Das perfekte Promi-Schwimmen

15. Juli 2009

Im ersten Moment war ich ziemlich irritiert, als die neue Dauerkarte in der Post war. Schließlich konnte ich mich nicht erinnern, eine Kreditkarte bestellt zu haben – und dennoch nahm nimmt das MasterCard-Logo einen prominenten Platz ein:

Fankarte_2009_10

Bei genauer Betrachtung stellte sich dann heraus, dass ich einfach eine Entwicklung verschlafen hatte: MasterCard gibt’s jetzt auch prepaid.

Nun könnte ich also, würde ich meine Dauerkarte aufladen, nicht nur die obligatorische Stadionwurst – die seit der testweisen Einführung des Kartensystems zur Winterpause in meinem Fall tatsächlich eine Neben-dem-Stadion-Wurst ist – damit erwerben, sondern hätte zudem die Möglichkeit, weltweit an ca. 27 Millionen Akzeptanzstellen mit meiner Dauerkarte zu bezahlen. Ich habe die zahlreichen Veröffentlichungen in „Stadion aktuell“ bereits bildlich vor Augen:

„Auch im fernen Kuala Lumpur zeigt Max Mustermann seine Verbundenheit mit unserem VfB: im Bild sehen wir ihn, wie er zwei Twix und eine Cola mit der VfB-Fankarte powered by MasterCard bezahlt.“

Derlei Aktionen dürften dem gemeinen Fan künftig auch deshalb deutlich leichter fallen, weil das Reisegewicht einer Dauerkarte ungleich geringer ist als das eines Trikots, in dem man sich früher fotografieren lassen musste, um ins Stadionheft zu kommen. Ein unangenehmer Nebeneffekt könnte allerdings darin bestehen, dass niemand mehr gewillt ist, im Fall einer Auslandsreise die Dauerkarte einem Ersatz-Stadiongänger zu überlassen.

Daneben bietet die Fankarte eine Reihe weiterer Vorteile, die in einem der Karte beigefügten Flyer sowie im VfB-Webauftritt detailliert dargestellt werden. So kann ich beispielsweise nicht nur mit meiner Prepaidkarte tanken, sondern auch noch Geld sparen (1 Cent pro Liter), wenn ich dazu eine richtige Tankstelle ansteuere, derer es im Stadtgebiet laut Flyer sieben, laut vfb.de drei, sowie in beiden Fällen eine in Kirchheim unter Teck gibt.

Auf besonderes Interesse stieß zudem bereits die Ermäßigung im Leuze, einem bekannten Stuttgarter Mineralbad, wo man laut Flyer (auch hier könnte man zu dem Schluss kommen, dass das Internet herkömmlichen Printprodukten in punkto Aktualität einfach nicht gewachsen ist) „1,- € Ermäßigung auf alle nicht ermäßigten Einzeleintritte“ erhält. Bei Eintrittspreisen von 5,70 € bis 14,30 € sind das knapp 7 %  bis über 17,5 %, woraufhin das  eine oder andere Mitglied im Bäderausschuss des Stuttgarter Gemeinderats doch hellhörig geworden sei, „wo doch der Fußballbundesligist im hauseigenen Fanshop nur fünf Prozent Preisnachlass gewährt.“

Letztlich soll jedoch nicht nur der Fankartenbesitzer, also ich, von der neuen Lösung profitieren, sondern auch die beteiligten Partner. Deshalb habe man sich beispielsweise für das Leuze bereits eine Lösung überlegt: ein Spieler des VfB wird baden gehen. Im Leuze. Ein Promi-Schwimmer sozusagen. Und darüber wird man dann in der Stadionzeitschrift berichten. Vermutlich sogar ausführlicher als über Max Mustermann in Kuala Lumpur.

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12 Antworten to “Das perfekte Promi-Schwimmen”

  1. jon dahl Says:

    Den wichtigsten Vorteil der schwäbischen Knappenkarte hast du noch gar nicht erwähnt: Unter dem Slogan „11 mal bezahlen, 1 mal absahnen“ gibt’s nämlich einen „exklusiven Fan-Schal für Sie“, und zwar für alle, die eifrig ihre Deppen-Card benutzen, die Belege sammeln und bis Oktober im Fanshop einlösen.
    Aufschrift auf dem Must-have Fan-Produkt: „VfB Stuttgart – Wir setzen alles auf eine Karte“. Was nichts mit dem Super-Duper-Premium-Sponsoren-Partner zu tun hat, sondern seit geraumer Zeit das Motto der Scouting-Abteilung ist.
    Vielleicht treffen wir uns ja mal bei der Neben-dem-Stadion-Wurst; und in der nächsten Saison kaufe ich mir eine Blockdauerkarte, aus Papier, zum Abreißen, ohne Chance auf exclusive Geschenke.

