Ein Bier wie mir

10. Mai 2011

Bier ist ja nicht so meins. Suchtmittelwerbung im Sport auch nicht. Einerseits. Andererseits sind da diese Bilder von 1984. Sie wissen schon. Karlheinz Förster und Walter Kelsch mit der Schale in der Hand – und Dinkelacker auf der Brust. Hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch bei Bayern-Fans.

@Jens1893 Ich kenne den #VfB schon, als er noch Dinkel-Acker auf dem Brustring trug.Thu May 05 18:04:41 via Echofon

Dinkelacker. VfB-Kulturgut. Auch wenn sich die Geister und Geschmäcker scheiden mögen. Kulturgut wie Frottesana, Canon, vielleicht auch noch Südmilch.

Aber wenn ich mich entscheiden müsste: Dinkelacker.
VfB-Firmenmitglied seit 1937, 4 Jahre Trikotsponsor, später Pool-Partner und immer irgendwie mit an Bord, wenn es galt, öffentlichkeitswirksame Aktionen umzusetzen.

Im Februar 2011 wurde bekannt, dass der VfB ab der kommenden Saison auf einen anderen Bierpartner setzt. Einen, der nicht aus Baden-Württemberg stammt, der deutschlandweit aktiver ist als das schwäbisch-betuliche Dinkelacker. Und der eine sportliche Herausforderung in einem neuen Land darstellt, mit fremder Sprache, anderer Kultur, der den Horizont erweitert mehr Geld bezahlt. Dem Vernehmen nach doppelt soviel wie Dinkelacker, konkret: etwa eine Million Euro jährlich, 400.000 mehr als der langjährige Partner aus der Region. Man ist geneigt nachzufragen, wie viele Wochen lang man für diesen Betrag dereinst den Hütchenaufsteller Balakov hätte bezahlen können.

Wie auch immer, Dinkelacker ist raus. Dabei wäre der Vertrag noch ein Jahr gelaufen, doch man einigte sich auf ein vorzeitiges Ende. Schweren Herzens, wie Geschäftsführer Bernhard Schwarz im Februar betonte:

„Es ist uns schwer gefallen, einer Aufhebung der bestehenden Sponsoring-Vereinbarung mit dem VfB zuzustimmen, mit dem wir Woche für Woche mitfiebern, feiern und trauern.“

Floskeln? Vielleicht. Aber wenn es nur leeres Gerede sein sollte, dann ist es ihnen gelungen, das bis zum letzten Heimspiel gut zu verbergen. Bei der Bekenner-Aktion war man vorne dabei, schmutzige Wäsche habe ich bisher keine gerochen, und der Abschied in der Stadionzeitung ist, nun ja, sehen Sie selbst:

Anstand. Stil. Vielleicht Klasse. Oder auch nur Professionalität.

Was auch immer zutreffen mag: so wünsche ich mir die Partner „meines“ Vereins. 400.000 Euro hin. Irgendwas her.

____________
Ganz vergessen: wer als erster ohne Hilfe von Mama Google oder sonstigen einschlägigen Informationsquellen alle abgebildeten Herren (nein, ich meine nicht die im Publikum, wir sind ja nicht bei 9Live) mit Namen versieht, darf sich bei unserem nächsten (ggf. ersten) Treffen ein Getränk aus dem Hause Dinkelacker wünschen. Sollte das Treffen im Neckarstadion stattfinden, kann ich leider nicht liefern.

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26 Antworten to “Ein Bier wie mir”

  1. hirngabel Says:

    Schmecken tut’s aber ja schon nicht sonderlich gut. Um mal unqualifiziert nichts zum schönen Eintrag beizutragen.

    Abgesehen davon ist „mein“ Sponsor ja Südmilch.

