Von Mecheln, Stuhlweißenburg und anderen

28. April 2010

Drüben bei den Stadionwürsten bin ich dieser Tage über Videoton Székesféhervár gestolpert und habe gerne an eine überragende Europapokalsaison in den 80ern (Uefa-Cup 1984/85) zurück gedacht, in der die Ungarn erst im Finale an Real Madrid scheiterten. Danach habe ich lange Jahre nichts von ihnen gehört, nur ab und zu zufrieden lächelnd an den Namen gedacht bzw. ihn bei den Ergebnissen des EHF-Pokals der Frauen gehört, den ein Verein aus Stuhlweißenburg -so lautet der deutsche Name der Stadt- vor einigen Jahren gewann.

Gegenwärtig ist Videoton, so heißt man nach diversen Namensänderungen wieder, im Kampf um den ungarischen Meistertitel wieder ganz dick im Geschäft, darf also auf eine europäische Renaissance hoffen. Von der träumt vermutlich auch der KV Mechelen, ein weiteres europäisches One Hit Wonder aus den 80ern, an das mich Videoton sogleich erinnerte und das mich irgendwann in den frühen 90ern blass aussehen ließ. Damals unterhielt ich mich mit einem Wallonen, der mir von einem angeblichen Europapokalsieger namens Malines erzählte, von dem ich nie zuvor gehört hatte – erst als er vom Finale gegen Ajax berichtete, dämmerte mir, dass er Mechelen meinte, das eben Malines oder in der deutschen Version Mecheln heißt.

Wie auch immer: den KV Mechelen habe ich seit seinem großen europäischen Jahr ein wenig intensiver verfolgt als die Ungarn und weiß daher von seiner Tal- und Bergfahrt, die vor einigen Jahren in die dritte Liga hinab führte, gegenwärtig aber in der Jupiler League ihren vorläufigen Halt fand.

Genug der Vorrede:
Diese beiden ehemaligen Europapokalfinalisten sind also noch immer bzw. wieder in der höchsten Spielklasse ihres Landes aktiv. Es dürfte aber eine ganze Reihe von Vereinen geben, für die dies nicht zutrifft. Allein aus Deutschland fallen mir  deren vier oder fünf ein, von denen einer das Finale auch gewonnen hat.

Wie ist das bei der werten Leserschaft? Europapokalfinalisten, die nicht mehr in der ersten Liga spielen? Oder auch schön: die zwischendurch in der Versenkung verschwunden waren und jetzt wieder da sind, gerne auch mal als Neugründung wie beim SSC Neapel.

Ideen, anyone?

_____________________

Ich führe Buch:

  • Ipswich Town, Uefa-Cup 1981 (1.), zweitklassig
  • Nottingham Forest, Landesmeister 1979 (1.), 1980 (1.), zweitklassig
  • Leeds United, Landesmeister 1975 (2.), Pokalsieger 1973 (2.), drittklassig
    [Messestädtepokal (1968, 1971) lass ich mal außen vor.]
  • 1. FC Magdeburg, Pokalsieger 1974 (1.), viertklassig
  • FC Carl Zeiss Jena, Pokalsieger 1981 (2.), drittklassig
  • 1. FC Lokomotive Leipzig, Pokalsieger 1987 (2.), fünftklassig
  • Fortuna Düsseldorf, Pokalsieger 1979 (2.), zweitklassig
  • SC Bastia, Uefa-Cup 1978 (2.), zweitklassig
  • Middlesbrough FC, Uefa-Cup 2006 (2.), zweitklassig
  • Stade Reims, Landesmeister 1955 (2.), 1958 (2.), drittklassig
  • Torino F.C., Uefa-Cup 1992 (2.), zweitklassig
  • Deportivo Alavés, Uefa-Cup 2001 (2.), drittklassig
Advertisements

18 Antworten to “Von Mecheln, Stuhlweißenburg und anderen”


  1. Da fällt mir als erstes Ipswich Town ein. Die gewannen nämlich 80/81 nicht nur das Halbfinale gegen den 1. FC Köln im UEFA Cup, sondern auch das darauf folgende Finale gegen AZ Alkmaar. Vizemeister in England wurden sie auch damals (und im darauffolgenden Jahr, wie ich grad sehe). Ab 86 dann aber lustiges Fahrstuhl fahren zwischen erster und zweiter Liga, wo sie momentan irgendwo im Mittelfeld rumgurken.
    Auf europäischer Ebene in der Versenkung verschwunden ist auch Malmö FF, die 78/79 das LandesmeisterCup Finale gegen Nottingham Forest (und auch die sind inzwischen ziemlich abgestürzt) verloren – und auch das hab ich nur so gut im Kopf, weil der FC da im Halbfinale gegen Nottingham stand und schon mit einem Bein im Finale war.

  2. Stefan Says:

    Aus englischer Sicht:

    Nottingham Forest gewann zweimal den Europacup der Landesmeister: 79 und 80.

    Ipswich Town gewann einmal den Uefa-Cup (1981).

    Leeds United erreichte 2000 das Halbfinale des Uefa-Cup und 2001 das Halbfinale der CL. 1968 und 71 gewannen sie sogar den Uefa-Cup.

  3. robert Says:

    Alle drei Europapokalfinalisten der ehemaligen DDR sind weg vom Fenster.

    Als da wären
    1. FC Magdeburg (als Gewinner in den 70ern)
    Carl Zeiss Jena (vielleicht bald wieder in Liga 2, damals glaube ich mit Hans Meyer als Finaltrainer)
    und der damalige 1. FC Lokomotive Leipzig (irgendwann Mitte der 80er gegen Ajax im Endspiel verloren)

    Lustigerweise waren alle drei – soweit ich mich erinnere – im Finale des auch verschwundenen Wettbewerbs der Pokalsieger.

