Hey, das geht ab! Wir feiern die ganze Nacht!

9. Mai 2011

In den letzten Monaten habe ich den einen oder anderen Artikel über die Menschen gelesen, die bei verschiedenen Vereinen für die Stadionmusik verantwortlich zeichnen. Die Stadion-DJs (ich weiß nicht, ob sie mit dieser Bezeichnung einverstanden wären) werden dabei zumeist sehr liebevoll dargestellt, vielleicht schwingt auch ein wenig Neid mit, ihre kreative, teilweise subtile und weitgehend unabhängige Musikauswahl wird gewürdigt.

Über den VfB Stuttgart habe ich einen solchen Text noch nicht gelesen. Dabei schien man in dieser Saison durchaus auf einem Weg zu sein, den ich ein Stück weit mitgehen konnte. Dieser Eindruck hat sich am Samstag nach dem den Klassenerhalt bringenden Spiel gegen Hannover 96 rasch verflüchtigt.

Hey, das geht ab. Wir feiern die ganze Nacht. Na bravo. Die ganze Nacht feiern wir jenen Klassenerhalt, von dem Fredi Bobic völlig zurecht sagte, dass er kein Grund zum Feiern sei. Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass man, wenn die Ewartungshaltung nur weit genug gesenkt ist, natürlich alles feiern kann. Ich selbst habe nach dem Spiel auch noch das eine oder andere Erleichterungsgetränk zu mir genommen, und ich gönne den Beteiligten durchaus, dass sie nach einer sehr schwierigen Saison tatsächlich feiern, das Schlimmste abgewendet zu haben.

Aber muss man das in die Welt hinaus schreien? Vor allem aber: muss man das so in die Welt hinaus schreien? Mit einem Extended Ballermann Party Medley Mix? Darf man die einheimischen Zuschauer durch ein Fegefeuer der Peinlichkeiten schicken? Was sollen die Gäste aus Hannover denken? Insbesondere darüber, dass gar nicht so wenige VfB-Fans mitgesungen haben?

Vielleicht liege ich aber völlig falsch. Möglicherweise hat sich der Musikant vielmehr eine Gehaltserhöhung verdient, indem er unmittelbar nach Spielschluss, und damit auch in jener Phase, in der Teile der Cannstatter Kurve mit einem Spruchband zum Ausdruck brachten, dass mit dem Klassenerhalt keineswegs der Zeitpunkt für eitel Sonnenschein gekommen sei, anhaltenden und nicht nur die Ohren betäubenden Lärm produzierte. Wer will schon im Zeitpunkt des sportlichen Triumphes das Risiko eingehen, das Fernsehen, oder gar die Haupttribüne, könnte falsche Signale aufnehmen?

Signale, die damit zu tun haben könnten, dass die Anhänger gar nicht so glücklich darüber sind, dass „ihr“ Verein in Gutsherrenart geführt wird. Oder damit, wie der Aufsichtsrat auf Kritik reagiert. Es verlangt schon ein gehöriges Maß an Chuzpe,  auf mehrere voneinander unabhängige Demokratisierungsansätze aus dem Mitgliederkreis zu reagieren, indem man jemanden aus den eigenen Reihen als Statthalter installiert. Entschuldigung, installieren will.

Ich kenne Herrn Mäuser nicht, vielleicht ist er überragend qualifiziert, trotz der kolportierten Nähe zu Herrn Professor Hundt. Aber ich möchte nicht, dass er der neue Präsident wird. Eben wegen dieser Nähe zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Dem Vernehmen nach soll der Herr Professor ja auch Gespräche mit der Opposition geführt haben, mit der Aktion VfB 2011 und mit Björn Seemann. Nach reiflicher Überlegung scheint er dann doch zu dem Schluss gekommen zu sein, dass sein Kandidat am besten geeignet ist. Nun ja.

Wenn mir nun jemand entgegnen möchte, dass Fußballvereine Wirtschaftsakteure seine und keine basisdemokratischen Kaffeekränzchen, so gebe ich ihm recht. Ihr auch. Ich befürworte entscheidungsfähige und entscheidungsstarke Führungsgremien, möchte eine kompetente sportliche Leitung mit einem Plan, der auch gerne mal im Widerspruch zu den Wünschen der Fans stehen darf, wenn es das große Ganze erfordert. Ich bin bereit, der Führung zu vertrauen, dass sie ihr Geld verdient und mit meinem Geld im Sinne des Vereins verantwortungsvoll umgeht. Aber so ein kleines bisschen Demokratie wäre halt doch ganz schön, nicht wahr? Dieses Gefühl, dass den Mitgliedern Optionen präsentiert und vielleicht sogar zur Wahl gestellt werden, wäre irgendwie – hilfreich.

Oh, eigentlich wollte ich gar nicht über die grundsätzlichen Probleme beim VfB schreiben. Ich weiß gar nicht, wie das geschehen konnte. Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass Herrn Professor Hundt nachgesagt wird, er hege gewisse Sympathien für Herrn Daum und hätte ihn im Herbst gerne beim VfB untergebracht. Wer weiß, wenn man damals schon einen anderen Präsidenten gehabt hätte, wär’s vielleicht realisierbar gewesen.

Zum Spiel selbst gibt’s aus meiner Sicht nicht viel zu sagen. Außer vielleicht, dass Shinji Okazaki seinem Denkgefängnis entfliehen konnte. Oder dass Martin Harnik selbst als Verstolperer noch Assists zustande bringt. Dass der vergessen geglaubte No-Look-Diagonalpass ins Niemandsland doch noch nicht ausgerottet ist (in der Hoffnung, dass er keine taktische Maßgabe des Trainers war, wofür angesichts der Häufung manches spräche). Dass Sven Ulreich am 33. Spieltag das taktische Mittel „Abwurf“ für sich entdeckte. Dass sich der Ehrenpräsident nicht die Ehre gab, verdiente Mitarbeiter zu verabschieden. Egal. Das Spiel war nicht gut, in der ersten Halbzeit sogar richtig schlecht, phasenweise spielte auch Not gegen Elend. Wie dem auch sei: Klassenerhalt. Wir feiern die ganze Nacht.