  2. Dr Demento Says:

    …das ist ja wirklich erschütternd. Bierqualität hin oder her (wenn wir mal ehrlich sind, hat man sich ja schon immer nach Kräften bemüht, Dinkelacker nur dann zu trinken, wenn es sich wirklich nicht vermeiden ließ), aber das schmerzt wirklich. Fehlt nur noch, dass die bewährte, fantastische, regional verankerte Premium-Partnerschaft mit en-bw durch eine mit – Gott bewahre – Lichtblick abgelöst wird…
    Aber hätte es nicht wenigstens Schwaben-Bräu sein können? Oder Gruibinger Brunnenbier? Günzburger Radweizen? Gold-Ochsen (vielleicht lieber doch nicht?)


  3. Andere Zeiten: Die Auswechselspieler tragen doch tatsächlich nur das Ausrüsterlogo auf ihren sicher zu jener Zeit sehr schicken Sweatshirts und nicht den Hauptsponsoren.

    Bei den Spielernamen muss ich passen, allerdings nur bei einigen wenigen.

    Dass jetzt selbst heinz als Nichtbiertrinker an alten Sponsoren bzw. Versorgern hängt, wundert mich sehr. Konnte schon den Fanaufstand in Bochum beim Abschied von „Fiege“ schwer nachvollziehen.

  4. heinzkamke Says:

    @hirngabel:
    Auf indirekte Weise jemanden alt zu nennen, ist doch immer wieder ein schönes Privileg der Jugend.

    @Dr Demento:
    Ich höre da einen Hauch von elektrischer Ironie heraus. Touché.

    @Trainer Baade:
    Ich hatte die Bekanntgabe des Sponsorenwechsels im Februar ja auch unkommentiert gelassen. Aber die Anzeige hat am Samstag etwas ausgelöst, das wohl nur bedingt mit der Ratio zu fassen ist. Und überhaupt: willst Du mir einen Hang zur Nostalgie absprechen?

    Bezüglich der Sweatshirtträger ist zu erwähnen, dass sie nicht alle Auswechselspieler waren – aber das brauche ich Dir ja nicht zu sagen.


  5. Nostalgie ist ja quasi an manchen Tagen in bestimmten Ausschnitten des Blogosquariums der Ruhezustand des Gehirns – also: nein, natürlich nicht, heinz.

    Merke gerade, dass ich nur die beiden den Torwart Einrahmenden sowie jenen, der vor der Schale sein Haupt senkt, nicht kenne. Aber da Googlen verboten ist, muss (m)ein Bier aus heinz‘ Portemonnaie warten.

    • heinzkamke Says:

      Ich bin mir recht sicher, dass Dir Name des aus unserer Sicht links vom Torwart stehenden jungen Mannes noch einfällt, der rechts ist vermutlich schwieriger.

      Der junge Mann hinter der Schale hat mich auch ein wenig Zeit und eine erste Fehlidentifikation gekostet. Dabei ist er ziemlich bekannt. [Ok, eigentlich kommt man nicht drauf.]

  6. jens1893 Says:

    Interessant an der Krombacher/Dinkel Acker Geschichte finde ich halt, wie man letztes Jahr, als man den Brustring an einen Unternehmer aus der Region Stuttgart verramscht hat, quasi gebetsmühlenartig auf die regionale Verbundenheit etc. hingewiesen hat („d´r Eduardo isch oiner von uns!“) und man hier in einem Sponsoringbereich, in dem sehr, sehr viele Fussballvereine mit einer lokalen Brauerei zusammenarbeiten, eine lokale Brauerei vor die Tür setzt und sich dafür eine TV-Brauerei ins Boot holt.

    Ich habe nichts gegen den Wechsel von Dinkel Acker zu Krombacher, ich trinke im Stadion sowieso kein Bier und wenn die Zahlen aus der Presse stimmen ist die Entscheidung mehr als verständlich, aber die Sache mit Gazi beginnt immer mehr zu stinken und ich habe nicht erst seit Krombacher den Eindruck, als ob da bei der Sponsorensuche 2010 einiges schief gelaufen sein muss und man am Ende das in meinen Augen lächerliche Angebot von Gazi annehmen musste.

    Guckt euch alleine mal an wie durch Gazi die Sponsorenpyramide verwässert wird. Auf Stufe 1 als Hauptsponsor Gazi mit einem Jahresumsatz im Bereich der 100m € und 65 Mitarbeitern, auf Stufe 2 u.a. die EnBW mit 20.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im Bereich der 17 Milliarden € und natürlich die Daimler AG mit knapp 260.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im Bereich der 100 Milliarden €.

