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Betriebswirtschaftliche Anreizproblematik

22. Januar 2014

Man möge sich, so man möchte, vielleicht einmal vorstellen, dass es am letzten Spieltag der laufenden Bundesliga-Spielzeit noch um etwas geht, und zwar für Eintracht Frankfurt und den FC Augsburg, die an diesem 10. Mai aufeinandertreffen, in Augsburg. Um uns nicht mit allzu großen Umwälzungen in der Tabelle belasten zu müssen, gehen wir davon aus, dass Augsburg noch auf den Einzug in den Uefa-Cup, oder was aus ihm geworden ist, hoffen kann, während Frankfurt noch Punkte braucht, um den Abstieg auszuschließen. Stellen wir uns weiter vor, dass es auch für den VfB Stuttgart noch um etwas geht, sei es das eine oder das andere.

Und dann ruft Europameister Fredi Bobic Welt- und Europameister Stefan Reuter an, um ihm eine Prämie anzubieten, wenn der FCA in besagtem letztem Spiel einen bestimmten Spieler einsetzt. Ob der Spieler einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Abwegig, nicht wahr? Der Aufschrei wäre groß. Der Fußball ist sensibilisiert für solche Themen, zu Recht natürlich. Ob es so weit gehen muss, dass – wie im vergangenen Herbst in Sachsen-Anhalt geschehen – ein Landesligaschiedsrichter suspendiert wird, weil er an einem nicht mit monetären Anreizen versehenen Tippspiel teilnimmt, in dem auch eigene Spiele vorkommen, ist einerseits diskutabel. Andererseits war es eben ein sehr unbedachtes Verhalten des jungen Mannes, und in manchen Bereichen kann es vielleicht nicht schaden, den Anfängen zu wehren.

Ich selbst tue mich ein bisschen schwer damit, dass die Verbände auch versprochene Siegprämien von Seiten Dritter unter Manipulation subsumieren und sanktionieren. Wohlgemerkt: bei Prämien für Niederlagen zögerte ich nicht. Aber auch hier: die Anfänge. Und der Einfluss von außen. Überhaupt, von außen: 50+1, Sie wissen schon. Dritteigentümerschaften an Spieler-Transferrechten. Manches mehr. Der Fußball schützt sich gegen die Einflussnahme Dritter, oder will seine Vereine schützen. Großes Fass, dickes Brett. Plötzlich sind wir bei der FIFA, auch bei der Frage, wem der Fußball gehöre, bei Verbänden und Hartplatzhelden – man könnte in viele Richtungen abzweigen.

Ein anderes Mal, vielleicht. Ich beschäftige mich lieber kurz mit Podcasts. Kommt jetzt eventuell etwas abrupt, ist aber so.

Dass ich recht spät einen Zugang zu Podcasts gefunden habe, äußerte ich hier bereits, und die geneigte Leserin kann das entweder technisch verstehen oder auf meine Präferenzen beziehen, oder auch auf eine Mischung aus beidem – recht hat sie auf jeden Fall. Oder er.

So mag es nicht überraschen, dass die Zahl der von mir gehörten Podcasts nach wie vor überschaubar ist. Wirklich regelmäßig höre ich nur Collinas Erben, wie verschiedentlich ausführlich dargelegt, etwas weniger regelmäßig ein paar vereinsbezogene Angebote, uneingeschränkt regelmäßig die nicht explizit fußballbezogenen Spezialexpertengespräche bei “Was wichtig ist” (Kunststück, bei bisher genau zwei Ausgaben) und – ebenso regelmäßig, aber deutlich häufiger, der Erscheinungsfrequenz geschuldet – “Football Weekly” des Guardian.

Schon klar, dass ich hinsichtlich Football Weekly keine Eulen in die werte Athener Leserschaft zu tragen brauche, und vielleicht sollte ich auch nicht weiter darauf eingehen, dass ich Barry Glendenning bei meinen ersten Hörversuchen für einen mittelwitzigen älteren Herrn mit Säuferstimme hielt, dessen Mitwirkungsberechtigung irgendwelche Senioritätsgründe haben musste. Immerhin: die Dinge ändern sich.

Mittlerweile bin ich stets ein bisschen enttäuscht, wenn er nicht dabei ist – auch seinem Humor geschuldet, ja, aber eben auch seinem Wissen, seiner Kompetenz, seinen Nachfragen. Ähnliches könnte man wohl über die meisten anderen Mitwirkenden sagen, aber aus irgendeinem Grund gelten meine Sympathien in besonderem Maße ihm, und so achte ich bei den Premier-League-Ergebnissen inzwischen stets auf Sunderland. So kann’s gehen.

