Posts Tagged ‘Serdar Tasci’

Strohfeuerwerk

17. September 2009

„Der VfB ist halt keine Champions League-Mannschaft. Die kommen da manchmal zufällig rein, und dann…“

Der Rest war Schweigen – meine Frau war sensibel genug, nicht noch mehr Salz in die Wunde zu streuen. Natürlich hätte ich zumindest dem „zufällig“ vehement widersprechen müssen, aber was hätte das gebracht? Die viel spannendere Frage lautet ja in der Tat, was auf das „und dann…“ in dieser Saison folgt – aber beantworten hätte ich sie in diesem Moment nicht können.

Kann ich natürlich auch jetzt noch nicht, aber die Zuversicht kehrt wieder deutlicher zurück, nachdem ich mir gestern von vielen Leuten rund um das Neckarstadion herum beinahe hätte einreden lassen, dass ein Punkt zuhause gegen Glasgow zu wenig sei, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren.  Dabei hatte der Abend gut hervorragend begonnen.

20 Minuten lang brannte der VfB ein Feuerwerk ab, das es in sich hatte. Cacau sprühte vor Tatendrang, Hilbert stand ihm in nichts nach, Boka duellierte sich erfolgreich mit jedem, der in seine Nähe kam, Hitzlsperger machte das Spiel schnell wie lange nicht, kurz: man sah eine begeistert auftretende Mannschaft, die sich nicht nur viel vorgenommen hatte, sondern dies auch vom Anpfiff weg umzusetzen begann. Nach besagten 20 Minuten hätte der VfB mit 2-3 Toren führen können; gereicht hatte es aber nur zu einem Treffer, den Pogrebnyak nach beherztem Einsatz von Hilbert und Cacau erzielte.

Danach ließ man es etwas ruhiger angehen, gestattete den Schotten etwas Luft zum Atmen und erlaubte ihnen die ersten zaghaften  Schritte über die Mittellinie, wo sie allerdings ziemlich verloren wirkten und nicht von Stellungsfehlern des zuletzt so starken Christian Träsch profitieren konnten (Tascis Leerlaufgrätsche mit 20 Metern Anlauf möge vom Mantel des Schweigens verhüllt bleiben). Grundsätzlich erschien es durchaus sinnvoll, ein wenig Tempo herauszunehmen, um sich etwas mehr Platz für die dann zu setzenden Nadelstiche zu verschaffen. Die Gelegenheit dazu ergab sich tatsächlich das eine oder andere mal, ohne jedoch zu zwingenden Torchancen zu führen. Mitunter schienen Cacau und Pogrebnyak etwas zu sehr darauf erpicht zu sein, mit Direktpässen zu unterlegen, wie gut sie mittlerweile harmonieren, anstatt die Freiräume gelegentlich auf eigene Faust zu nutzen (einmal war allerdings auch das Gegenteil der Fall). Insgesamt aber beruhigte sich das Spiel zum Ende der ersten Halbzeit hin sehr, sodass die Stuttgarter Zuschauer allmählich unruhig wurden und die Pause herbeisehnten, auf dass sich das Feuerwerk nicht als Strohfeuer entpuppe und ihre Mannschaft danach wieder zielstrebiger zu Werke gehen möge.

Was nicht geschah. Vielmehr wurde der Trend fortgesetzt, indem man sich in der Vorwärtsbewegung immer weniger zutraute und sich minütlich weiter zurückzog, sodass die Gäste gar nicht mehr anders konnten, als ihrerseits aktiver zu werden (und irgendwann den Ausgleich zu erzielen). Die üblichen Reflexe auf der Tribüne setzten zuverlässig ein: Aufforderung zum Kampf, Pfiffe, Hilbert-Kritik.  Im Ernst: Roberto Hilberts Hereingaben von rechts fanden speziell in der zweiten Halbzeit nicht ihr Ziel, teilweise kam es wegen missglückter Dribblings nicht einmal dazu. Das kann man – zurecht – kritisieren. Dann sollte man aber vielleicht auch die Frage stellen, wieso von der linken Seite keinerlei Signale kamen, sich in irgendeiner Seite am Stuttgarter Offensivspiel zu beteiligen, weder von Hleb (ok, angeschlagen) noch von Gebhart (bis auf die letzten drei Minuten). Aber es ist müßig, Fehler gegeneinander aufzurechnen. Ich schweife ab.

Letztlich müssen sich der VfB und sein Anhang glücklich schätzen, dass die Schotten kurz vor Schluss nur den Pfosten trafen. Dennoch ist der Start mit einem Heimpunkt natürlich alles andere als optimal. Da jedoch von den 15 noch zu vergebenden Punkten im Gegensatz zu früheren Jahren, als man sich beispielsweise gegen Barcelona im Grunde keine Chancen ausrechnete, kein einziger von vornherein abgeschrieben werden muss, habe ich derzeit keinerlei Lust, mich mit Vergleichen zur letzten Champions League-Saison des VfB zu befassen, als man recht kläglich ausschied. Einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Und vielleicht gegen Köln gewinnen, das wird schwer genug – wie ich im Übrigen auch im VfB FanPod zum Ausdruck brachte, für den ich vor dem Spiel ein paar Fragen beantworten durfte.

