Posts Tagged ‘Ludovic Magnin’

Ich hab noch nie gegen den Trainer gespielt.

19. Oktober 2009

Nach knapp 20 Minuten musste ich unweigerlich an Günter Perl denken. Und fragte mich, wieso sich Herr Wieland Perl wünscht, wenn er doch Brych haben kann. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte bis dahin drei durch die VfB-Brille klare gelbe Karten an die Herren Höwedes, Kuranyi und Bordon nicht gegeben (Rafinha will ich, gegen meine innere Überzeugung, beim frühen Zusammenprall mit dem konternden Cacau nichts Böses unterstellen). Dass sich Dr. Brych Minuten später seiner Karten erinnerte und deren zwei an Magnin und Khedira verteilte, verbesserte sein Ansehen in der Cannstatter Kurve nicht.

Aber das nur am Rande – am Schiedsrichter lag es nicht, dass der VfB wieder einmal am mittlerweile bekannten Mix aus zu einfachen Gegentoren und mangelnder Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor scheiterte. Immerhin: einige klare Torchancen waren diesmal zumindest vorhanden, und wenn der insgesamt vielversprechend auftretende Zdravko Kuzmanovic ein Torjäger wäre, hätte das Spiel früher eine Wende nehmen können. Insgesamt trat der VfB deutlich stärker und leistungsbereiter auf als in den letzten Spielen; eine auch spielerisch inspirierte Vorstellung konnte man wohl nicht erwarten.

So zog man denn auch bei der Presse die Schlussfolgerung, dass die Mannschaft zumindest nicht gegen den Trainer gespielt habe – in meiner Naivität glaube ich ja ohnehin noch immer, dass Fußballspieler eher selten bewusst verlieren wollen, um dem Trainer zu schaden. Ich selbst hab’s zumindest noch nie getan, dabei wäre mein Verlust an Punktprämien *sehr überschaubar* gewesen. Wie gesagt: im vorliegenden Fall haben sich die VfB-Spieler nicht verdächtig gemacht. Ob Markus Babbel die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, bleibt indes zu diskutieren:

Aufstellung:
Die Umstellung auf eine Mittelfeldraute war ebenso erwartet worden wie die daraus resultierenden kritischen Punkte. Mit Kuzmanovic und Khedira hatte man auf den Außen- (bzw. Halb-) Positionen im Mittelfeld spielstarke, ballsichere Leute, die allerdings beide gerne und viel nach innen drängen und nicht zu Protagonisten schnellen Flügelspiels taugen; die Außenverteidiger Magnin und Celozzi, die diese Aufgabe übernehmen könnten (besser: sollten), konzentrierten sich auf ihre Defensivarbeit, was angesichts der letzten Spiele nachvollziehbar ist, den eigenen Stürmern aber auch keine Freude bereitet haben dürfte. Christian Träsch spielte im defensiven Mittelfeld das, was man früher einen „Ausputzer“ nannte. Kann man machen, nimmt dann aber bewusst in Kauf, dass der Spielaufbau im Mittelfeld über die beiden Halbspieler erfolgen muss. Aliaksandr Hleb konnte nicht verhindern, dass die Diskussionen aus der Saison 2003/04 (dem „Jahr 1 nach Balakov“) wieder aufgegriffen wurden, die in aller Regel zu dem Schluss kamen, dass er keine „10″ ist. Wenn die Raute wirklich das System der Wahl sein sollte und man einen klassischen Spielmacher einsetzen will, wird man nicht umhin kommen, auf Elson oder Bastürk zurückzugreifen.

