Ich hab noch nie gegen den Trainer gespielt.

19. Oktober 2009

Nach knapp 20 Minuten musste ich unweigerlich an Günter Perl denken. Und fragte mich, wieso sich Herr Wieland Perl wünscht, wenn er doch Brych haben kann. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte bis dahin drei durch die VfB-Brille klare gelbe Karten an die Herren Höwedes, Kuranyi und Bordon nicht gegeben (Rafinha will ich, gegen meine innere Überzeugung, beim frühen Zusammenprall mit dem konternden Cacau nichts Böses unterstellen). Dass sich Dr. Brych Minuten später seiner Karten erinnerte und deren zwei an Magnin und Khedira verteilte, verbesserte sein Ansehen in der Cannstatter Kurve nicht.

Aber das nur am Rande – am Schiedsrichter lag es nicht, dass der VfB wieder einmal am mittlerweile bekannten Mix aus zu einfachen Gegentoren und mangelnder Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor scheiterte. Immerhin: einige klare Torchancen waren diesmal zumindest vorhanden, und wenn der insgesamt vielversprechend auftretende Zdravko Kuzmanovic ein Torjäger wäre, hätte das Spiel früher eine Wende nehmen können. Insgesamt trat der VfB deutlich stärker und leistungsbereiter auf als in den letzten Spielen; eine auch spielerisch inspirierte Vorstellung konnte man wohl nicht erwarten.

So zog man denn auch bei der Presse die Schlussfolgerung, dass die Mannschaft zumindest nicht gegen den Trainer gespielt habe – in meiner Naivität glaube ich ja ohnehin noch immer, dass Fußballspieler eher selten bewusst verlieren wollen, um dem Trainer zu schaden. Ich selbst hab’s zumindest noch nie getan, dabei wäre mein Verlust an Punktprämien *sehr überschaubar* gewesen. Wie gesagt: im vorliegenden Fall haben sich die VfB-Spieler nicht verdächtig gemacht. Ob Markus Babbel die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, bleibt indes zu diskutieren:

Aufstellung:
Die Umstellung auf eine Mittelfeldraute war ebenso erwartet worden wie die daraus resultierenden kritischen Punkte. Mit Kuzmanovic und Khedira hatte man auf den Außen- (bzw. Halb-) Positionen im Mittelfeld spielstarke, ballsichere Leute, die allerdings beide gerne und viel nach innen drängen und nicht zu Protagonisten schnellen Flügelspiels taugen; die Außenverteidiger Magnin und Celozzi, die diese Aufgabe übernehmen könnten (besser: sollten), konzentrierten sich auf ihre Defensivarbeit, was angesichts der letzten Spiele nachvollziehbar ist, den eigenen Stürmern aber auch keine Freude bereitet haben dürfte. Christian Träsch spielte im defensiven Mittelfeld das, was man früher einen „Ausputzer“ nannte. Kann man machen, nimmt dann aber bewusst in Kauf, dass der Spielaufbau im Mittelfeld über die beiden Halbspieler erfolgen muss. Aliaksandr Hleb konnte nicht verhindern, dass die Diskussionen aus der Saison 2003/04 (dem „Jahr 1 nach Balakov“) wieder aufgegriffen wurden, die in aller Regel zu dem Schluss kamen, dass er keine „10“ ist. Wenn die Raute wirklich das System der Wahl sein sollte und man einen klassischen Spielmacher einsetzen will, wird man nicht umhin kommen, auf Elson oder Bastürk zurückzugreifen.

Auswechslungen:
Nach 30 Minuten habe ich mich gefragt, wieso Celozzi immer noch auf dem Feld ist. Nach 66 Minuten war ich ganz sicher nicht der einzige, der sich gefragt hat, wieso Babbel Celozzi vom Feld nimmt, nachdem dieser sich nicht nur defensiv gefangen hatte, sondern nach der Pause derjenige war, der endlich für etwas Belebung auf der Außenbahn sorgte, während dem an der Außenlinie bereit stehenden Hilbert genau dies zuletzt eher selten gelungen war. Julian Schieber hat sich einmal mehr bewährt. Natürlich kann man diskutieren, ob man ihn als dritten Stürmer hätte bringen sollen; andererseits wäre wohl alles richtig gewesen, wenn man nach dem von ihm initiiterten Ausgleich die Schalker nicht zur erneuten Führung eingeladen hätte. Eine gute Viertelstunde wäre geblieben, man war am Drücker, hatte die Defensive nicht aufgelöst, kurz: man hatte die besseren Karten. Elson kam hingegen zu spät. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen. 12 Minuten erscheinen mir dafür jedoch etwas kurz, gerade wenn man sich etwas mehr Inspiration erhofft und vor allem keinen anderen Spieler auf dem Feld hat, der in der Lage ist, einen Eckball oder Freistoß auch nur annähernd gefährlich vor das Tor zu bringen.

Letztlich bleibt eine bittere Niederlage, die man eigenen Nachlässigkeiten sowie natürlich einem gut organisierten und effektiven Gegner zuzuschreiben hat. Und die Frage, ob Günter Perl den Treffer von Kuzmanovic wenige Minuten vor Schluss auch abgepfiffen hätte.

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