Schattierungen von gelb

13. Dezember 2011

Beide Vereine hatten weder Kosten noch Mühen gescheut. Der VfB hatte Pavel Pardo, den Meister von 2007, der eine makellose Heimbilanz gegen den FC Bayern vorzuweisen hat, als Glücksbringer einfliegen lassen, und den Bayern war es in einer bemerkenswerten Demonstration ärztlicher Heilkunst gelungen, ihren Protagonisten den tödlichen Männerschnupfen auszutreiben. Es war also angerichtet.

Vermutlich hatte Bruno Labbadia seiner Mannschaft Aggressivität gepredigt. Die Hereinnahme von Gebhart und Boka passte in dieses Bild, und im Grunde war ich mir sicher, dass die beiden Linksaußenduelle zwischen Boka und Ribéry auf der einen sowie Gebhart und Rafinha auf der anderen Seite nicht nur hohen Unterhaltungswert haben, sondern auch mindestens einen Platzverweis mit sich bringen würden. Nun ja, es sollte anders kommen. Doch zurück zur Aggressivität, die ich irgendwie anders interpretiere als die Stuttgarter Spieler. Mir wäre es darum gegangen, präsent zu sein, Stärke und Selbstvertrauen zu signalisieren, Zweikämpfe zu führen. Der VfB aber kam gar nicht in den Infight. Vielmehr begann man in der Defensive einerseits mit übertriebenem Respekt, der sich in ehrfürchtigem Zusehen und überängstlichem Zur-Ecke-Klären äußerte, weil ja theoretisch einer dieser brandgefährlichen Münchner Angreifer in der Nähe sein könnte; andererseits erinnerte man sich immer wieder in ungünstigen Momenten der Aggressivitätsvorgabe und ging entsprechend übereifrig in einzelne Zweikämpfe, was unnötige Freistöße und Verwarnungen nach sich zog.

So auch im Fall von Christian Molinaro, bei dessen erstem Foul, so viel Ehrlichkeit muss sein, ich im Stadion zunächst froh war, dass er nicht direkt vom Platz geflogen war – bei der Nachbetrachtung im Fernsehen sah ich dieses Szenario dann nicht mehr als ganz so bedrohlich realistisch an; gleichwohl kann ich mir nur schwer vorstellen, wie man gegen diese Karte argumentieren will. Und wer fünf Minuten nach einer solchen Verwarnung inklusive unmissverständlicher Geste von Herrn Gräfe meint, es sei eine gute Idee, irgendwo an der Außenlinie einen vergleichsweise unwichtigen Ball im höchsten Tempo von hinten erobern zu müssen, der darf sich über die Quittung nicht beschweren. Ich bin nicht Arjen Robbens Meinung, dass es sich hier um eine dunkelgelbe Karte handelte, wie ich auch nicht der Ansicht bin, dass es ihm gut zu Gesicht steht, sich nach dem Spiel so zu äußern. Wenn ich nur das Foul an sich betrachte, würde ich vielleicht eher von zitronenfaltergelb sprechen. Manche würden von eierschalen- oder blassgelb reden, andere über senf- oder neapelgelb diskutieren, letzteres in hell oder dunkel, wieder andere, und darauf würde ich mich jetzt mal festlegen, plädieren für Massikot.

Viele Stuttgarter Zuschauer neigten indes eher zu neuschneegelb und projizierten ihre Verärgerung auf Arjen Robben. Anders als der sehr geschätzte Baziblogger drüben sehe ich darin keine Anzeichen für den Untergang des Abendlandes. Entschuldigung, das tut er natürlich auch nicht; ich finde nur, dass es etwas weit gesprungen ist, bei Beschimpfungen eines gegnerischen Spielers Quervergleiche zu Robert Enke ins Feld zu führen. Mit den „Arschloch“-Rufen kann ich – als Zuhörer, wohlgemerkt – leben, und damit muss auch ein Profi umgehen – zumindest, solange es von den gegnerischen Fans kommt und damit per se eine recht hohe Auszeichnung ist. Das betrifft im Übrigen, um ganz kurz eine andere Baustelle zu streifen, nicht nur Spieler, sondern auch, zum Beispiel, Herrn Hopp. Wenn indes die Schmähungen von den eigenen Anhängern kommen, sieht die Sache meines Erachtens völlig anders aus. Da wäre ich dann schon recht nah beim Baziblogger. Aber ich schweife gleich doppelt ab. Nicht nur von Christian Molinaro, sondern auch gleich noch von den Beschimpfungen für „Ari-Jen“ Robben, die – ungeachtet der obigen Ausführungen zu Arschlöchern und sonstigen Beleidigungen – dann jenseits meiner persönlichen Grenze sind, wenn sie rassistisch, homophob oder in anderer Form diskriminierend sind. Und das waren sie zum Teil. Aber dazu habe ich mich schon an anderer Stelle etwas ausführlicher geäußert.