Auswechslungen:
Nach 30 Minuten habe ich mich gefragt, wieso Celozzi immer noch auf dem Feld ist. Nach 66 Minuten war ich ganz sicher nicht der einzige, der sich gefragt hat, wieso Babbel Celozzi vom Feld nimmt, nachdem dieser sich nicht nur defensiv gefangen hatte, sondern nach der Pause derjenige war, der endlich für etwas Belebung auf der Außenbahn sorgte, während dem an der Außenlinie bereit stehenden Hilbert genau dies zuletzt eher selten gelungen war. Julian Schieber hat sich einmal mehr bewährt. Natürlich kann man diskutieren, ob man ihn als dritten Stürmer hätte bringen sollen; andererseits wäre wohl alles richtig gewesen, wenn man nach dem von ihm initiiterten Ausgleich die Schalker nicht zur erneuten Führung eingeladen hätte. Eine gute Viertelstunde wäre geblieben, man war am Drücker, hatte die Defensive nicht aufgelöst, kurz: man hatte die besseren Karten. Elson kam hingegen zu spät. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen. 12 Minuten erscheinen mir dafür jedoch etwas kurz, gerade wenn man sich etwas mehr Inspiration erhofft und vor allem keinen anderen Spieler auf dem Feld hat, der in der Lage ist, einen Eckball oder Freistoß auch nur annähernd gefährlich vor das Tor zu bringen.

Letztlich bleibt eine bittere Niederlage, die man eigenen Nachlässigkeiten sowie natürlich einem gut organisierten und effektiven Gegner zuzuschreiben hat. Und die Frage, ob Günter Perl den Treffer von Kuzmanovic wenige Minuten vor Schluss auch abgepfiffen hätte.

Es kann nur größer werden.

14. September 2009

Ein verheerender individueller Fehler führte dazu, dass ich am Samstag das mittlerweile vierte von bisher fünf Saisonspielen des VfB nur rudimentär verfolgen konnte – konkret: die vorschnelle Zusage, an einer Feierlichkeit teilzunehmen, ohne die Detailterminierung des DFB abzuwarten. Vielleicht sollte ich irgendwann doch alle 5 Anstoßzeiten memorieren und vorsorglich im Kalender blockieren.

So aber war ich darauf angewiesen (und das war deutlich mehr, als ich zuvor erwartet hatte), am Samstag um halb sieben irgendwo in der schwäbischen Provinz gemeinsam mit 2-4 anderen Menschen auf ein Mobiltelefon zu starren, um das Stuttgarter Gastspiel beim HSV zu verfolgen. Die Bildqualität war überraschend gut, die des Spiels konnte man mangels Überblick nur bedingt bewerten. Nicht zu verkennen war indes Trainer Babbels Ansatz, zunächst sehr tief zu stehen und die Hamburger vom schnellsten offensiven Mittelfeld, das der VfB im neuen Jahrtausend aufgeboten hat (Hleb, Gebhart, Hilbert), auskontern zu lassen. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätte diese Taktik fruchten können; so aber traf der HSV zum 1:0 und danach war das Spiel für den VfB gelaufen. Vorne war man nicht mehr gefährlich, hinten nicht mehr ganz so konzentriert wie zuvor, und durch die Bank (explizit ausgenommen: Träsch) mangelte es an Entschlossenheit und wohl auch am Glauben, die Partie drehen zu können.

Neben Christian Träschs Leistung bleiben an erfreulichen Aspekten Hilberts Comeback (ganz gut), Kuzmanovics Debüt (nicht ganz so gut), die Tatsache, dass auch Pogrebnyak gelegentlich aus nichts ein Tor machen kann, und Horst Heldts Ansage, keines der diskutierten Alibis (Babbels Abwesenheit, die späten Neuverpflichtungen) gelten zu lassen. Eine Lösung für das kurzfristig drängendste Problem, Aliaksandr Hleb in Form zu bringen, hat er indes auch nicht.

