Zwischen zwei Zitterspielen zwitscherten zwei…

17. September 2010

…ach, was weiß denn ich? Keine Ahnung, was ich nach dem gestrigen Spiel gegen die nicht sonderlich beeindruckenden Berner an Rückschlüssen für die morgige Partie gegen Gladbach zwitschern ziehen sollte. Dafür war, wie gesagt, Bern zu schwach, und der VfB zu, wie soll ich sagen, unstet.

Dennoch: natürlich war der gestrige Sieg eine Erleichterung. Und „Erleichterung“ beschreibt auch den Jubel nach den Toren ganz gut. In meiner Nähe war wenig von Überschwang oder lauter Freude zu sehen oder hören – eher vernahm man plumpsende Steine offensichtlich geschwächter Fans. Wie auch immer: es geht also. Man kann Tore schießen. Man kann sogar zu null spielen. Und man kann den einen oder anderen guten Angriff vortragen. Pavel Pogrebnyak, der auf mich zuvor wie die personifizierte Unsicherheit gewirkt hatte und sich allem Anschein nach meist am liebsten hinter dem nächsten Baum versteckt hätte, trat gestern mitunter so auf, wie man ihn in der Rückrunde oft und gerne erlebt hatte: wuchtig, robust, nicht immer elegant, aber häufig so, dass der jeweilige Abwehrspieler angesichts des nahenden Stürmers den Ball möglichst rasch – und häufig überhastet – wieder los werden wollte und dabei entweder Pogrebnyak selbst oder einen seiner nachrückenden Mitspieler bediente. Erfreulicherweise hießen diese Leute, die gerne mal Bälle zurück gewannen, nicht selten Gentner oder Kuzmanovic, die ihre beste gemeinsame Leistung ablieferten.

Kurz zur Erinnerung zwischendurch: Bern war harmlos.

Defensiv war Verlass auf Tasci und Träsch, Boka sorgte links für mehr Stabilität, Niedermeier hatte zwar einige gute Szenen, aber eben auch wieder einige, in denen er, womöglich übermotiviert, etwas desorientiert wirkte, und in Sachen Ulreich habe ich mir ein Schweigegelübde auferlegt. Das sich allerdings nur auf seine Abwehraktionen bezieht, d.h. ich kann darauf hinweisen, dass ich mir in ein paar Situation eine schnellere Spieleröffnung von ihm erwünscht hätte.

Didavi hatte wiederum eine Reihe guter Szenen – mit fortdauernder Spielzeit klappte auch die Abstimmung mit Boka besser -, während es noch immer schwer fällt, Camoranesi zu bewerten. Er hatte meines Erachtens ein paar Ballverluste und Fehlpässe zu viel; wenn er aber öfters solche Szenen hat wie in der ersten Halbzeit, als er Christian Träsch mit einem kurzen Pass die ganze Seite öffnete, oder vor dem 2:0, dann darf er auch den einen oder anderen Ball vertändeln.

Bern war übrigens nicht sonderlich stark.

Harnik dürfte sein Jahresbudget an fast schon skurril vergebenen Torchancen aufgebraucht haben; gleichzeitig fiel auf, dass er den Ball immer wieder vor die Füße bekam – irgendetwas muss er also richtig gemacht haben, auch wenn die Berner gerade bei seiner besten Aktion, als er von der Strafraumlinie knapp vorbei schoss,  schon sehr entspannt zusahen, wie er den Ball vom rechten auf den linken Fuß und wieder zurück legte. Egal wie: der Harnik gefällt mir.

Im Übrigen wäre ich über einen anderen Strafstoßschützen nicht böse.

Rückschlüsse für morgen? Keine. Gladbach ist stärker. Anders als gegen Bern kann ein Rückstand nicht ausgeschlossen werden, und wer weiß, wie man dann reagieren würde. Dennoch: ich bin guter Dinge und bleibe bei dem Tipp, den ich drüben beim Büchsenwurf abgegeben habe: 3:1.

