Wie ich eine Zeit lang vergaß, Schalke…

2. November 2010

Wäre ich eine Zeitungsredaktion, dann lägen hier einige Nachrufentwürfe auf Halde, Sie wissen schon, für Prominente, die das Zeitliche segnen. Wäre ich Fernsehen, gäb’s dazu auch noch klare Regelungen zu der Frage, wie mit dem Fall der Fälle umgegangen würde: Meldung in den Nachrichten, mit oder ohne Filmchen, Programmänderung in Form der Wiederholung alter Meisterwerke oder gar eines Brennpunkts, im Extremfall gar Unterbrechung des Programms?

Nun denn, ich bin keine Zeitung, und ich bin nicht Fernsehen. Ich blogge bloß. Und es ist alles andere als seriös, das Ableben von Politikerinnen, Künstlern, wem auch immer, mit dem Ende eines Blogs zu vergleichen.

Und doch: heute würde ich gerne das Programm unterbrechen. Einen Brennpunkt senden. Ohne Lobhudelei, Verklärung und Heldenverehrung, keine Sorge, ich möchte einfach nur… erinnern, schwelgen, lobhudeln, verklären und verehren.

Schalke 04. Der VfB und Schalke, wir hatten keine sonderlich gute Zeit in den letzten zwei Monaten miteinander in den letzten, sagen wir, 10 Jahren. Die haben mit Geld um sich geschmissen, uns Bordon und Kuranyi weggekauft, das eine oder andere Scharmützel mit uns ausgetragen angezettelt, den Manager mit viel Geld erpresst, sie haben böses russisches Geld angenommen, hatten Rafinha und Lincoln in ihren Reihen, kurz: sie waren und sind ein blaues Tuch für mich (auch wenn ich zugeben muss, dass ich im Vorjahr ein wenig mit mir ringen musste, als da Jungs wie Moritz, Schmitz, Matip, Höwedes oder Neuer auf dem Platz standen).

Und dann war da dieses Königsblog. Dieser Torsten Wieland, der zunächst bei „Drei Ecken, ein Elfer“ – das ich erst relativ spät entdeckte -, dann eben im Königsblog seine Sicht der Dinge zum Besten gab. Der sich gleichermaßen liebevoll wie kritisch mit vielen Facetten seines Vereins auseinandersetzte, der sich gerne mal akribisch mit Schiedsrichter- oder auch Foulstatistiken befasste, der ESR nicht nur in den allgemeinen Sprachgebrauch einführte, sondern auch Dutzende Blogger mit dieser genial einfachen Idee neidisch machte – auch wenn nur wenige die Arbeit hätten übernehmen wollen, die vermutlich allein hinter diesem kleinen Spielchen steckte. Der in seinem Blog einen klaren Fokus hatte und dementsprechend auch ziemlich konsequent auf die WM-Berichterstattung verzichtete – zumal der Bundestrainer seinen Verein ein wenig stiefmütterlich behandelt hatte.

Seinen Verein, mit dem ich so gar nichts am Hut habe, ganz im Gegenteil, und den mir das Königsblog doch so nahe gebracht hat, dass ich einmal fast am Einwechselspielerraten teilgenommen hätte – ich hätte nur noch „Kommentar abgeben“ klicken müssen. (Einen Punkt hätte ich sogar bekommen.)

Vielleicht hätte ich mir doch einen professionellen Nachrufschreiber ins Boot holen sollen. Nun denn: Tschüss, Königsblog, war schön mit Dir. Und Du weißt ja, wie das mit Elvis ist, der noch immer lebt. J.R. kam auch zurück. Tony Almeida, klar, und Jack Bauer sowieso. Ich freu mich drauf.

Vielen Dank und bis bald, Herr Wieland.

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