Der Schiri hat’s versaut.

19. Juni 2010

Und davon lasse ich mich auch nicht abbringen. Der Schiri, und nur der Schiri, ist schuld daran, dass mein gestriger Tipp daneben ging. Ich hatte auf einen Sieg mit einem Tor Unterschied getippt, und wenn der Schiedsrichter nicht von einem Foul geträumt hätte, wo keines war, hätte das auch geklappt. Mit drei Punkten mehr läge ich jetzt auf Platz 2. Pfeife!

So aber pfiff Herr Coulibaly Edus reguläres 3:2 ab und die USA müssen um ihre Qualifikation für das Achtelfinale bangen – nach einem Spiel, das sie hätten gewinnen müssen, das sie aber gegen effiziente Slowenen lange zu verlieren drohten. Der geglückte Versuch des slowenischen Torwarts, sich im Tor zu verstecken, als Landon Donovan auf ihn zulief, brachte die Amerikaner nach der bitteren ersten Hälfte ins Spiel zurück. Oliver Kahn war indes der Ansicht, da gebe es nichts zu halten. Ok, wenn der Experte spricht, schweigt der Laie. Jostein Flo hätte seine helle Freude am amerikanischen Ausgleichstreffer gehabt, und das 3:2 hätte dem Ganzen die verdiente Krone aufgesetzt. Ach, Herr Coulibaly!

Über den anderen gestrigen Schiedsrichter ist mittlerweile alles gesagt. Ok, noch nicht von jedem, aber da will ich mal Mut zur Lücke beweisen. Dass man mit knapp 100 Länderspielen gelernt haben könnte, nicht nur auf das Verhalten des Gegners, sondern auch auf das des Schiedsrichters zu reagieren, scheint ebenfalls unstrittig zu sein. Etwas weiter gehen die Meinungen bei der Frage auseinander, ob ein Spieler, der gerade zwei Großchancen eher kläglich vergeben hat, zum Elfmeter antreten sollte – der Erklärungsansatz, der alternative Schütze sei körperlich nicht ganz auf der Höhe gewesen, ist möglicherweise nicht ganz von der Hand zu weisen.

Über die Defizite auf der Linksverteidigerposition bei Holger Badstuber im deutschen Aufgebot in der Bundesliga wurde vor der WM geredet, nach dem Australien-Spiel wurde das Thema ein wenig kleiner, nun ist es wieder da und wird uns durch die WM (wie lang auch immer sie für die deutsche Mannschaft dauern mag) und darüber hinaus erhalten bleiben. Krasic war gut, Badstuber nicht gut genug. Wieso Bastian Schweinsteiger vor dem Pass auf Krasic seine Energie in den Versuch gesteckt hat, den Passgeber von den Beinen zu holen, anstatt sich um den Ball zu bemühen, ist möglicherweise eine Frage, die sich nur wir Laien stellen.

Lahm gegen Zigic war das eine Duell des Spiels, Podolski gegen Stojkovic hätte das andere werden können, doch dafür schoss er zu schlecht. Ob Joachim Löws Ansicht, Mesut Özil sei nicht mehr frisch genug gewesen, zutrifft, kann ich nicht beurteilen, an andere Gründe glaube ich nicht. Besser wurde das Offensivspiel nach Özils Auswechslung jedenfalls nicht. Marko Marin kam in keine einzige der Zweikampfsituationen in Tornähe, deretwegen er eingewechselt worden war, Cacau war übermotiviert und Gomez hing gänzlich in der Luft. Auch als er von einem Serben von den Beinen geholt wurde, übrigens.

Was der deutschen Mannschaft indes völlig abgeht, ist der nötige Aberglaube. Ok, dass die Herren Löw und Flick ihre ganze Kollektion zeigen wollen: geschenkt. Aber dass Manuel Neuer nach dem großartigen 4:0 zum Auftakt sein Trikot wechselte, verwundert mich. Ernsthaft. Kein Torwart, den ich kenne und mit dem ich je zusammengespielt habe, hätte das getan. Das mag in Teilen daran liegen, dass in meinen Klassen nur selten eine ähnliche Auswahl an Trikots vorhanden war. In allererster Linie jedoch lag es am Aberglauben. Ohne Not nach einem beeindruckenden Sieg die Ausrüstung wechseln? No way.

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6 Antworten to “Der Schiri hat’s versaut.”


  1. Flo-Pass! Bei dieser tollen Seite hier lernt man nie aus. Dabei war ich doch großer Anhänger jener norwegischen Nationalmannschaft. Aber ohne Internet und nur mit deutschem Fernsehen lernte man sowas ja nicht.

    Danke.

    Dass Torhüter nach Siegen nicht wechseln, hab ich aber nicht in solcher Ausprägung wie Du erlebt, obwohl so ein Ruhrgebietsjugendteam sicher weniger Mittel hatte als ein Schwabenjugendteam. Im Schnitt.

  2. heinzkamke Says:

    Hach, was fühle ich mich geehrt.

    In der Tat habe ich zwar schon das eine oder andere Mal nach Artikeln über dieses taktische Mittel der Norweger gesucht, aber allem Anschein nach immer nur mit deutschen Suchbegriffen – auf den Wikipedia-Text bin ich auch erst heute gestoßen. Schön zu sehen, übrigens, dass solche Links tatsächlich geöffnet werden.

    Bei den Torhütern kann ich meine Erfahrungswelten sicher nicht verallgemeinern. Vielleicht spielt auch mit rein, dass ich selbst das Trikot ganz gewiss nicht gewechselt hätte…

  3. jon dahl Says:

    Aberglaube ist allgemein unterschätzt.
    1982 gewann Nicole übrigens den Grand Prix und Stielike verschoss den Elfmeter.
    Es ist noch viel drin.

  4. Vittenko Says:

    Ich meine mich zu erinnern, dass bei der WM 2006 den Teams von der FIFA die Spielkleidung, in der sie anzutreten hatten, vorgeschrieben wurde.

  5. heinzkamke Says:

    @jon dahl:
    Irgendwie habe ich das Gefühl, Stielike hinke ein wenig. Und bezweifle, dass Neuer jemandes Jackettkronen bezahlen möchte.

    @Vittenko:
    Mein erster Gedanke war natürlich auch, dass es um die farbliche Unterscheidung geht. Aber ist gelb besser als grün, wenn die Serben rot und die Schiedsrichter schwarz tragen? Wobei: ich kann nicht beurteilen, inwieweit Logik die Entscheidungen der FIFA beeinflusst.


  6. Warum den Schiedsrichter opfern?…

    Die Diskussion um den Videobeweis, einen Chip im Ball oder die Torkamera ist schon entschieden. Denn die Technik ist da und ca. 7 Milliarden Menschen haben gestern gesehen, wie der Ball von Frank Lampard im Spiel Deutschland gegen England deutlich hint…


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