Posts Tagged ‘Georg Niedermeier’

Verbalbeurteilung

29. Mai 2009

Jens zeigte sich das ganze Jahr über sehr motiviert und engagiert. Seine Leistungen waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets gut, teilweise sehr gut. Aufgrund seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns genießt er in der Gemeinschaft hohes Ansehen, schießt aber auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Sein Wissen gibt er jederzeit gerne weiter, auch unaufgefordert. Mitunter sollte er mit dem Eigentum anderer (Turnbeutel!) sorgsamer umgehen.

Christian brauchte zunächst ein gewisse Zeit, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen. Dank seines großen Fleißes gelang es ihm insbesondere im zweiten Halbjahr, seine Leistungen zu stabilisieren und sich zudem voll in die Gruppe zu integrieren. Christian ist außergewöhnlich lernwillig, läuft jedoch gegenwärtig Gefahr, aufgrund äußerer Einflüsse den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Ricardo kam erfreulich gut über den Abschied von seinem besten Freund hinweg, der die Gruppe zum Halbjahr verließ. Er zeigte sich deutlich disziplinierter als in den Vorjahren und verdiente sich in verschiedenen Bereichen zumeist gute Noten. Konnte in den letzten Monaten krankheitsbedingt leider nur bedingt teilnehmen.

Khalid konnte in seinem ersten Jahr in Cannstatt seine Fähigkeiten nicht immer unter Beweis stellen. Er war des öfteren unkonzentriert und zeigte sich ob der Konsequenzen zunächst nicht sehr einsichtig. Im Lauf des zweiten Halbjahres integrierte er sich deutlich besser und übernahm gelegentlich Verantwortung in der Gruppe.

Serdar erwies sich zu jedem Zeitpunkt als zuverlässig und leistungswillig. Hinweise und Ratschläge setzte er positiv um, übernahm zunehmend Verantwortung in der Gruppe und erwarb sich ein entsprechendes Ansehen. Sein Auftreten war stets höflich und ordentlich, lediglich im Sport zeigte er sich dynamisch und aggressiv. Die altersbedingte Schwäche für Nebensächlichkeiten (Haarbänder) muss er in den Griff bekommen.

Matthieu war auch im abgelaufenen Jahr ein Fixpunkt in der Gruppe. Nicht zuletzt aufgrund seiner stets guten Leistungen hat sein (leises) Wort Gewicht, seine Freunde können sich an ihm orientieren und bei Bedarf anlehnen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er, insbesondere für seine französischen Leistungen, auch außerhalb der Gruppe eine etwas höhere Wertschätzung erführe.

Georg verpasste leider seit dem Winter wegen zweier Krankheitsphasen einige Wochen, holte aber das Verpasste jeweils in kürzester Zeit nach. Dabei deutete er seine Fähigkeiten nicht nur an, sondern erfüllte die Erwartungen auch in schwierigen Situationen über die Maßen. Für seine weitere Entwicklung wäre ein Verbleib über die angedachte zeitliche Begrenzung hinaus wünschenswert.

Ludovic neigte auch im vergangenen Jahr zu Leichtsinn und Sprunghaftigkeit, konnte jedoch gerade im zweiten Halbjahr endlich wieder an seine Leistungen aus dem vorvergangenen Jahr anknüpfen.  Sein Humor und seine positive Grundhaltung förderten die Gemeinschaft. Zwar litt gelegentlich die Konzentration ein wenig; insgesamt bewegte er sich gleichwohl im Rahmen der Erwartungen.

Arthur konnte seine Fähigkeiten in diesem Jahr nur selten unter Beweis stellen. Es liegt nun an ihm, mit überzeugenden Leistungen deutlich zu machen, dass er auch mittelfristig den Anforerungen gewachsen ist. Eine Veränderung bereits zum kommenden Jahr ist nicht zwingend erforderlich, könnte aber in seinem Sinne sein.