Unerfreulich ist zudem die Erkenntnis, dass neben den nicht ganz unerwarteten Defiziten in punkto Torgefahr am Samstag mit der Defensivzentrale auch eines der vermeintlichen Prunkstücke  schwächelte. Drei Tore aus zentraler Position knapp außerhalb des Strafraums sprechen hier eine beredte Sprache – insbesondere Al Jarreau (zumindest habe ich Markus Höhner so verstanden) Elia konnte vor dem 2:0 sein Glück wohl gar nicht fassen, als sich der einzige in seiner Nähe befindliche VfB-Spieler (Hleb?) auch noch von ihm weg bewegte und er in jede Richtung mindestens 7 Meter Platz hatte, in Richtung Tor sogar deutlich mehr. An der Stelle hätte man sich das Eingreifen eines defensiven Mittelfeldspielers oder bereits eines Innenverteidigers vorstellen können (ich hätte auch jeden anderen genommen).

Bleibt zu hoffen, dass sich das gegen die Rangers am Mittwoch etwas anders darstellt. Ohne Magnin, übrigens. Und irgendwie… offensiver? Zumindest aber größer – nicht auf einem Handybildschirm, sondern live im Stadion.

Ach, Champions League – und der Liga Unbill ist vergessen.

Aux armes!

14. Juli 2009

Wann, wenn nicht am 14. Juli, dem Tag der, äh, VfB-Mitgliederversammlung, soll man die sportliche Leitung zu den Waffen rufen zu mehr Entschlossenheit im Abschluss aufrufen?

Im Ernst: ich hab ja schon verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass mein Grundvertrauen in Horst Heldt und Markus Babbel recht hoch ist; gleichwohl wäre es für die Volksseele so langsam ganz gut, neben den Herren Celozzi und Schwarz (deren Verpflichtung ich begrüße)  auch noch den einen oder anderen Neuzugang zu präsentieren, für den man einen nennenswerten Teil der Gomez-Millionen ausgeben darf.

Statt dessen werden allenthalben die Stimmen lauter, die bereits Parallelen zur Einkaufspolitik nach der Meistersaison 2007 ziehen, als man letztlich so klangvolle Namen wie Ewerthon, Bastürk, Gledson und Marica verpflichtete. Zwei der vier sind noch im Verein, und wenn man eine Umfrage unter den Fans machen würde, welche Spieler man abgeben sollte, bin ich überzeugt, dass einer der beiden die Spitzenposition inne hätte und der andere vermutlich auch unter den Top 5 landen würde.

Nachfolgend die dringendsten offenen Punkte:

Die offenste Planstelle, die derzeit auch medial intensiv begleitet wird, ist selbstredend jene für den Gomez-Ersatz. Wenn man davon ausgeht, dass Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird, kann man entweder auf Rückkehrer Manuel Fischer und Alessandro Riedle hoffen, für den Papa Karl-Heinz nach eigenen Angaben schon mal die Nr. 13 reservieren ließ, oder es wird doch noch was mit einem treffsicheren Neuzugang. Nach dem Fehlschlag mit Ba (ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche der beteiligten Parteien die unglückliste Figur abgegeben hat) stünde Horst Heldt ein weiteres „Nein“ bei der – erfreulich ehrgeizigen – Personalie Huntelaar nicht so richtig gut zu Gesicht, und ob der ebenfalls gehandelte Vagner Love dann Gewehr bei Fuß stünde, bliebe abzuwarten – billiger würde er vermutlich nicht.

Offen ist zudem eine Position im offensiven Mittelfeld. Man weiß nicht, ob der gescheiterte Transfer von Herrn Jovanovic tatsächlich endgültig bei den Akten liegt oder ob man hier noch im Hintergrund aktiv ist. In jedem Fall täte man gut daran, sich um einen schnellen Mann für die Offensive zu bemühen, der möglichst auch für ein paar Treffer gut ist – vor allem, wenn man davon ausgeht, Gomez’ Tore nicht allein durch die Stürmer ersetzen zu können.

