95 Minuten reichen nicht.

2. November 2008

Nun kann man sich also auch nicht mehr darauf verlassen, dass der VfB wenigstens seine Heimspiele gewinnt: die heutige Partie gegen den 1. FC Köln ging mit 1:3 verloren. Zwar waren die Stuttgarter über weite Strecken des Spiels die feldüberlegene Mannschaft; einmal mehr waren sie jedoch in der Offensive nicht zwingend genug und machten hinten entscheidende Fehler, die die Kölner zu einem letzlich redlich erarbeiteten Sieg nutzten.

Im Vorfeld des Spiels war immer wieder von der im bisherigen Saisonverlauf gut organisierten Kölner Defensive die Rede gewesen, die zu überwinden Geduld erfordere. In der Vorwärtsbewegung seien die Gäste indes nach einer Systemumstellung gegenwärtig nicht so stark. Letzteres war nach drei Spielminuten widerlegt. Der VfB zeigte sich jedoch nur kurz beeindruckt und zeigte einige schöne Angriffe, von denen Khedira zumindest einen hätte erfolgreich abschließen müssen.

Mitte der ersten Halbzeit setzte sich auf Stuttgarter Seite wieder der allzu bekannte Trend zum Querpass durch. Die Folge war zum einen leichteres Spiel für die Kölner Abwehr, zum anderen steigender Unmut in der Cannstatter Kurve, aus der zur Pause erneut Pfiffe ertönten. [Auch mancher Blogger (-> Hirngabel) hat „ein wenig die Schnauze voll“]. Nicht sehr schmeichelhaft ist zudem der verschiedentlich gezogene Vergleich mit der Spielweise der Nationalmannschaft um die Jahrtausendwende.

Diese Spielweise änderte sich auch in der zweiten Hälfte kaum; erst nach dem geschenkten 0:2 zeigte der VfB wieder mehr Engagement und kam zum verdienten Anschlusstreffer. Überraschenderweise fiel dieser sogar nach einer Standardsituation – es war die einzige halbwegs gelungene im Spiel, das sich also in dieser Hinsicht nicht von den letzten Partien unterschied. Die weiteren Bemühungen um den Ausgleich waren nicht zwingend genug, während die Kölner ein weiteres Geschenk zum trotz geringerer Spielanteile keineswegs unverdienten 1:3 annahmen.

Der VfB hat sich mit dieser Niederlage bis auf weiteres aus der Verfolgergruppe verabschiedet, in die er mit dem aktuellen Leistungsstand wohl auch nicht gehört – wie Trainer Veh zuletzt mehrfach unterstrich: Die Tabelle lügt nicht. Der Mannschaft mangelt es an Kreativität im Angriff, an Tempo im Spiel nach vorne, manchmal vielleicht am letzten Willen zum Torerfolg, und mitunter offenkundig an der nötigen Konzentration in der Defensive. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt zudem auf, dass es „den“ Spieler im Mittelfeld, dem man in engen Situationen den Ball geben kann, damit er sicher in den eigenen Reihen bleibt, nicht gibt. Im Meisterjahr hatte diesen Part Pavel Pardo inne, in der vergangenen Saison übernahm die Rolle verstärkt Thomas Hitzlsperger. Dieses Jahr wird am ehesten noch Sami Khedira diesem Anspruch gerecht; den beiden anderen gelingt es nur noch bedingt, bei Hitzlsperger traf heute nahezu das Gegenteil zu: die wenigsten Bälle kamen an, und wenn doch, dann auf Knie- oder Hüfthöhe.

Zahlreiche Fehlpässe unterliefen auch Roberto Hilbert, der zudem nicht sehr glücklich flankte und fahrlässig den dritten Treffer verursachte. Gleichwohl hätte sich auch heute wieder manch einer eine Scheibe von ihm abschneiden können: wie kein anderer strahlt Hilbert 90 95 Minuten lang große Leidenschaft aus, bemüht sich stets um eine Beschleunigung des statischen VfB-Spiels, und zeigt in jeder Phase unbedingten Siegeswillen.

Abschließend noch ein Satz zum Schiedsrichter: Während des Spiels hätte ich mir gewünscht, dass Herr Kinhöfer das teilweise übertriebene Zeitspiel der Kölner stärker in Form von persönlichen Strafen ahnde -wenigstens die wahrlich dreisten Womé und Mondragon sahen doch noch gelb-; im Endeffekt halte ich es aber für richtiger, konsequent nachspielen zu lassen, wie es Kinhöfer, trotz vehementer Kölner Proteste, getan hat. Chapeau.

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