Kleine Fußballweisheiten.

3. Mai 2009

„Defense wins championships.“

Jeder, der diese Weisheit ernst nimmt, sollte nach dem gestrigen 2-2 des VfB in Bielefeld endlich erkannt haben, dass der Deutsche Meister 2009 nicht aus Stuttgart kommen kann. Zu viel hatte die VfB-Hintermannschaft mit dem immer wieder gern zitierten Hühnerhaufen gemein, zu wenig mit der abgeklärten Defensive der letzten Wochen. Bereits in der ersten Hälfte ließ man sich von den Bielefelder Offensivkünstlern wiederholt düpieren, und ab Mitte der zweiten Halbzeit konnten die Gastgeber phasenweise im Minutentakt ihre Angriffe vortragen.

Während die Innenverteidigung die Bielefelder Angreifer immerhin soweit in Schach hielt, dass sie kaum gefährlich zum Abschluss kamen, musste man über außen stets mit dem Schlimmsten rechnen. Christian Träsch bestätigte nicht nur meinen Eindruck, dass er mit langen Bällen auf seinen Gegenspieler nicht recht umzugehen weiß; vielmehr ließ er sich auch im direkten Zweikampf wiederholt von Daniel Halfar düpieren, der aber letztlich kein zählbares Kapital daraus schlagen konnte. Interessanterweise fielen die Gegentore statt dessen über die linke Stuttgarter Abwehrseite, wobei Ludovic Magnin zugute gehalten werden muss, dass er in beiden Fällen nur ganz am Rande beteiligt war. Bei der Hirngabel werden (nicht nur) die Tore ausführlicher analysiert.

Wie gesagt: der Stuttgarter Abwehrverbund hat sich in der reinen Abwehrarbeit nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Deutlich ärgerlicher waren jedoch aus meiner Sicht die zahllosen Fehler in der Spieleröffnung, die insbesondere in der Schlussphase, als man auf einen Stuttgarter Sturmlauf hoffte, die eigenen Angriffe im Keim erstickte und den Bielefeldern immer wieder die Chance zu einem neuen Anlauf gaben – glücklicherweise waren auch sie nur selten in der Lage, ihre Aktionen konsequent zu Ende zu spielen.

„Never change a winning team“

In den letzten Wochen hatten wir uns darauf eingestellt, dass immer einer der drei Kandidaten für die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld ausfällt und die beiden anderen ihre Sache hervorragend machen. Demzufolge ging ich davon aus, dass zwei der drei (wahrscheinlich Hitzlsperger und Khedira) spielen und der Rest der Aufstellung unverändert bleiben würde. Die Verletzung von Timo Gebhart spülte jedoch Martin Lanig von der „6“ nicht auf die Bank, sondern auf die linke Außenbahn, und mir wurde schmerzlich bewusst, weshalb ich mich in der Vorrunde, als er seine Einsätze zumeist über Außen hatte, nie so recht für sein Spiel erwärmen konnte. Hier fehlt ihm nicht nur die Dynamik, sondern auch das Gespür (und vielleicht auch der Wille), als „Flankenläufer“ für Gefahr zu sorgen.

„Das nächste Spiel ist immer das schwerste“

Binsenweisheit. Vor allem, wenn es gegen den Tabellenführer und Neu-Meisterschaftskandidaten geht. In Dortmund dürfte man sich angesichts des bevorstehenden Spieltags bereits Hoffnungen machen, am Sonntag auf Rang 4 zu stehen: selbst den KSC schlagen, der HSV verliert in Bremen und der VfB gegen Wolfsburg – nicht ganz abwegig.

