MdB 2.0: Immerhin, man tauscht sich aus.

20. Februar 2009

Von Zeit zu Zeit verweise ich hier auf das Blogprojekt MdB 2.0 bei Phoenix, das 5 junge Bundestagsabgeordnete „zunächst bis zu den nächsten Bundestagswahlen“ gemeinsam parallel befüllen. Trotz verschiedener Ankündigungen habe ich es bis dato nicht geschafft, eine vernünftige und ausführliche Bewertung des Projekts abgegeben – und so richtig folgt die auch heute nicht.

Eine zentrale Charakteristik des Projekts besteht meines Erachtens im oben bereits angedeuteten Umstand, dass alle 5 eher parallel als gemeinsam bloggen. Dies ist insofern verständlich, als jede(r) verständlicherweise darauf bedacht ist, möglichst viel relevanten Inhalt unter seinem oder ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen und eben nicht als Kommentator beim Beitrag der Kollegin. Gleichzeitig glaube ich aber, dass man sich damit einer Chance beraubt, nicht nur die Kollegen, sondern auch die Leser zu mehr Interaktion zu bewegen.

In einer kurzen Kommentardiskussion mit Michael Leutert hatten wir vor einigen Wochen schon einmal das Thema Interaktion angesprochen, und auch in den letzten Tagen war er es, der unmittelbar auf einen Beitrag von Carsten Scheider reagierte und einen inhaltlichen Dialog entfachte.

Aus meiner Sicht wäre, wie bereits angedeutet, der Weg über die Kommentare möglicherweise besser geeignet, eine Diskussion zu führen, die auch Leserinnen zur Teilnahme animiert; gleichwohl ist es erfreulich, dass ein inhaltlicher, gerne auch ein wenig stichelnder, Austausch allmählich in das Projekt Einzug hält – ich freu mich drauf (und werde mich bemühen, auch selbst öfter zu kommentieren).

Falls jemand fragt, wieso ich die beiden genannten Politiker nicht wie üblich mit ihren Parteibüchern versehen habe: das halte ich zunächst einmal nicht für so relevant; für mich stellt sich vielmehr die Frage, ob das Projekt funktioniert, ob junge deutsche Politiker und ihre Leser einen solchen Ansatz gewinnbringend umsetzen können.

Dass das Thema, gerade im Nachgang zur US-Wahl und angesichts des bevorstehnden „Superwahljahrs“ von großer Bedeutung ist, belegen nicht zuletzt neue dedizierte Plattformen, Websites, Ideen, wasauchimmer, wie DemokratieZweiNull, Politik im Web oder poliTweet (und sicher zahlreiche andere), ganz abgesehen von renommierten Projekten wie netzpolitik.org und natürlich den mehr oder weniger Beispiel gebenden Initiativen der Parteien.

Zurück zu MdB 2.0:
Es wird sehr deutlich, dass sowohl der Grad der Berührungsängste (und ausnahmsweise dürfte es sich hier nicht um ein Generationenproblem handeln) als auch die jeweilige Herangehensweise sehr unterschiedlich sind.  Beispielsweise spricht Andreas Scheuer verschiedentlich explizit von seinem „Video-Tagebuch„, während Nicole Maisch kürzlich Kritik wegen zu vieler (2) verlinkter Reden in zu kurzer Zeit erfahren musste („Ist das ein Blog oder der Protokolldienst des Bundestags?“).

Meiner eigenen Vorstellung von einem Weblog kommt bislang Michael Leuterts Herangehensweise am nächsten. Mit einer recht hohen Frequenz veröffentlicht er politische Inhalte, „Sendung-mit-der-Maus“-Informationen (im positiven Sinne) für interessierte Bürger, und gelegentlich auch mal ein wenig Unsinn. Ich hoffe, dass seine KollegInnen, zumindest in punkto Frequenz und Interaktion, noch ein wenig nachziehen.