Am kommenden Samstag geht’s also für den VfB selbst um nichts mehr, für den Gegner durchaus. Der eine oder andere Fan spekuliert darauf, nachdem es schon nicht geklappt hatte, den Kampf um Platz 3 zu Ungunsten der Bayern zu beeinflusssen, ihnen wenigstens Platz 2 zu verwehren. Mir ist das zwar egal, aber ich kann die innneren Kämpfe vieler Fans in diesen Tagen verstehen. Schließlich habe ich vor einigen Wochen mit einem hoffnungslosen Optimisten gewettet, dass es dem VfB nicht gelingen werde, den SC Freiburg noch zu überholen. Nun muss ich also abwägen, ob ich lieber Platz 7 oder ein Abendessen will. Oder, um das Ganze weniger auf mich selbst als vielmehr auf nicht wenige Fußballfans zu beziehen: ist es mir wichtig, dass der VfB die TSG Hoffenheim noch überholt, wenn diese dafür gegen Wolfsburg verlieren müsste? Konfliktreich, so ein letzter Spieltag. Von den Trainerentlassungsdilemmata der Herren Holzhäuser und Keller gar nicht zu reden.

À propos Trainerentlassungen: ich könnte nächste Saison ohne. 30 Punkte reichen zwar nicht ganz an die Serien der vorigen Spielzeiten hin, aber von 12 auf mindestens 42 ist ein Wort (ja, mehrere), das Respekt und eine faire Chance verdient. Auch für den Sportdirektor, wie ich finde. Meinetwegen mit Vorstandsmitglied Hansi Müller, von dem ich nicht weiß, wie intensiv er sich in den letzten Jahren mit dem Fußballgeschäft auseinandergesetzt hat. Bei Guido Buchwald ist mir das egal. Er hat in Degerloch etwas aufgebaut und ich gönne ihm von Herzen, zu gegebener Zeit auch die Früchte seiner Arbeit vor Ort ernten zu dürfen.

Zum Schluss noch ein persönlicher Wunsch.

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28 Antworten to “Hey, das geht ab! Wir feiern die ganze Nacht!”

  1. jens1893 Says:

    Fand es sehr passend wie am Samstag quasi direkt mit Schlusspfiff das Spruchband in der Kurve hochgegangen ist. Mehr gibt es auch quasi nicht zu sagen. Eine Klassenerhaltsfeier kann hier nicht der Anspruch sein.

    Zu Mäuser etc.

    Der Präsident eines Fussballvereins muss in meinen Augen keine Wirtschaftskompetenz haben, er braucht auch IMO keine Sportkompetenz, was allerdings unabdingbar ist, ist Kompetenz im Bereich Sportmanagement/Sportmarketing. Ein Hundt etc. wendet hier halt 1-1 das an, was er aus der Wirtschaft kennt … deswegen wird hier ja auf sportliche Mißerfolge auch immer mit dem Rotstift reagiert. Und wenn ich mir den Hauptsponsor angucke, dann muss man sich auch fragen, was einem diese tolle Wirtschaftskompetenz bringt.

  2. hirngabel Says:

    Was stand auf dem Banner, der hochging?

  3. heinzkamke Says:

    @hirngabel:
    Das.

    @jens1893:
    Ich bin mir nicht sicher, welche Qualifikationen ein guter Vorstand haben muss. Es gibt zu viele unterschiedliche Modelle, die bei den einen funktionieren, bei den anderen nicht, bei manchen zeitweise.

    Aber ich bin mir relativ sicher, dass alle von Dir genannten Kompetenzen (auch die, die Du nicht als so wichtig erachtest) in der Vereinsführung vertreten sein sollten – nur an welcher Stelle, welcher Funktion, da zweifle ich noch.

  4. jens1893 Says:

    Stimmt. Aber gerade der Bereich Sportmanagement sehe ich bei uns stark unterrepräsentiert. Mit der sportlichen Kompetenz ist es auch so ne Sache, im Extremfall hat man dann eine Situation wie in München, wo jeder denkt es besser zu wissen und dann am Ende 5 Leute dem Trainer/Sportdirektor mit reinreden.

    Unterm Strich würde mich eine professionellere und erfolgsorientiertere Vereinsführung wünschen. Man muss hier nicht zwingend den Eindruck haben, dass sportlicher Erfolg das erste Ziel des Vereins ist und desweiteren kann man hier auch tlw. eine gewisse Selbstzufriedenheit feststellen. Anstatt zu gucken, was man besser machen und wie man sich verstärken kann, lehnt man sich nach dem Erreichen eines „Zieles“ erstmal nen Monat zurück und sonnt sich im eigenen Erfolg.

    Aber wir kommen glaube irgendwie vom Thema ab.

  5. hirngabel Says:

    Ich finde, genau das sollte jetzt das Thema sein.

    @heinzi
    Danke. Gefällt mir, diese Spruchbandaktion.

  6. jens1893 Says:

    Definitiv. Neben der sportlichen Planung für die neue MUSS das DEFINITIV das Thema sein, nur nachdem der Herr Premiumblogger ja schon oben meinte, leicht vom Thema abgeschweift zu sein, weiß ich nicht, ob man mit der Diskussion die Kommentarspalte zuspammen soll.

  7. heinzkamke Says:

    Ich kann grad nicht so mitdiskutieren, aber natürlich _muss_ diese Diskussion hier, in den Foren, im Print, an den Stammtischen, aber auch und unbedingt in den Vereinsgremien geführt werden, keine Frage.