Kleine Randnotiz: Als Christian Träsch offensichtlich sehr heftig vom Fuß eines Schotten im Gesicht getroffen wurde (und eine Gehirnerschütterung davontrug) , hielt es Schiedsrichter Bussaca für ein gute Idee, sehr gemäßigten Schrittes und im angeregten Gespräch mit einigen Spielern zum am Boden liegenden Träsch zu flanieren, anstatt ihm rasch die nötige medizinische Behandlung zukommen zu lassen. Über so etwas kann ich mich fürchterlich ärgern.

„Mein Name ist Grafite.“

8. August 2009

Nein, ich habe keine Identitätskrise. Auch meinem gestrigen Nebensitzer würde ich eine solche nicht unterstellen. Dennoch hat er den Satz „Mein Name ist Grafite“ während des Bundesliga-Eröffnungsspiels gefühlte geschätzte hundertmal gesagt (wann immer Steffen Simon „Grafiiitsch“ sagte, um genau zu sein). Damit zitierte er, wenn auch nicht ganz korrekt, besagten Grafite aus dem Sportstudio vom 22. März (ab ca., 4:50, bis ca. Grace Kelly), als dieser nach einigem hin und her – im Sinne von „jede Aussprache ist ok“, „mir egal“,… – doch einräumte, dass die korrekte Aussprache „G r a f i t e“ sei – was natürlich für den ambitionierten Sportkommentator vergleichsweise langweilig ist und deshalb gerne mal ignoriert werden darf.

Oder es ist Kalkül. Je häufiger mein Nebensitzer, und mit ihm zahlreiche andere Zuschauer im ganzen Land, „Mein Name ist Grafite“ sagen, desto weniger haben diese Menschen Gelegenheit, sich darüber zu ärgern, bzw. überhaupt wahrzunehmen, dass Steffen Simon zunächst fragwürdige Situationen selbst in der Wiederholung falsch einschätzt, dass er sich als Fanboy von Grafite, Dzeko und Lehmann geriert, dass er die dummen Zuschauer mit neuen taktischen Begrifflichkeiten, gerne aus dem Englischen entlehnt („one touch football“), zu beeindrucken sucht. (Ergänzungen in den Kommentaren sind willkommen.)

Wenn jetzt jemand meint, ich projiziere meinen Ärger über das verlorene Spiel des VfB auf Steffen Simon, so hat er sicher teilweise recht. Teilweise deshalb, weil ein ähnlich großer Teil meiner Verärgerung dem zur Pause hinzugestoßenen Mitzuschauer gilt, der einen schwäbischen Bruddler in Perfektion gab: natürlich ist er VfB-Fan, klar, aber das ist ja wirklich schrecklich, was die Stuttgarter da spielen, und der Hleb hat ja alles verlernt, und wie sollen die je den Gomez ersetzen (ob letzterer in der Vorsaison auch so gut wegkam, sei dahingestellt), und wie wir Armen das ertragen, zu jedem Heimspiel und manchmal auch noch auswärts ins Stadion zu gehen, und „das wurde jetzt aber auch Zeit, dass die ein Gegentor kassieren“, die lassen die Wolfsburger ja machen, was sie wollen.

Genug.

Gestern startete die Bundesliga in die neue Saison. Ich habe mich riesig darauf gefreut, war nervös, als hätte ich selbst eine tragende Rolle inne, fieberte stundenlang auf 20.30 Uhr hin und strich wie ein Tiger im Käfig um den Fernseher herum – um dann, rechtzeitig zum vermeintlichen Spielbeginn, zunächst einer (Adjektiv nach Belieben einsetzen) Folkloredarbeitung beizuwohnen zuzusehen, ehe einige Legenden der Bundesligageschichte den Blick ganz langsam wieder auf das Wesentliche lenken sollten.

Was dann nicht zuletzt deshalb sehr gut gelang, weil der Meister aus Wolfsburg und der VfB von Beginn an zeigten, dass auch sie darauf hingefiebert hatten, endlich wieder um Punkte zu spielen. Es machte enormen Spaß, den beiden Mannschaften zuzusehen, und natürlich war es aus Stuttgarter Sicht eine besondere Freude, beide Neuzugänge, Aliaksandr Hleb und Pavel Pogrebnyak, von Beginn an auf dem Platz zu sehen. Erwartungsgemäß war dabei Pogrebnyak der aktivere, fittere, der viel lief und den Mittelfeldspielern gute Optionen anbot. Zwei sehr schöne Aktionen hatte er im Zusammenspiel mit Gebhart und Khedira, ein-, zweimal kam er auch selbst zum Abschluss, und deutete insgesamt an, dass er, wenn die Abstimmung mit den Mitspielern stimmt (ganz offensichtlich klappt die Kommunikation mit Cacau noch nicht optimal), ein ganz wichtiger Baustein der Mannschaft sein kann, will sagen: der von Markus Babbel erhoffte „target player“ – ein Begriff übrigens, der von Steffen Simon allzu stiefmütterlich behandelt wurde.

