Jede mit jedem. Oder andersrum.

18. März 2011

Liest hier eigentlich jemand aus meiner ehemaligen Schule mit? Jemand, der sich noch an die Zeiten erinnern kann, wie damals jede mal mit jedem und jeder mit jeder…? Ja, wisst Ihr noch? Habt Ihr irgendwann auch den Überblick verloren?

Wobei jede mit jedem ja nicht so ganz stimmt. Die Petra zum Beispiel, die mit der Lederjacke, die wollte irgendwie keiner so recht. Mag am leichten Oberlippenflaum gelegen haben. Oder die Lotta. War eigentlich gar nicht so unattraktiv, aber sie konnte den Mund nicht halten. Die Maggie, die wir später als heißen Feger kannten, war zuerst ja auch nur so eine Art Trostpreis für die Loser. Für den Aro (ja, wir hatten seltsame Kosenamen damals), den Werner oder den Frank zum Beispiel. Der Erwin führte sie dann in die Clique ein, der Uli nahm sich ihrer auch ein Weilchen an, um sie dann dem neureichen Wolfi zu überlassen. Den mochte die Maggie dann nicht mehr so sehr, weil Kumpel Scha’ly versprach, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Die Liebe machte ihn lange blind, aber letztlich ließ er sie doch zu Wolfi zurück, der hatte damals schon einen Volkswagen.

Wenn ich jetzt nicht alles durcheinander bringe, tröstete sich Scha’ly mit Ragnhild. Die hieß wirklich so – sie kam wohl aus einer Akademikerfamilie und hatte es deshalb auch nicht immer leicht gehabt bei uns, die wir eher das Bodenständige mochten. Drum hatte Scha’ly ihr auch schon einmal den Laufpass gegeben, obwohl er für sie zuvor die erfahrene Heike aufgegeben hatte. Ragnhild vergnügte sich ein Weilchen mit Hoffa (keine Ahnung, weshalb wir ihn so nannten – mit einem Gewerkschaftsführer hatte er nun wirklich wenig gemein), der sie dann aber hinterging – man munkelte, es habe mit einer Südamerikanerin zu tun gehabt.

Da wir grade von Heike sprachen: wisst Ihr noch, wie schnell die immer rot wurde? Schon damals bei Bo-Rouven war ihr das immer passiert – Wolle machte sich ständig über sie lustig -, erst bei Uli fand sie ein wenig Geborgenheit. Nachdem das in die Brüche gegangen war, kam sie viel herum (zwinker), und nach einem kurzen Intermezzo mit Uli, der sie überraschend wieder in die Clique einführte, vergnügte sie sich eine Weile mit Levent, fühlte sich aber nach wie vor stark zu Uli hingezogen, zumal der sich gerade ein wenig von seiner exotischen Louise entliebt hatte.

Und erinnert Ihr Euch noch an Hans-Volkert? Wie der damals komplett am Rad drehte und nacheinander Martina, die schöne Brunhild, Monja, Vera und meines Wissens auch noch Onella abservierte? Und jedesmal war’s natürlich die eine, die für’s Leben.

Immer wieder schön, in Erinnerungen zu schwelgen. Wahnsinn, wie das durcheinander ging, damals. Als sich der Erwin jeden Herbst von seinem Umfeld einreden ließ, es sei Zeit für eine Neue, einmal sogar doppelt. Und damit nicht unbedingt der größte Hallodri war. Legendär übrigens die Geschichten von jenen, die sich die eine noch warmhielten, weil die nächste erst ein paar Wochen später verfügbar war.

Wir waren halt Kinder, damals.

Advertisements

26 Antworten to “Jede mit jedem. Oder andersrum.”

  1. Bella Says:

    Ich würde diesem Text gern Pralinen und Blumen schenken. Und soviel Mühe geb ich mir selten.


  2. Geradezu kindlich auch mein Gekicher. Herr von und zu Kamke, das war sehr schön.


  3. Ja, das ist wirklich ein sehr schönes Stückchen.

  4. nedfuller Says:

    Hm, wir haben damals mit Lego gespielt ;-)

  5. hirngabel Says:

    Ich kniee nieder.

  6. Gusteau Says:

    Warum gibts nie einen flattr button wenn man einen braucht

  7. gses Says:

    Krass, wie gut das ist.
    („Instant Classic!“ rutscht mir da so raus)

  8. Philipp Says:

    Heute würde man im März sagen: Bis zu den Sommerferien bleiben wir zusammen, danach such ich mir einen heißeren Feger. Irgendwie ehrlicher. ;-)

  9. Andi Says:

    Sensationell, großartig!

  10. Clemens Says:

    Jugendlicher Wahnsinn, aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

    Ein fantastischer Text, danke.

  11. sebastian Says:

    sehr schön! wobei ich noch erwähnen möchte, wie toll ich es finde, dass maggie und holly so unzertrennbar sind. das ist doch wahre freundschaft!

  12. heinzkamke Says:

    Ich danke herzlich allenthalben. Von Pralinen bitte ich abzusehen, Fastenzeit, und die Bratwurst möge sich wieder erheben.

  13. Lizas Welt Says:

    Ich knie neben Hirngabel nieder und verharre in Ehrfurcht und Demut. Lange nicht mehr einen solch göttlichen Text gelesen. Danke!

  14. dotdeguy Says:

    Ein herrlicher Text! Der hat mich sogar ein wenig aus meiner Bayern-Depression geholt.

  15. Uwe Says:

    Ist schon „Meine 18 bis Hochzeit“ in Planung ;-) ? Wenn dann wieder alle das Stöckchen aufnehmen, würde es ein bunter Strauß Namen werden. Obwohl, ich selber würde wohl kaum eine 10er Liga benennen können :-). Schöner Text.

  16. Dee_Saster Says:

    Weltklasse!

  17. Max Says:

    Das war stark. Hat ’ne Weile gedauert, aber wird durch mehrfaches Lesen immer besser :-)


  18. Wir haben seinerzeit irgendwie immer nur „gepöhlt“. Waren wir wohl nicht gemeinsam in einer Klasse.
    ;-)

  19. oliisoaho Says:

    ich war der blöde mit zahnspange und brille.
    ganz fantastisch die trainerwechsel in eine geschichte umgewandelt!SUPER!

  20. jekylla Says:

    Wunderbar. Idee und Ausführung großartig.

  21. Herr Wieland Says:

    Nun, als Freund der Familie kann ich aufklären und sagen, dass es nicht an Scha’ly lag, dass mit Ragnhild nichts mehr lief. Scha’lys Alter, als Familienoberhaupt ein Pate alter Schule, kam mit dem jungen Ding nicht klar. Ein Mädchen vom anderen Schlag, dass wollte er nicht akzeptieren.

    Schal’ly hat Ranghild immer geliebt. Der alte ist tot. Onkel Tönn als neues Familienoberhaupt will für Scha’ly nur das Beste. Sieht mir nach fruchtbarer Ehe aus. Ma’kucken.


  22. Ein wunderbarer Text!
    Zum Ausdrucken und Vorlesen.

    Ich würde die oben offerierten Pralinen nehmen. Für Meike. Oder Nina.

  23. Casi Says:

    geil, einfach nur geil =)

  24. keano Says:

    Sehr schön.
    Mehrfachlesen macht’s nur besser.


  25. Und die Chris, die die zwischendurch mal auf die schiefe Bahn geriet, Drogen und so, erinnert Ihr Euch noch, die hat doch dem Colin dauernd die ewige Treue geschworen, naja, jetzt machtse mit Frank rum.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s