    Wen Du, jens1893, mit diesem Premiumdingens meist, weiß ich nicht, aber mein obiger Hinweis sollte im Grunde auch andeuten, dass diese Thematik eigentlich in einem eigenen Beitrag angesprochen werden müsste, aber es ließ sich einfach nicht zurückhalten…

  8. Dr Demento Says:

    …man sollte auf jeden Fall. Beim VfB liegt in der Vereinsführung einiges im Argen, und das hat nicht nur mit der Satzung und einem sagen wir mal interessanten Verständnis der Rolle der Mitglieder zu tun, sondern auch mit der Art und Weise und auf welcher Grundlage Entscheidungen getroffen werden. Die Planung für sportlichen Erfolg bei einem Bundesligisten ist halt doch ein wenig anders als bei einem Schlepperbauer. Dort kann man sicher aus dem Bauch raus vieles richtig machen, aber im Hochleistungssport sollten Entscheidungen nach bester verfügbarer Evidenz gemacht werden. Zum Beispiel ein Konzept entwickelt und durchgezogen werden, dass den beschränkten finanziellen Mitteln beim VfB Rechnung trägt und deswegen die Jugendabteilungen taktisch so auf Vordermann bringt, dass sich die Profiabteilung mittelfristig aus dem eigenen Jugendbereich bedienen kann. Zum Beispiel, indem Kaderplanung und sportliche Planung sich auch nach der Taktik und dem System ausrichten, das am erfolgversprechendsten ist und nicht unbedingt den persönlichen Vorlieben der Protagonisten folgt. Aber das würde wieder längerfristige Planung bedeuten, und da bleibt mir nur die Hoffnung, dass sich der Vorstand hier mal auf den Hosenboden setzt und für die nächsten Jahre ein tragbares Konzept erarbeitet.

  9. hirngabel Says:

    Natürlich kann man es nicht zurückhalten, es gehört schließlich alles zusammen. Eine seriöse Bewertung der Saison, die jetzt zumindest sportlich ein einigermaßen positives Ende gefunden hat, geht eben nur unter Einbeziehung aller Faktoren und da sind die strategischen, die sportlichen, die personellen und die wirtschaftlichen Ebenen allesamt zu betrachten.

    Achja, Senior Premiumblogger, Applaus übrigens noch für den folgenden Abschnitt:

    À propos Trainerentlassungen: ich könnte nächste Saison ohne. 30 Punkte reichen zwar nicht ganz an die Serien der vorigen Spielzeiten hin, aber von 12 auf mindestens 42 ist ein Wort (ja, mehrere), das Respekt und eine faire Chance verdient. Auch für den Sportdirektor, wie ich finde.

    • jon dahl Says:

      Mal was ganz anderes: Das hier
      – „Dass sich der Ehrenpräsident nicht die Ehre gab, verdiente Mitarbeiter zu verabschieden“ –
      ist ein bisschen gemein; zumal kein verdienter Mitarbeiter dem Ehrenpräsidenten weit über das rein Geschäftliche hinaus näher verbunden sein dürfte.

  10. Tamer Says:

    Komisch das eine Top-Rückrunde nicht der VfB-Führung zugesprochen wird, eine verkorkste Vorrunde dagegen in vollem Maße!

    Der VfB Stuttgart verfügt über eine der besten Vereinsführungen der Bundesliga. Nennt mir einen Verein der BL (außer Bayern) mit dem es der VfB nicht aufnehmen kann! Und zwar was folgende Punkte angeht:

    – Internationale Teilnahmen
    – Meisterschaften
    – Finanzen
    – Jugendarbeit
    – Infrastruktur auf dem Vereinsgelände
    – Stadion (Neubau)
    – Mitgliederzahl
    – usw..

    Staudt und Hundt haben den Verein kurz vor der Insolvenz übernommen und zu dem gemacht was er heute darstellt! Da kann ich es vollkommen verstehen das man irgendwelche Flitzpiepen abweist die jetzt meinen sich ins gemachte Nest setzen zu können.

    Diese ewige Nörglerei und Besserwisserei ist ja in Mode gekommen, es wird aber nicht reflektiert was der Verein alles in den letzten Jahren erreicht hat.

    • jon dahl Says:

      Bremen, Dortmund, Leverkusen, Freiburg, Mainz.
      Beim SV Bad Aussee stand die Insolvenz am andern Ende von Herr Hundts Alleinherrschaftsansprüchen.

    • jens1893 Says:

      Sehr geehrter Herr Tamer, ich beziehe mich auf oben stehenden Kommentar und folgenden Absatz

      ——-
      „Komisch das eine Top-Rückrunde nicht der VfB-Führung zugesprochen wird, eine verkorkste Vorrunde dagegen in vollem Maße!“
      ——-

      Ich zitiere Dieter Hundt in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten vom 12. Oktober 2010

      „Der Aufsichtsrat ist nicht dafür verantwortlich, dass teuer eingekaufte und hoch bezahlte Spieler ihre Leistung nicht bringen oder das Tor nicht treffen.“

      Wieso ist dann der Aufsichtsrat dafür verantwortlich, wenn eben diese teuer eingekauften und hoch bezahlten Spieler auf einmal ihre Leistung bringen und das Tor treffen? Entweder der AR, unter Vorsitz von Professor Hundt, hat Verantwortung für das sportliche Geschehen, positiv wie negativ, oder eben nicht. Und in den letzten Jahren konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Herren in der Vereinsführung sich durchaus dafür verantwortlich fühlen, wenn die teuer eingekauften und hoch bezahlten Fussballer das Tor treffen, allerdings jegliche Schuld abstreiten, wenn dies mal nicht der Fall sein sollte. Und das war hier leider seit Mai 2007 deutlich häufiger wie erwartet der Fall. Finden Sie es nicht auch auffällig, dass sich dieser Verein seit Mai 2007 quasi nur in Extremen (positiv wie negativ) bewegt und die Mannschaft scheinbar nur in extremen Drucksituationen ihre Leistung abrufen kann? Halten Sie den Trainerverschleiss seit Amtsübernahme von Erwin Staudt (jetzt immerhin bereits sieben Trainer seit Juni 2003) nicht auch für bedenklich? Denken Sie nicht, dass es hier Punkte gibt, wo man die Vereinsführung durchaus hinterfragen kann, wenn nicht gar muss? Halten Sie „ausgesprochenes Pech“ bei der Transferpolitik (Zitat Erwin Staudt, Interview Bild am Sonntag, 19. Februar 2011) wirklich für eine schlüssige Erklärung? Zumal die Transferpolitik ja jetzt meines Erachtens nach nicht nur im Sommer 2010 zu wünschen übrig ließ oder wieso sonst unterhält der Verein einen relativ teuren Kader mit einem in meinen Augen katastrophalen Preis/Leistungsverhältnis?