  4. heinzkamke Says:

    DDR ist komplett, denke ich – habe bei Jena auch Hans Meyer in Erinnerung.

    Ja, die Briten, an die hab ich auch gedacht. Nottingham gegen den HSV war eines der ersten, wenn nicht das erste Europapokalfinale, das ich gesehen habe. Im Jahr zuvor hatte ich bei Barca (mit Krankl) gegen Düsseldorf (womit ein weiterer deutscher Kandidat genannt wäre, meines Wissens fehlt noch einer) bereits zur Pause ins Bett gemusst.

    Leeds ist klar, Ipswich hatte ich komplett vergessen. Ein weiteres, wenn auch nicht so prestigeträchtiges, englisches Team, fehlt wohl noch, zudem dürften auch noch ein paar romanische ausstehen.

    Malmö würde ich nicht als Paradebeispiel sehen. Europäisch kaum noch präsent, klar, aber abgesehen von einem Jahr zur Jahrtausendwende waren sie seit den 1930er Jahren stets in der Allsvenskan und liegen auf Rang 2 der ewigen Tabelle.

  5. Stefan Says:

    Ein englisches fehlt noch? Mhhh, West Ham und Wolverhampton sind noch erstklassig.

    Sonst wären da noch SC Bastia.

    Gehe ich richtig in der Annahme, dass nur Uefa-Cup, Europapokal der Landesmeister (später CL) und Europapokal der Pokalsieger zählt?

    Im UI-Cup tummeln sich schließlich auch noch einige Perlen wie Eintracht Braunschweig.

  6. heinzkamke Says:

    Braunschweig im UI-Cup? Echt?
    Karlsruhe war auch UI-Cup-Sieger, aber ich meinte tatsächlich nur die drei „echten“ Wettbewerbe. Bastia passt.

    Bei den Engländern meinte ich tatsächlich weder West Ham noch die Wolves. Aber ich bin auch sehr zufällig drüber gestolpert.

  7. Stefan Says:

    Also ich hab mir über Wikipedia alle Finalspielteilnehmer angeschaut und keinen weiteren englischen gefunden. Außer Ipswich, Leeds und Nottingham spielen alle erklassig.

    Ich will’s jetzt wissen!

  8. heinzkamke Says:

    Du hast bestimmt zu weit in die Vergangenheit geschaut. Hab’s oben eingetragen. :-)


  9. Stade Reims irgendwann 1955-1958 herum. Und seit ich lebe eher selten erstklassig, wenn überhaupt.

    Dazu kommt dann natürlich auch das versunkene AS St. Etienne von Platini, weiß nicht, ob der 1976 gegen Bayern schon dabei war. Würde fast annehmen ja. Er hat also immer gegen die Boches verloren, wenn es um was ging. Nein anders rum, wenn er verloren hat, wenn es um was ging, dann gegen die Boches. Die EM 1984 sollte man genauso wenig unterschlagen wie Heysel, schließlich. Wenn auch man das wohl besser hätte absagen… ich schweife ab.

    Atletico Madrid, das ab heute Abend vielleicht wieder mal in einem europäischen Endspiel steht, verlor ebenfalls gegen die Bayern bei den Landesmeistern, und danach irgendwann den Halt und war Zweitligist. Jetzt aber offensichtlich nicht mehr.

    Ich hab leider wirklich keine Ahnung, wie viele Europacup-Finals Juventus gespielt und verloren hat, aber sie waren zuletzt auch mal zweitklassig.

  10. heinzkamke Says:

    Stade Reims, unbedingt.

    ASSE ist wieder zurück gekommen. Was nicht heißt, dass es hier nicht genannt werden sollte, hab ich oben ja auch geschrieben, ganz im Gegenteil.

    Nur in die Liste werde ich sie eher nicht aufnehmen, genau wie Atlético und Juve. Habe nämlich festgestellt, dass die Liste verdammt lang werden könnte, wenn man jeden nimmt, der mal ein kurzes unterklassiges Intermezzo hatte.

  11. heinzkamke Says:

    Kurze Ergänzung zu den „romanischen“:
    Der AC Turin (Torino Calcio, FC Turin,…) unterlag im Uefa-Cup-Finale 1992 Ajax, ebenfalls im Uefa-Cup musste sich Deportivo Alavés 2001 in einem spektakulären 4-5 4:5 dem Sieger aus Liverpool geschlagen geben.

    Einige wenige sind mir noch aufgefallen, darunter noch ein deutscher Verein. 60er Jahre. Anyone?


  12. Kurze Klugscheißerei, aber nur, weil ich annehme, dass diese hier auf dankbares Gemüt stößt, auf deutsch nutzt man den Doppelpunkt für das Ergebnis, nicht das minus.

    Hm… Dundee United? War auch nicht immer erstklassig, ich weiß aber nicht, wann. Jedenfalls verloren sie mal ein Finale.

  13. heinzkamke Says:

    Dankbar angenommen.

    Dundeee war mir auch aufgefallen. Prüfung ergab, dass sie in der Neuzeit allerdings nur mal ein Jahr zweitklassig waren, Mitte der 90er. Betriebsunfall wie in Kaiserslautern.

  14. Jannik Says:

    1860 München? Irgendwann in den 60ern? Gegen West Ham? Nich?

  15. heinzkamke Says:

    Jannik!
    Sehr schön.


  16. „Oder auch schön: die zwischendurch in der Versenkung verschwunden waren und jetzt wieder da sind … „.

    Wenn’s nicht schon da stünde, allerdings damals aus anderen Gründen, würde ich jetzt Fortuna Düsseldorf nennen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s