Aux armes!

14. Juli 2009

Wann, wenn nicht am 14. Juli, dem Tag der, äh, VfB-Mitgliederversammlung, soll man die sportliche Leitung zu den Waffen rufen zu mehr Entschlossenheit im Abschluss aufrufen?

Im Ernst: ich hab ja schon verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass mein Grundvertrauen in Horst Heldt und Markus Babbel recht hoch ist; gleichwohl wäre es für die Volksseele so langsam ganz gut, neben den Herren Celozzi und Schwarz (deren Verpflichtung ich begrüße)  auch noch den einen oder anderen Neuzugang zu präsentieren, für den man einen nennenswerten Teil der Gomez-Millionen ausgeben darf.

Statt dessen werden allenthalben die Stimmen lauter, die bereits Parallelen zur Einkaufspolitik nach der Meistersaison 2007 ziehen, als man letztlich so klangvolle Namen wie Ewerthon, Bastürk, Gledson und Marica verpflichtete. Zwei der vier sind noch im Verein, und wenn man eine Umfrage unter den Fans machen würde, welche Spieler man abgeben sollte, bin ich überzeugt, dass einer der beiden die Spitzenposition inne hätte und der andere vermutlich auch unter den Top 5 landen würde.

Nachfolgend die dringendsten offenen Punkte:

Die offenste Planstelle, die derzeit auch medial intensiv begleitet wird, ist selbstredend jene für den Gomez-Ersatz. Wenn man davon ausgeht, dass Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird, kann man entweder auf Rückkehrer Manuel Fischer und Alessandro Riedle hoffen, für den Papa Karl-Heinz nach eigenen Angaben schon mal die Nr. 13 reservieren ließ, oder es wird doch noch was mit einem treffsicheren Neuzugang. Nach dem Fehlschlag mit Ba (ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche der beteiligten Parteien die unglückliste Figur abgegeben hat) stünde Horst Heldt ein weiteres „Nein“ bei der – erfreulich ehrgeizigen – Personalie Huntelaar nicht so richtig gut zu Gesicht, und ob der ebenfalls gehandelte Vagner Love dann Gewehr bei Fuß stünde, bliebe abzuwarten – billiger würde er vermutlich nicht.

Offen ist zudem eine Position im offensiven Mittelfeld. Man weiß nicht, ob der gescheiterte Transfer von Herrn Jovanovic tatsächlich endgültig bei den Akten liegt oder ob man hier noch im Hintergrund aktiv ist. In jedem Fall täte man gut daran, sich um einen schnellen Mann für die Offensive zu bemühen, der möglichst auch für ein paar Treffer gut ist – vor allem, wenn man davon ausgeht, Gomez‘ Tore nicht allein durch die Stürmer ersetzen zu können.

Unangenehm offen ist meines Erachtens und in jeder Hinsicht weiterhin die linke Abwehrseite, wo Lude Magnin und Arthur Boka für mich nach wie vor nur selten mehr als eine mittelprächtige Lösung darstellen. Magnin zeigte zum Ende der Vorsaison eine Reihe sehr guter Spiele, vor allem in der Offensive, und Boka hat ja allem Anschein nach seine langjährige(!) Knöchelverletzung behandeln lassen, aber richtig gute Außenverteideiger-Spielmacher, wie sie uns mitunter von Steffen Simon und anderen vorgehalten werden, sind sie bei aller Liebe nicht. Celozzi, Träsch und Osorio haben wohl alle schon links gespielt; zu Flankenläufen werden sie indes eher nicht ansetzen, und nur weil Philipp Lahm wegen seines überragenden Talents dennoch ein sehr guter Linksverteidiger ist, muss man dieser Krückenlösung ja nicht unbedingt nacheifern.

Offen ist weiterhin die Frage, wie das Experiment mit dem nur in Teilzeit präsenten Trainer funktionieren kann. Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh. Erschwert würde die Sache dann, wenn ein weiterer offener Punkt positiv beantwortet würde: die Frage, in welchem internationalen Wettbewerb der VfB die Saison beginnt – der CL-Mittwoch ist organisatorisch sicherlich noch ein Stück schwerer zu bewältigen als der Wettbewerb formerly known as Uefa-Cup am Donnerstag.

Ganz besonders offen ist schließlich auch noch das Neckarstadion, das sich derzeit ohne Untertürkheimer Kurve präsentiert:

Nicht mehr offen ist indes die Zukunft des sportlichen Contents der Hirngabel. Er schreibt nun in einem separaten VfB-Blog, und ich habe den Eindruck, dass es ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird. Ich freu mich sehr drauf, auch wenn ich zugeben muss, dass ich auf den Namen fast ein wenig neidisch bin…

Einen Brustring, einen Brustring, einen Brustring tragen wir. Auf den Trikots, in den Herzen – VfB, Du bist in mir!