      Der VfB Stuttgart hatte seit Mai 2009 durch die Transfers der Spieler Khedira, Gomez, Rudy und die Teilnahme an der UEFA Champions League 2009-2010 nicht eingeplante Mehreinnahmen in Höhe von ca. 80m €, was in etwa dem Jahresumsatz des Vereins aus den „Kernbereichen“ TV-Gelder, Zuschauereinnahmen und Marketing/Sponsoring entspricht, und steht in meinen Augen im Mai 2011 keineswegs besser, eher deutlich schlechter, da wie im Mai 2009. Wollen sie die Vereinsführung hier wirklich von jeglicher Schuld freisprechen?

      —–
      Der VfB Stuttgart verfügt über eine der besten Vereinsführungen der Bundesliga. Nennt mir einen Verein der BL (außer Bayern) mit dem es der VfB nicht aufnehmen kann! Und zwar was folgende Punkte angeht:
      – Internationale Teilnahmen
      – Meisterschaften
      – Finanzen
      – Jugendarbeit
      – Infrastruktur auf dem Vereinsgelände
      – Stadion (Neubau)
      – Mitgliederzahl
      – usw..
      ——

      Die meisten ihrer genannten Punkte lassen sich meines Erachtens nach unter dem Punkt „Jugendarbeit“ zusammenfassen. Diese war der Hauptgrund für die zweifelsohne vorhandenen sportlichen (und damit verbundenen finanziellen) Erfolge der letzten Jahre. Ob an diesen Erfolgen im sportlichen Bereich jetzt die Herren Kuranyi, Hinkel, Hildebrand, Hleb, Gomez, Tasci und Khedira und im Bereich der Jugendförderung die Herren Albeck, Adrion, Schrof, Kleitsch und Müller einen grösseren Anteil als die Herren Ruf, Staudt, Schneider und Hundt hatten muss jeder für sich selber entscheiden. Für mich fällt die Antwort hier allerdings eindeutig aus, zumal einige der oben genannten Herren schon vor den Herren Ruf, Staudt und Hundt beim VfB Stuttgart waren und die hervorragenden Strukturen im Jugendbereich auch nicht unbedingt erst Juni 2003 existieren. Wie war das mit den „Flitzepiepen“ und dem „gemachten Nest“?

      Der Stadionumbau ist zweifelsohne ein Verdienst von Erwin Staudt.

      ——
      Staudt und Hundt haben den Verein kurz vor der Insolvenz übernommen und zu dem gemacht was er heute darstellt! Da kann ich es vollkommen verstehen das man irgendwelche Flitzpiepen abweist die jetzt meinen sich ins gemachte Nest setzen zu können.
      ——

      Nein, Staudt und Hundt haben diesen Verein nicht kurz vor der Insolvenz übernommen und zu dem gemacht, was er heute ist. Kurz vor der Insolvenz hat diesen Verein eine Person namens Manfred Haas (ja, den gibt es noch, auch wenn er sehr gerne vergessen wird) übernommen und eben diese Person hat den Verein vorbildlich durch die Kirch-Krise geführt und vor der Insolvenz gerettet. Erwin Staudt hat im Juni 2003 den deutschen Vizemeister und CL-Teilnehmer VfB Stuttgart mit einer perspektivisch toll aufgestellten Mannschaft übernommen. Wie war das nochmal mit den Flitzepiepen und dem gemachten Nest?

      Abgesehen davon existiert dieser Verein nicht erst seit 10 Jahren, sondern seit September 1893, und zu dem gemacht, was er heute ist, hat ihn die Geschichte, die Fans, die Spieler und viele, viele andere Personen, die an der Geschichte dieses Vereins in den vergangenen knapp 118 Jahren mitgeschrieben haben.

      Abschliessend denke ich, dass Sie, sehr geehrter Herr Tamer, hier versuchen „devil´s advocate“ zu spielen, denn ich kann mir schwerlich vorstellen, dass eine Person, die die Interessen des VfB Stuttgart im Sinn hat, ernsthaft Ihrer Meinung sein kann. Es sei denn diese Person heißt Staudt, Hundt oder Ruf.

      Mit freundlichen Grüssen,

      Jens1893


      • Mit wieviel Geld schlägt denn der Stadionumbau zu Buche?

      • jens1893 Says:

        @stadtneurotiker

        Das Thema Stadion ist kompliziert, was man u.a. auch daran sieht, dass wir für ein reines Fussballstadion 4 Umbauschritte brauchten (LA WM 1993, HT um den Jahrtausendwechsel rum, GT zur WM 2006 und jetzt die Kurven). Die Stadt war da nicht immer gerade auf unserer Seite.

        Falls du damit meinen Punkt mit den Einnahmen Gomez/Rudy/Khedira + CL 09-10 meinst. Es wurde hier mehrfach von den Herren Staudt und Hundt dementiert, dass Geld aus diesen Einnahmen für den Stadionumbau verwendet wurden.

        Das Stadion wurde im Zuge des Umbaus an eine Stadiongesellschaft überschrieben, an der AFAIK der VfB und die Stadt je 50% halten. Der Umbau der beiden Kurven kostet 60m €, dazu kommen noch ausstehende 33m € aus dem Umbau der HT (siehe oben). Der VfB direkt hat 27m € zugesteuert. 7m € davon kamen von Sponsoren, 20m € von der Daimler AG, die dafür für 30 Jahre die Namensrechte gekriegt hat*.