Roberto ist jederzeit ein Vorbild an Engagement und Begeisterung, was sich mitunter in einer gewissen Übermotivation niederschlägt. Seine häufigen Unkonzentriertheiten, die er dann mit großem Eifer auszubügeln versucht, beeinflussen nicht nur seine persönliche Beurteilung, sondern schaden auch der Ordnung und Organisation in der Gruppe. Die Identifikation mit der Gemeinschaft ist beispielhaft.

Elson hat seinen Rückstand aus der Vergangenheit mit beispielhaftem Fleiß aufgeholt – teilweise erzielte er gar überdurchschnittliche Resultate – und hat so den zwischenzeitlich drohenden Ausschluss abgewendet. Er sollte weiter hart an sich arbeiten, sein Leistungsniveau stabilisieren und standardmäßig aus punktuellen Erfolgserlebnissen Motivation ziehen.

Timo ist innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil der Gruppe geworden. Wenngleich es ihm gelegentlich an Zielstrebigkeit und Disziplin mangelt, erfüllt er doch zumeist die Anforderungen und zeigt sich dabei häufig sehr kreativ. Nicht immer kommt er seinen Aufgaben für das Funktionieren der Gemeinschaft in ausreichendem Maß nach. Dies sollte sich aber im kommenden Jahr beheben lassen.

Martin gelingt es nicht immer, sein Interesse an den ihm zugewiesenen Aufgaben zu vermitteln, selbst wenn er tatsächlich sehr konzentriert und zielstrebig bei der Sache ist. So zeigt er sich zwar bei der zentralen Kleingruppenarbeit stets zuverlässig und diszipliniert; in Randbereichen wirkt er indes gelegentlich träge. Insgesamt scheint sein Arbeitstempo verbesserungswürdig zu sein.

Thomas hat im vergangenen Jahr eine große Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. Zunächst haben seine Leistungen ein wenig darunter gelitten, ehe er unter neuen Lehrpersonal nochmals einen enormen Sprung nach vorne machte. Bei seinen seltenen Fehlzeiten tritt sein anhaltendes Bemühen um die nötige Ordnung besonders deutlich zutage. Sollte in stärkerem Maße versuchen, „den Ball flach zu halten“.

Sami ist zwar einer der Jüngsten, zählt aber in vielen Situationen zu denjenigen, die die Richtung vorgeben. Er übernimmt Verantwortung, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen, und erfüllte bereits seit Mitte des ersten Halbjahres die gestellten Anforderungen in besonderem Maße. Er ist fleißig, fokussiert, ehrgeizig, hat seine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und lässt sich auch von Haarbändern nicht ablenken.

Yildiray konnte in diesem Jahr, auch aufgrund zahlreicher Fehlzeiten, nicht die geforderten Leistungsnachweise erbringen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Pavel konnte das aus den Vorjahren gewohnte Leistungsniveau nicht ganz halten und entschloss sich bereits zum Halbjahr, die Gruppe zu verlassen. Bis dahin, und auch darüber hinaus, genoss er ein in jeder Hinsicht hohes Ansehen.

Jan zeigte sich insgesamt nicht konstant genug. Immer wieder deutete er seine Fähigkeiten an, hatte aber auch einige Besorgnis erregende Ausreißer nach unten. Im kommenden Jahr liegt es an ihm, seine künftigen Perspektiven aufzuzeigen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Mario erreichte das ganze Jahr über ein beständig hohes Leistungsniveau und übernahm in zunehmendem Maß Verwantwortung für die Gemeinschaft. Im ersten Halbjahr schien er sich in Gruppenarbeiten nicht auf seine Freunde verlassen zu wollen und wirkte bisweilen übermotiviert. Insgesamt trug er maßgeblich zur Leisterungssteigerung der gesamten Gruppe bei. Sein umzugsbedingter Weggang ist bedauerlich.

Claudemir hat sich nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr deutlich gesteigert und in den letzten Monaten hervorragende Leistungen erbracht, die über die Gruppe hinaus Anklang fanden. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in den Fächern Religion und Gemeinschaftskunde. Die gezielte Förderung seines Sozialverhaltens durch das neue Lehrpersonal trug ebenfalls Früchte.