Unangenehm offen ist meines Erachtens und in jeder Hinsicht weiterhin die linke Abwehrseite, wo Lude Magnin und Arthur Boka für mich nach wie vor nur selten mehr als eine mittelprächtige Lösung darstellen. Magnin zeigte zum Ende der Vorsaison eine Reihe sehr guter Spiele, vor allem in der Offensive, und Boka hat ja allem Anschein nach seine langjährige(!) Knöchelverletzung behandeln lassen, aber richtig gute Außenverteideiger-Spielmacher, wie sie uns mitunter von Steffen Simon und anderen vorgehalten werden, sind sie bei aller Liebe nicht. Celozzi, Träsch und Osorio haben wohl alle schon links gespielt; zu Flankenläufen werden sie indes eher nicht ansetzen, und nur weil Philipp Lahm wegen seines überragenden Talents dennoch ein sehr guter Linksverteidiger ist, muss man dieser Krückenlösung ja nicht unbedingt nacheifern.

Offen ist weiterhin die Frage, wie das Experiment mit dem nur in Teilzeit präsenten Trainer funktionieren kann. Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh. Erschwert würde die Sache dann, wenn ein weiterer offener Punkt positiv beantwortet würde: die Frage, in welchem internationalen Wettbewerb der VfB die Saison beginnt – der CL-Mittwoch ist organisatorisch sicherlich noch ein Stück schwerer zu bewältigen als der Wettbewerb formerly known as Uefa-Cup am Donnerstag.

Ganz besonders offen ist schließlich auch noch das Neckarstadion, das sich derzeit ohne Untertürkheimer Kurve präsentiert:

Nicht mehr offen ist indes die Zukunft des sportlichen Contents der Hirngabel. Er schreibt nun in einem separaten VfB-Blog, und ich habe den Eindruck, dass es ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird. Ich freu mich sehr drauf, auch wenn ich zugeben muss, dass ich auf den Namen fast ein wenig neidisch bin…

Einen Brustring, einen Brustring, einen Brustring tragen wir. Auf den Trikots, in den Herzen – VfB, Du bist in mir!

Verbalbeurteilung

29. Mai 2009

Jens zeigte sich das ganze Jahr über sehr motiviert und engagiert. Seine Leistungen waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets gut, teilweise sehr gut. Aufgrund seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns genießt er in der Gemeinschaft hohes Ansehen, schießt aber auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Sein Wissen gibt er jederzeit gerne weiter, auch unaufgefordert. Mitunter sollte er mit dem Eigentum anderer (Turnbeutel!) sorgsamer umgehen.

Christian brauchte zunächst ein gewisse Zeit, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen. Dank seines großen Fleißes gelang es ihm insbesondere im zweiten Halbjahr, seine Leistungen zu stabilisieren und sich zudem voll in die Gruppe zu integrieren. Christian ist außergewöhnlich lernwillig, läuft jedoch gegenwärtig Gefahr, aufgrund äußerer Einflüsse den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Ricardo kam erfreulich gut über den Abschied von seinem besten Freund hinweg, der die Gruppe zum Halbjahr verließ. Er zeigte sich deutlich disziplinierter als in den Vorjahren und verdiente sich in verschiedenen Bereichen zumeist gute Noten. Konnte in den letzten Monaten krankheitsbedingt leider nur bedingt teilnehmen.

Khalid konnte in seinem ersten Jahr in Cannstatt seine Fähigkeiten nicht immer unter Beweis stellen. Er war des öfteren unkonzentriert und zeigte sich ob der Konsequenzen zunächst nicht sehr einsichtig. Im Lauf des zweiten Halbjahres integrierte er sich deutlich besser und übernahm gelegentlich Verantwortung in der Gruppe.

Serdar erwies sich zu jedem Zeitpunkt als zuverlässig und leistungswillig. Hinweise und Ratschläge setzte er positiv um, übernahm zunehmend Verantwortung in der Gruppe und erwarb sich ein entsprechendes Ansehen. Sein Auftreten war stets höflich und ordentlich, lediglich im Sport zeigte er sich dynamisch und aggressiv. Die altersbedingte Schwäche für Nebensächlichkeiten (Haarbänder) muss er in den Griff bekommen.