Hleb war naturgemäß noch nicht der, den sich die Fans wünschen, und vielleicht wird er der auch nie sein. Der, den sich die Fans wünschen, scheint mir nämlich noch immer der Hleb zu sein, der vor vier Jahren den VfB verließ: ein Spieler, der sich hinter der Mittellinie in halblinker Position anspielen lässt und von dort in Serie zu begeisternden Soli aufbricht, die nicht selten zumindest in Tornähe enden, entweder mit einem eigenen Abschluss oder, häufiger, dem Zuspiel auf einen Mitspieler. Ich glaube nicht, dass er dieser Spieler noch ist, und ich glaube auch nicht, dass er der sein sollte. Ohne jeden Zweifel hat er unter Arsène Wenger einen anderen Stil erlernt, der ihn in ganz anderer Art undWeise in das Spiel der Mannschaft einbindet, der auf schnellem Passspiel basiert und der ihm erlauben sollte, seine individuellen Stärken, sowohl Einzelaktionen als auch die Fähigkeit, seine Mitspieler in Szene zu setzen, dosierter und letztlich effektiver einzusetzen. Die Schussstärke, die ihm in der ARD angedichtet wurde (in dem Fall, wenn ich mich recht erinnere, nicht von Steffen Simon, sondern von Reinhold Beckmann), würde ich indes nicht zu seinen herausragenden Fähigkeiten zählen.

Sami Khedira spielte offensiver als weithin erwartet, sodass das Mittelfeld mitunter einer Raute recht nahe kam. Er war sehr aktiv, hatte viele Ballkontakte und gute Szenen, spielte aber auch für seine Verhältnisse viele Fehlpässe. Dieses Problem zog sich durch die gesamte Mannschaft – wofür man am ersten Spieltag eine gewisse Milde aufbringen kann – und trübte ein wenig den guten Gesamteindruck. So bei Christian Träsch, der defensiv erneut zu überzeugen wusste, der ein Vorbild an Motivation, Einsatz und Courage war, der aber auch einige verheerende Abspielfehler produzierte, die glücklicherweise folgenlos blieben. Dass er nun einige Wochen auszufallen scheint, ist bitter – ganz besonders für ihn, aber auch für die Mannschaft, weil die Stabilität in der Hintermannschaft sicher noch nicht so ist, wie man sie sich erhoffen würde. Selbst Tasci, als absoluter Trumpf in der Defensive eingeplant, wird sich das 2:0 noch einige Male sehr zerknirscht anschauen müssen.

Alles in allem zeigte der VfB einen guten Saisonbeginn, verlor letztlich aber verdient gegen eine hervorragend eingespielte und sehr gut besetzte Mannschaft aus Wolfsburg. Jens Lehmann, dessen Leistungsstärke kürzlich im Sportblogger-Podcast ein wenig angezweifelt worden war, versetzte den Kommentator in Ekstase beeindruckte mit großartigen Reaktionen und ebensolchem Stellungsspiel, und Timo Gebhart setzte ein paar schön Duftmarken, denen zufolge die gegnerischen Hintermannschaften diese Saison auf den Außenbahnen möglicherweise recht flink sein müssen, um gegen Hleb und Gebhart zu bestehen. Hoffe ich zumindest.

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Zum Schluss noch zwei kurze Bemerkungen, nachem ich Hoffenheim-Bayern gesehen habe: zum einen hat man wieder einmal gesehen, dass ein guter Schiedsrichter einem Spiel eben auch gut tut. Dr. Felix Brych war gestern einer, Babak Rafati heute eher nicht – und damit beziehe ich mich nicht einmal auf das nicht gegebene Tor, so etwas wird immer wieder vorkommen. Aber insgesamt war Brych einfach souveräner und konnte es sich auch erlauben, das Spiel laufen zu lassen. Rafati hingegen übersah deutliche Fouls, während er an anderen Stellen übertrieben kleinlich agierte. Rafati eben.

Auch die zweite Bemerkung bezieht sich auf die Schiedsrichter, ist aber genau genommen eine Frage: Gibt es eine Anweisung des DFB, die Nachspielzeiten zu verkürzen? Heute war es meines Wissens eine Minute, gestern gar keine – wenn man sieht, dass alleine Träsch gefühlte fünf Minuten (realistisch betrachtet werden es knapp zwei gewesen sein) behandelt wurde, steht das schon im Widerspruch zu den letztjährigen drei Standardminuten pro Halbzeit. Bereits beim DFB-Pokalspiel in Düsseldorf hatte dogfood zu Wochenbeginn mehrfach Ähnliches festgestellt.

