Schwarz-Grün will Fanprojekte.

22. Januar 2009

Eigentlich hatten die baden-württembergischen Landtags-GRÜNEN alles richtig gemacht: vor einiger Zeit hatten sie sich, so ihre sportpolitische Sprecherin Ilka Neuenhaus MdL, „Fanprojekte“ auf die Fahnen geschrieben [1] – ein Thema, das zum einen wichtig ist und zum anderen bei vielen jungen Erwachsenen gut ankommt. Dann haben sie eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die Hand und Fuß hat, und schließlich engagierten sie als Moderator Philipp Köster, den Chefredakteur der 11Freunde, der vermutlich auch noch den einen oder anderen Teilnehmer angezogen hat. Das Resultat: ein gut gefüllter Plenarsaal im Stuttgarter Landtag.

Und dann das:

just am Tag der Veranstaltung veröffentlichte die CDU-Landtagsfraktion eine Pressemitteilung, der zufolge das Land 180.000 € für die Fanprojekte in Mannheim und Karlsruhe zur Verfügung stellen werde. Was einer gemeinsamen Regierungsschelte der Teilnehmer im Rahmen der Veranstaltung etwas den Wind aus den Segeln nahm.

Da es Frau Neuenhaus sicherlich in erster Linie um Ergebnisse geht, zeigte sie sich selbstredend erfreut über diese Entwicklung, ließ es sich aber -verständlicherweise- nicht nehmen, darin eine „reine Reaktion auf die Veranstaltung“ zu sehen – zumal die Summe genau dem Betrag entspricht, den die GRÜNEN ihrerseits genannt hatten (wobei in ihre Rechnung weitere Projekte einbezogen waren).

So litt die Veranstaltung zwar ein wenig darunter, dass die seit Jahren von der Koordinationsstelle der Fanprojekte und anderen Stellen beklagte Situation -derzeit ist Baden-Württemberg das einzige Bundesland, das Fanprojekte nicht mitfinanziert- mit einem Handstreich de facto geändert worden war und die Landesregierung nicht mehr zum Bösewicht taugte; gleichwohl entwickelte sich eine interessante Diskussion mit vielen Hintergrundinformationen über Ziele, Funktionsweise, Finanzierung und Herausforderungen (bspw. Aussageverweigerungsrecht für Sozialarbeiter) von Fanprojekten.

Aus meiner Sicht bleibt vor allem zu hoffen, dass die Förderung auf andere, noch zu entwickelnde Fanprojekte ausgeweitet wird und insbesondere keine Eintagsfliege bleibt – gerade die Teilnehmer aus Karlsruhe und Mainz machten deutlich, dass man einen langen Atem und große Kontinuität benötigt, um erfolgreich zu sein.

Etwas weniger ernsthaft bleibt festzuhalten, dass Philipp Köster auf dem Stuhl des Landtagspräsidenten ein schönes Bild abgab; zwischenzeitlich dürfte er sich jedoch gefragt haben, ob der Chefredakteur eines Sportmagazins, der sich intensiv mit der Fanszene in Deutschland auseinandergesetzt hat, für eine Diskussion über das baden-württembergische Haushaltsrecht tatsächlich prädestiniert ist.

1.Eine kurze Recherche führte indes nur zu einer einzigen Landtagsdrucksache zum Thema, und zwar aus den Reihen der SPD.

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