Von Millwall nach Stuttgart.

5. März 2009

Welcher regelmäßige Stadiongänger kennt ihn nicht, diesen Fangesang, den nur die bösesten Buben anstimmen dürfen:

„…no one likes us, we don’t care…“

Irgendwie furchteinflößend, diese Zeile, nicht wahr?
Ähnlich bedrohlich wie Maik Franz‘ Selbstwahrnehmung, der „meistgehasste Spieler der Liga“ zu sein.

„No one likes us“ ist, wenn man der Weisheit der Vielen glauben darf,  in den späten 70ern beim Millwall F.C. entstanden, wo anderen Quellen zufolge die „most notorious fans in British football“ beheimatet waren (was aber kontrovers diskutiert wird).

Allem Anschein nach versuchen seit Jahr und Tag die Fans zahlreicher Vereine, den Millwall-Fans den Rang abzulaufen, und sehen es als Grundvoraussetzung an, ihrerseits singend festzustellen, dass keiner sie möge.

Als ich den entsprechenden Gesang erstmals von VfB-Fans im Neckarstadion hörte, hielt ich ihn, vorsichtig ausgedrückt, für eine leichte Überinterpretation der eigenen Bedeutung. Der VfB polarisiert einfach nicht in dem Maß, dass sich die Anhänger anderer Vereine allzu sehr über ihn aufregen, ihn gar als Feindbild sehen. Manch einer mag das bestreiten, andere werden es zumindest beklagen oder bedauern. Ich persönlich finde es für einen Fußballverein durchaus ok, von den Anhängern fremder Clubs – von Lokal- und Regionalrivalen vielleicht abgesehen – nicht gehasst zu werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein aktueller Artikel bei Herrn Wieland, der sich mit den Zuschauermengen befasst, die die verschiedenen Bundesligaclubs bei ihren Auswärtsspielen anlocken: der VfB rangiert dort zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf Rang 15. Zwar werden einige relevante Aspekte nicht erfasst, auf die in den Kommentaren (z.B.  von ckwon und Trainer Baade) hingewiesen wird; gleichwohl glaube ich nicht, dass sich der VfB bei deren Berücksichtigung an die Spitze der Zuschauermagneten katapultieren würde. Dafür ist er, so unverständlich es auch sein mag, vielen einfach nicht wichtig genug.

Ach ja: man kann natürlich auch Desinteresse als eine Form von „Nicht Mögen“ interpretieren. Dann wird’s wieder rund.

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2 Antworten to “Von Millwall nach Stuttgart.”

  1. steffi Says:

    naja – es ist schon leichter, sich über klare feindbilder zu definieren, oder? und dazu gehört eben auch die selbstwahrnehmung, „meistgehasst“ zu sein. infantil – durchaus. aber „alle haben uns lieb“ ist auch irgendwie nicht hip. oder „wir sind allen egal“ – da reimt sich ja rein gar nichts drauf. und was man so gemeinhin hass nennt, ist wenigstens ein starkes wort, das ein starkes gefühl bezeichnet.

  2. heinzkamke Says:

    @steffi:
    man könnte meinen, dass Du Dich öfter mit solchen Themen auseinandersetzt… ;-)

    Wahrscheinlich hast Du vollkommen recht.
    Als Fangruppe braucht man wohl Feindbilder, mit den von Dir angedeuteten Gründen und Konsequenzen.

    Ist nur mir persönlich so unheimlich fremd – insbesondere dann, wenn es darum geht, selbst jemandes Feindbild sein zu wollen (und sich im nächsten Schritt einzureden, es auch zu sein).

    Vielleicht sollten wir mal bei Twitter umfragen, welche Reime sich zu „wir sind allen egal“ anbieten. Lyrik ist dort ja grade en vogue.


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