Irgendwann im November sprach man bei Football Weekly über Gerard Deulofeu, bzw. konkret über die Modalitäten des Leihgeschäfts zwischen dem FC Barcelona und dem Everton FC, die dem Vernehmen nach vorsehen, dass sich die Leihgebühr, crikey!, mit jedem Spiel reduziere, das Deulofeu für Everton bestreite. Vielleicht hänge es auch noch davon ab, wie lang der jeweilige Einsatz dauere bzw. ob der Spieler in der Startelf stehe, so genau erinnere ich mich nicht.

Mich irritierte diese Regelung ein bisschen und ich frug bei Twitter herum, ob derlei üblich sei, auch in Deutschland, und las aus den Antworten heraus, dass ich offensichtlich nicht besonders gut informiert war. Zwar bezog sich nach meiner Erinnerung niemand auf offizielle Aussagen; gleichwohl legen die teils überzeugten, teils nur ahnenden Antworten sowie die Anzahl sofort präsenter Beispielfälle nahe, dass etwas dran ist.

Zu den Genannten zählten unter anderen die Herren Didavi, Füllkrug, Schieber und Alaba, im Web fanden sich ad hoc auch de Bruyne und Nordtveit sowie einige mehr. Der Austausch driftete dann, nicht ganz überraschend, zu den Rückkaufoptionen ab, die sozusagen das neue Leihen sind, mich aber im aktuellen Kontext nicht so sehr interessierten.

Kontext? Welcher Kontext? Nun, vielleicht kehre ich doch noch einmal nach Augsburg zurück. Wo Raphael Holzhauser vom VfB auf Leihbasis spielt, und wo man sich erzählt, die Leihgebühr verringere sich mit jedem Einsatz, wo also der FCA faktisch Geld sparen, oder anders: eine Prämie erhalten würde, setzte er Holzhauser gegen Frankfurt ein. Ob er einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Möglicherweise stimmt diese Prämisse gar nicht, möglicherweise enthält Holzhausers Leihvertrag keine solche Klausel, möglicherweise mangelt es also meinem mehr oder weniger kunstvoll aufgebauten Spannungsbogen nicht nur an Spannung, sondern ist er noch nicht mal ein Bogen, der wieder zur Sehne zurückfindet, und möglicherweise verirre ich mich auch furchtbar in meinen Bildern.

Was indes kaum bestritten werden dürfte: im Fußball werden Leihverträge geschlossen, die die genannten Verabredungen in der einen oder anderen Form enthalten. Ob dies auch bei Leihen innerhalb einer Liga Usus ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen; es gibt entsprechende Meldungen, die aber auch nur Gerüchte sein mögen.

Bei mir bleibt auf jeden Fall ein nicht näher bestimmtes ungutes Gefühl hängen, ein Jucken, eine Irritation, wenn auch in etwas seriöserer Form, als mein Tweet von vor einigen Wochen, und dort insbesondere, aber nicht nur, der zweite Satz, nahelegt:

Natürlich gehe ich davon aus, dass Markus Weinzierl, so die Klausel bestünde, seine Aufstellung weder im letzten noch in irgendeinem anderen Saisonspiel davon abhängig machen würde, ob er dem Verein damit 10.000 Euro oder welchen Betrag auch immer einsparen könnte, dass er sich also nicht von seinem Controller die Aufstellung diktieren lassen würde.

Es ist nur so, dass die Möglichkeit solcher Rabatte nicht so recht in das Bild passt, das die Fußballfamilie mir spätestens seit 2009 vermittelt, vermitteln will – und an dem ich mit Blick auf Manipulationsthemen auch der Tendenz nach nichts auszusetzen habe. Unabhängig davon, dass ich das Ausloben einer Siegprämie durch Dritte per se nicht für geeignet halte, die Integrität des sportlichen Wettbewerbs zu unterlaufen.

Bei Alex Hleb war die Korrelation übrigens eine andere: Wolfsburgs Leihgebühr an Barcelona soll pro Einsatz fällig geworden sein, in nicht unerheblicher Höhe. Die betriebswirtschaftliche Anreizproblematik bleibt dabei allerdings bestehen, unabhängig vom Vorzeichen der Einsatzprämie. So weit die Theorie.

Die Empörung ist dahin

8. Januar 2013

Ende der 90er Jahre empörte mich der FC Bayern München ein wenig. Indem er sich weigerte, Thomas Helmer einen neuen Vertrag zu geben. Jenem Thomas Helmer, dessen verbundene Knie wir noch alles aus Wembley in Erinnerung hatten (was dem FC Bayern egal sein konnte, mir persönlich aber sehr präsent war) und der in den Jahren zuvor ein Garant des Münchner Erfolgs gewesen war, eine verlässliche Führungsfigur. Meine romantische Ader war damals noch recht ausgeprägt.

