Posts Tagged ‘Hamburger SV’

Es kann nur größer werden.

14. September 2009

Ein verheerender individueller Fehler führte dazu, dass ich am Samstag das mittlerweile vierte von bisher fünf Saisonspielen des VfB nur rudimentär verfolgen konnte – konkret: die vorschnelle Zusage, an einer Feierlichkeit teilzunehmen, ohne die Detailterminierung des DFB abzuwarten. Vielleicht sollte ich irgendwann doch alle 5 Anstoßzeiten memorieren und vorsorglich im Kalender blockieren.

So aber war ich darauf angewiesen (und das war deutlich mehr, als ich zuvor erwartet hatte), am Samstag um halb sieben irgendwo in der schwäbischen Provinz gemeinsam mit 2-4 anderen Menschen auf ein Mobiltelefon zu starren, um das Stuttgarter Gastspiel beim HSV zu verfolgen. Die Bildqualität war überraschend gut, die des Spiels konnte man mangels Überblick nur bedingt bewerten. Nicht zu verkennen war indes Trainer Babbels Ansatz, zunächst sehr tief zu stehen und die Hamburger vom schnellsten offensiven Mittelfeld, das der VfB im neuen Jahrtausend aufgeboten hat (Hleb, Gebhart, Hilbert), auskontern zu lassen. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätte diese Taktik fruchten können; so aber traf der HSV zum 1:0 und danach war das Spiel für den VfB gelaufen. Vorne war man nicht mehr gefährlich, hinten nicht mehr ganz so konzentriert wie zuvor, und durch die Bank (explizit ausgenommen: Träsch) mangelte es an Entschlossenheit und wohl auch am Glauben, die Partie drehen zu können.

Neben Christian Träschs Leistung bleiben an erfreulichen Aspekten Hilberts Comeback (ganz gut), Kuzmanovics Debüt (nicht ganz so gut), die Tatsache, dass auch Pogrebnyak gelegentlich aus nichts ein Tor machen kann, und Horst Heldts Ansage, keines der diskutierten Alibis (Babbels Abwesenheit, die späten Neuverpflichtungen) gelten zu lassen. Eine Lösung für das kurzfristig drängendste Problem, Aliaksandr Hleb in Form zu bringen, hat er indes auch nicht.

Unerfreulich ist zudem die Erkenntnis, dass neben den nicht ganz unerwarteten Defiziten in punkto Torgefahr am Samstag mit der Defensivzentrale auch eines der vermeintlichen Prunkstücke  schwächelte. Drei Tore aus zentraler Position knapp außerhalb des Strafraums sprechen hier eine beredte Sprache – insbesondere Al Jarreau (zumindest habe ich Markus Höhner so verstanden) Elia konnte vor dem 2:0 sein Glück wohl gar nicht fassen, als sich der einzige in seiner Nähe befindliche VfB-Spieler (Hleb?) auch noch von ihm weg bewegte und er in jede Richtung mindestens 7 Meter Platz hatte, in Richtung Tor sogar deutlich mehr. An der Stelle hätte man sich das Eingreifen eines defensiven Mittelfeldspielers oder bereits eines Innenverteidigers vorstellen können (ich hätte auch jeden anderen genommen).

Bleibt zu hoffen, dass sich das gegen die Rangers am Mittwoch etwas anders darstellt. Ohne Magnin, übrigens. Und irgendwie… offensiver? Zumindest aber größer – nicht auf einem Handybildschirm, sondern live im Stadion.

Ach, Champions League – und der Liga Unbill ist vergessen.

Geschichte wiederholt sich nicht.

20. April 2009

Der VfB Stuttgart wird also Deutscher Meister, heißt es.

Allenthalben pfeifen und zwitschern sie es jetzt von den Dächern. In Blogs und Zeitungen gilt das Ganze bereits als abgemacht, und auf allen Kanälen muss darf kann man Vergleiche zum Stuttgarter Meisterjahr 2007 anhören, ansehen und lesen. Der VfB habe einen Lauf, zudem keinen Druck, verfüge über einen Trainer mit dem Sieger-Gen, könne auf den besten deutschen Stürmer bauen, in der Mannschaft stimme es sowieso, und und und….