    • heinzkamke Says:

      Danke, ich hätte mich sehr gewundert, wenn Du Gazi hier nicht thematisiert hättest. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich sogar kurz darüber nachgedacht, es anzusprechen, dann aber auf Dich gesetzt.

      Und nein, ich glaube auch nicht, dass Gazi die erste Wahl als Hauptsponsor des VfB Stuttgart war. Oder sein sollte. Und das hat nichts mit den Kickers zu tun.

  7. Frottesana Says:

    Der Mann an der Schale ist wirklich knifflig, ich tippe auf … Rainer Zietsch?!
    Der Rest ist klar, schließlich hingen sie damals alle jahrelang bei mir im Kinderzimmer rum – die Gesichter vergisst man nie.

  8. heinzkamke Says:

    Zietsch war auch mein erster Gedanke (s.o.: Fehlidentifikation). Bin mir aber mittlerweile ziemlich sehr sicher, dass er es nicht ist.

    • Frottesana Says:

      Die Frisur würde zwar zum Zietsch passen, aber ansonsten fällt mir nur noch Corneliusson ein.

      • heinzkamke Says:

        Auch da würde ich „nein“ sagen.
        (Wie gesagt: ich kann falsch liegen.)

        Sorry, ich will Dich hier nicht unnötig kitzeln und auf die Folter spannen, aber etwas mehr Zeit zur Auflösung würde ich gerne noch lassen.

  9. steffen Says:

    Andreas Müller!?


  10. @Vio Ja, hast recht. Ich hätte genauer lesen sollen.

  11. heinzkamke Says:

    In der Tat, Steffen: Andreas Müller.
    Ich finde, dass man ihn hier ganz gut erkennt. Und auf Helmut Roleders Seite kann man mit einer guten Lupe zudem die Namen lesen.

    Um allerdings Dein Dinkelacker zu verdienen, Steffen, musst Du der Form halber natürlich auch noch die anderen Namen nennen…

  12. Vio Says:

    Habe doch wirklich den Niedermayer oben neben Buchwald versehentlich zum Sigurvinsson erklärt. Peinlich *schäm*

  13. heinzkamke Says:

    Hab ich wirklich gerade den Link zu den Namen gesetzt, um im folgenden Satz Steffen aufzufordern, die Namen zu nennen? Na bravo.

    @Vio:
    Wir haben am Samstag schon im Stadion kurz diskutiert. Da sind Namen gefallen, die würde ich, anders als Sigurvinsson, nicht einmal öffentlich nennen wollen, so weit waren die von der Wirklichkeit entfernt…

  14. steffen Says:

    Ohne eine starke Lupe zur Hand zu haben:

    Es stehen: Allgöwer, Schäfer, Roleder, Reichert, Buchwald, Niedermayer, B. Förster, Ohlicher

    Es sitzen: Entenmann, Jäger, K.-H. Förster, Müller, und natürlich der allseits beliebte Walter Kelsch

    Ich glaube, ich trinke heute Abend mal ein frisch gezapftes Dinkelacker!


  15. Wow, Bonhof steht ziemlich weit oben in der Luft. Weit über Roleder jedenfalls.

  16. Tamer Says:

    Ganz ehrlich, da bin ich pragmatisch, ich freu mich auf Krombacher, des koasch wenigschdens trinka ;-)

    Fragen:

    1.) Weshalb war der Aufschrei bei der Bekanntgabe von GAZI als Hauptsponsort so groß?

    2.) Wie groß wäre der Aufschrei gewesen wenn es Turkish Airlines geworden wäre?

    3.) Ist es nicht beschämend das ein Milliarden-Unternehmen anstelle eines Herstellers von Milcherzeugnissen sich in die Zweite Reihe zurück zieht?

    Im Grunde bin ich nach Fukushima froh die ENBW nicht mehr auf dem Trikot zu haben, im Grunde macht es moralisch keinen Sinn für einen Atomkonzern den Brustring herzuhalten.