Besagte massikotgelbe Karte hat Molinaro selbst zu verantworten. Er muss wissen, wie es wirkt, wenn er in einer Situation, in der er im relativ gemächlichen Tempo heranlaufen könnte, ohne dadurch wesentlich schlechtere Optionen zu haben, mit dem Messer zwischen den Zähnen von hinten an Robben heransprintet, er muss sich des Rahmens bewusst sein, den Gräfe mit seinen etwas zu zahlreichen Karten bereits abgesteckt hat, er muss die gerade einmal fünf Minuten zuvor ausgesprochene Warnung des Schiedsrichters im Ohr haben, und ja, er muss auch wissen, das Arjen Robben kein heuriger Hase ist. Vier Anforderungen, die ich an einem professionellen Fußballspieler stelle. Es hätte gereicht, eine davon zu erfüllen.

Womit das Spiel beendet war. Wenn Thomas Müller hinterher flapsig erklärt, der Platzverweis habe eher dem VfB geholfen, dann ist das ein netter Spruch, von dem man weiß, wie man ihn zu nehmen hat. Wenn indes Jupp Heynckes ernsthaft der Meinung ist, der Platzverweis sei nicht spielentscheidend gewesen, bin ich doch etwas irritiert. Wohlgemerkt: ich behaupte nicht, dass der VfB mit elf Mann nicht verloren hätte, die Chancen dafür standen trotz allem gut. Mit dem Platzverweis hatte sich das erledigt, das Spiel war entschieden. Der VfB ließ von einer Sekunde auf die andere alle Hoffnung fahren, ein ansatzweise zwingendes Offensivspiel aufzuziehen. Und genau so trat er fürderhin auf. Was durchaus nachvollziehbar ist, wenn man beispielsweise bedenkt, dass der vermeintlich kreativste und vor allem unerschrockenste Offensivspieler, Timo Gebhart, als linker Verteidiger alle Hände voll zu tun hatte, einen Weltklassespieler in Schach zu halten – mit beachtlichem Erfolg, im Übrigen. Ich gehe fest davon aus, dass Bruno Labbadia in den nächsten Tagen im Training das eine oder andere Mal ausprobiert, ob er Gebhart in Wolfsburg als Rechtsverteidiger aufbieten kann. Solange keine Dauerlösung daraus wird – schließlich würde ich ihn in der Rückrunde gerne mal zehn Spiele am Stück im offensiven Mittelfeld sehen, am liebsten auf der Hajnal-Position -, kann ich mich damit anfreunden.

Wo war ich? Ah ja, Hoffnung fahren lassen, mutlos, und so weiter. Und gerade deshalb war es mir unverständlich, dass der Trainer nicht früher gewechselt hat. Julian Schieber war in seinem zweiten Einsatz nach langer Verletzungspause schlichtweg überfordert, und zwischendurch musste ich, weit übertrieben, gelegentlich an Ermin Bicakcic‘ Sebescen-Moment aus dem Vorjahr denken, und niemand schien auch nur in der Lage zu sein, sich überhaupt vorzustellen, dass man die gegnerische Hälfte überhaupt noch einmal betreten würde. Da hätte ich mir schon ein Signal von der Bank gewünscht. Wobei es aus meiner Sicht keineswegs so ist, dass falsch gewechselt wurde, ganz im Gegenteil – nur eben zu spät. Andererseits: Hätte Cacau mit seiner sehr bemerkenswerten Aktion kurz vor Schluss das 2:2 erzielt, wäre alles richtig gewesen. Und meine (nicht sehr innovative) These zur spielentscheidenden Szene widerlegt.