Nicole Maisch und Florian Toncar verfolge ich übrigens auch bei Twitter, allerdings hält sich ihre Präsenz dort noch in Grenzen. Über die drei anderen Abgeordneten bin ich dort noch nicht gestolpert.

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3 Antworten to “MdB 2.0: Immerhin, man tauscht sich aus.”


  1. Danke für die Blumen! :-) Ja, es ist alles etwas schwieriger und förmlicher, als ich gehofft hatte …aber irgendwie ist es auch nachvollziehbar. In dem Blog treffen zwei Kommunikationsformen aufeinander: Einerseits die Politik mit ihren Regeln, immer schön gegen die anderen, jede/r im Besitz der Wahrheit und bloß keine eigenen Schwächen zugeben = d.h. eigentlich redet jede/r für sich selbst an die Leute draußen. Andererseits Blogs, die interaktive und subjektive Meinungsbildungsformen und -strukturen praktizieren = d.h. mit anderen kommunizieren;
    Ich selbst stelle auch nicht alles so ein, wie ich es gerne würde. So gibt es in meiner Partei, der Linken, natürlich umstrittene Themen und zum Teil auch Streit um wichtige Themen. Es wäre wünschenswert, die anders funktionierenden Meinungsbildungsformen des web. 2.0 hier wirklich ernst zu nehmen und zur Diskussion zu nutzen (was immer heißt, das Für und Wider abzuwägen). Aber dass das nicht einfach ist, habe ich in der einzigen längeren Diskussion in den Kommentaren gemerkt, zu meinem einen Bundeswehr/Afghanistan-Post. Da war dann schnell nichts mehr mit diskutieren.
    … Naja, nochmal ‚Danke‘, vor allem, dass Du Dir das Experiment so genau anschaust, und bis bald!

  2. heinzkamke Says:

    @Michael Leutert:
    Zunächst mal sorry, dass der Kommentar so lange nicht hier erschienen ist – aus mir unerfindlichem Grund ist er in der Spammoderation untergegangen.

    Ehrlich gesagt hatte ich mich tatsächlich schon gewundert, dass so gar keine direkte Reaktion von den genannten Autoren kam (wobei ich mich ja auch über „indirekte“ Antworten dahingehend, dass sich jemand mit dem einen oder anderen Gedanken auseinander setzt, sehr freue bzw. freuen würde) und mich schon damit abgefunden, dass diese Erwartung wohl weltfremd sei… Asche auf mein Haupt.

    Natürlich ist mir klar, dass es für die Betroffenen eine Gratwanderung ist und dass die bevorstehende Wahl hier Segen (wg. Öffentlichkeitsinteresse und Obama-Bezug) und Fluch (wg., äh, Öffentlichkeitsinteresse und Obama-Bezug) zugleich ist. Man kann (und will!) nicht davon ausgehen, dass Ihr darauf verzichtet -gerade als junge Abgeordnete- Eure Parteipositionen und auch Euch selbst zu „vermarkten“.

    Gleichwohl hofft man auf eine offene Kommunikation und eben auch Diskussion, sowohl mit den Lesern als auch untereinander, die sich durchaus auch einmal um weniger grundlegende Themen wie Afghanistan (ggf. auch gänzlich unpolitische Dinge) drehen kann – wie das halt in Klein Bloggersdorf von Zeit zu Zeit so ist. Allerdings: wie die Grundeinkommensdiskussion bei Carsten Schneider zeigt, sind es dann doch die größeren Themen, die auch die Leserinnen zur Interaktion bewegen.

    Aber wie gesagt: ich freu mich auf die weitere Entwicklung und bin nicht zuletzt angesichts der zuletzt doch steigenden Kommentarzahl zuversichtlich, dass es noch spannender wird.


  3. …das mit der Deebatte um die Grundsicherung ging aber leider nicht ohne ein deutliches Muskelspiel des guten alten Fersehens – am Freitag kam zum ersten mal ein jetzt monatlicher TV-Bericht zu dem MdB 2.0-Blog auf Phoenix. Tja, danach gingen die visits steil nach oben und die Kommentare fingen an.


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