Ja, auch ich freue mich enorm über die Entwicklung der letzten Monate, und für ein bisschen Euphorie bin ich absolut zu haben. Sollte der VfB am Samstag gegen die Frankfurter Eintracht gewinnen, werde ich ganz bestimmt in den Chor derer einstimmen, die „Deutscher Meister wird nur der VfB“ brüllen.

Aber dann werde ich heim gehen, mir die Sportschau ansehen, mich über den Sieg und die günstige Tabellensituation freuen und „Schön, ein weiterer Schritt zur Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb“ denken. Vermutlich würde ich mich dabei sogar mit einem Sieg der vor dem VfB liegenden Bayern bestens arrangieren können, der die bedrohlich aufkommenden Schalker in Schach hielte.

Der Vergleich zum Jahr 2007, so sehr er sich aufgrund der letzten Wochen aufdrängen mag, ist weit überzogen. Dass er nicht ausbleiben kann, versteht sich allein deshalb von selbst, weil kein „Experte“ Gefahr laufen will, sich ein zweites Mal vom vermeintlichen Überraschungsmeister aus Stuttgart an der Nase herum führen zu lassen. Da kann es sicher nicht schaden, vor dem VfB zu warnen oder sich gar mit einer gewagten Prognose aus dem Fenster zu lehnen, die man im Nachhinein leicht als Überschwang abtun kann.

Vergleicht man jedoch die heutige Situation mit der vor zwei Jahren, so wird deutlich, dass die Ausgangsposition heute ungleich schwieriger ist:

Punkte:

Vor zwei Jahren hatte man nach dem 28. Spieltag einen Rückstand von 4 Punkten auf den Tabellenführer, 2 auf den Zweiten, und stand seinerseits 2 Punkte vor Platz 4. Alle anderen waren abgeschlagen.

Heute liegt der VfB 6 Punkte hinter dem Ersten, je 3 hinter Platz 2 und 3, und einen Punkt hinter dem Vierten. Von hinten drohen zwei weitere Gegner, die ihrerseits einen sogenannten Lauf haben; der Kampf gegen Letztere ist für die Meisterfrage allerdings irrelevant.

Um es mit einer ungewöhnlichen und wohl auch fragwürdigen Rechnung auf den Punkt zu bringen: 2007 musste der VfB auf seine Konkurrenten insgesamt 6 Punkte gut machen, dieses Jahr sind es deren 13.

Gegner:

Vor zwei Jahren hatte man es mit Werder und Schalke sowie zunächst noch mit den Bayern zu tun. Die Bayern erlebten für ihre Verhältnisse eine desaströse Saison, hatten im Lauf der Saison einen seltsamen Trainerwechsel und das Karriereende von Sebastian Deisler hinter sich gebracht und waren weit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Blieben Schalke und Werder. Während die Bremer von vielen als sehr stabil und folglich als künftiger Meister eingeschätzt wurden, lag bei Schalke doch immer ein Hauch von 2001 und das Wissen, dass sie in der Bundesliga schon mehrfach kurz vor Toreschluss gescheitert waren, in der Luft.

2009 hat man es mit Wolfsburg, Bayern, dem HSV und der Hertha zu tun. Während ich im Grunde überzeugt bin, dass der VfB an der Hertha vorbeiziehen wird, erscheinen mir die drei anderen zu stark bzw. zu gefestigt, um alle drei noch zu überholen. Nun ist „gefestigt“ sicher kein Attribut, das man den Bayern derzeit auf Anhieb verleihen würde – zu wechselhaft waren ihre Leistungen im Lauf der Saison. Gleichzeitig verfügen sie aber über so viel individuelle Klasse, dass ich mir einen derben Einbruch noch nicht vorzustellen vermag. Den HSV und Wolfsburg würde ich indes absolut als gefestigt bezeichnen. Die letzten Spiele der Niedersachsen haben gezeigt, dass sie -ähnlich wie der VfB 2007 gegen Hannover, in Gladbach oder in Bochum- auch die Spiele gewinnen, bei denen man leicht ins falsche Fahrwasser geraten könnte. Wenn man nicht diese fantastische Offensive hätte. Auch der HSV hat, nicht zuletzt in seinen Uefa-Cup-Spielen, mehr als einmal bewiesen, dass er sich nur ganz schwer die Butter vom Brot nehmen lässt. Und im Gegensatz zu Wolfsburg sind die Hamburger mit Blick auf die Bundesligaspitze auch keine heurigen Hasen.

