Gleich gut ist gleich gut wie besser, oder?

14. März 2010

Auf meinem Radar tauchte das Thema erstmals am Donnerstag auf, als Hennes von stadion-wurst.com in einem (meines Erachtens gerechtfertigten) Lobgesang schrieb, Kevin Kuranyi sei erst der dritte Bundesligaspieler, der in acht aufeinander folgenden Spielzeiten eine zweistellige Trefferzahl erreicht habe. Dies erschien mir unwahrscheinlich, sodass ich kurz ein paar der üblichen Verdächtigen prüfte und tatsächlich bei 4 der ersten 5 Versuche Glück hatte: Roland Wohlfarth, Giovane Elber, Jupp Heynckes und Fritz Walter trafen ebenfalls acht Jahre in Folge zweistellig (Ulf Kirsten hatte ein Jahr mit nur acht Treffern).

Von Hennes erfuhr ich dann, dass sowohl Kuranyis Website („Das haben vor ihm nur Manfred Burgsmüller und Gerd Müller geschafft.“) als auch sein Wikipedia-Eintrag („Dies gelang vorher lediglich zwei Spielern, Gerd Müller (13-mal in Folge) und Manfred Burgsmüller (zehnmal)“) diese Fehlinformation enthält, wobei Wikipedia als Quelle einen Artikel bei RP Online angibt. „RP Online, dann ist ja alles klar!“ dachte ich, doch weit gefehlt, das Zauberwort heißt „übertroffen“ (zumindest ist mir bis dato kein Gegenbeispiel bekannt):

Der in Rio de Janeiro geborene Profi hat zum achten Mal hintereinander innerhalb einer Saison eine zweistellige Torquote erreicht. Das haben in der Geschichte dieser Klasse nur die Münchner Stürmerlegende Gerd Müller (13 Mal in Folge) und Manfred Burgsmüller (zehn Mal) übertroffen.

Die Wikipedianer hatten offensichtlich falsch abgeschrieben, Kuranyis Webseitenbefüller entweder auch abgeschrieben oder nicht gut recherchiert.

Tags darauf erfuhr ich dann beim indirekten Freistoß, dass sich auch spox mit besagter Statistik auseinandergesetzt und den Unterschied zwischen „erreichen“ und „übertreffen“ verstanden hatte.

Im Gegensatz zum Zet-De-Eff. Dort war Kevin Kuranyi am Samstag zu Gast im Sportstudio, und bereits im Spielbericht hieß es, er sei „erst der dritte“ Spieler, der 8 Jahre in Folge… (der Rest ist bekannt). Diese Statistik hatte man dann auch noch für Kuranyis Gespräch mit Frau Müller-Hohenstein grafisch unterlegt:

Wenn man großzügig darüber hinweg sieht, dass Manfred Burgsmüller nicht nur 9, sondern 10 Spielzeiten in Folge zweistellig getroffen hat, stimmt die Grafik – es ist ja grundsätzlich nicht falsch, die lediglich gleich erfolgreichen Herren Walter, Elber, Wohlfarth und Heynckes wegzulassen.

Wenn man sich allerdings die Hinführung im Gespräch anhört, wird deutlich, dass entweder nicht recherchiert wurde oder die Moderationsbeauftragte ihre Unterlagen nicht verstanden gelesen hat:

„Das haben, mit diesem Saisonverlauf, vor Ihnen tatsächlich nur zwei andere Spieler geschafft.“

Man mag mich einen Haarspalter nennen,
aber ein bisschen peinlich finde ich das schon.

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9 Antworten to “Gleich gut ist gleich gut wie besser, oder?”

  1. jens Says:

    Um Herrn Reng zu zitieren:

    RR: Recherche ist der Tod jeder guten Geschichte [..] Deswegen verzichten Journalisten schon lange darauf.


  2. Das ist in der Tat nicht nur ein bißchen peinlich. Und ich bin ganz persönlich auch froh, daß Du das aufdeckst, denn nach dem gestrigen ASS wäre ich nun munter in die Welt gezogen mit diesem falschen Wissen. Well done, Herr K.

  3. nedfuller Says:

    grmpf.
    Ich habe das so geschluckt.

    Bin kein KK Fan, aber ich habe das einfach mal so geglaubt, weil er immer so unterschätzt wird der KK.

    Werde nur noch den Zahlen glauben, die ich selber gefälscht habe.

    Danke, heinzkamke!

  4. heinzkamke Says:

    @jens: Die Faust aufs Auge… ;-)

    @mars, @nedfuller:
    Da seht Ihr mal, welche Kompetenz dem ZDF noch immer zugeschrieben wird…

    Ich finde übrigens nicht, dass der Fehler Kuranyis Leistung allzu sehr schmälert. Sicher, die Geschichte wird für viele Medien weniger sexy, wenn man ihn streng genommen nicht mehr nur in eine Reihe mit Müller und Burgsmüller stellen kann, sondern in einem Atemzug auch den, naja, überführten Dopingsünder Wohlfarth und Fritz „Wo isch mei Kanon?*“ Walter nennen muss.

    Die Leistung ist gleichwohl aller Ehren wert, und im Falle eines Verbleibs in der Bundeliga ist es ja auch nicht völlig unwahrscheinlich, dass Kuranyi in einem Jahr die alleinige Nummer 3 ist.

    * Mir ist bewusst, dass Walter selbst diesen Satz bestreitet.
    Aber ich will es mit der Recherche nicht übertreiben.

  5. Jannik Says:

    Das mag zwar nach noch größerer Haarspalterei klingen, aber Katrin Müller-Hohenstein kann ich in den Outfits, die sie da Woche für Woche trägt, schon lange nicht mehr ernst nehmen, geschweige denn ihr irgendwelche Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe abnehmen.

    Um aber beim Post zu bleiben: Ich bin auch drauf reingefallen;)

  6. Hennes Says:

    Falsche Informationen sind ja schlimmer als Unkraut. Sie wachsen an jeder Ecke und verbreiten sich ohne Unterlass. Und ich selbst habe bei der Aussaat geholfen, ich bin beschämt. Daher noch mal ein „Dankeschön!“ an den Ausrupfer heinzkamke! :-)


  7. Die Falschinformation ist weiterhin am leben und erfreut sich bester Gesundheit. In der heutigen Berliner Zeitung schreibt Daniel Theweleit: „Neben Gerd Müller und Manfred Burgsmüller ist Kuranyi mittlerweile der einzige Spieler, der in acht aufeinanderfolgenden Jahren jeweils mindestens zehn Bundesligatore erzielte.“
    Tja.
    http://tinyurl.com/yl3plxk


  8. Oh, da ist mir der Spielbeobachter zuvorgekommen. Stehe hier just mit dem selben Zitat von Theweleit in der Zwischenablage.

    Ja, bei denen, denen man eigentlich vertraut, wird es dann wirklich unangenehm.

  9. heinzkamke Says:

    Ich bin ja ganz zuversichtlich, dass sie in einem guten Jahr stimmt, die (noch) Falschinformation, zumindest bezüglich der Reihenfolge. Ob da jetzt einen 8 oder eine 9 steht… Bis dahin werden wir wohl damit leben müssen.
    (Und hoffen, dass KK in der Bundesliga bleibt, sonst wird sie uns noch jahrzehntelang begleiten)

    @Hennes: Bitte, gerne wieder ;-)


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