  17. jens1893 Says:

    1.) Habe das doch oben schon angerissen. Wieso gehst du nicht darauf ein? Stichwort Jahresumsatz, Mitarbeiterzahl, Garcia, jährlich gezahlter Betrag von Garcia/Gazi, Sponsorenpyramide.

    Die Herren Staudt und Hundt rühmen sich für ihre Wirtschaftskompetenz und ihre Kontakte zu dieser. Nach 6 Monaten Suche ist das Beste, was sie finden, ein Molkereiunternehmen, welches ausserhalb Stuttgarts quasi unbekannt ist und welches auch dort seine Bekanntheit einzig und allein dem Sponsoring eines Regionalligavereins zu verdanken hat, und das weniger zahlt wie sein Vorgänger. Was paßt hier nicht?

    2.) Hängt vom jährlich gezahlten Betrag ab. Im Gegensatz zur Garmo AG ist Turkish Airlines ein global operierendes Unternehmen mit einem Umsatz im Milliardenbereich, welches desweiteren in letzter Zeit versucht durch Fussballsponsoring seine Marke bekannter zu machen. Turkish Airlines ist Nebensponsor von Manchester United und dem FC Barcelona.

    3.) Was interessiert die EnBW wer nach ihr sein Firmenlogo auf der Brust des VfB hat?

    Beschämend ist es in meinen Augen allerdings sehr wohl, dass es die achso wirtschaftskompetenten handelnden Personen beim VfB nicht geschafft haben hier anstelle von der EnBW einen zahlungskräftigeren Sponsor zu finden.

    Fukushima etc. sind mir in diesem Falle völlig egal. Sofern ein Sponsor halbwegs vertretbar ist (sprich es sich nicht um die Yakuza oder die italienische Mafia handelt) interessiert mich einzig und allein der pro Jahr in die Kassen des VfB wandernde Betrag.

    Gab es in Nürnberg eine Diskussion wegen Areva, seines Zeichens immerhin Weltmarktführer im Bereich Nukleartechnik? Jucken in Gelsenkirchen irgendwen die politischen Verstrickungen Gazproms?

    Je nach politischer Einstellung und moralischen Werten findet immer irgendwer etwas, was man an einem Sponsor aussetzen könnte, allerdings ist Profifussball in erster, zweiter und dritter Linie ein Geschäft und im Bereich Sponsoring ist da für Sentimentalitäten in meinen Augen eher weniger Platz. Man muss das tun, was für den Verein am Besten ist und das ist in 99% der Fälle das, was dem Verein am meisten Geld bringt.

    Interessehalber … gesetzt der Fall du müsstest zwischen folgenden Angeboten entscheiden

    a) Trigema (sehr arbeitnehmerfreundliches Unternehmen aus der Region), kostenlose Austattung, 50.000 € pro Jahr

    b) Nike („gesichtsloses“ Weltunternehmen, welches nicht immer nur positive Schlagzeilen schreibt. Thema Billigarbeit), kostenlose Ausstattung, 5.000.000 € pro Jahr

    Für welches Angebot würdest du dich entscheiden? Welches Angebot bringt dem Verein mehr?

  18. Tamer Says:

    Ich finde Gazi an sich nicht so schlecht und der gezahlte Betrag ist so übel auch nicht. Entscheidend war für mich das die Summe der Gesamtwerbeeinahmen die Vorjahressumme überschritten hatte. Ergo hat der Verein nichts falsch gemacht. Turkish Airlines ist im übrigen selber ausgestiegen. Wie die Summen von Herrn Garcia beglichen werden soll ja nicht unser Problem sein. Du gehst übrigens davon aus das GAZI nur in der Region bekannt ist, da täuscht du dich gewaltig, dem ist nicht so.

    Deine Frage nach Trigema oder Nike erübrigt sich, selbstverständlich Nike. Aber wie gesagt TA ist selber aus den Verhandlungen ausgestiegen.


  19. Areva hat keinen interessiert?

    Ich glaube doch.


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