        Der restliche Betrag soll, soweit ich es verstehe, über die Pacht zurückgezahlt werden. Diese beträgt pro Jahr irgendwas um die 6,xm €.

        *Das Namensrecht war die ganze Zeit eines der Hauptprobleme, da Daimler im Zuge des Umbaus zur LA WM 1993 AFAIK für unbefristete (!) Zeit die Namensrechte für heutzutage lächerliche 10m DM gekriegt hat. Ich weiß nicht was den Ex-OB Rommel da geritten hat, aber der damalige Daimler-Boss Reuter muss ihn unter den Tisch gesoffen haben.

        Ohne etwas guten Willen von Seiten der Daimler AG, insbesondere Zetsche, wäre da glaube nix gegangen, aber durch Staudt auf unserer Seite, der bei dem Thema zweifelsohne grosse Verdienste hat, und Zetsche auf Seiten Daimlers war das Fenster da zur richtigen Zeit offen. Der Titel 2007 hat natürlich auch nicht wirklich geschadet. Unter Schrempp hätte sich Daimler da IMO keinen Zentimeter bewegt.

  11. Dr.Redu Says:

    Es grenzte schon an maßlose Erleichterung, daß es der VfB tatsächlich geschafft hat. Und ich war ebenfalls erleichtert, ja, ich habe micht gefreut. Obwohl ich das Spiel nur nim Radio mitverfolgen konnte. Deshalb kann ich zu den einzelnen Spielzügen nicht viel sagen. Aber das Mitfiebern quoll geradezu aus den Lautsprechern. Ein wenig Demokratie schadet nie. Aber in einem multimillionen Business gibt es leider keine. Da bleibt der Wunsch der Vater des Gedankens. Schade.

  12. heinzkamke Says:

    @Dr Demento:
    Deine Bestandteile eines funktionierenden sportlichen Konzepts entsprechen zu weiten Teilen auch den meinigen: vernünftige, möglichst langfristige Kaderplanung, die sich an klar formulierten sportlichen Vorstellungen orientiert, eine Jugendarbeit, die in möglichst hohem Maße Nachwuchs für die Bundesligamannschaft nachrücken lässt, weitgehende Unabhängigkeit von Einzelpersonen.

    @hirngabel:
    Danke für den Applaus. Ist doch unser aller Brot, nicht wahr?

    @jon dahl:
    Gemein? Ich kann Dir nicht folgen.

    @Tamer:
    Eine Antwort fiele mir leichter, wenn Sie mir sagen würden, an welcher Stelle im Text unterschiedliche Verantwortlichkeiten für Vor- und Rückrunde unterstellt werden. Bisher habe ich sie nicht gefunden.

    Auch bezüglich der von Ihnen genannten Kriterien werden Sie von mir kaum Widerspruch hören. Ganz im Gegenteil: ich werde bei vielen Gelegenheiten nicht müde, auf die herausragende Bilanz des letzten Jahrzehnts hinzuweisen. Sowohl was die Europacupteilnahmen anbelangt als auch mit Blick auf die Nachwuchsförderung als auch bei der Infrastruktur hat der VfB, namentlich nicht zuletzt Herr Staudt, Außerordentliches geleistet.

    Ein -großer- Wermutstropfen ist die sportliche Entwicklung der letzten Jahre, in denen es weder gelungen ist, Kontinuität in der sportlichen Leitung zu schaffen, noch junge Spieler heranzuführen, noch den Eindruck eines klar durchdachten Vorgehens zu vermitteln – wobei Letzteres eine subjektive Betrachtungsweise ist, keine Frage.

    Konkret kritikwürdig, und das dürfte dem Text auch zu entnehmen sein, ist aus meiner Sicht in allererster Linie der Mangel an demokratischen Strukturen und Transparenz, dem man nun mit noch mehr Klüngelei entgegen zu treten scheint. Ich könnte es keinem Fan und/oder Mitglied verdenken, sich dann verhöhnt zu fühlen.

    Flitzpiepen? Nun ja. Interessante Bezeichnung für Menschen, die sich im und für den Verein engagieren wollen. Aber diese ewige Nörglerei und Besserwisserei ist ja in Mode gekommen.

    @Dr. Redu:
    Ich bin ja so ganz grundsätzlich eher für mehr Demokratie als nur ein bisschen ;-)

  13. keano Says:

    Kann man hier Bloggastgebers Kommentarerwiderungen faven? auch wenn einem der VfB (zu meinem Leidwesen immer weniger) eher wumpe ist?
    Nee? Ist ja hier nicht Twitter?
    Na gut.

  14. hirngabel Says:

    @Tamer
    Selbstverständlich wurden im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Erfolge erzielt und das negiert ja auch niemand.
    Nichtsdestotrotz muss man hinterfragen dürfen, weshalb der Verein es TROTZ dieser Erfolge und guten wirtschaftlichen Grundlagen nicht hinbekommt, Kontinuität in die sportliche Seite des Ladens bekommt.
    Es ist sportlich, wie wirtschaftlich (Abfindungen) schädlich, wenn man jede Saison mindestens einmal den Trainer wechselt.

    Ich mein, man versucht ja immer den Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen zu schlagen. Was sagt es da über die Chefetage, wenn sich einmal pro Jahr im mittleren Management einen Abteilungsleiter auswechselt? Ein Qualitätszeichen kann das nun wirklich nicht sein.

    Klar haben die Ergebnisse am Ende der Saison immer in etwa gestimmt in den letzten Jahren. Das ist aber heuer auch nicht mehr der Fall, schließlich haben wir das Ziel „Teilnahme am internationalen Geschäft“ nun wirklich mehr als deutlich verpasst.
    Und auch hier wieder der Querpass zur Wirtschaft: Wenn Du Deine Zielvorgaben nicht erfüllst, dann musst Du Dich dafür verantworten und dann muss man überlegen, was besser gemacht werden kann.

