angemessen gewürdigt wurden, nicht zuletzt deshalb, weil man vieles nur sieht, wenn man sich etwas intensiver mit seinem Spiel befasst.

    Und bei Kvist bin ich ganz Deiner Meinung. Auch wenn er gegenwärtig nicht so stark spielt wie zu Saisonbeginn. Interessant fand ich einen (Fan-)Kommentar, den ich kürzlich irgendwo hörte, sinngemäß: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Spieler nach so kurzer Zeit so hohe Wertschätzung genoss, und das, obwohl er immer wieder Gegentore verursacht hat und im Spiel nach vorne keinerlei Akzente setzt.“ (Bei mir hatte er auch ein bisschen gewonnen als er seinen Antrittsbesuch bei Sport im Dritten in kurzer Hose antrat.)

    Vielleicht noch ein Satz zu Cacau: Ich finde es sehr schwierig, eine klare Minung zu äußern. Er hat Großartiges für den VfB geleistet, und möglicherweise tut er das auch wieder, traue ich ihm absolut zu. Auf der anderen Seite hat er immer wieder ziemlich schwierige Phasen, und damit meine ich nicht, dass er sich sportlich schwer tut, die hat jeder, sondern tatsächlich Phasen, in denen deutlich wird, dass er als Typ schwierig sein kann. Dann würde ich mir ein wenig mehr Zurückhaltung, vielleicht auch ein realistischeres Selbstbild wünschen.

    Und nun erfreue ich mich noch ein wenig an der Perspektive Meisterschaftsaspirant mit eigener (Spiel-)Philosophie.


  8. […] nicht, meinerseits ein paar Fragen zu stellen, was nicht nur angesichts der aussagekräftigen damaligen Antworten bedauerlich […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s