Verbalbeurteilung

29. Mai 2009

Jens zeigte sich das ganze Jahr über sehr motiviert und engagiert. Seine Leistungen waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets gut, teilweise sehr gut. Aufgrund seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns genießt er in der Gemeinschaft hohes Ansehen, schießt aber auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Sein Wissen gibt er jederzeit gerne weiter, auch unaufgefordert. Mitunter sollte er mit dem Eigentum anderer (Turnbeutel!) sorgsamer umgehen.

Christian brauchte zunächst ein gewisse Zeit, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen. Dank seines großen Fleißes gelang es ihm insbesondere im zweiten Halbjahr, seine Leistungen zu stabilisieren und sich zudem voll in die Gruppe zu integrieren. Christian ist außergewöhnlich lernwillig, läuft jedoch gegenwärtig Gefahr, aufgrund äußerer Einflüsse den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Ricardo kam erfreulich gut über den Abschied von seinem besten Freund hinweg, der die Gruppe zum Halbjahr verließ. Er zeigte sich deutlich disziplinierter als in den Vorjahren und verdiente sich in verschiedenen Bereichen zumeist gute Noten. Konnte in den letzten Monaten krankheitsbedingt leider nur bedingt teilnehmen.

Khalid konnte in seinem ersten Jahr in Cannstatt seine Fähigkeiten nicht immer unter Beweis stellen. Er war des öfteren unkonzentriert und zeigte sich ob der Konsequenzen zunächst nicht sehr einsichtig. Im Lauf des zweiten Halbjahres integrierte er sich deutlich besser und übernahm gelegentlich Verantwortung in der Gruppe.

Serdar erwies sich zu jedem Zeitpunkt als zuverlässig und leistungswillig. Hinweise und Ratschläge setzte er positiv um, übernahm zunehmend Verantwortung in der Gruppe und erwarb sich ein entsprechendes Ansehen. Sein Auftreten war stets höflich und ordentlich, lediglich im Sport zeigte er sich dynamisch und aggressiv. Die altersbedingte Schwäche für Nebensächlichkeiten (Haarbänder) muss er in den Griff bekommen.

Matthieu war auch im abgelaufenen Jahr ein Fixpunkt in der Gruppe. Nicht zuletzt aufgrund seiner stets guten Leistungen hat sein (leises) Wort Gewicht, seine Freunde können sich an ihm orientieren und bei Bedarf anlehnen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er, insbesondere für seine französischen Leistungen, auch außerhalb der Gruppe eine etwas höhere Wertschätzung erführe.

Georg verpasste leider seit dem Winter wegen zweier Krankheitsphasen einige Wochen, holte aber das Verpasste jeweils in kürzester Zeit nach. Dabei deutete er seine Fähigkeiten nicht nur an, sondern erfüllte die Erwartungen auch in schwierigen Situationen über die Maßen. Für seine weitere Entwicklung wäre ein Verbleib über die angedachte zeitliche Begrenzung hinaus wünschenswert.

Ludovic neigte auch im vergangenen Jahr zu Leichtsinn und Sprunghaftigkeit, konnte jedoch gerade im zweiten Halbjahr endlich wieder an seine Leistungen aus dem vorvergangenen Jahr anknüpfen.  Sein Humor und seine positive Grundhaltung förderten die Gemeinschaft. Zwar litt gelegentlich die Konzentration ein wenig; insgesamt bewegte er sich gleichwohl im Rahmen der Erwartungen.

Arthur konnte seine Fähigkeiten in diesem Jahr nur selten unter Beweis stellen. Es liegt nun an ihm, mit überzeugenden Leistungen deutlich zu machen, dass er auch mittelfristig den Anforerungen gewachsen ist. Eine Veränderung bereits zum kommenden Jahr ist nicht zwingend erforderlich, könnte aber in seinem Sinne sein.

Roberto ist jederzeit ein Vorbild an Engagement und Begeisterung, was sich mitunter in einer gewissen Übermotivation niederschlägt. Seine häufigen Unkonzentriertheiten, die er dann mit großem Eifer auszubügeln versucht, beeinflussen nicht nur seine persönliche Beurteilung, sondern schaden auch der Ordnung und Organisation in der Gruppe. Die Identifikation mit der Gemeinschaft ist beispielhaft.

Elson hat seinen Rückstand aus der Vergangenheit mit beispielhaftem Fleiß aufgeholt – teilweise erzielte er gar überdurchschnittliche Resultate – und hat so den zwischenzeitlich drohenden Ausschluss abgewendet. Er sollte weiter hart an sich arbeiten, sein Leistungsniveau stabilisieren und standardmäßig aus punktuellen Erfolgserlebnissen Motivation ziehen.