Restprogramm:

Im Jahr 2007 hatten alle drei Titelaspiranten auf dem Papier ein vergleichsweise leichtes Restprogramm. Der VfB hatte am 30. Spieltag noch ein Kräftemessen mit den Bayern; die anderen Gegner hießen Hannover, Gladbach, Mainz, Bochum und Cottbus. Auch die Bremer Gegner schienen nicht unschlagbar. Allerdings musste man 4 der letzten 6 Spiele auf des Gegners Platz bestreiten. Das größte Problem für Schalke bestand darin, dass man noch zwei Derbys vor der Brust hatte: beide auswärts, und beide gingen letztlich auch verloren.

Dieses Jahr hat es der VfB als einziger der 5 Bewerber in den letzten 6 Spielen noch mit zwei direkten Konkurrenten zu tun (Vor- oder Nachteil?) und bestreitet seine beiden letzten Auswärtsspielen bei Schalke und den Bayern. Was ebensowenig ein Spaziergang werden dürfte wie Herthas 4 Auswärtsspiele. Auch Wolfsburg wird sich bei seinen Fahrten nach Hoffenheim, Dortmund und Bremen auf starke Gegenwehr gefasst machen müssen. Der HSV muss neben dem Heimspiel gegen die Hertha zwar noch nach Dortmund und Bremen reisen; die Abschlussserie Bochum (H) – Köln (H) – Frankfurt (A) dürfte die Hamburger Anhänger indes zuversichtlich stimmen. Bleiben die Bayern, die mit vier Heimspielen und Gastspielen in Cottbus und Hoffenheim nicht allzusehr hadern dürften.

Insgesamt haben meines Erachtens zwei der drei vor dem VfB platzierten Mannschaften (Bayern und der HSV) ein deutlich leichteres Restprogramm. Jenes von Wolfsburg erscheint zwar deftig; ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie es in ihren letzten drei Partien allesamt mit Gegnern zu tun haben, für die es um nichts mehr geht: Dortmund (?), Hannover und Bremen.

Fazit:

Alles in allem bin ich der Überzeugung, dass sich Geschichte nicht wiederholen wird, zumindest nicht mit dem selben Protagonisten – dann schon eher mit einem Überraschungsmeister Wolfsburg und seinem Rückrundenlauf. Wobei ich Wert auf die Feststellung lege, dass der Titel „Überraschungs-“ oder gar „Zufallsmeister“ für mich eine Beleidigung der Mannschaft ist, die nach 34 Spieltagen ganz oben steht, egal wie sie heißt.

Für den VfB halte ich die Plätze 3-5 für wahrscheinlich, mit etwas Glück Platz 2, wenn’s dumm läuft Rang 6. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich auf die 4 setzen.

Manni Hilbert und Horst Gomez

19. April 2009

„Roberto Banane, ich Kopf, Tor“

sagte dachte Chancentod Mario Gomez über den ersten seiner drei Treffer zum 3:0-Sieg des VfB Stuttgart in Köln, ehe er den versammelten Reportern doch lieber von den „uneigennützigen“ Querpässen seiner Mitspieler Cacau und Khedira vorschwärmte.

Genau wie Millionen Zusachauer im Stadion und an den Bildschirmen fiel es dem zuvor in 81 Spielen torlosen Gomez schwer, die Rückkehr der Bananenflanke a u s g e r e c h n e t mit seinem Mitspieler Roberto Hilbert zu assoziieren. Mit eben jenem Hilbert, von dem die gemeine Leserin weiß, dass er hier im Blog große, gelegentlich sportlich kaum zu rechtfertigende Sympathien genießt. Die Gründe dafür sind verschiedentlich angeklungen und haben unter anderem mit seiner Einstellung, seiner Körpersprache und seinem Tempo zu tun. Definitiv nicht dazu zählten bis heute seine Flanken.