In den Trennungswochen bis zum Saisonende und in die Sommerpause hinein musste ich bereits dem einen oder anderen Kommentator zustimmen, der den Münchner Verantwortlichen Respekt zollte für ihre Entscheidung, die Leistungen der Vergangenheit außen vor zu lassen, als es darum ging, die aktuelle Leistungsfähigkeit und die kurz- bis mittelfristigen Perspektiven zu bewerten. Vermutlich hatten sie recht: es reichte einfach nicht mehr für ganz oben. Und da wollten sie hin.

Im Lauf der Jahre bin ich abgeklärter geworden. Sah ein, dass manchmal jemand nicht mehr gut genug ist, man aber nicht von den Spielern erwarten kann, ihre Karriere zu beenden – wäre ja noch schöner! Konnte damit umgehen, dass Real Raúl auf seine alten Tage ein wenig umhertingeln ließ. Zuckte kurz, wenn auch ein wenig bedauernd, mit den Schultern, als Dedês Dienste nicht mehr so recht erwünscht waren. Verdrückte bei Pardos Abschied die eine oder andere Träne – nicht ohne gleichzeitig dem neuen starken Mann, Khedira, zu huldigen.

Und hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn der VfB dem Helden der Fastabstiegssaison einen schnöden und wenig heroischen Wechsel nahegelegt hätte. Ein Problem habe ich eher jetzt. Dabei mag ich Tamas Hajnal. Sehr sogar. Ich schätze ihn als Typen, nehme ihn als freundlich, sympathisch, engagiert und außerordentlich professionell wahr. Wage zu behaupten, dass der VfB vor zwei Jahren ohne ihn abgestiegen wäre. Unabhängig von Bruno Labbadia. Im Spiel ist auch heute noch zu sehen, dass er immer vorangehen will. Als erster den Sprint anzieht, wenn es darum geht, vorne den Ball zu erobern. Die Bälle fordert, den entscheidenden Pass spielen will. Sich für ein Foul nicht zu schade ist.

Und doch: es reicht nicht. Vielleicht ist er nicht schnell genug, vielleicht hat sich sein Spiel überlebt, vielleicht war er auch nie ein Mann für ganz oben. Oder nur 2009, als er in Dortmund in tragender Rolle Platz 6 erreichte. 2009/10 waren seine Einsatzzeiten schon deutlich geringer, und ansonsten hatte er insbesondere dann überdurchschnittliche Werte erzielt, wenn seine Mannschaft in der zweiten Liga spielte (Kaiserslautern) oder in der Bundesliga unter ferner liefen rangierte (Karlsruhe 2008, Stuttgart 2011).

Im Vorjahr bereitete er, das soll nicht unter den Tisch fallen, beachtliche 10 Treffer vor, und wenn wir ehrlich sind, fragen wir, die wir die meisten Spiele sahen, uns noch heute, wie das passieren konnte. Hatte er sich doch vor allem dadurch ausgezeichnet, dass er das Spiel langsam machte. Doch sei’s drum: ich will auch die letzte Saison noch unter “gelungen” ablegen. Bei einer Mannschaft, die immerhin – und wenn wir ehrlich sind, fragen wir, die wir die meisten Spiele sahen, uns noch heute, wie das passieren konnte – einen Europapokalplatz errang.

Dieses Jahr war’s noch nichts mit Scorerpunkten. Und keiner fragt sich, wie das passieren konnte. Es erscheint vielmehr als logisches Resultat dessen, was er auf dem Platz bringt. Ungeachtet des Umstands, dass er immer vorangehen will. Als erster den Sprint anzieht, wenn es darum geht, vorne den Ball zu erobern. Die Bälle fordert, den entscheidenden Ball spielen will. Sich für ein Foul nicht zu schade ist. Ohne Effektivität, ohne den einen oder anderen Moment, der nicht einmal genial sein, aber doch zumindest inspiriert wirken muss, ist das nichts.

Tamas Hajnal ist in meinen Augen ein Spieler, der dann ein bisschen besonders sein kann, wenn er Torgefahr kreiert. Für sich selbst oder, ungleich öfter, für andere. Als soliden Mittelfeldarbeiter braucht man ihn nicht zu beschäftigen. Da gibt es andere, bessere, effektivere. Und bestimmt auch jüngere, um kurz den in diesen Zeiten verdammt schlecht ausgeschilderten Stuttgarter Weg zu bemühen. In der laufenden Saison kann ich mich an keinen Torschuss von Hajnal erinnern, bundesliga.de hat deren 4 gezählt. (So viele hat selbst Kvist.)