Aber irgendwie habe ich ein gutes Gefühl und glaube nicht, dass wir verlieren. Sicher, der Ausfall von Delpierre ist schmerzhaft, und vermutlich hat mein Nebensitzer gestern etwas übertrieben, als er meinte, der VfB verfüge auch mit Boulahrouz und Niedermeier noch über die beste Innenverteidigung der Liga. Dennoch bin ich zum einen überzeugt, dass Markus Babbel die Schwächen in der Defensive genau erkannt hat und eben dort ansetzen wird, zum anderen baue ich auf Gomez und Cacau:

„Offense wins games.“

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6 Antworten to “Kleine Fußballweisheiten.”

  1. hirngabel Says:

    Sehr schöner Aufhänger. =)

    Träsch war tatsächlich recht indisponiert am Samstag – sehr schade, da er mir in den vergangenen Wochen wirklich sehr gut gefallen hatte (von den selektiven Eindrücken, die ich bekommen habe).

    Übrigens, dass Magnin „nur am Rande beteiligt war“ halte ich vor allem beim zweiten Gegentor für den Kern des Problems in der Situation. Von daher Danke für die Formulierung – auch wenn es eher nicht so gemeint war. =) Aber da hat er einfach ein ganz beschissenes Stellungsspiel gehabt.

    Deinem Sitznachbarn mag ich da doch ganz und gar nicht zustimmen – aber vielleicht überraschen mich Boula und Niedermeier ja.
    Auf jeden Fall zieht es sich wirklich echt durch die Saison, dass sowohl das defensive Mittelfeld als auch die Abwehrformation wohl nie mehr als vielleicht drei Spiele mal am Stück in der selben Besetzung machen können.
    Bin sehr gespannt, wie es gegen WOB laufen wird…

    Schöne Beobachtung übrigens zu Lanig – war mir gar nicht so bewusst gewesen, aber jetzt wo Du’s erwähnst…

  2. jens Says:

    du vergisst den faktor: wie-spielen-die-anderen-teams? der ist nämlich nicht außer acht zu lassen, den anscheinend möchte keiner so richtig meister werden… ein remis oder eine niederlage gegen ein „kleines“ team ist immer drin, als tabellenführer oder zweiter…

    eine kleine chance geb ich dem vfb noch. ein sieg gegen die unangenehmen arminen wäre aber schon schöner gewesen…

  3. hirngabel Says:

    Eine kleine Chance haben wir natürlich noch – ist schließlich noch rechnerich möglich und wir spielen eben noch gegen Bayern und Wolfsburg.

    Aber ich habe das gerade mal (zugegeben konservativ) durchgerechnet: Wir können nur noch Meister werden, wenn wir alle Spiele gewinnen sollten.
    Anders wirds nicht reichen.

    Glaube nicht dass sich die Bayern noch eine Blöße geben werden an Spieltagen 31-33 und Wolfsburg hat einfach zu viel Vorsprung, als dass es mit 9 oder 10 Punkten aus den verbliebenen Spielen langen könnte.

  4. hirngabel Says:

    Oh, ich kaufe ein „s“.

  5. jon dahl Says:

    Wolfsburg verliert gegen Stuttgart und Dortmund, Hertha gegen Schalke, Bayern am letzten Spieltag. Und Lanig wird von Rudy auf die Bank gespült, und wenn’s nur der Fangesänge wegen ist. Und dein Nebensitzer hat Innenverteidigergott Babbel vergessen. Wir haben noch Reserven, wir sind ja nicht in Hoffenheim.

  6. heinzkamke Says:

    @hirngabel:
    Ich hatte Deine Magnin-Kritik durchaus im Kopf und hab schon bewusst so formuliert, war aber ehrlich gesagt zu müde, um die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten von „am Rande“ weiter auszuarbeiten oder gar zu verdellingen…

    @jens:
    Dann kann sich der VfB ja glücklich schätzen, dass er nur noch gegen ein einziges „kleines“ Team spielt, wo man Punkte liegen lassen könnte ;-)

    @jon dahl:
    Wenn das so ist, werden wir wohl doch noch an die Spitze gespült…
    Und bitte keine Verunglimpfung von Traditionsvereinen.


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