Warum ich Werder Bremen mag.

6. Oktober 2008

Möglicherweise gab es schon seit vielen Jahren gute Gründe, Werder Bremen zu mögen, auch für Nicht-Werder-Anhänger wie mich. Diesen Gründen haben ich mich vermutlich aus sehr subjektiven Erwägungen heraus verweigert: wegen Willi Lemke, der mir schlicht unsympathisch war.

Seit einigen Jahren teile ich indes die weit verbreitete Sympathie für Werder Bremen, die in hohem Maße der sportlichen Doppelspitze, denHerren Schaaf und Allofs, geschuldet ist. Nicht umsonst werden die Bremer in schöner Regelmäßigkeit als Vorbild genannt, wenn sich ein Verein anschickt, sich an der Bundesliga-Spitze zu etablieren. Als besonders angenehm empfinde ich die Ruhe und Besonnenheit, mit der man im Transfergeschäft zu Werke geht – sowohl bei den Einkäufen, wo der gemeine Fußballinteressierte (natürlich auch dessen weibliches Pendant) häufig vor vollendete Tatsachen gestellt wird, anstatt wochenlang Spekulationen lesen zu müssen, als auch bei den Verkäufen, die in aller Regel selbst dann unaufgeregt über die Bühne gehen, wenn man wieder einmal einen Leistungsträger nach München oder Gelsenkirchen abgeben muss. Ganz zu schweigen von der Sachkenntnis und Sachlichkeit, die die beiden Protagonisten in Interviews an den Tag legen.

Der wichtigste Grund, weshalb ich Werder mag, ist allerdings ein ganz anderer: wann immer sie in Stuttgart antreten, sind tolle Spiele garantiert und die Punkte bleiben im Neckarstadion. So hätte ein Fangesang im Sinne von „Ihr seid nur ein Punktelieferant“ am Samstag eigentlich ganz gut gepasst, wobei „Schießbude Wiese“ die Situation auch ganz hervorragend erfasst hat.

In der Tat war es wieder einmal ein wunderbarer Nachmittag, den wir Zuschauer mit einem starken VfB und gern gesehenen Bremer Gästen erleben durften. Auch wenn ich Herrn Veh im Grundsatz zustimme, dass man mit einer erweiterten A-Jugend in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig sein könne, steht es doch außer Frage, dass so ein Sieg noch ein wenig süßer schmeckt, wenn Namen wie Träsch und Rudy oder die längst etablierten Tasci und Khedira auf der Anzeigentafel stehen. Gerade letzterer macht auf mich seit dem Hannover-Spiel, als er zur Pause eingewechselt wurde, den Eindruck, als sei ihm deutlich geworden, dass er in punkto Dynamik und Entschlossenheit noch zulegen kann – die ersten Schritte ist er in vielversprechender Manier gegangen (Wenn er so weiter macht, wird mein Stadionnachbar demnächst doch noch sein geschenktes Khedira-Trikot mit der wunderbaren Widmung „Für den lieben X, meinen treuen Fan aus der Cannstatter Kurve“ tragen).

Persönlich habe ich mich am meisten über die Leistung von Herrn Hilbert gefreut, der nach längerer Durststrecke wieder an seine überragenden Spiele aus dem Meisterjahr anknüpfen konnte. Zwar zeigte er erneut die eine oder andere Ungenauigkeit im Passspiel; sein Engagement, sein Tempo, seine Dynamik und nicht zuletzt der direkte Weg zu den Fans nach seinem Treffer waren indes eine wahre Freude – dass er dann auch noch den Pass zum 4-0 spielte, ist eine wunderbare Vorlage für künftige Diskussionen mit den Blocknachbarn.

Natürlich hat mich auch die Bilanz von Christian Träsch fasziniert, hat mich die starke Innenverteidigung mit Tasci und Osorio(!) beeindruckt, und selbstverständlich könnte ich die Reihe fortsetzen, aber man will ja auf dem Teppich bleiben. Nicht verschweigen will ich indes die positive Wirkung der Mikro- und Megafonpanne des Nachwuchsvorsängers: sie war die Voraussetzung dafür, dass auch spontane Gesänge kleiner Gruppen mehrheitsfähig werden konnten und nahezu kurvenweit intoniert wurden.

Wenn jetzt noch jemand dem von mir sehr geschätzten Herrn Hitzlsperger beibringen könnte, dass man den Ball auch ab und zu mal flach spielen darf, d.h. ihn nicht immer nur selten chippen muss, wäre alles gut und ich sähe den nächsten Wochen dem nächsten Spiel sehr zuversichtlich entgegen.

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