Kann man so sehen, Herr Réthy.

4. März 2010

Gestern abend, Deutschland – Argentinien, 63. Minute:

Carlos Tevez wird in Richtung des deutschen Strafraums geschickt, Serdar Tasci ist vor ihm am Ball und spielt diesen zu René Adler, Tevez läuft hinterher. Kurz hält man die Luft an, vielleicht auch, weil die Perspektive einen Moment lang täuscht.

Dann sieht man, dass Tasci den Ball auf Adlers starken rechten Fuß gespielt hat, neben das Tor, nicht in Tevez‘ Laufrichtung, so dass der Torhüter den Ball locker wegschlagen oder ihn gar (was er dann übrigens auch tun wird) zum nächsten Mitspieler passen kann.

Letztlich hat der Verteidiger aus einer gewissen Bedrängnis heraus die wohl beste Lösung gefunden, hat weder ein Dribbling riskiert noch den Ball so gespielt, dass Tevez von einem Befreiungsschlag getroffen werden könnte. Alles gut.

Als man diesen Gedankengang weitgehend abgeschlossen hat, erhebt Béla Réthy die leicht zitternde Stimme: „Was macht denn Tasci da? Da wär Tevez fast dazwischen gekommen! Leichtsinnig vom Stuttgarter.

Ist klar.

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14 Antworten to “Kann man so sehen, Herr Réthy.”

  1. Sebastian Says:

    Na Herr Kamke, ist Réthy-Bashing nicht so sinnvoll, wie einem Acker dem Erdboden gleichmachen?

  2. hirngabel Says:

    Das geht schon in Ordnung, Sebastian.

    Genau der Spruch hat mich nämlich auch extrem angepisst.

    Abgesehen von Réthys üblichem Verhalten innerhalb der letzten 20 Minuten so peu à peu immer mehr seine Meinung von „War ein mäßiger aber solider Auftritt der Deutschen“ zu „Es war ein absoluter Untergang gegen bärenstarke Argentinier mit der Messi-Show vorne drin“ zu drehen.
    Das war gestern wirklich fast beängstigend zu verfolgen – aber eben leider auch nur allzu bekannt.

    Ungefähr so angemessen wie den Spielbericht mit Deutschland erhält Lehrstunde zu betiteln.

  3. heinzkamke Says:

    @Sebastian: Ist es. Wobei es sich sehr häufig auf seinen Faktenkoffer bezieht.

    Beim Thema „Ich habe die Szene gesehen, verstehe sie aber nicht“ habe zumindest ich bisher zumeist an Steffen Simon gedacht, früher an Werner Hansch, aber nicht unbedingt an Béla Réthy.

    @Hirngabel: Ja, die Messi-Show…


  4. Viel vom Spiel hab ich nicht gesehen, aber an die Szene erinnere ich mich und habe genau das gleiche gedacht wie du. Man kann von Rethy halt nichts mehr erwarten. Vom ZDF auch nicht, das ihn weiterhin alle wichtigen Länderspiele kommentieren lassen wird.

  5. nedfuller Says:

    Sehr gut.

    Ich konnte nicht so laut Fluchen über den Kommentar von Rethy, weil meine Juniorette sonst aus dem Bett gefallen wäre.
    Das schlimme daran: Er verdient damit sein Geld! Euros, keine Zloty!

  6. Dusan Says:

    Ich hatte schon geglaubt, ich sei der Einzige, der nicht Belas Meinung war.

    Die Berichterstattung über das Spiel gestern ist nicht nur im ZDF aus meiner Sicht unausgewogen gewesen. Die Argentinier waren sicher den entscheidenden Tick besser, aber über weite Strecken haben sich beide Mannschaften nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Bis zum 1:0 für die Argentinier hat das Rethy auch so kommentiert.

    Am Ende des Spiels, wie hier schon gesagt wurde, musste man aber – wenn man ihm nur zugehört hätte – denken, dass es eine Klatsche gegen Deutschland gegeben hat.

    Übrigens: Frankreich hat 0:2 gegen Spanien in Paris verloren. Das Pfeifkonzert dort war nach meiner Ansicht nicht halb so laut wie das in München.

  7. Sebastian Says:

    Ich wollte zu Beginn nicht sagen, dass es nichts zu kritisieren gäbe. So allerhand. Auch am Spiel der deutschen Mannschaft. Allerdings eher nicht das, was die gesamte ZDF-Riege samt „Was meinst Du Oli?“ sahen. Meine Aussage bezog sich darauf, dass diese Kritik an Réthy und ZDF (eigentlich sämtliche deutsche Liveübertragungen vom Fußball) ungehört verhallt. Persönlich schalte ich mittlerweile erst zum Spiel an und direkt danach aus. Es ist unerträglich, sich diese gedanken- und inhaltslosen Reden anzuhören.
    Zum Spiel: Argentinien hat sich gestern für eine enorm ekräftezehrende Spielweise entschieden. Das Spielfeld in dem sich die Mannschaften bewegten wurde extrem schmal gemacht und gleichzeitig der ballführende Gegner sofort attackiert. Eigentlich war ja schon Adler ratlos, wen er anspielen soll. Spätestens der erste Abwehrspieler wusste es schon nicht mehr. Damit wurden die Deutschen zu Fehlern im Ansatz ihres Spielaufbaus gezwungen. Dass Klose und wer auch immer da vorne drin stand, dabei nicht zur Geltung kommen kann, ist ja einleuchtend. Hätte Cacau bis zur 75. Minute gespielt und Klose wäre dann gekommen… Egal. Das Problem besteht darin, dass die deutsche Mannschaft ständig unter Bedrängnis stand. Und mich irritierte eher, dass es kein Anzeichen von Löw gab, wie man sich spieltaktisch aus der argentinischen Fessel hätte lösen können.
    Und was Adler betrifft möchte ich mal die Schlagzeilen lesen, wenn er nicht rausgekommen wäre. Alles Klugscheißer. Sorry an den Gastgeber im Blog für den kraftausdruck, aber das mußte jetzt mal raus.