Irgendwie passt das zum VfB des Jahres 2009, der mich immer wieder überraschen kann. Dass diese Überraschungen nicht immer positiv ausfallen können, versteht sich von selbst. So trat die Mannschaft heute in der ersten Hälfte zwar ähnlich ruhig und unaufgeregt auf wie zuletzt; die Souveränität, die man aus dem in den letzten Wochen gewachsenen Selbstvertrauen entwickelt hatte, stellte sich indes nicht ein. Bereits nach wenigen Minuten musste Ludovic-vic-vic Magnin nach einem Eckball auf der Linie klären, und in der Vorwärtsbewegung war man nicht in der Lage, die zahlreichen Kölner Ballverluste im Mittelfeld in geordnete Angriffe umzusetzen.

So kamen die Gastgeber, nachdem sie den Rückstand verdaut hatten, kurz vor der Pause dem Ausgleich mehrfach gefährlich nah und weckten Erinnerungen an die bittere Phase, als der VfB vor einigen Wochen mehrfach Gegentore zwischen Minute 40 und 45 hinnehmen musste. Dank Jens Lehmann und der Kölner Abschlussschwäche blieb es aber bei der knappen Pausenführung.

In der zweiten Hälfte gelang rasch das 2:0, als Cacau energisch den Ball eroberte, dabei den (sonst zurecht) hochgelobten Geromel zum zweiten Mal an diesem Tage alt aussehen ließ und Gomez den Treffer auf dem Silbertablett servierte. Kurz darauf war es Hitzlsperger, der nach Hilberts Ballgewinn das Spiel großartig beschleunigte, sodass Khedira Gomez das nächste Tor schenken konnte. Leider war Ciprian Marica beim Aufwärmen mit sich selbst beschäftigt und hatte offensichtlich keine Gelegenheit, sich an Cacau und Khedira ein Beispiel zu nehmen. So suchte er nach seiner Einwechslung eigensinnig den Abschluss, anstatt Cacau das 4:0 zu ermöglichen. Sicher, auf den dank der Steigerung nach der Pause ungefährdeten Sieg hatte das keinen Einfluss mehr; gerade angesichts der engen Situation im Kampf um die internationalen Plätze scheint es jedoch geboten, der Tordifferenz etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Sehr wohltuend war indes der Realismus, der sich durch die Interviews der VfB-Spieler bezüglich ihrer heutigen Leistung zog, insbesondere mit Blick auf die durchwachsene erste Halbzeit. Erfreulich zudem, dass der Plan, die zahlreichen drohenden Gelbsperren nach und nach abzutragen, heute ganz gut in die Tat umgesetzt wurde: Thomas Hitzlsperger eröffnet den Reigen.

Bei allem Respekt für den nächsten Gegner: der Tabellendritte (wenn auch zunächst nur für einen Tag) sollte auch ohne seinen Kapitän in der Lage sein, die Punkte gegen die Frankfurter Eintracht im Neckarstadion zu behalten. Zumal die Begegnungen zwischen Bayern und Schalke sowie zwischen Dortmund und dem HSV Punktverluste der Konkurrenz mit sich bringen werden.

Bleibt die Frage, ob sich der VfB dieser Situation bewusst ist: schließlich haben sowohl Horst Heldt als auch Mario Gomez heute zu Protokoll gegeben, die Tabellensituation gar nicht zu kennen…

Stuttgart 5 – Marseille 1

15. April 2009

Wie bereits in der Vorwoche angekündigt, konnte ich das sonntägliche VfB-Spiel gegen den HSV nicht im Neckarstadion verfolgen. Da zudem mein bester Freund beschloss, seinen Geburtstagsumtrunk für den späten Nachmittag anzusetzen, fand auch die Bildberichterstattung sowohl live als auch zeitnah ohne mich statt.

So habe ich mir also im Nachhinein das Liveblogging von dogfood und Oliver Fritsch angesehen, die ausführliche Analyse bei der Hirngabel und das etwas knappere Gegenstück bei Frau Pleitegeiger studiert, den einen oder anderen Zeitungsartikel gelesen, einige Telefonate geführt, die Statistik im ZDF-Videotext ausgewertet und gestern zu guter Letzt noch die Premiere-Zusammenfassung angeschaut.

Fazit: Glücklicher Sieg, nicht unverdient.
Und irgendwie passend zur Stuttgarter Entwicklung der letzten Wochen.