Timo ist innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil der Gruppe geworden. Wenngleich es ihm gelegentlich an Zielstrebigkeit und Disziplin mangelt, erfüllt er doch zumeist die Anforderungen und zeigt sich dabei häufig sehr kreativ. Nicht immer kommt er seinen Aufgaben für das Funktionieren der Gemeinschaft in ausreichendem Maß nach. Dies sollte sich aber im kommenden Jahr beheben lassen.

Martin gelingt es nicht immer, sein Interesse an den ihm zugewiesenen Aufgaben zu vermitteln, selbst wenn er tatsächlich sehr konzentriert und zielstrebig bei der Sache ist. So zeigt er sich zwar bei der zentralen Kleingruppenarbeit stets zuverlässig und diszipliniert; in Randbereichen wirkt er indes gelegentlich träge. Insgesamt scheint sein Arbeitstempo verbesserungswürdig zu sein.

Thomas hat im vergangenen Jahr eine große Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. Zunächst haben seine Leistungen ein wenig darunter gelitten, ehe er unter neuen Lehrpersonal nochmals einen enormen Sprung nach vorne machte. Bei seinen seltenen Fehlzeiten tritt sein anhaltendes Bemühen um die nötige Ordnung besonders deutlich zutage. Sollte in stärkerem Maße versuchen, „den Ball flach zu halten“.

Sami ist zwar einer der Jüngsten, zählt aber in vielen Situationen zu denjenigen, die die Richtung vorgeben. Er übernimmt Verantwortung, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen, und erfüllte bereits seit Mitte des ersten Halbjahres die gestellten Anforderungen in besonderem Maße. Er ist fleißig, fokussiert, ehrgeizig, hat seine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und lässt sich auch von Haarbändern nicht ablenken.

Yildiray konnte in diesem Jahr, auch aufgrund zahlreicher Fehlzeiten, nicht die geforderten Leistungsnachweise erbringen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Pavel konnte das aus den Vorjahren gewohnte Leistungsniveau nicht ganz halten und entschloss sich bereits zum Halbjahr, die Gruppe zu verlassen. Bis dahin, und auch darüber hinaus, genoss er ein in jeder Hinsicht hohes Ansehen.

Jan zeigte sich insgesamt nicht konstant genug. Immer wieder deutete er seine Fähigkeiten an, hatte aber auch einige Besorgnis erregende Ausreißer nach unten. Im kommenden Jahr liegt es an ihm, seine künftigen Perspektiven aufzuzeigen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Mario erreichte das ganze Jahr über ein beständig hohes Leistungsniveau und übernahm in zunehmendem Maß Verwantwortung für die Gemeinschaft. Im ersten Halbjahr schien er sich in Gruppenarbeiten nicht auf seine Freunde verlassen zu wollen und wirkte bisweilen übermotiviert. Insgesamt trug er maßgeblich zur Leisterungssteigerung der gesamten Gruppe bei. Sein umzugsbedingter Weggang ist bedauerlich.

Claudemir hat sich nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr deutlich gesteigert und in den letzten Monaten hervorragende Leistungen erbracht, die über die Gruppe hinaus Anklang fanden. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in den Fächern Religion und Gemeinschaftskunde. Die gezielte Förderung seines Sozialverhaltens durch das neue Lehrpersonal trug ebenfalls Früchte.

Ciprians Leistungen der letzten Monate waren sehr unbeständig. Häufig widerlegte er daher die aufgrund aktueller Entwicklungen gehegten Erwartungen – im Guten wie im Schlechten. Positiv ist sein im Vergleich zum Vorjahr gestiegenes Engagement zu sehen, wobei auch hier zuletzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Seine weitere Entwicklung ist nur bedingt vorhersehbar. Ein Gespräch ist erwünscht. Gesprächssprache: deutsch.

Julian zeigte, aus einer tieferen Klasse kommend, dass er den Anforderungen gewachsen ist und wurde dementsprechend in die Gruppe integriert. Bisweilen noch ein wenig schüchtern, deutete er seine Fähigkeiten an. Wenn er so weiter macht, wird der Abschluss auch in der höheren Klasse kein Problem darstellen.

Markus hat in besonderem Maß vom Wechsel des Lehrpersonals profitiert. Seither übernimmt er Verantwortung, wirkt motivierend und geht stets mit gutem Beispiel voran. Er weiß sein Leistungsvermögen einzuschätzen und gleicht etwaige Defizite mit zusätzlichem Unterricht aus. Übermäßige Belastungen durch den Zusatzunterricht sind zu vermeiden.

Armin konnte seine Fähigkeiten im ersten Halbjahr nicht mehr im gewohnten Maß einbringen. Aufgrund ausbleibender Leistungsnachweise war sein Ausscheiden unvermeidlich.

Falsches Eis.

25. Mai 2009

Ich trage eine Teilschuld.