    Mal ganz davon ab, dass es nach einer Meisterschaft natürlich nicht besser werden kann, ist der Trend der letzten Jahre aber schon auch eindeutig, oder nicht?
    Platz 1 – Platz 3 – Platz 6 – Platz 11 (atm)

    Das DARF nicht zufriedenstellend sein!

    Nicht mit unseren Ansprüchen, mit unseren Möglichkeiten, mit unserer jüngeren Vergangenheit.

    [Und jetzt habe ich noch nicht mal darüber geschrieben, dass es nun wirklich auch nicht unser Anspruch sein, die Hinrunde jedes Mal derart desaströs zu gestalten und am Rande des Absturzes zu wandeln]

    • Tamer Says:

      @Hirngabel und weitere Poster

      Vielen Dank für die vielen Reaktionen, vor allem die sehr konstruktiv vorgetragene Kritik.

      *******
      Selbstverständlich wurden im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Erfolge erzielt und das negiert ja auch niemand.
      *******

      Richtig, und für mich das Maß der Dinge, in Summe hat der Verein eine sehr ordentliche Bilanz, dass die besser sein könnte ist korrekt.

      *******
      Nichtsdestotrotz muss man hinterfragen dürfen, weshalb der Verein es TROTZ dieser Erfolge und guten wirtschaftlichen Grundlagen nicht hinbekommt, Kontinuität in die sportliche Seite des Ladens bekommt.
      *******

      Auch richtig, ich denke nach der Meisterschaft wurden der Gedanke gehegt den VfB endgültig in die europäische Spitze zu bringen, dies ist mit zahlreichen Fehleinkäufen bekanntlich schief gegangen. Ich hoffe wir haben dieses auf und ab nach dieser Saison hinter uns gelassen. Letztlich ist aber sportlicher Erfolg nicht planbar und wir sind nicht der einzigste Verein der mit diesen Problemen kämpfen muss.

      *******
      Es ist sportlich, wie wirtschaftlich (Abfindungen) schädlich, wenn man jede Saison mindestens einmal den Trainer wechselt.
      *******

      Wieder richtig, es ist aber auch nicht immer einfach am Trainer festzuhalten wenn sich gravierende Mängel in der Fitness wie z.B. unter Gross plötzlich darstellen. Aus meiner Sicht war z.B. seine Entlassung der richtige Schritt

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      Ich mein, man versucht ja immer den Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen zu schlagen. Was sagt es da über die Chefetage, wenn sich einmal pro Jahr im mittleren Management einen Abteilungsleiter auswechselt?
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      Das passiert aber täglich :-) Für mich war jede Trainerentlassung nachvollziehbar, die Verpflichtung von Bruno hat uns den Hintern gerettet, weder mit Gross oder Keller wäre dies gelungen. Dann wären mit Sicherheit Stimmen hochgekommen man hätte noch mal den Trainer wechseln müssen. Die Vereinsführung hatte die „Eier“ das nochmal durchzuziehen, eine Toprückrunde zu spielen und damit aus einer präkeren Situation das Optimum rauszuholen.

      *******
      Klar haben die Ergebnisse am Ende der Saison immer in etwa gestimmt in den letzten Jahren. Das ist aber heuer auch nicht mehr der Fall, schließlich haben wir das Ziel „Teilnahme am internationalen Geschäft“ nun wirklich mehr als deutlich verpasst.
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      Also beim Ziel interationales Geschäft habe ich meine eigene Meinung. Ich bin dieses Jahr bei den Euroleague-Spielen teils alleine in meinem Block gesessen. Interationales Geschäft wird gefordert, nur anschauen will sich das keiner wenn die Gegner nicht Barca, Real oder ManU heißen.

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      Und auch hier wieder der Querpass zur Wirtschaft: Wenn Du Deine Zielvorgaben nicht erfüllst, dann musst Du Dich dafür verantworten und dann muss man überlegen, was besser gemacht werden kann.
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      Was man besser machen kann sollte man immer überlegen. Zielvorgaben in der Bundesliga einzuhalten ist aber wie gesagt nicht wirklich planbar, siehe Wolfsburg, Frankfurt, Bremen, Schalke, Hamburg, ja sogar die Bayern haben diese Saison ihr Ziel nicht ansatzweise erreicht. Deswegen wird deren Führung nicht in Frage gestellt.

      Ich bleibe dabei, der VfB ist ein top geführter Verein. Das der Präsident vom Aufsichtsrat vorgeschlagen wird, ist in der freien Wirtschaft üblich und schützt unseren Verein vor Leuten wie Seemann, die keiner von uns kennt, die aber aus dem Nichts einen Bundesligaverein führen wollen. Ich halte es für sehr bedenklich das solchen Leuten überhaupt zugehört wird. Wenn Hr. Seemann meint jetzt ins Fussballgeschäft einzusteigen, kann er ja gern in Degerloch anfangen und die Kickers in Liga 2 führen, dann wüssten wir wenigstens das er was auf dem Kasten hat, so wäre es für mich risikoreicher als eine Verpflichtung eines Bastürk oder Camoranesi.

      • heinzkamke Says:

        Nur mal so zur letzten Bemerkung: ich kenne die Lebensläufe früherer VfB-Präsidenten nicht im Detail. Dennoch bezweifle ich, dass beispielsweise die Herren Mayer-Vorfelder, Haas oder Staudt vor Amtsantritt relevante Erfahrungen in der Führung eines professionellen oder zumindest semiprofessionellen Fußballvereins gehabt hätten.