Ciprians Leistungen der letzten Monate waren sehr unbeständig. Häufig widerlegte er daher die aufgrund aktueller Entwicklungen gehegten Erwartungen – im Guten wie im Schlechten. Positiv ist sein im Vergleich zum Vorjahr gestiegenes Engagement zu sehen, wobei auch hier zuletzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Seine weitere Entwicklung ist nur bedingt vorhersehbar. Ein Gespräch ist erwünscht. Gesprächssprache: deutsch.

Julian zeigte, aus einer tieferen Klasse kommend, dass er den Anforderungen gewachsen ist und wurde dementsprechend in die Gruppe integriert. Bisweilen noch ein wenig schüchtern, deutete er seine Fähigkeiten an. Wenn er so weiter macht, wird der Abschluss auch in der höheren Klasse kein Problem darstellen.

Markus hat in besonderem Maß vom Wechsel des Lehrpersonals profitiert. Seither übernimmt er Verantwortung, wirkt motivierend und geht stets mit gutem Beispiel voran. Er weiß sein Leistungsvermögen einzuschätzen und gleicht etwaige Defizite mit zusätzlichem Unterricht aus. Übermäßige Belastungen durch den Zusatzunterricht sind zu vermeiden.

Armin konnte seine Fähigkeiten im ersten Halbjahr nicht mehr im gewohnten Maß einbringen. Aufgrund ausbleibender Leistungsnachweise war sein Ausscheiden unvermeidlich.

Nicht so schlecht.

10. Mai 2009

„Nicht schlecht“ gilt gemeinhin als das höchste Lob, das man in Schwaben zu vergeben hat. Nun will ich nicht so weit gehen, hinsichtlich des gestrigen Sieges gegen Wolfsburg gleich derart überschwänglich zu werden, aber ganz schlecht waren sie wirklich nicht.

Während sich also die VfB-Spieler von ihren Fans feiern ließen und gar zu einer Ehrenrunde aufbrachen, war der Wolfsburger Feldwebel Co-Trainer Bernd Hollerbach [Nachtrag: Irgendwo habe ich gelesen, es sei Konditionstrainer Werner Leuthard gelesen. Kann ich nicht ausschließen.], der seine Spieler zu diesem Zeitpunkt bei Gymnastikübungen im Mittelkreis instruierte, offensichtlich ganz in seinem Element. Ob diese Einheit nach dem Spiel zum Wolfsburger Standardprogramm zählt, weiß ich nicht (zu seinen Stuttgarter Zeiten praktizierte Magath sie noch nicht); sollte der Trainer jedoch das Ziel verfolgt haben, seine Spieler zu demütigen, ist ihm das vorzüglich gelungen. Die Stuttgarter Fans griffen diese Vorlage auch gerne auf und stimmten begleitend nochmals das bereits während des Spiels erprobte Eurem Trainer seid Ihr scheißegal!“ an. Was ich, zugegeben, nicht so schlecht fand.

Sehr reizvoll auch der Gedanke, der gestern abend in bier- und bionadeseliger Laune noch die Runde machte: dass der Kreis sich schließen könnte. Nachdem nämlich das gestrige Minimalziel, ein für die laufende Saison ausgeglichenes Torverhältnis gegen Wolfsburg, erreicht war, erinnerte sich manch einer daran, dass nach dem 1:4 in der Hinrunde Armin Veh entlassen wurde. Vielleicht würde man in Wolfsburg ja doch noch zu dem Schluss kommen, sich drei Spieltage vor dem Saisonende von Felix „Bobo“ Magath zu trennen – und von manchem Dach war ja gepfiffen worden, dass auch Veh in der Verlosung sei…

Aber eigentlich wollte ich ja ein paar Sätze zu einem begeisternden Fußballspiel schreiben, das der VfB mit 4:1 gewann. Es ehrt Mario Gomez, dass er sich bereits unmittelbar nach dem Spiel gegen die auf ihn zugeschnittenen Lobeshymnen zur Wehr zu setzen versuchte und die Leistungen seiner Mitspieler hervorhob; gleichzeitig fällt es mir schwer, dem Sportmedienblog zu widersprechen:

Der Grund, warum der VfB Stuttgart dort oben steht, ist Mario Gomez. Auch wenn er sich in den gestrigen Interviews bemühte, seine Mitspieler zu loben. Aber ein solcher Topstürmer macht den Unterschied zwischen oben mitspielen und Spitzenmannschaft.