Markus Babbel hatte es letzte Woche im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten enthüllt, @droitaubut hatte die Nachahmung zum Programm gemacht, und ich selbst hatte es mir fest vorgenommen: am Vorabend eines VfB-Spiels gilt es, für jeden Punkt eine Kugel Eis zu Essen.

In meinem Kurzurlaubsdomizil gab es aber keine Eiskugeln. Zwar habe ich mir das größte aufzutreibende Eis am Stiel als adäquaten Ersatz schöngeredet; dass es sich nicht um mehr als einen schnöden Selbstbetrug handeln konnte, musste ich mir indes bereits vor dem Spiel eingestehen: ein Eis am Stiel ist keine ernst zu nehmende Alternative.

Mir liegen keine Informationen über den Speiseplan im Mannschaftshotel vor; es würde mich jedoch nicht überraschen, wenn auch Markus Babbel und insbesondere seine Spieler kein Eis (oder zumindest das falsche) bekommen hätten – und sich der Konsequenzen ebenfalls bereits im Vorfeld des Spiels bewusst gewesen wären.

Zwar versuchten sie sich in den ersten Minuten durchaus an etwas, das man mit einem gewissen Wohlwollen als Forechecking (wenn auch nicht im Happelschen Sinne) bezeichnen darf, und konnten die Bayern zunächst auch ein wenig irritieren. Sehr früh wurde jedoch deutlich, dass der designierte Tourneedebütant Christian Träsch auf einen entschlossenen Franck Ribéry traf, der sich zwar zu allerlei Mätzchen bemüßigt fühlte, der aber die spielentscheidenden Dribblings suchte – und dabei recht früh Khalid Boulahrouz zu einem sogenannten Eigentor zwang. Der eine oder andere Stuttgarter dachte spätestens jetzt an sein Stieleis und schien bereit, den Gang der Dinge hinzunehmen.

Im letzten Drittel der ersten Hälfte berappelte man sich wieder und startete kurz vor der Pause einige gute und endlich zielgerichtete Aktionen, wobei unter anderem Butt Träsch, Butt Hitzlsperger, Butt Gomez. Khedira sich selbst, Gomez und Cacau einander und die Unparteiischen bei den kleinen Entscheidungen zunächst verstärkt dem VfB, insgesamt aber  dem Spiel an sich im Weg standen.

So ging man mit einem  Rückstand in der Pause, wo irgendjemand nochmals die Sache mit dem Eis zur Sprache gebracht haben muss, sodass eine Stuttgarter Mannschaft aus der Kabine kam, die zwischen dem Glauben an die Wende und der Angst vor dem zweiten Gegentreffer hin- und hergerissen schien. Einige Stuttgarter, namentlich insbesondere Sami Khedira und Roberto Hilbert, schienen zwar entschlossen, den Sieg noch zu erzwingen, bei anderen überwogen Vorsicht und die Hoffnung auf den (doppelten!) Lucky Punch.

Da jedoch auch die Defensive zurückhaltend agierte, war das 2:0 eine folgerichtige Entwicklung mit dem positiven Nebeneffekt, dass der VfB nun endgültig nichts mehr zu verlieren hatte und einen Zwischenspurt einlegte. Mario Gomez empfahl sich mit einer Einzelaktion zum 2:1 nochmals eindrücklich seinem möglicherweise künftigen Arbeitgeber, und wenn er kurz darauf frei vor Butt etwas zielsicherer gewesen wäre, hätte noch eine heiße Schlussphase folgen können. So aber war der Stuttgarter Widerstand nach dieser Aktion und wohl auch angesichts der klaren Karlsruher Führung[1]
gegen die Hertha endgültig gebrochen. Die Bayern ließen den Ball laufen und der VfB kam überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe.

Die Bayern haben letztlich verdient gewonnen. Der VfB hatte zwei Phasen, in denen er zumindest einem weiteren Treffer recht nahe war, sodass sich die Gastgeber auch über ein Unentschieden nicht hätte beschweren können; alles in allem warf der VfB angesichts der Perspektive Platz 2 bzw. direkte Qualifikation für die Champions League jedoch schlichtweg zu wenig in die Waagschale.

Soviel zum Samstagsspiel.

Insgesamt bin ich jedoch mehr als zufrieden. Von 11 auf 3 ist nicht so schlecht, die CL-Quali ist weit mehr, als man im Winter erträumen durfte, Markus Babbel und Rainer Widmayer haben der Mannschaft Perspektiven aufgezeigt, die vielleicht dazu beitragen können, Spieler wie Sami Khedira oder Serdar Tasci noch recht lange eine Weile zu halten, und Horst Heldt wird sich hoffentlich auf die Gomez-Verhandlungen (so oder so) konzentrieren, anstatt mit Wolfsburg zu konferieren. Dies in aller Kürze, ein ausführlicheres Saisonfazit sollte zu gegebener Zeit folgen.