Drüben beim Büchsenwurf? Genau. Der Büchsenwurf ist – die Älteren kann es kaum überraschen – ein Blog, das sich im Wesentlichen mit Roberto Boninsegna Borussia Mönchengladbach beschäftigt. Daniel befragt dort regelmäßig Anhänger anderer Vereine zum jeweils bevorstehenden Spiel, und weil der werte Herr Brustring Hirngabel in diesen Tagen unabkömmlich ist, durfte ich die Lücke füllen und ein paar Sätze zum VfB sagen – es gab schon Zeiten, da fiel es leichter.

Im Gegenzug bat ich dann meinerseits Daniel um ein paar Einschätzungen zur Borussia, die sich zum Teil auf die aktuelle Saison und Situation beziehen, zum Teil darüber hinaus reichen. Et voilà:

Was wird der Borussia eher gerecht: 3:6 oder 0:4?

Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – Stichwort Konstanz. Borussia gleicht einer Wundertüte, wobei eine schrittweise Verbesserung sicherlich erkennbar ist. Die beiden Ergebnisse bilden quasi die Leitplanken zwischen denen wir uns derzeit bewegen (können). Dabei gilt es darauf zu achten, dass extreme Ausschläge zugunsten der bereits angesprochenen Konstanz ausbleiben. Beim 6 : 3 lieft alles glatt – beim 0 : 4 lief gar nichts.

Kann Michael Frontzeck länger in Mönchengladbach bleiben als Hans Meyer um die Jahrtausendwende?

Als bekannt wurde, dass Frontzeck unser neuer Trainer wurde, entgegnete man ihm vielerorts mit überzogener Kritik. Mittlerweile jedoch konnte er beweisen, dass er einer Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann. Falls das Umfeld der Borussia aus alten Fehler gelernt hat, und falls man nicht, wie früher, bei der kleinsten Niederlagenserie den Trainer entlässt, hat Michael Frontzeck definitiv das Potenzial über einen vergleichbaren Zeitraum im Amt zu bleiben. Es ist unverkennbar, dass gewisse Parallelen zwischen beiden Trainern bestehen, zumal Frontzeck auf Empfehlung von Hans Meyer sein Amt antritt.

Wie viele Tore erzielt Brouwers diese Saison?

Das ist eine gute Frage. Die Torquote der letzten Saison sollte schwerlich zu toppen sein, jedoch sieht es momentan so aus, als würde Brouwers dort weitermachen, wo er vor der Sommerpause aufgehört hat. Ich tippe auf 5 – 8 Tore.

In welchem Tabellendrittel steht Gladbach zu Saisonende?

Zwischen der Unterkannte des mittleren und der Oberkante des unteren Tabellendrittels. Wobei dies schwer vorherzusagen ist – Thematik: Wundertüte.

Und wo in drei Jahren? Mit Reus und Herrmann?

In drei Jahren werden wir hoffentlich dauerhaft am Ende des oberen Tabellendrittels auftauchen. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass die Borussia ihre Talente zu oft an Vereine wie Bremen, Bayern oder Schalke abgeben musste. Sollte es gelingen diese dauerhaft zu binden, dann könnte die von mir angestrebte Platzierung real werden.

Wie geht’s aus am Samstag?

Ein knappes 1 : 2 für uns.

Soweit also Daniel vom Büchsenwurf, dem ich herzlich für seine Einschätzungen danke  – auch wenn er mit der letzten Antwort natürlich daneben liegt.

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2 Antworten to “Zwischen zwei Zitterspielen zwitscherten zwei…”

  1. Daniel Says:

    Hallo heinzkamke,

    wir werden ja sehen, wessen Tipp letzten Endes der Wahrheit – sie liegt ja bekanntlich auf dem Platz – näher kommt. Grüße von „drüben“


  2. […] Die Gründe sprach ich an der einen oder anderen Stelle an, entschloss mich aber vor einiger Zeit, Ulreich nicht Woche für Woche zum Gegenstand genauerer Betrachtungen zu machen, insbesondere dann, wenn diese negativ ausgefallen wären. Gelegentlich brachte ich zum Ausdruck, […]


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