Dennoch: der gestrige Sieg ist eben nicht nur Gomez zu verdanken, sondern überragenden Leistungen einer ganzen Reihe von Spielern. In der Spielvorschau bei bundesliga.de war ein Vergleich aller Mannschaftsteile erstellt worden[1], der bis auf die Torhüterposition klare Vorteile für die Niedersachsen ergeben hatte, die sich jedoch im gestrigen Spiel nicht so recht widergespiegelt haben.

In der Abwehr ließen Boulahrouz und Niedermeier dem gefürchteten Wolfsburger Sturmduo wenig Gelegenheit, seine Klasse auszuspielen. Der Niederländer zeigte sich 90 Minuten lang so konzentriert, wie ich ihn in seiner Stuttgarter Zeit noch gar nicht gesehen habe, und Niedermeier knüpfte ungeachtet anfänglicher Unsicherheiten und kleinerer Fouls sowie der übermotivierten Aktion gegen Riether an die Form an, die ihn vor seiner Verletzung in die Mannschaft gebracht hatte.

Im Mittelfeld war es insbesondere Thomas Hitzlsperger, der zumindest meine Erwartungen weit übertraf, der das Tempo gekonnt variierte, der in die Spitze ging, dort sogar Laufduelle suchte und gewann, und bei dem ich nicht umhin komme, ihn für einen der hier so häufig kritisierten Chips zu loben: vermutlich hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, Cacau vor dem 2:0 derart kunstvoll und gleichzeitig effektiv in Szene zu setzen.

Überhaupt Cacau: er hat noch immer die Situationen, in denen er zu eigensinnig den Abschluss sucht, anstatt den besser postierten Mitspieler anzuspielen, wie gestern kurz vor Schluss Roberto Hilbert. Aber ich habe, gerade bei so einem Spielstand, Verständnis dafür, dass er nach einer hervorragenden Leistung, von der insbesondere Mario Gomez ganz außerordentlich profitiert, eine gewise Sehnsucht nach einem eigenen Treffer verspürt. Letztlich sind Tore seine Währung, und auch Gomez’ Hinweis im Interview interessiert den Bundestrainer die Öffentlichkeit maximal noch ein paar Tage, danach geht es um die nackten Zahlen. Die stimmen bei Gomez übrigens. Der war gestern nicht schlecht.

Was gestern noch gut nicht schlecht war:

  • Ich hab den Kollegen von der Hirngabel erstmals persönlich getroffen. Leider nur kurz.
  • Keine gelbe Karte für die einschlägig bekannten Kandidaten.
  • Jens Lehmann vertrieb die Medienmenschen, die sich nach Spielschluss zwischen Mannschaft und Fans drängen wollten, mit ein paar Spritzern aus seiner Trinkflasche.
  • Das Wetter.
  • Horst Heldt hat seinen Verbleib bekräftigt (nach meiner Interpretation).

Was schlecht war:

  • Die anderen haben auch gewonnen.
  • Markus Babbel hat die Chance verpasst, kurz vor Schluss den Torwart zu wechseln.

1.Ist es eigentlich üblich, dass dort derlei Wertungen erfolgen?

Gelbe Stutzen.

8. März 2009

Das Verhältnis zwischen Fußballfans und der Polizei ist bekanntlich nicht immer frei von Irritationen. Die einen bezichtigen die anderen der Brutalität, die anderen die einen der Provokation – wer die einen und wer die anderen sind, ist dabei nicht eindeutig festgelegt. Dabei handelt es sich um ein sehr komplexes Thema, in dessen zahlreiche Aspekte ich viel zu wenig Einblick habe, um mich fundiert äußern zu können.