  2. heinzkamke Says:

    @jon dahl:

    Wird die Deppen-Card durch Besitz oder durch Nutzung zur Deppen-Card? Und für letzteren Fall: gilt die Überwindung der Einlasskontrolle am Stadion auch als Nutzung?

    Blockdauerkarte klingt gut. Allerdings hab ich gehört, die seien bei manchen Adressaten noch gar nicht angekommen. Vielleicht sollten wir das wirklich neben dem Stadion mal vertiefen (inklusive der Diskussion über die Scouting-Abteilung – vielleicht können wir an der Stelle auch Herrn Rangnick noch einbeziehen).

  3. hirngabel Says:

    Jetzt lasst doch mal unsere Scouting-Abteilung in Ruhe. Die ist doch noch so jung.
    Ihr verprügelt schließlich auch keine Säuglinge (gut, es sei denn Sie haben einen Bayern-Strampler an)…

  4. heinzkamke Says:

    @hirngabel:
    Als virtueller Gastgeber distanziere ich mich von der letzten Äußerung selbstverständlich auf das Schärfste.

    Was indes die Scouting-Abteilung anbelangt, freue ich mich auf eine ergebnisoffene Diskussion ;-)

  5. hirngabel Says:

    Naja, ganz ehrlich bin ich über die Struktur der Scouting-Abteilung nicht so richtig im Bilde. Von daher bin ich da nicht so ganz der richtige Diskussionspartner.

    Allerdings geht mir vielfach das Genöle über das achso beschissene Scouting ziemlich auf den Wecker. Ich habe das ja schon in meinem ersten Eintrag im Brustring ein bisschen thematisiert: Vielfach geht die Kritik einfach völlig am Thema vorbei und ist nur basiert auf den paar Happen, die in die Presse gelangen.
    Klar, wird momentan der Eindruck erweckt, als arbeite Heldt einfach nur nach und nach eine Liste von Kandidaten ab und das nach dem „Try and Error“-Prinzip und wirklich erst dann zu Kandidat 2, wenn Kandidat 1 wirklich raus ist. Aber ich denke, genau dieser Einruck täuscht und hat ausschließlich damit zu tun, dass sich die Presse selbst auf einen bestimmten Kandidaten einschießt (und dann irgendwann zum nächsten weitertorkelt).

    Wenn ich dann allerdings so beiläufig im Nebensatz eines (ansonsten schlechten und unaktuellen) Artikels der StZ lese, dass Stuttgart auch mal an Adebayor dran war, wovon bisher aber mal so gar nix bekannt war, dann bin ich mehr sicher, dass hinter den Kulissen viel mehr abläuft, als wir es hier mitbekommen.
    Ein anderes Beispiel wäre die plötzlich auftauchende Verpflichtung von Schwarz. Obwohl man in FCI-Foren schon einen Monat vorher davon lesen konnte, hat man in der Presse Null davon mitbekommen – war halt nicht sexy genug das Thema.

  6. hirngabel Says:

    Aber jetzt gehe ich erstmal Säuglinge prügeln.

  7. heinzkamke Says:

    Ich bin völlig bei Dir. Andere Ansichten scheinen an der Stelle indes die Herren jon dahl („Wir setzen alles auf eine Karte“) und Ralf Rangnick („„Das spricht nicht für den VfB und seine Scouting-Abteilung. Uns wäre das nie passiert. Wir wissen, was Sache ist, wenn wir uns um einen Spieler bemühen.“) zu vertreten.

    @jon dahl:
    Selbstverständlich liegt mir nichts ferner, als Dich mit Ralf Rangnick zu vergleichen ;-)

  8. jon dahl Says:

    Danke für den letzten Satz; Weniges ist mir unangenehmer als mit Herrn Rangnick in einem Atemzug genannt zu werden. Selbstverständlich ging es mir ausschließlich um zarte Kritik am aus meiner Sicht suboptimalen Slogan ”Wir setzen alles auf eine Karte”.
    Mit Scouting hat die Beschäftigung mit Spielern des Bekanntheitsgrades von Huntelaar, Love oder auch schon Jovanovic wohl ebenso wenig zu tun wie Verpflichtung von Spielern aus der 1. oder 2. Bundesliga. Daher gibt’s von meiner Seite keine Kritik an einer Scouting-Abteilung bei unserem VfB, deren Existenz ich übrigens vehement anzweifle.

  9. hirngabel Says:

    @jon dahl

    Das ist eben genau der Bullshit (sorry), der mich in diesem Zusammenhang ständig auf die Palme bringt.

    Es geht doch beim Thema Scouting eben NICHT darum, Spieler zu bekommen, die a) möglichst unbekannt sind und b) aus einem möglichst exotischen Land stammen! Sondern die einzige, über allem stehende Maßgabe lautet, Spieler zu finden, die menschlich, sportlich und finanziell in die Mannschaft passen und diese wenn möglich auch noch weiterbringen.