Noch ein Wort zu Serdar Tasci. Im Spiel war ich in einigen Situation drauf und dran, enorm kluge Dinge wie „deshalb reicht’s nicht mehr für die Nationalelf“ zu sagen, oder gar „weiter oben wird die Luft halt dünn“ von mir zu geben – nicht nur beim 1:1, sondern vor allem vor der Chance von Thomas Müller, die Sven Ulreich einmal mehr hervorragend vereitelte, als Tasci gefühlt auf fünf Metern drei verlor, auch weil er Angst vor dem Körperkontakt und einem möglichen Elfmeter hatte. Doch dann führte ich mir noch einmal vor Augen, gegen wen er da alt aussah: gegen Mario Gomez, vermutlich einen der besten und zweifellos einen der dynamischsten unter den Topstürmern weltweit, bei dessen Ausgleichstor ich bezweifle, dass man fünf weitere Stürmer fände, die es erzielen könnten. Natürlich habe ich ihm gestern alles Schlechte gewünscht, aber das ändert nichts daran, dass ich vermutlich einer seiner größten Bewunderer bin. Und er lernt immer weiter dazu. Neu in seinem Repertoire ist zum Beispiel die eingesprungene Grätsche, die er kurz vor Schluss Timo Gebhart spüren ließ. Interessanterweise war in keinem Spielbericht etwas davon zu sehen, nur im einen oder anderen Ticker las ich nach, dass man dafür „auch schon andere Karten“ als Gomez‘ gelbe gesehen habe. Wie gesagt: ich hatte keine Möglichkeit, die Situation anhand von Fernsehbildern noch einmal zu bewerten, im Stadion und unter nennenswertem Adrenalineinfluss war der Fall für mich aber klar: kirschgelb.

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13 Antworten to “Schattierungen von gelb”

  1. Thomas Says:

    Timo Gebhart gerne auf der 10er Position und (immer noch) Fan von Mario Gomez. Wir haben einige Gemeinsamkeiten, die ich noch nicht kannte. :)

    Klasse Bericht von dir, wobei ich mich ertappt hatte, bei „Alle auf die 10“ lautstark mitzusingen. Beleidigungen gegenüber Spielen, Funktionären und Schiedsrichtern singe ich sonst nie mit, sondern schüttle nur den Kopf.


  2. Sehr schön zusammengefasst – aber ich habe auch nichts anderes von Dir erwartet, als einen angenehm realistischen Blick aufs Geschehene.
    Heynckes (wie Müller) meinten mit ihren Aussagen wohl vielmehr, dass das Bayern-Spiel gegen kompakter stehende Stuttgarter (und aus eigener Müdigkeit heraus) nach dem Platzverweis deutlich erlahmte. Das hat aber wohl eher was mit der Problematik im Bayern-Spiel zu tun, als mit der Anzahl gegnerischer Spieler auf dem Platz. Aber so kann man das natürlich nicht direkt in die Mikrofone sprechen.


  3. Habe deine „Äußerungen an anderer Stelle“ auch schon gelesen, konnte aber, obwohl wir ja (soweit ich mich erinnere) in der gleichen Ecke stehen, nichts derartiges vernehmen. Dürfte aber an mir liegen, weil ich generell bei Schmähungen des Gegners auf Durchzug schalte. Ich hätte natürlich hier und da auch schon große Lust, mit einzustimmen, bin aber der Meinung es ist besser, sich auf die eigene Mannschaft zu konzentrieren und nicht unnötig Energie durch irgendwelche den Gegner adressierende „Gesänge“ zu verschwenden.

    Was den Foultrouble angeht, sehe ich es ähnlich. Wir haben seeehr viele Geschenke verteilt. Dies war imho der Schlüssel zum Sieg der Bayern. Nicht nur, dass Gentner (mMn völlig überzogen, weil beide klar ersichtlich den Ball wollten und es auch kein taktisches war) schon für das erste Foul der Partie Gelb bekommt – was zur Folge hatte, dass Gräfe so pfeifen musste wie er eben gepfiffen hat, aber das ist ein anderes Thema – sondern gerade die vielen (und total unnötigen) Freistöße, die wir den Bayern im letzten Drittel geschenkt haben, waren mMn einer der Knackpunkte im Spiel. Die Ampel für Molinaro war da nur eine logische Konsequenz, auch bei 11 gegen 11 hätten wir früher oder später massive Probleme bekommen, aufgrund der vielfachen Vorbelastung.