Natürlich kann ich mir dennoch Argumente vorstellen, ihn im Kader zu behalten. Er ist professionell, pflegeleicht, verlässlich, kann dem einen oder anderen jungen Spieler möglicherweise als Mentor dienen. Man erinnert sich hierzustadte gerne an Markus Babbel (zumindest in diesem Kontext), der in der Meistersaison auf gerade mal zwei Einsätze kam, nachdem er einige Monate zuvor noch vorsichtig  in den Dunstkreis der Nationalmannschaft geredet worden war (ich bin mir sicher: Xavier Naidoo hätte ein Sprüchlein für ihn gefunden): Serdar Tasci war ihm schlichtweg einteilt, und zwar auch dank Babbels Anleitung. Bliebe die Frage, ob Hajnal dazu bereit und in der Lage wäre. Ersteres würde ich, rein aus dem Bauch heraus, klar bejahen, zweiteres mit einem Fragezeichen versehen.

Ich zögere schlichtweg, den zweifellos soliden Bundesligaprofi Hajnal mit Markus Babbel auf eine Stufe zu stellen, der mit reichlich Erfahrung auf höchstem Niveau gesegnet war. Ob Raphael Holzhauser und Daniel Didavi – inwieweit sie als Paradebeispiele für demütige, lernwillige Jungprofis gelten dürfen, sei dahingestellt – von Hajnal in diesem Maße profitieren könnten, kann ich letztlich natürlich nicht seriös beurteilen, ganz im Gegensatz zu den Herren Labbadia und Bobic. Aber ich erlaube mir, es zu bezweifeln. Und gegebenenfalls auf Christian Gentner als Vorturner und Ratgeber zu verweisen.

Letztlich zerbreche ich mir den Kopf ohnehin völlig umsonst. Zum einen ist das Thema durch, der Vertrag verlängert. Zum anderen bezweifle ich, dass die Motivation der erfolgten Vertragsverlängerung die eben angerissene war. Vielmehr gehe ich davon aus, dass Hajnal noch immer als ernsthafte Alternative gilt. Als potenzielles Kreativzentrum quasi. In einem Verein, der unter ferner liefen rangieren will.

Was mich nicht einmal mehr empört.

zehn

10. Dezember 2012

(Gelegentlich packt mich, ganz im Vertraun,
ob meiner Synapsen das kalte Graun.
Hör “Didavi” und schon
trägt “linker Fuß” mich davon
und landet dann, sorry, bei Christy Brown.)

Ein Jungspund aus Nürnberg (verliehn)
ward’ einstmals der Trägheit geziehn.
Er wehrt sich dagegen.
Soll er uns widerlegen!
Dann werd’ ich ihm huldgen, auf Knien.

_______

Weitere Adventsfünfzeiler gibt’s im Kalender.

Ein stolzes eins zu acht zur Pause

27. März 2012

Irgendwann war ich mal ein ganz passabler Fußballspieler. Nicht der Allerschnellste, aber läuferisch auf der Höhe, nicht übertrieben torgefährlich, aber mit einem ordentlichen Auge für den Mitspieler, nicht sonderlich zweikampfstark, aber taktisch ganz gut geschult, kein Dribbelkönig, aber mit dem Ball am Fuß doch ganz behänd.

Allerdings besteht ja manchmal die Schwierigkeit, den Ball erst einmal an den Fuß zu bekommen. Durch einen gewonnen Zweikampf (gelegentlich), geschicktes Stellungsspiel (schon eher), oder eben auf Zuspiel eines Mitspielers (relativ häufig, positionsbedingt).

Nun sind diese Zuspiele der Mitspieler ja häufig von unterschiedlicher Qualität. Der eine spielt stets wunderbar in den Fuß, der andere bewusst oder unbewusst immer in den nicht zwingend dorthin geplanten Lauf, und noch ein anderer spielt einen grundsätzlich irgendwo zwischen Hüft- und Brusthöhe und ein bis zwei Meter seitlich versetzt an, gerne scharf.

Wer dann, wie ich, kein Bewegungstalent vor dem Herrn ist und nicht recht weiß, wie er den Ball am besten verletzungs- und flipperfrei verarbeiten soll, kommt möglicherweise im Lauf der Zeit auf den Gedanken, solche Zuspiele konsequent direkt weiterzuleiten, anstatt sich an einer nicht ganz trivialen Ballannahme zu versuchen. Das Blamagerisiko ist wesentlich geringer (schließlich kann sowas schon mal daneben gehen, Hochgeschwindigkeitsfußball und so), und mit etwas Glück kann man sich einen Ruf als vorausschauender One-Touch-Footballer erarbeiten, weil die Abwehrspieler in den unteren Ligen ja tatsächlich nur bedingt damit rechnen.

