Die Leute in den Zeiten der Pandemie (I)*

17. November 2009

„Nein, wir werden Ihren Sohn nicht testen. Sicher, die Symptome weisen darauf hin, bei Ihnen selbst vielleicht auch, aber wir sollten doch eher diejenigen Personen auf Schweinegrippe testen lassen, für die es wirklich wichtig ist. […] Wenn er dann einen Tag fieberfrei ist, können Sie ihn wieder in den Kindergarten schicken. […] Nein, die Information, dass Kinder bis zu 10 Tage lang ansteckend sein können, ist völlig überzogen.“

Natürlich kann es sein, dass er dann doch noch einige andere Kinder ansteckt. Hm, jetzt wo Sie es sagen: Stimmt, es ist gar nicht so selten, dass in Kindergärten auch schwangere Frauen aus- und eingehen, also diejenige Gruppe, der des erhöhten Risikos wegen eine Impfung empfohlen wird, von welcher man allerdings des erhöhten Risikos wegen abrät. Blöde Sache, das. Hätte ich mal selbst dran denken können.

Den ersten Absatz haben Freunde aus dem Mund ihres Kinderarztes gehört, den zweiten haben sie sich nur so vorgestellt.

*Ob es weitere Teile geben wird, steht noch in den Sternen.
Überraschen würde es mich nicht…

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13 Antworten to “Die Leute in den Zeiten der Pandemie (I)*”

  1. Enno Says:

    Ohren zu und durch. Mehr kann man gar nicht raten.

  2. nedfuller Says:

    Denkt denn jemand an die Kinder?

  3. Schwob Says:

    Die Krippe unserer Tochter hat auch schon mal einige Tage geschlossen, weil Verdacht auf Schweinegrippe bestand. Mir wurde dort gesagt, Inkubationszeit sei 4-6 Tage.

    Es gibt zu viele Informationen über diese Krankheit.

  4. heinzkamke Says:

    @nedfuller:
    Natürlich denke ich an die Kinder. Wenn ich oben die schwangeren Frauen hervorgehoben habe, dann weil für sie (nach allem, was ich weiß gelesen habe) die Gefahren im Fall einer Infektion besonders hoch sind.
    Ganz grundsätzlich geht’s mir aber darum, mit welcher Nonchalance ein Arzt die Möglichkeit der Weiterverbreitung betrachtet.

    @Schwob:
    Klingt irgendwie nach diesem Internet: zu viele ungefilterte Informationen.

  5. nedfuller Says:

    @heinzkamke
    Es war mehr ironisch gemeint. Immer wenn ich von solchen Situationen lese/höre wie du sie beschrieben hast muß ich an diesen Spruch denken.
    (Kam mal in einer Folge Simpsons vor, wo im Stadtrat Panik gemacht wurde und dieser Spruch dann zum totalen Chaos geführt hat.)

    • heinzkamke Says:

      Ich hab hin und her überlegt, wo der augenzwinkernde Kniff ist, aber da ich mich bei den Simpsons ganz schlecht auskenne, konnte ich wohl nicht drauf kommen…

      • hirngabel Says:

        Das war Helen Lovejoy, wenn ich mich nicht schwer vertue, die Frau des Pfarrers. Und der Spruch kommt auch immer mal wieder vor (auch schon mal von anderen Figuren wie Sideshow Mel).

        @heinzkamke
        Hui, das Nichterkennen von Simpsons-Zitaten ist aber ein schwerer Lapsus. Mal geschwind nachholen, die gut 20 Staffeln…

  6. Tobi Kiefer Says:

    Zur „neuen Grippe“ allgemein:

    Nach allem was ich darüber gelesen und gehört habe, halte ich das ganze Thema für eine groß angelegte Panikmache, mit der Pharmaindustrie als exorbitantem Profiteur.

    Komischer Weise existiert dieses Jahr neben dem H1N1 Virus gar kein anderes Grippe-Virus.

    Meine SCHWANGERE Frau hatte gestern Abend einen Termin bei ihrer Frauenärztin. Auf das Thema angesprochen rollte sie nur mit den Augen. Zwei ihrer schwangeren Patientinnen hatten die Grippe schon. Diese beiden waren zwei Wochen krank, haben fiebersenkende Medikamente genommen und haben es – welch Wunder – überlebt. Laut ihrer Aussage, ist hohes Fieber über mehrere Tage das einzige was das Ungeborene gefährden kann.

    Meiner Meinung nach, wird hier durch völlig unverhältnismäßige Berichterstattung die komplette Bevölkerung, insbesondere die sog. Risikogruppen, verunsichert. Das jedes Jahr Menschen an einer richtigen Grippe sterben, bleibt völlig Außen vor.

  7. heinzkamke Says:

    Dass die Kommunikation nicht gut läuft und dementsprechend große Verunsicherung herrscht, ist unbestritten. Natürlich bin ich auch bei Dir, dass die Pharmaindustrie profitiert und manches aufgeblasen wird.

    Dennoch finde ich die Aussage der Frauenärztin zumindest interessant, wenn man sie mit den Positionen der WHO („An increased risk during pregnancy is now consistently well-documented across countries“) oder von RKI, BZgA, PEI und Bundesgesundheitsministerium abgleicht:

    „Schwangere haben ein deutlich höheres Risiko, bei einer Infektion schwerer zu erkranken. Ursache hierfür sind zahlreiche Vorgänge, die in der Schwangerschaft im Körper ablaufen und eine schwerere Erkrankung begünstigen. So müssen Lunge und Blutkreislauf von Schwangeren auch das Ungeborene mit Sauerstoff versorgen und sind daher stärker belastet. Bei Schwangeren ist zudem das Immunsystem verändert, damit es nicht zu Immunreaktionen kommt, die sich gegen den Embryo richten. Das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf steigt mit der Dauer der Schwangerschaft.“

    Dabei geht es, insofern widerspricht es der Aussage der Frauenärztin nur bedingt, allerdings nicht in erster Linie um das Ungeborene, sondern um die Frau.

    Wie gesagt: ich halte auch nichts von Panikmache, aber an der einen oder anderen Stelle zweifle ich an der Herangehensweise mancher Ärzte.

    • Tobi Kiefer Says:

      Ok. Diese Stellungnahmen hatte ich bisher nicht gelesen.

      Da ich von der Ärztin bisher einen sehr guten Eindruck hatte, gehe ich davon aus, dass ihre Argumentation von gestern Abend, mit den beiden Fällen die in ihrer Praxis auftraten, begründet ist.

      Die Herangehensweise vieler Ärzte ist, mMn, nicht nur in diesem speziellen Fall des öfteren Zweifelhaft. Kommt wohl meist darauf an, von welchem Pharmakonzern der jeweilige Arzt gesponsert wird.

    • heinzkamke Says:

      Ähm, was ganz untergegangen ist: Glückwunsch!

  8. Tobi Kiefer Says:

    Danke.

  9. hirngabel Says:

    Da schließe ich mich doch (semi-unbekannterweise) mal an: Glückwunsch!

    Ansonsten: Ich weiß wirklich nicht so recht, was ich von diesem Thema halten soll. Einzig was klar ist, dass es die Besucherzahlen in meinem Blog drastisch nach oben treibt. Selbst an dem kleinen Teilaspekt „Reisen in die USA in Zeiten der Schweinegrippe“ scheint ein Rieseninteresse zu bestehen.

    Ich werde mich jedenfalls selbst nicht impfen. Ganz einfach, weil ich eh schon seit Jahren auf nahezu jegliche medizinische Betreuung verzichte (abseits gelegentlicher Aspirin) und trotzdem noch nicht ganz krepiert bin.


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