  4. Horscht Says:

    Das Problem, dass ich mit Molis Hinsaustellung habe sind die Begründungen, dass das 2. Foul doch ach so dumm und unklug war. Nur vergessen viele, dass wir hier nicht bei „Wer ist der klügste Siebtklässler?“ sind, sondern halt doch im Fussball. Es war kein bösartiges Foul, von daher kann man da die Karte auch stecken lassen.
    Dass der Kollege dann aufgrund seiner Schauspielkunst vom Publikum ausgepfiffen wurde und beschimpft halte ich jetzt für nicht weiter schlimm. Das jetzt in Relation in Robert Enke zu bringen halte ich für einen Witz und eigentlich auch für eine Unverschämtheit. Homophobe Beleidigungen dort jetzt nur auf diese Situation und die Fans zu beziehen halte ich auch für übertrieben. Diese sind leider als häßliches „Gesamtphänomen“ zu betrachten, auch ausserhalb des Fussballes.

    Zum Abschluss noch etwas positives: Timo G. als Aussenverteidiger blew my mind!

  5. 1ng0 Says:

    ein wind, so schwach, er rührt kein blatt
    da lachen selbst die würmer
    doch einen macht das lüftchen platt:
    den holländischen stürmer

    der arme tropf. er fällt wie baum
    und wälzt sich voller schmerzen
    “herr doktor, kommt er durch?” – “wohl kaum”
    der pastor sucht schon kerzen

    es folgt gelb-rot. und dann, genau:
    genesung! seht ihn hoppen!
    in schwaben heißt das: dumme sau
    in bayern: arjen robben

  6. heinzkamke Says:

    @Thomas:
    Natürlich singt man (singe zumindest ich) in der Stadionsituation auch mal Dinge, über die man im Normalfall den Kopf schütteln würde. Finde ich ok.

    @Fernglas FCB:
    Vermutlich meinten sie sowas, und wie gesagt, bei Mülelr war’s ein Spruch. Bei Heynckes fand ich es unnötig, weil es m.E. despektierlich ankommt.

    @el Pibe:
    Ja. :)

    @Horscht:
    Ja, er kann sie stecken lassen*, finde ich auch, und das würde ich auch sagen, wenn es kein VfB-Spieler gewesen wäre. Aber es gab eine Menge Indizien, die das nicht erwarten ließen. Und auch wenn wir nur beim Fußball sind, so sind wir halt auch beim Hauptberuf von Molinaro, und da hat er sich, wenn auch in guter Absicht, sprich aus großer Motivation heraus, bestenfalls ungeschickt verhalten.

    Deine Aussage zu homophoben Beleidigungen habe ich nicht ganz verstanden (ernsthaft, ist keine Fangfrage oder sowas).

    *eben erst gesehen, dass es auch deutlich dunklere Bilder von Massikot gibt als das, das ich im Sinn hatte. Ich meinte ein ziemlich helles.

    @1ng0:
    Hehe, sehr schön.

  7. hirngabel Says:

    Wieder einmal ein genialer Text. Es fehlt zur Krönung eigentlich nur noch eine ähnlich geniale Überschrift. Sowas wie „Die Farbe des Gelbes“.

    Wie auf Twitter schon ausgiebig im Nachgang des Spiels geäußert, halte ich die beiden gelben Karten für Molinaro nicht nur für vertretbar sondern auch für absolut angemessen – und zwar für beide Vergehen und unabhängig von der Gesamtsituation.

    Gentner war meines Erachtens in Ordnung. Die unangebrachteste gelbe Karte fand ich eigentlich die gegen Boka für das kurze Handauflegen bei Ribery, der nicht mal ernsthaft an der Spielsituation beteiligt war (sich aber dafür entsprechend auffällig hinschmiss – um da mal einen weiteren Brandherd zu entfachen).

    Gebhart will ich definitiv weiter offensiv sehen und nicht defensiv (auch wenn sein Auftritt recht beeindruckend war). Das Thema „Zehner“ hatten wir ja schon zu Gross-Zeiten ab und an mal thematisiert. Wäre schön, wenn sich Bruno da mal daran probieren täte, aber mir fehlt der Glaube.

  8. heinzkamke Says:

    Ich fand meine Überschrift ja irgendwie … literarisch. Könnte man mit Hardy Krüger junior und Christine Neubauer verfilmen. Wer will da noch Paul Newman, und wenn der Titel -zugegeben- noch so gut ist? (Und danke für die Blumen.)

    Die Bokakarte (schönes Wort, wenn ich das sagen darf) hätte ich wahrscheinlich auch gegeben, taktisches Foul. Die von Gentner weiß ich nicht, hab sie nur im Stadion gesehen. Egal.