Matthieu war auch im abgelaufenen Jahr ein Fixpunkt in der Gruppe. Nicht zuletzt aufgrund seiner stets guten Leistungen hat sein (leises) Wort Gewicht, seine Freunde können sich an ihm orientieren und bei Bedarf anlehnen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er, insbesondere für seine französischen Leistungen, auch außerhalb der Gruppe eine etwas höhere Wertschätzung erführe.

Georg verpasste leider seit dem Winter wegen zweier Krankheitsphasen einige Wochen, holte aber das Verpasste jeweils in kürzester Zeit nach. Dabei deutete er seine Fähigkeiten nicht nur an, sondern erfüllte die Erwartungen auch in schwierigen Situationen über die Maßen. Für seine weitere Entwicklung wäre ein Verbleib über die angedachte zeitliche Begrenzung hinaus wünschenswert.

Ludovic neigte auch im vergangenen Jahr zu Leichtsinn und Sprunghaftigkeit, konnte jedoch gerade im zweiten Halbjahr endlich wieder an seine Leistungen aus dem vorvergangenen Jahr anknüpfen.  Sein Humor und seine positive Grundhaltung förderten die Gemeinschaft. Zwar litt gelegentlich die Konzentration ein wenig; insgesamt bewegte er sich gleichwohl im Rahmen der Erwartungen.

Arthur konnte seine Fähigkeiten in diesem Jahr nur selten unter Beweis stellen. Es liegt nun an ihm, mit überzeugenden Leistungen deutlich zu machen, dass er auch mittelfristig den Anforerungen gewachsen ist. Eine Veränderung bereits zum kommenden Jahr ist nicht zwingend erforderlich, könnte aber in seinem Sinne sein.

Roberto ist jederzeit ein Vorbild an Engagement und Begeisterung, was sich mitunter in einer gewissen Übermotivation niederschlägt. Seine häufigen Unkonzentriertheiten, die er dann mit großem Eifer auszubügeln versucht, beeinflussen nicht nur seine persönliche Beurteilung, sondern schaden auch der Ordnung und Organisation in der Gruppe. Die Identifikation mit der Gemeinschaft ist beispielhaft.

Elson hat seinen Rückstand aus der Vergangenheit mit beispielhaftem Fleiß aufgeholt – teilweise erzielte er gar überdurchschnittliche Resultate – und hat so den zwischenzeitlich drohenden Ausschluss abgewendet. Er sollte weiter hart an sich arbeiten, sein Leistungsniveau stabilisieren und standardmäßig aus punktuellen Erfolgserlebnissen Motivation ziehen.

Timo ist innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil der Gruppe geworden. Wenngleich es ihm gelegentlich an Zielstrebigkeit und Disziplin mangelt, erfüllt er doch zumeist die Anforderungen und zeigt sich dabei häufig sehr kreativ. Nicht immer kommt er seinen Aufgaben für das Funktionieren der Gemeinschaft in ausreichendem Maß nach. Dies sollte sich aber im kommenden Jahr beheben lassen.

Martin gelingt es nicht immer, sein Interesse an den ihm zugewiesenen Aufgaben zu vermitteln, selbst wenn er tatsächlich sehr konzentriert und zielstrebig bei der Sache ist. So zeigt er sich zwar bei der zentralen Kleingruppenarbeit stets zuverlässig und diszipliniert; in Randbereichen wirkt er indes gelegentlich träge. Insgesamt scheint sein Arbeitstempo verbesserungswürdig zu sein.

Thomas hat im vergangenen Jahr eine große Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. Zunächst haben seine Leistungen ein wenig darunter gelitten, ehe er unter neuen Lehrpersonal nochmals einen enormen Sprung nach vorne machte. Bei seinen seltenen Fehlzeiten tritt sein anhaltendes Bemühen um die nötige Ordnung besonders deutlich zutage. Sollte in stärkerem Maße versuchen, „den Ball flach zu halten“.