        Die Aussage, dass die Führung der anderen genannten Vereine, die ihre Ziele nicht erreicht haben, nicht in Frage gestellt wird, kann ich nicht in allen Fällen beurteilen, weil ich nur bedingt mitbekomme, was vor Ort vor sich geht. Ob Heribert Bruchhagen nach seiner möglicherweise sportlich fatalen Entscheidung für Herrn Daum sakrosankt bleibt, wird man sehen. Dass bei Schalke das für den sportlichen Bereich zuständige Vorstandsmitglied ebenso entlassen wurde wie in Wolfsburg der Geschäftsführer: geschenkt, die Konstellationen waren besondere. In Köln, wo man ebenfalls mit der sportlichen Situation nicht zufrieden war, wurde dem Vorstand die Entlastung verweigert, in Hamburg änderte sich die Zusammensetzung des Aufsichtsrats per Wahl zu Ungunsten des Vorstandsvorsitzenden und seiner Stellvertreterin, die in der Folge nicht nur in Frage gestellt, sondern faktisch entlassen wurden. In Bremen dürfte die Führung fest im Sattel sitzen. Eines kann man ihr gewiss nicht vorwerfen: mangelnde Kontinuität bei der sportlichen Leitung.


      • Auch beim FC Bayern steht die Führung nicht außerhalb der Kritik.

    • hirngabel Says:

      @Tamer

      Zum Punkt der Vereinsführungen hat heinzkamke ja im Grunde schon alles Nötige gesagt. Wenngleich ich es etwas direkter formulieren würde:
      Es ist nicht wahr, dass alle diese Vereinsführungen komplett unangefochten im Sattel sitzen. Selbst ein Allofs hat dieses Jahr erstmals erheblichen Gegenwind zu spüren bekommen von den Fans.

      „Ich hoffe wir haben dieses auf und ab nach dieser Saison hinter uns gelassen.“

      Das haben wir vor einem Jahr schon gesagt. Und vor zwei Jahren. Und auch schon davor. Genau das ist doch der Kern des Problems!

      Und natürlich ist Erfolg nicht planbar und natürlich sind wir nicht der einzige Verein, der Ausschläge nach oben und nach unten hat. Wir sind aber mit Sicherheit auf dem Niveau, auf dem wir uns befinden, einer der Vereine mit den extremsten Ausschlägen. Und, um das nochmal zu wiederholen: Die Entwicklung wird ja nicht besser, sondern von der Tendenz her immer schlechter. Meister – Champions League – Europa League – Klassenerhalt am vorletzten Spieltag

      Woher nimmst Du da den Optimismus, dass es ab nächster Saison plötzlich gut wird bzw. wir nicht mehr die extremen Ausschläge drin haben?

      „Das passiert aber täglich.“
      Ja, es passieren täglich Entlassungen. Aber dass der Leiter derselben Abteilung eines Unternehmens im Jahresrhytmus ausgetauscht und neu besetzt wird (dieses Jahr ja sogar noch häufiger), ist in der Wirtschaft nun wirklich nicht an der Tagesordnung. Und wenn es bei einem Unternehmen der Fall ist, dann ist das KEIN Zeichen für ein gut funktionierendes Unternehmen!

      Und natürlich lassen sich für jede Trainerentlassung der letzten Jahre gute Gründe finden. Aber, auch hier wie in der Wirtschaft, wenn sich doch herausstellt, dass das angestellte Personal so häufig und so regelmäßig nicht passt bzw. underperformed – dann muss man doch zwangsläufig die Entscheidungskraft derjenigen hinterfragen, die immer wieder diese Personalfehlentscheidungen treffen, die der Firma ja auch Geld kosten (Again, Stichwort Abfindungen).

      Thema „Zielvorgaben / Europa League“
      Bei der negativen Beurteilung der Europa League wirst Du hier vermutlich keinen großen Widerspruch finden – wenngleich die schlechte Zuschauerresonanz weniger das Kriterium sein sollte, als die mangelnde wirtschaftliche Attraktivität nach der erneuten Restrukturierung des Wettbewerbs (gerade einmal 3 Mio sind diese Saison für den VfB aus der EL abgefallen).
      Aber das ändert nichts daran, dass gerade nach den letzten Jahren, unser Anspruch sein MUSS im oberen Drittel der Liga mitzuspielen und möglichst nah an den attraktiveren Fleischtöpfen der CL zu landen. Dass es zu Platz 1-3 nicht immer reichen kann, bei der großen Konkurrenz, das gebe ich dann gerne zu – aber wenn man am vorletzten Spieltag erst den Klassenerhalt sicher macht, dann ist das „Ziel Verfehlt“. Ohne Wenn und Aber.

  15. jens1893 Says:

    @Tamer

    Thema „Respekt für den dritten Trainerwechsel in einer prekären Situation“

    Aber wer ist denn dafür mitverantwortlich gewesen, dass man erst in diese Situation gekommen ist? Wer hat denn hier in einer damals schon sehr prekären Situation einen Jens Keller eingestellt, der IMO ein Fehlschuss mit Ansage war? In der damaligen Situation einen im Profibereich komplett unerfahrenen und auch im Jugendbereich nicht übermässig erfolgreichen Jens Keller einzustellen war in meinen Augen unverantwortlich. Wenn ich x-Fehler in Serie mache und dann am Ende eine gute Entscheidung treffe, um den durch meine vorherigen Fehler drohenden GAU abwende, dann kann ich dafür keinen Respekt erwarten.

    Ausserdem ist man in Stuttgart beim Thema anfänglicher Erfolg von Trainern nach den letzten Jahren ja auch ein gebranntes Kind. Für auffällig halte ich desweiteren, dass man hier immer genau das Gegenteil von dem macht, was davor nicht funktioniert hat. Ohne hier jetzt das Fass Christian Gross öffnen zu wollen, aber bei Babbel hat man gewartet, bis es absolut nicht mehr weiter ging und bei Gross hat man bei den ersten Widerständen gleich die Konsequenzen gezogen. Es mag gute Gründe für die Entlassung von Christian Gross gegeben haben, allerdings hat Gross auch einige Dinge, die im Laufe der Saison zu akuten Problemen wurden, schon im Sommer angemahnt und ich hatte irgendwie den Eindruck, als ob Gross keine Lust mehr auf den Kampf gg. Windmühlen hatte.