Der fünfte Platz ist erst einmal gefestigt. Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass der VfB Hoffenheim in Schach halten und Hertha noch überholen wird (die Wahrscheinlichkeitslehre lassen wir hier einmal außen vor); dies ließe mit Blick auf die Qualifikation für den Wettberwerb formerly known as Uefa-Cup ein wenig Luft für den nicht ganz unrealistischen Fall, dass Schalke und Dortmund nicht locker lassen und einer der beiden den VfB noch abfängt. Nach oben will ich derzeit keine Spekulationen anstellen.

Rang 5 reicht wohl noch nicht für eine Nennung in der Aprilausgabe des Europäischen Fußballradars. Ist aber nicht so wild – wenn ich den VfB guten Gewissens im Mai platzieren kann, wäre mir das viel lieber…

Platz 1 in der Ligue 1 sollte hingegen eine Nennung rechtfertigen, und den hat seit Ostern l’OM inne: nach einem klaren Sieg gegen Grenoble (via @droitauBut) und dem anschließenden Punktverlust von Serienmeister Lyon hat man im Vélodrome gefeiert:

Singt man das eigentlich noch?
Lyonnais, [...],
sur la Cane-Cane-Cane-Canebière.

Auswärtsspiel: Bayer 04 (und ein bisschen 05)

24. März 2009

Wie in diesem Beitrag etwas ausführlicher beschrieben, habe ich einen herumliegenden Artikelentwurf zum Anlass genommen, hier und heute den Startschuss für eine kleine Serie unter dem Arbeitstitel „Auswärtsspiel“ zu geben: von Zeit zu Zeit soll einer anderen Mannschaft als der „eigenen“ ein Artikel gewidmet werden, in dem sich der Autor mit seiner Wahrnehmung dieses Vereins in den letzten x Jahren auseinandersetzt und dabei wahllos Links in die Bundesligavergangenheit streut.

Mit diesem „Startschuss“ verhält es sich, auch das habe ich im oben genannten Beitrag dargestellt, wie mit der ersten Folge einer RTL-Serie: niemand weiß, ob, wann und wie es weitergeht, und möglicherweise taucht bereits die nächste Folge auf einem anderen Kanal auf.

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Meine älteste aktive Erinnerung an Bayer Leverkusen stammt aus ihrer ersten Bundesligasaison 1979/80, in der sie am vorletzten Spieltag zu meiner großen Freude dem HSV die Meisterschaft verdarben.[1] Danach nahm ich sie einige Jahre lang nur am Rande war, wenn man einmal von Arne Larsen Øklands großer Show gegen die Bayern im März 1981 absieht: 3:0-Sieg, 3 Tore plus ein Phantomtor von Økland, an dem sich der Herr Helmer ein Beispiel hätte nehmen können.

Die Leverkusener waren eine klassische graue Maus, was bei mir so weit führte, dass sie mit dem anderen Werksverein aus Uerdingen zu einer konturlosen Masse verschmolzen. Was wusste denn ich, ob Spieler wie Buttgereit, Bittorf, Geschlecht, Raschid, van de Loo und Vöge (oder in späteren Jahren Kirch-, Bier- und Feldhoff) in Uerdingen oder in Leverkusen kickten? Doch, Rüdiger Vollborn konnte ich eindeutig zuordnen, schließlich hatte ich seinen Weg zum Weltmeister intensiv beobachtet.

Meine eher gleichgültige Haltung änderte sich ein wenig, als die Krefelder mit dem Pokalsieg 1985 und Wolfgang Schäfers inniger Beziehung zur Trophäe, dem 3. Platz in der Bundesliga 1986 und natürlich dem größten Spiel aller Zeiten gegen Dynamo Dresden[2] mehr als nur aufhorchen ließen und ganz nebenbei das Stammhaus in den Schatten stellten, wiewohl auch in Leverkusen Mitte der 80er Jahre erste Erfahrungen im oberen Tabellendrittel gesammelt wurden. Die Konzernspitze machte bereits ihre Prioritäten durch die jeweiligen Aktivitäten am Transfermarkt deutlich, was einerseits meine Sympathien für Bayer 04 nicht wachsen ließ, andererseits rasch Erfolg zeitigte.