    Und da ist es dann letzten Endes völlig Wurscht, ob der Spieler aus Ulm oder Ouagadougou stammt.

    Warum haben denn bitte Spieler wie Love oder Jovanovic nichts mit Scouting zu tun? Oder jemand wie Matthias Schwarz oder Martin Lanig? Weil sie schon mal im Fernsehen kamen?
    Tut mir leid, aber das ist für mich nun wirklich kein Argument.
    Oder was beim Thema Huntelaar. Klar, mitterweile ist das jetzt nicht so ultrakreativ, einen Spieler vom Real-Grabbeltisch holen zu wollen – aber in diesem Zusammenhang muss man dann eben auch in Betracht ziehen, dass der VfB schon vor einem Jahr an ihm dran war.

    Und zu guter Letzt sollte man auch nie vergessen, dass ein ganz wichtiger Bereich des Scouting immer mal gerne unterschlagen wird, der mindestens ebenso wichtig ist und der wirklich mit Erfolgen protzen kann: Das Scouting im Jugendbereich.

    Keine Sorge, ich bin weit davon entfernt, unser Scouting in den Himmel zu loben, da wir dort sicherlich noch Schwächen im Vergleich zu manch anderem Verein haben. Aber man muss ab und an mal seine Wahrnehmung hinterfragen. Denn wir VfB-Fans haben natürlich immer alle unsere Transfers im Blick, aber nicht alle Transfers der Konkurrenz wie z.B. Bremen. Dort bleiben dann immer nur die Kracherverpflichtungen im Kopf hängen, wie beispielsweise Diego oder Micoud (wobei die nach Deiner Kategorisierung auch kein „Scouting“ gewesen sind – haben ja in Europa gespielt) und vereinzelte Mega-Flops wie Alberto, aber eben nicht all die Transfers, die im Nichts verschwinden, die bei unserem Verein aber wesentlich präsenter bleiben.

  10. jon dahl Says:

    @hirngabel:

    Ist wohl eine Frage der Definition des Begriffs „Scouting“; und dann kommt da noch diese Sache mit der Ironie hinzu. Also: Schaum vom Mund wischen und nicht vom Bullshit auf die Palme bringen lassen ;-)

    Und ganz ernsthaft: Im Vergleich zu einigen der Hoffenheimer Verpflichtungen (Simunic meine ich dabei nicht) sehe ich schon Unterschiede zu den Verpflichtungen und Verpflichtungsplänen des VfB in der letzten Zeit; Ba für 3 Millionen aus Belgien zu holen spricht für eine höhere Qualität im Bereich Sichten / Scouting / Spielerbeobachtung als ihn für kolportierte 18 Millionen vom Ligakonkurrenten abwerben zu wollen. Das Potential eines Micoud zu erkennen erforderte andere Qualitäten als zu sehen, dass Ba, Helmes und Huntelaar ganz gute Stürmer sind. Scouting ist im Idealfall für mich eben auch Erkennen von Potential.

    Auch wenn aus meiner Sicht nicht unbedingt etwas gegen die Verpflichtung des in Presse und Fernsehen jeweils für am stärksten gehaltenen Zweitligaspielers der Saison (Hilbert – Geldson – Lanig – Gebhart) spricht, bin ich übrigens wie du mit der Entwicklung hin zu Verpflichtungen wie Schwarz, Celozzi und auch Riedle sehr zufrieden.

  11. hirngabel Says:

    Keine Sorge, von „Schaum vorm Mund“ bin ich recht weit entfernt. =)
    Bin einfach nur ein bisschen genervt, von diesem ständigen Schlechtreden durch die eigenen Fans – und das habe ich eben auch in Deine Aussagen reininterpretiert. Ein wenig mehr Selbstvertrauen stünde uns allgemein einfach ein wenig besser zu Gesicht – es gibt schließlich nur wenige Teams, die in den vergangenen Jahren in der Bundesliga erfolgreicher waren als wir. Und das muss ja schon irgendwoher kommen und war sicherlich nicht alles nur pures Glück und Zufall.

    Und auch Hoffenheim haben wir hinter uns gelassen – trotz vermeintlich besserem Scouting.

    Was nun beispielsweise an Micoud (Meister in Frankreich mit Bordeaux und Pokalsieger mit Parma in Italien) so viel besseres Scouting ist, als bei Huntelaar würde mich dann aber auch mal interessieren.

    Zu Deinem letzten Absatz: Bei Hilbert, Gledson und Lanig magst Du vielleicht noch recht haben mit Deiner spitzen Bemerkung, aber Gebhart war sicherlich nicht quer durch die Medien als Topspieler der zweiten Liga bezeichnet worden.


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