Der Kukuku

13. Oktober 2008

Kevin Kuranyi ist also raus, und in den einschlägigen Blogs wird ihm die verdiente Aufmerksamkeit zuteil. Die Bewertungen sind sich weitgehend einig bezüglich der Art des Abgangs, während sowohl die Schuldfrage dieses Spektakels als auch die nach der sportlichen Berechtigung nicht ganz so eindeutig gesehen wird – nicht zuletzt in den jeweiligen Kommentaren.

Was mir nun noch zu sagen bleibt? Nun, zum Vorgang an sich und zu Herrn Kuranyis sportlichen Fähigkeiten, Statistiken und Meriten habe ich vermutlich nichts wirklich Neues mehr beizutragen. Vielmehr treibt mich die Frage um, wie es möglich ist, dass dieser eigentlich nette, umgängliche junge Mann es immer wieder schafft, sich bei vielen (oder wichtigen) Leuten unbeliebt zu machen. Wieso haben wir ihn in Stuttgart beim ersten Gastspiel nach seinem Vereinswechsel so unfreundlich ausgepfiffen wie wenige Spieler sonst? Warum hat sich Herr Klinsmann gerade ihn als ersten Protagonisten für die 2006 begonnene und 2008 ausgeweitete Spielart „Welchem Nationaltrainer gelingt die prominteste Nichtberücksichtigung oder überraschendste Nominierung? ausgesucht? [1] Wieso muss sich Kuranyi in Gelsenkirchen Schmähungen der eigenen Fans anhören – „auf Schalke“, von wo uns in schöner Regelmäßigkeit die Kunde erreicht, dass besonders engagierte Spieler, zu denen ich ihn eindeutig zähle, außergewöhnliche Anerkennung erführen? Und schließlich: wieso hat der Spieler Kuranyi beim Trainer Löw nicht nur nach eigener Ansicht nie so richtig viel Kredit gehabt?

Natürlich gibt es Gründe. Sportliche und wohl auch solche außerhalb des Platzes. Gleichwohl: er hat gute Quoten, ist in kämpferischer und läuferischer Hinsicht vorbildlich, und Geschichten, die ihn als notorischen Quertreiber darstellen würden, sind mir auch nicht im Gedächtnis haften geblieben. Kann wirklich die gelegentliche Torflaute, das, äh, gewöhnungsbedürftige Äußere, gepaart mit einem auffälligen Sprachfehler und dem verschiedentlich geäußerten Verdacht auf intellektuelle Defizite zu so viel Liebesentzug führen?

Es scheint so. Vielleicht hatte er auch einfach einen schlechten Start: bereits in seiner Debütsaison, in der er beim VfB bekanntermaßen fulminant startete, erinnerte der erste ihm gewidmete Fangesang „Ku-Ku-Ku-Kuranyi“ fatal an einen bundesweiten Klassiker und war selbst für den geübten Hörer nur schwer davon zu unterscheiden: „Hu-Hu-Hu-…“ [2] Da war der Weg nicht mehr weit, tatsächlich zum Alternativtext umzuschwenken, zumal er -und dies war wohl die erste seiner großen kommunikativen Fehlleistungen- nach seinem Wechsel in einem Interview sowohl gegen die Stuttgarter Vereinsführung als auch gegen die Fans nachtrat (Kurzform).

Wieso sich hingegen Herr Klinsmann damals gegen Kuranyi und für, beispielsweise, Mike Hanke entschied, wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben – Kuranyis spätere „verbale Attacke“ gegen seine damalige Ausbootung, an der Herr Löw sicherlich nicht unbeteiligt gewesen war, lässt jedoch erahnen, dass zum einen der Stürmer gelegentlich nicht so richtig weit denkt und zum anderen der Trainer kein gänzlich unbelastetes Verhältnis mehr zu ihm aufbauen konnte.

Während ich zum Löw-/Klinsmann-Thema immerhin noch spekulieren kann, fehlen mir bei der Frage nach Kuranyis schwerem Stand bei den Schalker Fans schlicht die Erklärungsansätze. Vermutlich ist es tatsächlich so, dass ich mich zu wenig für die dortigen Geschehnisse und Verhältnisse interessiere, um halbwegs entlang der Realität mutmaßen zu können. Vielleicht hat aber auch einfach Trainer Baade recht, und Kuranyi kann schlichtweg nicht kicken.


1.Vielleicht ist das Spiel gar nicht so neu, sondern seit 2006 nur besser inszeniert?
2.Auch nicht besser: das ihm gewidmete „Du bist mein Kevin, Kevin Kuranyi“ (mitunter auch als „Du bist mein König, Kevin Kuranyi“ gehört) zählt meines bescheidenen Erachtens noch immer zu den Tiefpunkten fußballspezifischer Dichtkunst.

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