Sami ist zwar einer der Jüngsten, zählt aber in vielen Situationen zu denjenigen, die die Richtung vorgeben. Er übernimmt Verantwortung, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen, und erfüllte bereits seit Mitte des ersten Halbjahres die gestellten Anforderungen in besonderem Maße. Er ist fleißig, fokussiert, ehrgeizig, hat seine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und lässt sich auch von Haarbändern nicht ablenken.

Yildiray konnte in diesem Jahr, auch aufgrund zahlreicher Fehlzeiten, nicht die geforderten Leistungsnachweise erbringen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Pavel konnte das aus den Vorjahren gewohnte Leistungsniveau nicht ganz halten und entschloss sich bereits zum Halbjahr, die Gruppe zu verlassen. Bis dahin, und auch darüber hinaus, genoss er ein in jeder Hinsicht hohes Ansehen.

Jan zeigte sich insgesamt nicht konstant genug. Immer wieder deutete er seine Fähigkeiten an, hatte aber auch einige Besorgnis erregende Ausreißer nach unten. Im kommenden Jahr liegt es an ihm, seine künftigen Perspektiven aufzuzeigen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Mario erreichte das ganze Jahr über ein beständig hohes Leistungsniveau und übernahm in zunehmendem Maß Verwantwortung für die Gemeinschaft. Im ersten Halbjahr schien er sich in Gruppenarbeiten nicht auf seine Freunde verlassen zu wollen und wirkte bisweilen übermotiviert. Insgesamt trug er maßgeblich zur Leisterungssteigerung der gesamten Gruppe bei. Sein umzugsbedingter Weggang ist bedauerlich.

Claudemir hat sich nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr deutlich gesteigert und in den letzten Monaten hervorragende Leistungen erbracht, die über die Gruppe hinaus Anklang fanden. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in den Fächern Religion und Gemeinschaftskunde. Die gezielte Förderung seines Sozialverhaltens durch das neue Lehrpersonal trug ebenfalls Früchte.

Ciprians Leistungen der letzten Monate waren sehr unbeständig. Häufig widerlegte er daher die aufgrund aktueller Entwicklungen gehegten Erwartungen – im Guten wie im Schlechten. Positiv ist sein im Vergleich zum Vorjahr gestiegenes Engagement zu sehen, wobei auch hier zuletzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Seine weitere Entwicklung ist nur bedingt vorhersehbar. Ein Gespräch ist erwünscht. Gesprächssprache: deutsch.

Julian zeigte, aus einer tieferen Klasse kommend, dass er den Anforderungen gewachsen ist und wurde dementsprechend in die Gruppe integriert. Bisweilen noch ein wenig schüchtern, deutete er seine Fähigkeiten an. Wenn er so weiter macht, wird der Abschluss auch in der höheren Klasse kein Problem darstellen.

Markus hat in besonderem Maß vom Wechsel des Lehrpersonals profitiert. Seither übernimmt er Verantwortung, wirkt motivierend und geht stets mit gutem Beispiel voran. Er weiß sein Leistungsvermögen einzuschätzen und gleicht etwaige Defizite mit zusätzlichem Unterricht aus. Übermäßige Belastungen durch den Zusatzunterricht sind zu vermeiden.

Armin konnte seine Fähigkeiten im ersten Halbjahr nicht mehr im gewohnten Maß einbringen. Aufgrund ausbleibender Leistungsnachweise war sein Ausscheiden unvermeidlich.

Kleine Fußballweisheiten.