Und natürlich ist der VfL Wolfsburg ein verdienter Meister.

PS: Erneut hatte ich am Samstag das Vergnügen vor dem Spiel einen Fußballblogger zu treffen. Wiederum war es zu kurz, aber immerhin hat’s gereicht, um meine Getränkeschulden bei probek zu begleichen. Erfreulicherweise war es dank probeks Hilfe nicht nötig, eine Bezahlkarte zu erwerben – ein Schritt, den ich selbst im heimischen Neckarstadion bis dato unter tätiger Mithilfe des PSV nicht gehen musste…

1.Interessant, wie der Stuttgarter Anhang während des Spiels über jedes Tor des KSC und nach dem Spiel über dessen Abstieg jubelte. One Night Stand?

Viel Luft nach oben beim VfB

22. März 2009

Gestern verdeutlichte der VfB Stuttgart recht eindrucksvoll, dass ungeachtet der Verbesserungen der letzten Jahre doch noch großer Verbesserungsbedarf besteht, vor allem in technischer und organisatorischer Hinsicht.

Ab 13:30 sollte die Möglichkeit bestehen, ein Formular zur Kartenbestellung für das letzte Saisonspiel in München herunterzuladen; alternativ waren die Formulare in „Stadion aktuell“ abgedruckt. Die Abgabe sei persönlich im Fan-Center beim Stadion oder per Fax möglich.

Es kam, wie es kommen musste: zunächst stand das Formular erst mit ein paar Minuten Verspätung zur Verfügung – was eigentlich nicht allzu schlimm ist. Ärgerlich war es gleichwohl für all diejenigen, die sich entschlossen hatten, etwas später zum Stadion aufzubrechen, um zuvor noch schnell die Bestellung abzuwickeln. Weit mehr als nur ärgerlich war es spätestens dann, als man einsehen musste, dass der Verein darauf verzichtet hatte, angesichts des zu erwartenden Andrangs die Kapazität der Faxleitung (ich weigere mich, einen Plural einzusetzen) anzupassen.

So brach also mancher VfB-Anhänger bereits mit einem Anflug von Panik daheim auf, nachdem er eine halbe Stunde fluchend vor seinem Faxgerät (bzw. nicht selten dem eines Freundes, der so etwas besitzt) verbracht hatte, um schließlich nicht nur deutlich später als sonst beim Stadion anzukommen, sondern sich dort auch noch am Ende einer beeindruckenden Schlange wiederzufinden, die sich schubweise vorwärts bewegte. Schubweise deshalb, weil immer vier (?) Menschen eingelassen wurden, um an den zur Verfügung stehenden Schaltern ihre Bestellung abzugeben.

Abzugeben? Wenn’s nur das gewesen wäre! Tatsächlich muss es angesichts der Bewegungsgeschwindigkeit der Schlange zumeist doch eher so gewesen sein, dass der Besteller zwar das Formular aus der Stadionzeitschrift herausgelöst hatte; ein Stift hatte ihm aber in der Schlange nicht zur Verfügung gestanden. Folglich stand er oder sie nun am Schalter und konnte sich nur noch rudimentär an die Schreibweise des eigenen Namens, geschweige denn an die Mitglieds- bzw. Dauerkartennummer oder gar die Bankverbindung erinnern. Selbst bei der Post musste man in solchen Fällen schon vor Jahren zur Seite treten, damit der nächste Kunde Bittsteller nachrücken konnte. Beim VfB hingegen blieb der schubweise Einlass Programm.

Naja, vermutlich gehört sich das so. Es macht unseren Verein so sympathisch und ursprünglich, quasi als Antipode zu den Auswüchsen des modernen Fußballs. Bei manch einem wurden gar Erinnerungen daran wach, wie er sich 1989 in aller Herrgottsfrühe angestellt hatte, um Karten für das Uefa-Cup Finale gegen Maradonas SSC Neapel angestellt hatte. Ach, war das schön, damals…

Wie auch immer: ich hoffe doch sehr, dass sich das Ganze gelohnt hat: zunächst in der Form, dass wir tatsächlich Karten bekommen, und dann natürlich dahingehend, dass wir am letzten Spieltag in München mindestens die Qualifikation für den Uefa-Cup feiern können. Von mir aus können wir dann auch gerne mit den Bayern feiern, das sehe ich sehr nüchtern. Wobei ich nicht recht weiß, ob die die Uefa-Cup-Quali allzu sehr feiern würden… ;-)

Das Fußballspiel: VfB-Hertha 2:0

Rein sportlich war indes deutlich weniger Luft nach oben. Obwohl:
Wenn Andrey Voronin in der Anfangsphase den Ball nicht knapp am langen Eck vorbei, sondern ins Tor gespitzelt hätte, und wenn Joe Simunic’ Kopfballbilanz so ausgefallen wäre, wie sie seit Wochen kolportiert wird, dann wäre nach dem Spiel vermutlich wieder die taktische Grundordnung, die große Disziplin, das hervorragende Abwehrverhalten und die gnadenlose Effektivität der Berliner gepriesen worden. Klappt es hingegen nicht, wird aus der taktischen Disziplin rasch Rasenschach, aus der effektiven Offensive, die auf den entscheidenden Ball auf Voronin wartet, wird ein einfallsloses Spiel nach vorne, das phasenweise – wenn kurzzeitig tatsächlich jeder Verteidiger glaubt, den spielentscheidenden Ball auf den Ukrainer spielen zu müssen (und zu können!) – an Kick and Rush erinnert, und aus der hochgelobten Defensive wird eben eine Abwehr, die die entscheidenden Zweikämpfe verliert.