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3 Antworten to “Aux armes!”

  1. Erik Says:

    Als VfB-Aussenstehender sehe ich die Personalie Huntelaar skeptisch. Warum?

    Der einzige Grund den Huntelaar haben dürfte zum VfB zu wechseln ist die Stammplatzgarantie, die er erhalten dürfte und die ihm die Möglichkeit gäbe, sich für die WM 2010 zu empfehlen. Wenn er diese dann erfolgreich gespielt hat, dürfte dem VfB das gleiche Problem ins Haus stehen wie den Bayern heute mit Ribery: ein ausländischer Spitzenklub mit einem niedrigeren Spitzensteuersatz ist für die Spieler einfach attraktiver als die Bundesliga.

    Darüber hinaus traue ich Markus Babbel nicht zu, einen Star wie Huntelaar in ein Gefüge wie den VfB zu integrieren. Ich glaube, der VfB fährt besser mit der Strategie ein Talent aufzubauen und die Gomez-Millionen dafür zu nutzen, dieses auch mal halten zu können.

  2. hirngabel Says:

    Da muss ich doch widersprechen.
    Man kann sich sicher sein, dass selbst wenn KJH nicht mit vollem Herzen hinter dem VfB stehen würde, so würde er doch mit Sicherheit vollen Einsatz abliefern – genau weil er eben bei der WM dabei sein will und das nur über gute Leistungen funktionieren würde.

    Sollte er sich dann, verstärkt durch die WM, ins Rampenlicht gespielt haben, so dass neue Top-Vereine auf ihn aufmerksam würden – warum sollten wir ihn dann ein Problem haben?
    Der Wiederverkaufswert wäre mit Sicherheit nicht kleiner als in diesem Sommer.
    Davon abgesehen ist es ja auch wiederum nicht ausgeschlossen, dass Huntelaar sich im Laufe der Saison einlebt und beginnt sich wirklich wohlzufühlen, so dass er durchaus bereit ist, noch ein oder zwei weitere Jahre dranzuhängen.
    Aber erst einmal muss der Transfer überhaupt klappen.

    Achja, und ein Talent werden wir so oder so wieder aufbauen – dazu haben wir einfach genügend gute Jungs im Unterbau verfügbar.

    Und Babbel traue ich das absolut zu. KJH macht mir nicht gerade den Eindruck eines verwöhnten Menschen mit Starallüren (u.a. deswegen schiesst ihn Real ja ab: zu wenig Glamour).

  3. heinzkamke Says:

    vorweg: VfB-Außenstehender bin ich natürlich auch ;-)

    Die Sorge [bei Dir, Erik, ist es vielleicht keine ;-) ], dass Huntelaar in einem Jahr wieder weg sein könnte, möglicherweise für eine Ablösesumme, die nicht gerade Begeisterung auslöst, teile ich durchaus.

    Der Verein braucht jedoch, natürlich auch wegen der Erwartungshaltung im Umfeld (die trotz des Weggangs von Gomez nicht nennenswert sinken wird – Tasci wird heute so zitiert, dass er mit dem VfB in der neuen Saison, wenn er denn noch da ist, einen Titel gewinnen wolle, und der gemeine Fan setzt auf die 35 Millionen), einen Stürmer, der zumindest annähernd Gomez‘ Torquote erreicht, wenn er in der Tabelle nicht durchgereicht werden will. Und zu meinem großen Bedauern haben wir den noch nicht. Schieber kann einer werden, Marica hat bestimmt noch Potenzial, aber es wäre fahrlässig, darauf zu bauen – ganz davon abgesehen, dass vermutlich auch Tasci und ggf. andere ganz ähnlich denken: „Kann ja wohl nicht angehen, dass der Verein keinen adäquaten Ersatz holt!“ – die Konsequenzen kann man sich vorstellen.

    Und auch sonst bin ich bei Hirngabel: dass der Nachwuchs weiterhin gefördert wird, bezweifle ich nicht. Und wenn dann nach der WM Huntelaar gehen sollte, weil er Angst vor Schieber hat ein Topclub ihn unbedingt will und Julian Schieber vielleicht so weit ist, als Stürmer Nr. 1 oder 2 in die Saison zu gehen, könnte ich gut damit leben.

    Aber wie wir wissen, ist das alles Makulatur, so lange kein neuer Stürmer präsentiert wird.

    @hirngabel:
    Ganz kurz war ich ob Deines energischen „Da muss ich doch widersprechen“ irritiert, das ich zunächst auf meinen Text bezog. Selbstverständlich darfst Du mir stets und gern widersprechen, nur hätte es mich an dieser Stelle eher überrascht… ;-)


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