3. Mai 2009

„Defense wins championships.“

Jeder, der diese Weisheit ernst nimmt, sollte nach dem gestrigen 2-2 des VfB in Bielefeld endlich erkannt haben, dass der Deutsche Meister 2009 nicht aus Stuttgart kommen kann. Zu viel hatte die VfB-Hintermannschaft mit dem immer wieder gern zitierten Hühnerhaufen gemein, zu wenig mit der abgeklärten Defensive der letzten Wochen. Bereits in der ersten Hälfte ließ man sich von den Bielefelder Offensivkünstlern wiederholt düpieren, und ab Mitte der zweiten Halbzeit konnten die Gastgeber phasenweise im Minutentakt ihre Angriffe vortragen.

Während die Innenverteidigung die Bielefelder Angreifer immerhin soweit in Schach hielt, dass sie kaum gefährlich zum Abschluss kamen, musste man über außen stets mit dem Schlimmsten rechnen. Christian Träsch bestätigte nicht nur meinen Eindruck, dass er mit langen Bällen auf seinen Gegenspieler nicht recht umzugehen weiß; vielmehr ließ er sich auch im direkten Zweikampf wiederholt von Daniel Halfar düpieren, der aber letztlich kein zählbares Kapital daraus schlagen konnte. Interessanterweise fielen die Gegentore statt dessen über die linke Stuttgarter Abwehrseite, wobei Ludovic Magnin zugute gehalten werden muss, dass er in beiden Fällen nur ganz am Rande beteiligt war. Bei der Hirngabel werden (nicht nur) die Tore ausführlicher analysiert.

Wie gesagt: der Stuttgarter Abwehrverbund hat sich in der reinen Abwehrarbeit nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Deutlich ärgerlicher waren jedoch aus meiner Sicht die zahllosen Fehler in der Spieleröffnung, die insbesondere in der Schlussphase, als man auf einen Stuttgarter Sturmlauf hoffte, die eigenen Angriffe im Keim erstickte und den Bielefeldern immer wieder die Chance zu einem neuen Anlauf gaben – glücklicherweise waren auch sie nur selten in der Lage, ihre Aktionen konsequent zu Ende zu spielen.

„Never change a winning team“

In den letzten Wochen hatten wir uns darauf eingestellt, dass immer einer der drei Kandidaten für die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld ausfällt und die beiden anderen ihre Sache hervorragend machen. Demzufolge ging ich davon aus, dass zwei der drei (wahrscheinlich Hitzlsperger und Khedira) spielen und der Rest der Aufstellung unverändert bleiben würde. Die Verletzung von Timo Gebhart spülte jedoch Martin Lanig von der „6″ nicht auf die Bank, sondern auf die linke Außenbahn, und mir wurde schmerzlich bewusst, weshalb ich mich in der Vorrunde, als er seine Einsätze zumeist über Außen hatte, nie so recht für sein Spiel erwärmen konnte. Hier fehlt ihm nicht nur die Dynamik, sondern auch das Gespür (und vielleicht auch der Wille), als „Flankenläufer“ für Gefahr zu sorgen.

„Das nächste Spiel ist immer das schwerste“

Binsenweisheit. Vor allem, wenn es gegen den Tabellenführer und Neu-Meisterschaftskandidaten geht. In Dortmund dürfte man sich angesichts des bevorstehenden Spieltags bereits Hoffnungen machen, am Sonntag auf Rang 4 zu stehen: selbst den KSC schlagen, der HSV verliert in Bremen und der VfB gegen Wolfsburg – nicht ganz abwegig.

Aber irgendwie habe ich ein gutes Gefühl und glaube nicht, dass wir verlieren. Sicher, der Ausfall von Delpierre ist schmerzhaft, und vermutlich hat mein Nebensitzer gestern etwas übertrieben, als er meinte, der VfB verfüge auch mit Boulahrouz und Niedermeier noch über die beste Innenverteidigung der Liga. Dennoch bin ich zum einen überzeugt, dass Markus Babbel die Schwächen in der Defensive genau erkannt hat und eben dort ansetzen wird, zum anderen baue ich auf Gomez und Cacau:

„Offense wins games.“