Natürlich wird keine der beiden Sichtweisen den Berlinern gerecht. Sie haben keine wirklich gute Leistung gezeigt, trafen aber auch auf eine Stuttgarter Mannschaft, die einiges gutzumachen hatte und das von Beginn an umzusetzen gedachte. Dies äußerte sich in raschen, ansehnlichen Kombinationen – Grundlage dafür war aber die wichtigste Veränderung gegenüber dem Bremen-Spiel: in allen Mannschaftsteilen waren der Wille und die Einstellung spürbar, den Tabellenführer zu stürzen schlagen und zu zeigen, dass man sich vor dieser Hertha keineswegs zu verstecken braucht. Ganz besonders sei in der Abwehr auf den in der Presse zuletzt und hier seit langem immer wieder heftig kritisierten Ludovic Magnin verwiesen, der gestern nicht nur hinten seine Seite dicht machte, sondern sogar vorne ein paar Flanken schlug, die diesen Namen verdient hatten. Oder auf Boulahrouz, der seine Schwächen in der Spieleröffnung zwar erneut nicht verbergen konnte; defensiv war er aber eine Bank. Tasci bewies sich wiederum als Abwehrchef, und Christian Träsch stand zwar meines Erachtens bei zahlreichen langen Bällen ungeschickt zu Ball und Gegner, ging aber in punkto Kampfeslust und Kompromisslosigkeit einmal mehr voran.

Im Mittelfeld sah ich Timo Gebhart zwar bei weitem nicht so stark wie der euphorische Sportschau-Reporter – insbesondere seine zahlreichen Ballverluste bei Dribblings, die er im Habitus eines Cristiano-Ronaldo anzusetzen versuchte, ärgerten mich sehr; gerade bei einigen Kontern gegen Ende des Spiels zeigte er jedoch, dass er das Spiel versteht, indem er sich für den einfachen und dennoch überraschenden Ball entschied. Schade, dass kein Tor daraus wurde. Sami Khedira spielte gewohnt souverän und erzielte als defensiver Mittelfeldspieler seinen siebten Saisontreffer, Roberto Hilbert pflügte die Linie entlang und spielte gegen Ende ein paar hervorragende Bälle (die allerdings die nach wie vor zu hohe Fehlpassquote nicht kaschieren können), und Thomas Hitzlsperger machte mir eine besondere Freude: gerade, als hinter mir lautstark über die verheerenden Stuttgarter Standards gelästert wurde (zugegeben: grundsätzlich nicht zu unrecht), servierte er den Ball perfekt auf Khediras Kopf: 2-0.

Im Sturm lieferte sich Mario Gomez wunderbare körperbetonte Kopfballduelle mit Simunic, von denen er einige, zumindest aber das entscheidende vor dem 1-0 gewann, und Cacau zuzusehen, war eine Freude: ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Ciprian Marica jemals eine ähnliche Dynamik entwickelt. Julian Schieber fügte sich mit zwei guten Aktionen nahtlos ein und scheiterte mit einem fulminanten Schuss nach toller Vorarbeit von Hilbert lediglich am hervorragend reagierenden Drobny.

Bleibt die Frage, ob es angemessen ist, dass ich die Mannschaft so über den grünen Klee lobe, nachdem mir letzte Woche vorgeworfen wurde, ich hätte zu rasch den Stab über sie gebrochen. Ehrlich gesagt: ich weiß auch nicht recht, was ich denken soll. Vor ein paar Wochen war ich zwar guter Dinge, was die Leistungen bis zum Saisonende anbelangt, hielt aber einen Platz im internationalen Geschäft für unrealistisch: zu gefestigt schienen mir Wolfsburg, Bayern, der HSV, Hoffenheim und Leverkusen, und zu weit entfernt die Berliner. Mittlerweile hat Bayer möglicherweise bereits den Anschluss verloren, und bezüglich Hoffenheim bin ich guter Dinge, bereits beim nächsten Heimspiel im Neckarstadion „Die Nummer 1 im Land sind wir“ rufen zu können. Hieße: Platz 5.

Zwar wollte ich eigentlich noch ein paar Sätze mehr schreiben, aber das ist so ein schöner Schluss – Platz 5.