Schadensbegrenzung

5. Oktober 2010

War wirklich nicht schlecht, die erste Viertelstunde am Sonntag. Allein Celozzi kam gefühlte sechsmal zum Flanken. Die waren zwar selten gut, aber Träsch hatte ihn schön in Szene gesetzt. Vielversprechend. Dass der VfB im Mittelfeld mit dreieinhalb „Sechsern“ antrat, war weniger der Ankündigung des Trainers geschuldet, defensiver agieren zu wollen, sondern ließ sich angesichts der Personalnot auf den Außenpositionen kaum vermeiden. Dass Christian Gentner, der halbe Sechser und weniger als halbe Tempospieler auf der Außenbahn, bis weit in die zweite Halbzeit hinein auf dem Platz blieb, wäre schon eher vermeidbar gewesen, aber lassen wir das.

Der VfB spielte also eine Viertelstunde lang druckvoll, kam zu Torchancen, ließ hoffen, dass man nun so gut spielen würde, wie Thomas Herrmann zu meiner Überraschung bereits das Spiel in Odense gesehen hatte. Dann fiel das 1:0 und man entscheid sich fortan für die einzig sinnvolle Strategie: Schadensbegrenzung.

Zwischen dem 0:1 (18. Minute) und dem 0:2 (68.), eigentlich fast bis zu Delpierres Platzverweis (84.), kann ich mich an keinen ernst zu nehmenden Stuttgarter Angriff erinnern. Vielleicht Träschs Direktabnahme, und mit ganz viel Wohlwollen könnte man den einen oder anderen Freistoß in den Strafraum als Angriff interpretieren. Aber sonst? Hat man bis zur Pause immerhin noch das Spielgeschehen recht weit vom eigenen Tor entfernt gehalten, danach gelang nicht einmal mehr das. Wenn ein Gegner, den ich – nichts für ungut, liebe Frankfurter – nicht zwingend zur Crème de la Crème des europäischen Vereinsfußballs zählen würde, im Neckarstadion phasenweise den Eindruck von Tiqui Taqua erwecken kann, läuft meines bescheidenen Erachtens etwas verkehrt.

Fast hätte ich geschrieben, dass ich nicht damit rechne, den VfB bis zum Ende der Saison im Abstiegskampf erleben zu müssen, und damit genau die Botschaft vermittelt, die ein Großteil der Spieler bei mir hinterließ: „Keine Sorge, das wird schon.“ Es mag durchaus sein, dass das schon wird, aber ein bisschen mehr Engagement wäre dafür schon ganz gut. Selbst beim Klassiker „Fünf gegen Zwei“ – und danach sah es am Sonntag mitunter aus – reicht es manchmal nicht aus, nur darauf zu warten, dass „die da außen“ schon irgendwann einen Fehler machen werden. Insbesondere dann, wenn man nach einem Ballgewinn selten mehr als zwei Kontakte schafft, ehe man selbst wieder in der Mitte dem Ball hinterherhecheln muss.

Ach, ich bin frustriert. Ich möchte eine Mannschaft, die Fußball spielt und sich den Herausforderungen stellt, anstatt einen knappen Rückstand zu verwalten. Ich möchte Spieler und Verantwortliche, die nach so einem Spiel sagen: „Egal, was der Schiri pfeift – wir hatten’s nicht verdient.“ Ich möchte vom Trainer nicht hören, dass in Abwehr und Angriff nur die „letzte Konsequenz“ oder die „letzte Entschlossenheit“ gefehlt habe. Zwischen den letzten 5 oder auch 10 Prozent und dem, was die Mannschaft gezeigt hat, liegt ein gewaltiges Delta. Ich möchte keine Trainerdiskussion. Ich möchte den Namen Daum nicht hören. Ach, was ich alles möchte und nicht möchte.

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4 Antworten to “Schadensbegrenzung”

  1. Schwob Says:

    Mir geht seit diesem Spieltag das Schicksal der Hertha aus der Vorsaison nicht mehr aus dem Sinn…

  2. heinzkamke Says:

    Das kann man ja überhaupt nicht vergleichen! Völlig an den Haaren herbeigezogen! Ich bin entsetzt! Sprachlos! Ähem.

  3. Gusteau Says:

    Der aktuellen Entwicklung geschuldet: Daum, Daum, Daum, Daum, Daum……..


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