Manchmal glaube ich, dass sich Martin Harnik meine Strategie abgeschaut hat. Häufig finde ich es auch richtig gut, dass er den halbhohen Ball direkt weiterleitet, gerne in den Lauf eines Mitspielers (oder auch seinen eigenen, wenn niemand ihn will oder Ibisevic drüberspringt). Manchmal würde ich mir indes wünschen, er nähme ihn einfach an, beruhige den in hoffnungsloser Unterzahl angegangenen Angriff und ermögliche einen geordneten Neuaufbau, gerade in Phasen, wie sie gegen Nürnberg mindestens 45 Minuten lang andauerte, in denen es nicht gelingt, das hohe Tempo des Gegners ein wenig herauszunehmen. (Und nein, ich spreche nicht davon, vom gegnerischen Strafraum aus über William Kvist den eigenen Torhüter mit ins Spiel einzubeziehen.) Aber wie gesagt: Ballkontrolle und Blamagerisiko liegen mitunter nahe beieinander.

Wäre es jetzt billig, darauf hinzuweisen, dass auch das Blamagerisiko eines Trainers recht hoch ist, der nach einer furchtbar schlechten Partie gegen einen an der Grenze zum Abstiegskampf wandelnden Gegner davon spricht, wie stolz er auf den Auftritt seiner Mannschaft sei? Einer Mannschaft, die mit 1:8 Ecken in die Pause ging, die nach 3 Minuten zwei Großchancen nur mit viel Glück überstanden hatte, die diesem – zweifellos engagierten und auch gut spielenden – Gegner in fast (Sie wissen schon … das Toreschießen) allen Belangen unterlegen war, ohne den Anschein zu erwecken, sich dessen bewusst zu sein und es ändern zu wollen.

Warum muss diese Mannschaft bis zur 46. Minute warten, ehe der Trainer  die überfällige Änderung im Sturm vornimmt, bis zur 60. Minute, ehe er nominell etwas ändert, um die Offensive ein wenig zu stärken, und warum wartet sie noch immer auf die Auswechslung des völlig indisponierten Arthur Boka, der nicht nur gegen Timothy Chandler (zumindest weiß ich nun aus eigener Anschauung, weshalb der VfB sein Interesse an ihm bekundet hat) konsequent den kürzeren zog, sondern sich durch absurde Dribblings wiederholt selbst in Situationen brachte, in denen er seine Überforderung zur Schau stellen konnte.

Natürlich war die zweite Halbzeit besser, natürlich fand man zu einer gewissen Ordnung, zumal der Gast sein hohen Tempo unmöglich aufrecht erhalten konnte, und natürlich war das 1:0 ein wahrhaft schön herausgespielter Treffer. Ganz zu schweigen davon, dass Sven Ulreich eine Ecke an der Grenze des Fünfmeterraums herunterpflückte und dass 14 Ecken noch vor wenigen Wochen annähernd so viele Gegentore bedeutet hätten. Wenn das der Anspruch ist.

Was ich noch fragen wollte:

Warum darf Daniel Didavi keine Ecken und Freistöße schießen? (Ok, vermutlich weil die von Adam Hlousek auch nicht schlecht sind.)

War Herr Dingert schon immer so ein Wichtigtuer?

Welches Ansinnen ist stärker zu gewichten: das der einen Mannschaft, einen Spielerwechsel vorzunehmen, oder das der anderen, einen kurzzeitig unterbrochenen Konter mit einem raschen Einwurf fortzusetzen? Vermutlich ersteres, was ich für diskutabel halte.

“Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal.”

23. März 2012

Die geneigte Leserin weiß, dass ich selbst weder organisiert noch initiativ genug bin, regelmäßig den Austausch mit Anhängern anderer Vereine zu suchen, quasi im Sinne einer Vorberichterstattung. Wenn mich aber jemand anspricht, der so etwas in schöner Regelmäßigkeit macht, bin ich gerne dafür zu haben. Dies gilt natürlich in ganz besonderem Maße, wenn derjenige nicht mit 08/15-Fragen um die Ecke kommt, sondern auch mit dem einen oder anderen unerwarteten Ansatz aufwartet – so wie es die Herren von Clubfans United im Vorfeld des sonntäglichen Spiels zwischen dem VfB und dem “Ärgernis” aus Nürnberg getan haben.

Ich durfte mich bei Ihnen über die Aussichten für das Wochenende, über “gemeinsame” Spieler und deren Perspektiven, über Fredi Bobic’ Verhandlungsführung, mein Verhältnis zum “Club”, die intimen Schwächen des VfB (ich habe sie bei der Besetzung der Außenverteidigerpositionen auf eine falsche Fährte gelockt und die Defizite bei Standardsituationen verschwiegen) und – ein wenig deutlich zu ausführlich – über mich selbst und meine Schreiberei auslassen. Wer das lesen will, sei hierhin verwiesen; vor allem aber lege ich jedem, der etwas über den 1. FC Nürnberg wissen will, ans Herz, sich ganz allgemein bei den Clubfans United umzuschauen und Unmengen von Informationen über den sonntäglichen Gast zu sammeln.