Gestern allerdings war die Provokation zu offensichtlich, um sie unkommentiert zu lassen: die berittene Stuttgarter Polizei hatte gelbe Stutzen angezogen. Am Tag des Dortmund-Spiels.

gelbestutzen1

Symbolbild: hue-hott.de

Glücklicherweise nutzte den Gästen auch diese ungewöhnliche Unterstützung nicht viel, und die VfB-Anhänger sahen angesichts des 2:1-Sieges keinen Anlass, auf die Provokation einzugehen.

Etwas ernsthafter zum Spiel: der VfB hat gegen den BVB verdient gewonnen, hat zumindest mich aber unnötig viele Nerven gekostet. In der ersten Hälfte waren die Stuttgarter zwar die klar bessere und auch torgefährlichere Mannschaft; gleichwohl muss man wohl von einer glücklichen Fügung sprechen, dass immer dann, wenn die Dortmunder hätten gefährlich werden können, der Ball bei Florian Kringe war. Egal ob er per Kopf oder Fuß den Abschluss suchte, oder ob er zum vermeintlich letzten Pass ansetzte: das Ergebnis war stets eher kläglich, sodass die Freiheiten, die die Stuttgarter Abwehr den Gästen gestattete, nicht ins Gewicht fielen.

Der VfB hatte seinerseits ein paar klare Gelegenheiten (Hitzlsperger!), traf aber auch nur einmal. Elsons zweiter Treffer innerhab einer Woche war der Höhepunkt einer ungewöhnlichen Häufung guter Standards. Vielleicht liegt es doch daran, dass der Ausführende mittlerweile wieder gelegentlich vor der Ausführung die Hand hebt, wie weiland Hleb und Heldt.

Die Dortmunder Angriffsbemühungen der zweiten Hälfte waren zwar nur bedingt geeignet, den gemeinen VfB-Anhänger in allzu große Sorge zu versetzen; angesichts der zahlreichen Gegentore, die in den vergangenen Wochen und Monaten aus nichts entstanden waren, taugte der Verlauf indes auch nicht zur Beruhigung. Zurecht: natürlich fiel der Gegentreffer, natürlich war es wieder einmal Hajnal, der gegen den VfB entscheidenden Anteil an einem Treffer hatte, und leider sah der starke Georg Niedermeier dabei nicht ganz glücklich aus.

Nun könnte man relativ leicht sagen, dass dann halt wieder der Herr Gomez den Unterschied gemacht hat. Stimmt natürlich auch. Gleichwohl: das 2:1 war ein perfekt vorgetragener Angriff – möglicherweise der beste der gesamten Saison -, an dem im Übrigen auch die von den Fans erneut sehr kritisch beurteilten Simak und Hilbert beteiligt waren. Dass Gomez ihn letztlich perfekt vollendet hat, steht außer Frage.

Bitter dann der Rest der Partie: ein gutes halbes Dutzend bester Kontergelegenheiten vergaben die Stuttgarter teilweise so kläglich, dass sie nicht einmal zum Abschluss kamen, sondern jeweils den Dortmundern die Gelegenheit zum Gegenangriff eröffneten. Paradebeispiel auch hier wieder Roberto Hilbert, der unglaubliche Bälle erlief und unermüdlich in die Nähe des Dortmunder Tores schleppte, um dann aber nicht die Konzentration für ein sauberes Abspiel aufzubringen. Er war jedoch bei weitem nicht der einzige: Hitzlsperger, Osorio, Cacau, um nur einige zu nennen, spielten ähnliche Fehlpässe, auch Gomez, der zudem in der einen oder anderen Situation rascher hätte abschließen müssen.

