Respekt.

11. August 2009

Lucien Favre verhält sich respektlos, indem er einem Spieler nach der Vorbereitung sagt, dass er wohl nicht gut genug sei. Dessen Namensvetter findet den eigenen Abschied ebenfalls respektlos – der Trainer hat sich gegen ihn entschieden, ohne ihn vorher zu fragen. Die Schiedsrichter behandeln nicht nur die Trainer respektlos, sondern mitunter auch die Spieler („wie kleine Kinder„). Verdienten Nationalspielern steht sowieso Respekt zu, der wohl auch in die Leistungsbeurteilung einfließen soll. Manche Trainer äußern sich respektlos zu Vereinswechseln, andere stellen ihre Trainerstab respektlos zusammen. Muss am allgemeinen Trend zur Respektlosigkeit im Fußball liegen.

Respektlos. Ich kann es nicht mehr hören.

Bitte nicht missverstehen: Respekt ist wichtig. Ich finde es richtig, dass die Uefa eine Respekt-Kampagne fährt. Und selbstverständlich erfolgen die Klagen über Respektlosigkeit mitunter völlig zurecht. Nach meiner Wahrnehmung wurde mit Michael Tarnat tatsächlich respektlos umgegangen, und bei mancher Trainerentlassung ist „respektlos“ noch viel zu milde ausgedrückt. Fremdenfeindlichkeit und Homophobie im Stadion sind alles andere als respektvoll, und über manchen Fangesang kann man nicht einmal mehr geteilter Meinung sein. Aber hilft die Respektlosigkeitsinflation da weiter?

Immerhin: der Respekteinforderer Torsten Frings scheint das mittlerweile verstanden zu haben. Er erwartet keinen Respekt mehr, sondern nur noch einen „vernünftigen Umgang“. Dann ist ja gut. Nein, ist es nicht. Hier geht es nicht nur um Begrifflichkeiten, sondern um die offensichtliche Unfähigkeit, das Leistungsprinzip, auf das man sich so gerne beruft, auch auf sich selbst anwenden zu lassen. Wenn es nicht reicht, oder wenn zumindest der Verantwortliche meint, es reiche nicht, dann darf man das auch einfach mal akzeptieren. Man mag inhaltlich anderer Meinung sein und kann das auch in anständiger Form kund tun. Aber doch bitte nicht von Respekt reden. Und wenn wir schon dabei sind: Wer will schon aus Respekt nominiert werden? Was wäre so eine Nominierung denn wert? Aber so weit wollen wir lieber gar nicht denken.

Wenn es stimmt, was der Bundestrainer sagt, hat er Torsten Frings vor der Nominierung angerufen und ihm erklärt, dass und warum er in Aserbaidschan nicht dabei sei. Weil ein anderer die Nase vorn habe, im Wesentlichen. Dieses Telefonat geht über das übliche Prozedere hinaus, möglicherweise aus Respekt vor den Verdiensten des Bremers. Das halte ich für fair. Und dann besitzt Frings die Frechheit, sich öffentlich lauthals zu beschweren? Das kotzt mich an, ehrlich.

Und jetzt noch eine Frage Sache, die überhaupt nicht passt:
Haben Sie schon mal…  ach, Quatsch – Respekt!

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6 Antworten to “Respekt.”


  1. Wie recht du hast.

    Selbst wenn ein Trainer eine streitbare Entscheidung trifft, diese aber fair vermittelt, hat es doch auch etwas mit Respekt zu tun, diese zu akzeptieren.

    Nicht, dass ich die Inflation weiter vorantreiben wollte, aber so schließt sich nunmal der Kreis ;-)

  2. hirngabel Says:

    Danke! (Um nicht zu sagen: Respekt, Alter!)

    Torsten Frings geht mir in den letzten Monat wirklich auf den Senkel. Wobei, das war jetzt auf jeden Fall ein bisschen respektlos.

  3. Enno Says:

    Was für ein respektloser Beitrag!


  4. . (Zum Beitrag, nicht zu Ennos Kommentar.)

  5. bunki Says:

    Muss man nicht ein klein bisschen mehr Respekt haben für all die geschundenen Profiseelchen, die jahrelang aus völlig altruistischen Motiven sich haben die Knochen für das Wohl und Wehe ihres Landes (Klubs, Friseurtermine ihrer Gattinen ect) malträtieren lassen. Und dann kommst du und verurteilst das auch noch. Also, ne, ne. ;-)


  6. […] Blamieren ist das neue, eigentlich leider schon allzu alte Respekt. […]


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