Natürlich konnte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und habe Alexander von Clubfans United meinerseits ein paar Fragen gestellt:

[hk] Alexander, ich zögere immer ein wenig, “Clubfans United” als “Blog” zu bezeichnen, was vermutlich daran liegt, dass ich mein eigenes kleines virtuelles Heim als Referenzpunkt heranziehe, der mit dem, was Ihr da auf die Beine stellt (und was Ihr ja auch selbst, in meinen Ohren passender, ein “Fanmagazin” nennt) nicht zu vergleichen ist. Ihr macht das ja hauptberuflich, nicht wahr?

[Clubfans United] Also wenn wir das hauptberuflich machen würden, würden wir uns sofort selbst feuern. Hauptberuflich wäre das doch unbezahlbar. Aber wir fühlen uns geschmeichelt.

Ganz im Ernst: Genau deshalb braucht es doch Fanzmagazine und -blogs, die nicht auf Leser und Quote achten müssen und vom Enthusiasmus leben, um Dinge zu tun, die vielleicht in den Medien gar nicht mehr möglich sind. Wir können vollkommen subjektiv sein, wir können mal ewig lang, mal gnadenlos kurz posten, wir können (verbal) ins Taschentuch heulen oder vollkommen unsportlich unseren Sieg auskosten. Die Zeit, die wir und unsere Autoren da rein stecken, ist vollkommen absurd. Aber da wir uns eh gern mit dem 1. FC Nürnberg beschäftigen, fällt es gar nicht so sehr auf.

Zudem habe ich da schon noch ausreichend Respekt vor dem Handwerk des Journalismus, denn wir können uns auch mal einen subjektiven Bericht ohne große Recherche erlauben, das (sollte) im Profi-Bereich nicht drin sein (und lassen wir jetzt mal den Boulevard weg).

Sicher haben wir mittlerweile einen gewissen eigenen Anspruch entwickelt, z.B., dass wir zu allem, was relevant rund um den Verein ist, irgendwas sagen wollen. Daher passt Fanmagazin jetzt auch besser, wobei die Kommentare weiter den Blog-Charakter ausmachen und unglaublich wichtig für uns sind. Aber als wir uns entschlossen hatten, uns auch nach Außen jetzt als Fanmagazin und nicht mehr als Blog zu bezeichnen, hatte das ganz pragmatische Erwägungen: Mit dem Format “Blog” können einfach viele ‘da draußen’ nichts anfangen. Jetzt nennen wir uns halt “Fanmagazin” und aus Raider wurde Twix…

[hk] Der Club steht derzeit auf Platz 10, 7 Punkte hinter einem Uefa-Cup-Platz und 6 vor dem Relegationsrang. Ganz ehrlich: Ich hätte anstelle der Werte 10-7-6 vor der Saison eher etwas in der Größenordnung 15-20-1 erwartet, zu groß schien mir der Aderlass. War das einfach meiner Distanz und mangelnden Einsicht in Nürnberger Verhältnisse geschuldet, oder seid auch Ihr eher positiv überrascht ob des bisherigen Saisonverlaufs? Und ergänzend dazu: Wie wird diese Zahlenreihe zum Saisonende lauten?

[Clubfans United] Was wir erwartet haben? Alles! Und das z.T. gleichzeitig. Ja! Natürlich hatten wir auch die Abgänge von Ekici, Gündogan und Schieber mit Sorge zur Kenntnis genommen, aber das war schon bald einem grenzenlosen Optimismus gewichen (was bei uns bedeutet: Mittelfeldplatz packen wir). Das ganze hat sich dann im Grunde seitdem wöchentlich geändert. Ich denke, die Abgänge hatten zwar viel Qualität, aber wir wussten ja auch, dass bspw. gerade die drei auch nicht durchgehend den Erfolg der letzten Saison bedeuteten. Gündogan bspw. verletzte sich im Winter und war lange gar nicht am Platz. Zudem hatten wir mit Pekhart und Esswein  wieder zwei viel versprechende Neuzugänge und auch einige Talente in den Startlöchern.
Der Club kam letzte Saison über die Kompaktheit und der Vater der Mannschaft war und blieb Hecking. Wir wunderten uns daher eigentlich eher weniger, dass die Abgänge bei anderen nicht so einschlugen, denn sie funktionierten bei uns eben im Kollektiv.
Was uns bisher in der Saison beinahe das Genick gebrochen hätte waren nicht die Abgänge, sondern die Ausfälle. Die Rekonvaleszenten, die man fest am Zettel hatte, erlitten Rückschläge und aus dem Stamm brachen mit Verletzungen einer nach dem anderen weg. In dem Sog stagnierten dann auch die Talente, die z.T. einfach überfordert waren mit der Verantwortung.
Dem Saisonende sehen wir durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen. Die 6 Punkte tun gut, sind aber kein Ruhekissen und können schnell dahinschmelzen. In Stuttgart punkten wäre daher mehr als beruhigend.