    Thema „internationales Geschäft“

    Ich habe da auch eine eigene Meinung und ich halte die EL für überflüssig und kontraproduktiv. Dieser Wettbewerb wurde in meinen Augen absolut zu Tode reformiert und ist in dieser derzeitigen Form kaum mehr erstrebenswert, da finanziell sehr unattraktiv. Der Aufwand in der EL steht in meinen Augen in keinem Verhältnis zum Ertrag, wobei das jetzt allerdings ein allgemeines Problem ist, welches man nicht der Vereinsführung anlasten kann. Ich beäuge es seit Jahren kritisch wie die Schere zw. CL und EL immer weiter auseinander geht.

    Die Zuschauerzahlen bei internationalen Spielen würde ich übrigens auch nicht nur allein dem Publikum anlasten, der Verein ist in meinen Augen seit Jahren bei der Gestaltung der Eintrittspreise für „unattraktive“ Pokalspiele lernresistent und wenn man für Spiele gegen mittelmässige Klubs aus der Slowakei, Dänemark oder Norwegen die gleichen Preise wie für ein BL-Spiel nimmt, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Kunde diese nicht annimmt und zu Hause bleibt. Wobei ja lustigerweise die Preise für die Kurve dieses Jahr sehr wohl angenommen wurden, diese war nämlich AFAIK immer gut bis sehr gut besetzt, nur auf den beiden Geraden herrschte gähnende Leere. Da muss der Verein dann in meinen Augen auch einfach mal die Eintrittspreise anpassen und senken, denn es kann auch nicht im Sinne des Vereins sein, wenn man im Fernsehen dort leere Tribünen sieht.

    Thema Satzung

    Was in der freien Wirtschaft üblich ist interessiert mich hier eher weniger. Nur weil die Herren Hundt, Staudt und Ruf den VfB Stuttgart 1893 e.V., einen Sportverein, mit einem mittelständischen Unternehmen („aus der Unterhaltungsindustrie, welches Emotionen produziert“ Zitat Erwin Staudt) verwechseln und hier versuchen 1-1 die Dinge anzuwenden, die man von dort kennt, muss ich dies als Fussballfan nicht auch tun. Für mich zählt in erster, zweiter und dritter Linie das Geschehen auf dem Rasen und das werden viele ähnlich sehen. Ich finde es schön, wenn dieser Verein gute wirtschaftliche Zahlen hat, allerdings jubel ich lieber über ein Siegtor in der 90ten Minute als über die Bekanntgabe der Umsatzzahlen.

    Und gegen Leute wie Seemann kann man sich auch anderweitig schützen. Dafür braucht man keine Satzung, die mich eher, mit Verlaub, an ein Rudelbumsen erinnert, wo der eine den anderen vorschlägt und eine Hand die andere wäscht. Wie wäre es mit folgender Lösung: Jeder Kandidat, der sich auf der Mitgliederversammlung zur Wahl stellen will, braucht vorher so und so viele Unterschriften?

    Wovor dieser Verein geschützt werden muss, sollten in meinen Augen immer noch die Mitglieder selber bestimmen. Wer auf autoritäre Machtverhältnisse steht, wo das Wort einer Person bzw. einer Partei Gesetz ist und diese schon wissen wird, was das Beste für das Volk bzw. den Verein ist, ist in meinen Augen in Nordkorea oder China besser aufgehoben.

    Ich halte Extreme für nie sonderlich förderlich. Sportlich gibt es hier nur entweder das eine oder das andere Extrem und auch beim Thema Mitbestimmung und Transparenz und Finanzpolitik vertritt der Verein in meinen Augen wenig förderliche Extreme. Das andere Extrem (siehe Hamburger Sportverein beim Thema Transparenz und Mitbestimmung und u.a. Schalke 04 beim Thema Finanzen) ist in meinen Augen auch nicht wirklich erstrebenswert, was zu viel Mitbestimmung bedeuten kann zeigt gerade der HSV derzeit, aber ein gesunder Mittelweg ist es sehr wohl. Und diesen gesunden Mittelweg sehe ich hier leider derzeit auf so gut wie keiner Ebene.

  16. 1ng0 Says:

    da der aufhänger ja das thema musik im stadion war, muss ich hier aber doch eine bis eineinhalb lanzen brechen. dass nach toren pennywise läuft, erfreut mein altes punkrock-herz doch jedes mal aufs neue. und wenn man sieht, was die konkurrenz bei solchen gelegenheiten aufbietet („was wollen wir trinken“ in hoffenheim, brings und höhner in kölle, schürzenjäger in minga, status quo in leverkusen), ist das geschmacklich aller ehren wert und eindeutig ligaspitze. wie es dazu gekommen ist, würde ich gerne mal wissen. vielleicht ja ein thema für einen zukünftigen blogartikel. und mit paradise city nach siegen kann ich auch sehr gut leben. um so schlimmer, dass dieser gute eindruck durch die dämlichen atzen (die zudem fußballheimatich ja eindeutig der hertha zuzuordnen sind) so nachhaltig gestört wird.

    und irgendwie, ich weiß nicht warum, habe ich jetzt die ganze zeit den vfb-song von 1992 im kopf, der sich bei der rückfahrt aus leverkusen ganz tief eingegraben hat. aber wer war das nochmal: schwoißfuaß? wolle kriwanek? damn, ich komm nicht drauf…

    „song 2“ in st.pauli, nürnberg, koblenz)

    • jens1893 Says:

      Die Atzen-Lieder kann man immerhin so schön umdichten. So wie Hertha 08-09 oder der Rest der Bundesliga 09-10. Bei Pennywise, welches AFAIK sogar seit der Winterpause 2007 läuft, gab es glaube Gespräche mit den Fans … was ich allerdings absolut nicht mehr hören kann ist „Steh auf“ von den Toten Hosen. Dieses Lied kam dieses Jahr definitiv viel zu häufig.

    • jon dahl Says:

      wolle kriwanek. rip.

  17. jens1893 Says:

    Präsentiert von der badischen Staatsbrauerei Rothaus *grusel*


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