Wie auch immer: es reichte. Auch dank einer kompromisslosen Defensivleistung, in der für mich der souveräne Tasci und der hochmotivierte Träsch herausragten. Thomas Hitzlsperger machte zudem den Eindruck, sich einen Kommentar von Tobi K. zu Herzen genommen zu haben: von Beginn an bewarb er sich um eine gelbe Karte, und relativ rasch konnte er Vollzug melden. Zwar bin ich gewiss kein Verfechter rohen Spiels; der VfB, und nicht zuletzt sein Kapitän, machte aber gegen Dortmund deutlich, dass er das Spiel gewinnen wollte.

Was er dann ja auch tat. Und damit eine Tabellensituation ermöglichte, die viele Spekulationen zulässt, aus denen ich mich heute raushalte.

Abbitte.

2. März 2009

[Schon wieder eine Überschrift stibitzt, diesmal von Ian McEwan. ]

Ja, ich habe Elson Unrecht getan. Er legt weitaus mehr Durchsetzungsvermögen an den Tag, und auch ein höheres Tempo, als ich ihm zugetraut hatte. Dass seine ruhenden Bälle besser sind, als man das in Stuttgart in den letzten Jahren gewohnt war, steht ohnehin außer Frage (ist aber auch keine Kunst…). Und nun tritt er auch noch als Torschütze in Erscheinung – Chapeau.

Ansonsten wenig Neues beim Baden-Württemberg Derby. Wenn ich mich selbst nach dem Hinspiel zitieren darf:

Der erwartete Sieg.

Eigentlich hat sich gestern nichts Besonderes ereignet. Der VfB Stuttgart schlug den Karlsruher SC. Wie so oft.

Naja, letztlich stimmt „wenig Neues“ nur mit Blick auf das Ergebnis und die obligatorischen Ausschreitungen. Ansonsten gab’s beim VfB schon ein paar Veränderungen: Niedermeier gab sein (vielversprechendes) Debüt, Kapitän Hitzlsperger saß auf der Bank, ebenso Hilbert, Cacau, Simak und Träsch, die alle am Donnerstag in der Startaufstellung gestanden hatten.

Das Spiel selbst verlief dann aber unspektakulär. Der KSC war in der ersten halben Stunde klar spielbestimmend, entwickelte aber keinerlei Torgefahr. Anders der VfB: als man endlich aufgewacht war, trafen Marica und Lanig (im Gespann mit Eichner, damit keiner sagt, die folgende Ecke sei unberechtigt gewesen) Aluminium.

Die Karlsruher verstanden das Signal: „Wir haben jetzt genug Zeit gehabt, uns auszutoben. Gefährlich wurden wir erwartungsgemäß nicht. Jetzt sind die anderen dran. Und wahrscheinlich wird der Gegner auch irgendwann treffen. Wie jedes Wochenende halt. Schade.“ Und damit war das Spiel im Grunde gelaufen. Elson traf nach der Pause, der KSC mühte sich ähnlich zwingend wie die Stuttgarter gegen Zenit, und kurz vor Schluss strafte mich auch noch Khedira Lügen, dessen einziges Manko ich immer in der mangelnden Dynamik gesehen hatte.

Einen ausführlicheren Blick gibt’s bei der Hirngabel, wo zudem die aktuelle Tabellensituation beleuchtet wird, die sich insofern nur bedingt verbessert hat, als man zwar Punkte auf die internationalen Ränge gutgemacht hat; unterdessen kristallisiert sich mit Wolfsburg jedoch eine weitere Mannschaft heraus, die der VfB eher nicht in Schach halten wird. Folglich muss man sich wohl auf die zweifelhafte Hoffnung verlassen, dass sich die Bayernkrise bis zum Saisonende fortsetzt, oder dass Hertha doch noch einen Totaleinbruch erleidet – den ich beim HSV nicht erwarte.

Gleichzeitig muss man selbst seine Hausaufgaben machen und Leverkusen, die konsolidierten Schalker, den kommenden Gegner Dortmund und vielleicht auch noch Werder hinter sich lassen. Klingt nach einer schönen Herausforderung.