Erstmals seit dem oben genannten Sieg gegen den HSV fieberte ich in der Europapokalsaison 1987/88 mit Bayer Leverkusen mit. Im Uefa-Cup-Finale bezwang man, ausschließlich dank Tita und Rüdiger Vollborn (ok, da könnte die Erinnerung trügen), mit Espanyol Barcelona einen Verein, den ich eigentlich nur mit diesem Spiel und dem späteren Engagement von Wolfram Wuttke in Verbindung bringe. Die Erinnerung an dieses Wunder von der Weser große Spiel wird zugegebenermaßen ein wenig dadurch getrübt, dass es der wohl größte Erfolg des ehemaligen Derwallassistenten und Fußballphilosophen „Sir Erich“ war, den ich schon damals nicht besonders mochte und der für mich Jahre später mit der bewussten Demontage des großartigen Spaniers Bernd Schuster endgültig zur Persona non grata wurde.

Wie auch immer: Calli kam, und mit ihm höhere Ambitionen sowie Kontakte nach Ostdeutschland und Brasilien; die graue Maus war für mich mittlerweile nicht mehr grau, sondern irgendwie silber-metallic, synthetisch eben. Dagegen konnte auch der Dopingverweigerer Rudi Völler wenig tun – außer, vielleicht, mit Andi Brehme zu weinen.

In den Jahren danach gelang es den Leverkusenern, sich nicht nur in der Spitze zu etablieren, sondern vor allem über mehrere Spielzeiten hinweg einen unglaublich attraktiven Fußball zu spielen – dummerweise mit den Unsympathen Daum und Toppmöller als Trainer[3], weshalb meine Zuneigung erneut natürliche Grenzen hatte, die sich beispielsweise in einer gewissen Sympathie für die Spielvereinigung Unterhaching manifestierten. Großes Kino dann selbstverständlich das Champions League Finale 2002 mit einem erneut bitteren Ende – aber was will man gegen diesen Mann machen?

History repeating:
Nur zwei Jahre später musste man sich wiederum vor dem Abstieg retten, was wie beim ersten mal ein schussgewaltiger Bayer (der zu jener Zeit immerhin noch dialoginteressiert war) übernahm, ehe man in den letzten Jahren mit den Herren Skibbe -von dem man weiß, dass er ein Auge für talentierte Spieler hat- und insbesondere Labbadia wieder hervorragenden Fußball gespielt und zumindest meine Sympathien erobert hat.

Ganz entscheidend ist dabei die Tatsache, dass Bayer in den letzten Jahren mit ihrem Fokus auf junge, entwicklungsfähige Spieler eine Mannschaft zusammengestellt hat, mit der sich selbst Nicht-Fans gut anfreunden können und die nur noch wenig mit dem Plastikclub-Image[4] zu tun hat.

Mein persönlicher Wanderpokal für die unsympathischste, wahlweise auch mal nichtssagendste, Mannschaft hat Leverkusen lange verlassen und ging mal an die Hertha der Alex-Alves-Zeit, mal an Schalke mit Rangnick, Rost und Lincoln, an Freiburg in der ganz späten Ära Finke, an die Nationalmannschaft unter Ribbeck, LR Ahlen um die Jahrtausendwende, Gladbach unter Fach und erst recht Advocaat, oder zuletzt an Hoffenheim unter Rangnick.

Im Moment kann ich nicht erkennen, dass sich Bayer 04 in absehbarer Zeit wieder bewirbt.

Zu dieser Zeit hatte der HSV bei mir ganz schlechte Karten. In der vorangegangenen Saison hatte ich als Steppke mit einem Freund meines Vaters gewettet, dass Herbstmeister Kaiserslautern auch Meister werden würde. Er hatte auf den HSV gesetzt und gewonnen. Seither ist mir der Zusammenhang von Fußball und Glücksspielen suspekt.
ab 1:18: Vater und Sohn Sammer auf der Bank.
Das Intermezzo von Berti Vogts’ Spezialistenteam, das seiner Zeit weit voraus war und in dem Vogts selbst die zunächst Littbarski zugedachte Rolle übernahm, lasse ich hier mal außen vor.
Interessantes -völlig aus dem Kontext gerissenes- Zitat: „Bayer Leverkusen war gedopt bis über beide Ohren.“