[hk] Um Eure Fragen zu beantworten, hatte ich ein wenig in meinem “Club”-Gedächtnis gekramt und war dabei auf eine Reihe schillernder Perönlichkeiten in der Vereinsführung gestoßen. Angefangen beim ewigen Hern ARO und Gerd Schmelzer über Gerhard Voack (“J.R., wenn ich mich recht entsinne) bis hin zum ehemaligen Schatzmeister Böbel gaben sich in der mittlerweile ferneren Vergangenheit ja schon einige bemerkenswerte Leute die Klinke in die Hand. Heute stellt sich die Situation für mich gänzlich anders dar. Mit Mühe und Not brachte ich noch zusammen, dass das Präsidentenamt abgeschafft wurde, aber den Namen von Martin Baders Vorstandskollegen an der Doppelspitze musste ich bereits nachschlagen. Ist der 1. FC Nürnberg heute ein Verein, der – weitgehend frei von Eitelkeiten – in sich ruht, oder ist das nur die klischeehafte Vorstellung eines weit Außenstehenden?

[Clubfans United] Vorweg und mit Ausrufezeichen: Er ist noch ein Verein! Und das will heute schon fast was heißen in der Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg hat sich entschieden, sich von Alleinherrschern ebenso loszusagen wie einem Einfluß von Außen vorzubeugen. Der Verein gab sich eine neue Ordnung, mit fest installierten angestellten Vorständen und einen starkem Aufsichtsrat, der direkt von den Mitgliedern gewählt wird.
Der Eindruck trügt also nicht: Die Verein ruht jetzt in sich und das sorgt für eine stabile Struktur. Ob man damit weit kommt in der Liga, während andere sich in gewagte Finanzkonstrukte werfen und waghalsige Projekte und Transfers in Angriff nehmen, wird die Zeit zeigen.

[hk] Bestens in das eben gezeichnete Bild passt aus meiner Außensicht auch Dieter Hecking. Er wirkt unaufgeregt, produziert kaum (zumindest überregionale) Schlagzeilen, schon gar nicht mit irgendwelchen fußballphilosophischen Weisheiten,  und nimmt wenn auch nicht klaglos, so doch nach vorne gerichtet den Verlust einiger Akteure hin, die das Spiel seiner Mannschaft in der Vorsaison mit geprägt haben, um dann in der neuen Spielzeit wieder eine ansehnliche Rolle zu spielen. Ist er einfach der richtige Mann am richtigen Ort?

[Clubfans United] Ja, keine Frage – aber mit Ansage. Hecking wusste, das hat er auch oft genug geäußert, was ihn beim Club erwarten würde. Dieser “Nürnberger Weg” der Konsolidierung war Grundlage seines Engagement und er nahm diese Aufgabe an. Umgekehrt suchte man mit Hecking auch einen Mann, der dieser Aufgabe gewachsen sein könnte. Bisher hat Hecking es immer hinbekommen, gerade auch in schwierigen Phasen. Unantastbar ist er aber nicht und auch Hecking hat nie ausgeschlossen, dass er nicht mal unter anderen Voraussetzungen arbeiten möchte. Aber vielleicht gibt es ja für alle ein gemeinsames “Happy End”, sobald die Konsolidierung abgeschlossen ist und man auch anders am Transfermarkt agieren kann. Ein Klassenerhalt in dieser Saison wäre ein riesen Schritt in diese Richtung.

[hk] Dem gemeinen Außenstehenden, in diesem Fall mir, fällt beim Stichwort 1. FC Nürnberg mit Blick auf die letzten Jahre recht schnell das auch von Euch verwendete (und in Frage gestellte) Bild vom Leihhaus ein. Man denkt an Ottl und Breno, an Ekici oder Hegeler und natürlich aus Stuttgarter Sicht auch an Schieber und Didavi. Nun werden erneut Namen wie Petersen oder Usami gehandelt. Ist der Ansatz, mit vielen Leihspielern zu arbeiten, wie es ja auch andere Verein – zum Teil noch intensiver – tun, auf Dauer ein tragfähiger? Ist er für manche kleineren Vereine wie Mainz vielleicht sogar die (fast) einzige Möglichkeit, Spieler einer bestimmten Qualität zumindest temporär zu verpflichten? Oder überwiegen die Risiken einer vorprogrammierten Dauerfluktuation (wie sie allerdings, wenn auch mit einer etwas anderen Qualität, auch ohne Leihgeschäfte gang und gäbe ist)?