    Was mich viel stärker beschäftigt: wieso sagt keiner was zur Gomezkarte? Noch nicht mal „Absoluter Blödsinn, Kamke!“ Oder läuft Euer Schweigen schon unter Mitleid?

  9. Thomas Says:

    Ich hab das Gomez-Foul leider nicht gesehen von meiner Position aus. Und in den Medien war es ja auch nicht zu sehen.

  10. hirngabel Says:

    Die Gomezgrätsche war meines Erachtens nicht sonderlich schlimm. Sah dramatischer aus als es war. War Vanillepuddinggelb.

  11. Baziblogger Says:

    Ich will mich gern an dieser Stelle kurz äußern, da ich ja mit mit der Enke-Passage unmittelbar angesprochen wurde (was mich einen angenehmen Schrecken durchfahren ließ).

    Ich muss einfach oft an den Selbstmord Robert Enkes denken, wenn es gegen Einzelne auf so großer Bühne geht. Das war jüngst im hier behandelten Spiel so, dass war so, als Manuel Neuer vor seinem Wechsel zum FC Bayern stand und viele Fans so unermüdlich dagegen angehen wollten. Es gäbe noch mehrere Beispiele, die auch ganz gewiss nicht mit dem FC Bayern zu tun haben müssen, für den Fall, dass anhand der Beispiele ein derartiger Eindruck entstanden sein könnte.

    Lange Zeit gab ich beim Fußballschauen in einer Gruppe auch schnell mal unreflektiert irgendwelche Parolen zum Besten, die in dem Moment vielleicht mal witzig, wahrscheinlich aber in erster Linie gehässig waren. Aber seit dem Tod Enkes bin ich versucht, dies zu vermeiden, was gut gelingt. Man kann Fußball auch schauen, ohne zu hassen, was die meisten vermutlich auch gar nicht tun, aber immerhin den Eindruck erwecken könnten. Fußball schauen, ohne die Protagonisten in welcher Form auch immer zu verletzen oder zu entsetzen. Wie im verlinkten Artikel geschrieben, habe ich kein Problem damit, wenn ein Spieler ausgepfiffen wird. Das macht bestimmt sogar Spaß im Stadion, förmlich wartet man dann geradezu auf den nächsten Ballkontakt dieses Spielers, könnte ich mir vorstellen. Aber persönliche Beleidigungen oder das mich an den Pausenhof früher erinnernde „Alle auf die 10!“ sind für meinen Geschmack zu viel des Guten. Es ist noch immer Sport und keine Hetzjagd, kein Spießrutenlauf für einen Einzelnen der 23 Leute auf dem Feld (Ja, 23, weil es den 23. oft genug selbst trifft und dieser den vielleicht schwierigsten Job von allen da unten hat).

    Im Fall von Robben kommt noch hinzu, dass er gerade erst eine Verletzung überwunden hatte, die ihn gedanklich sehr belastete. Von allen Verletzungen laut eigener Aussage bislang sogar am meisten. Es wurde im Stadion also lautstark gegen einen Spieler protestiert, der wenige Wochen nach dieser komplizierten Verletzung psychisch womöglich noch angeschlagen war, der lange Zeit gar nicht wusste, wie und vielleicht sogar ob es sportlich weitergeht. Das muss den Fan der anderen Mannschaft selbstverständlich alles nicht beschäftigten, mich jedoch tat es das, mir tat Robben in dem Spiel fürchterlich leid (wobei mir natürlich klar ist, dass ein Fußballer auch Schmähungen gewachsen sein muss/sollte) und daher schrieb ich im Blog darüber. Leider nicht in angemessener Ausführlichkeit, wie mir mittlerweile bewusst ist, daher immerhin hier diese kurze Erklärung, die vielleicht ein wenig in den Kontext passt. Und sorry an alle, die sich daran gestört haben und das für unangemessen hielten.

  12. heinzkamke Says:

    Baziblogger, danke für die ausführliche Darstellung Deiner Beweggründe, über die es an der einen oder anderen Stelle vielleicht unterschiedliche Meinungen gibt, die aber auf jeden Fall den mitunter (nicht zuletzt in den Kommentaren bei Dir im Blog) angeklungenen Vorwurf der gedankenlos verwendeten „Enke-Keule“ entkräften sollten. Ganz offensichtlich hast Du Dir eine Menge Gedanken darüber gemacht – im Blog kam sie tatsächlich etwas unvermittelt.


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