  8. heinzkamke Says:

    Mann Mann Mann, was hab ich mir denn da für Kommentatoren angelacht, die hier mit Kraftausdrücken von der ganz üblen Sorte um sich schmeißen ;-)

    Zum Spiel (und damit auch zu Réthys allgemeinem Tenor) kann ich seriös nichts sagen, da ich nur eine gute halbe Stunde gesehen habe, und auch das nur eingeschränkt.

  9. Schwob Says:

    Worüber ich mich am meisten bei Rethys Kommentaren aufgeregt habe, war, dass er mindestens dreimal innerhalb von ein paar Minuten Tasci als Feingeist titulieren musste und in etwa andeutete, dass Tasci lieber nicht dahin geht, wo es weh tut…

  10. hirngabel Says:

    @Sebastian
    Besonders spannend wird da natürlich auch zu sehen sein, ob es die Argentinier schaffen werden diese kräftezehrende Spielweise dann auch im Laufe eines ganzen Turniers aufrecht zu erhalten. Da habe ich meine Zweifel.

    Ansonsten muss man aber natürlich schon anerkennen, dass das kein begeisternder, aber doch ein blitzsauberer und sehr konzentrierter Auftritt der Argentinier war.
    In Sachen Beurteilung der Leistung Deutschlands würde ich das ganze auch eher ambivalent. Klar war das keine Glanzleistung und hat einige Baustellen aufgezeigt (wofür solche Testspiele ja auch da sind), aber es war auch in keiner Phase des Spiels so, dass die Argentinier uns an die Wand gespielt hätten.
    Wenn nicht dieses eine saublöde Tor passiert wäre, who knows…

    Nichtsdestotrotz geht der Sieg für Argentinien natürlich in Ordnung, da sie einfach zwei, drei wirklich gute Chancen hatten – und damit zwei, drei mehr als wir.

    Die Beurteilung von Adler fand ich insgesamt auch nicht in Ordnung. Bei spox hat er ja beispielsweise eine 6 bekommen als Note. Das ist lächerlich, erinnere da nur an die Szene gegen di Maria, wo er glänzend reagierte und den Ball noch gerade so an die Latte lenkte.

    Und ansonsten kann ich mich nur wiederholen:
    Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Von den anderen Mitfavoriten oder unseren Gegner glänzt da doch ohnehin auch kaum jemand (ausser vielleicht Spanien, die Streber).

    Zu guter Letzt möchte ich noch eine Beobachtung mit Euch teilen. Weiß nicht, ob das jemandem von Euch schon mal aufgefallen ist, aber ich kriege immer mehr den Eindruck als sei Deutschland eine Turniermannschaft.
    Ich weiss, gewagte These, aber irgendwer muss es ja mal aussprechen. Äh, ausschreiben.

  11. wo kann ich Says:

    „Kurz hält man die Luft an, vielleicht auch, weil die Perspektive einen Moment lang täuscht. Dann sieht man, dass Tasci…“ – was meinst du damit?

  12. heinzkamke Says:

    @Schwob:
    „Feingeist“? Ist ja nett, hab ich leider nicht gehört. Wäre interessant zu wissen, was einen Feingeist auf dem Fußballfeld ausmacht. Ein gebildeter, kultivierter empfindsamer Mensch, wei der Duden meint? Offensichtlich weiß Herr Réthy auch hier deutlich mehr als ich. Oder beszieht er sich auf sein Äußeres? Wer die Haare schön hat, darf nicht in einen Zweikampf gehen? So wie die Herren Maldini und Nesta, zum Beispiel?

    Was nichts daran ändert, dass auch ich der Meinung bin, Tasci vermeide den Zweikampf etwas zu häufig.

    @hirngabel:
    Provokateur! ;-)

    Interessant finde ich ja noch, dass dem Vernehmen nach die Leistung der Argentinier taktisch diszipliniert und laufintensiv gewesen sei. Insgesamt klingt das alles ein wenig nach modernem Fußball, was ja nicht so ganz zu dem Bild passt, das von Maradona gemeinhin gezeichnet wird. Wer also ist für die argentinische Taktik verantwortlich?

  13. hirngabel Says:

    Otto Rehhagel. Hat man ganz klar gesehen.

    Und Provokateur? Bitte.


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