[Clubfans United] Dem gemeinen Innenstehenden blieben die Leihgeschäfte auch nicht verborgen und wurden mit zumindest gemischten Gefühlen goutiert. Die Sachzwänge sind naheliegend: Fehlende Qualität, die man sich nicht leisten kann, mit Geliehenem kompensieren. Breno und Ottl waren gute Beispiele, wo man in einer schwierigen Lage durch Zufuhr von Qulität korrigieren konnte. Schwieriger ist das schon bei Spielern die Qualität aufgrund ihres Talents höchstens versprechen, man also nicht weiß, ob sie einen wirklich weiter bringen oder nur einen Platz im Kader blockieren. Diese Spieler brauchen meist eine Anlaufzeit und wenn man dann endlich weiß, ob sie die Qualität haben, sind sie auch fast schon wieder weg. Schieber und Ekici waren da fast Sonderfälle, da man fast schon ahnen konnte, dass die sich durchsetzen werden, aber bei Didavi war das wieder was anderes. Und so kommt es wohl, wie zu befürchten war: Erst war Didavi die halbe Hinrunde verletzt, und jetzt, wo er mit Spielpraxis in Form kommt, scheint der Abschied schon bevorzustehen. Deswegen sind Leihen nicht generell verkehrt, aber sie sind zumindest unbefriedigend auf Dauer. Bei Petersen hat man auch wieder diese gemischten Gefühle, bei Usami scheint es aber ja auf eine Leihe mit Kaufoption hinauszulaufen, das dann natürlich eine andere Sache.

Aber an der Stelle noch was Grundsätzliches: Könnte man sich emotional frei machen, dann wäre Leihe oder Kauf eigentlich vollkommen egal. Bei dem ganzen Geflecht eines Transfers heutzutage, gleichen sich auf Dauer Chancen und Risiken fast aus. Wie viele Vereine haben einen Transferüberschuß? Und wer meint, man könne gekaufte Spieler deswegen länger halten, der unterliegt ja auch einer Mär. Du musst einen Spieler im Prinzip ziehen lassen, weil sonst kein anderer mehr zu dir will – es ist ja immer ein Geben und Nehmen. Und die Stories eines Reus, der (warum auch immer, kann es wirklich Liebe gewesen sein??) seinen Vertrag nochmal verlängerte, um dann seinem alten Verein noch mal eine fette Transfersumme zu sichern, sind ja doch eher seltenst. Wobei: Auch bei Wollscheid und Gündogan konnte man zumindest ähnliche Vereinbarungen treffen. – Aber selbst wenn du als FCN einen Spieler fest unter Vertrag hast: Den Preis, den bspw. ein BVB für den gleichen Spieler bekäme, bekommst du nicht.

Unter dem Strich also lieber keine Leihen, denn die Hoffnung auf den großen Deal stirbt zuletzt …

[hk] In Euren Fragen an mich spiegelte sich bereits die eine oder andere Einschätzung des VfB wider. Ein Verein, der sich möglicherweise auf dem Weg ins dauerhafte Mittelmaß befindet, mit einem Manager, der nicht nur gelegentlich verbal über das Ziel hinausschießt, sondern sich auch als unnachgiebiger Verhandler manche Sympathie, so er sie je hatte, verscherzt, zudem die augenzwinkernde Frage, ob der VfB nicht genug Stoff hergebe, um ein Blog zu füllen – das klingt irgendwie nicht uneingeschränkt positiv, oder täusche ich mich? Und das alles wegen Meiras Foul im Pokalfinale?

[Clubfans United] Meira? War das nicht der Kerl der Mintal umgenietet hat? Sofort auspfeifen!! Spass beiseite…..Das Pokalfinale hatte ja ein Happy End, Meira ist da längst vergessen. Daher eine Gegenfrage: Gibt es eine “uneingeschränkte positive Sympathie” zwischen Fans? Nicht einmal zu Schalke würde ich das unterschreiben, wobei hier schon viel good will ist. Fußball ist Wettbewerb und insoweit rivalisiert man mit jedem Gegner. Das ist nichts Persönliches.

Und wenn du mich nicht verpfeifst, dann verrate ich dir, dass ich sogar mal VfB-”Fan” war – naja, “Fan” soweit man das in seiner leichtsinnigen Jugendzeit am Dorf sein konnte. Ich mochte damals die Mannschaft mit Hansi Müller und Karlheinz Förster. Bis ich dann meiner großen (Fußball-)Liebe begegnete – ganz nach Nick Hornby.

Stuttgart im Speziellen ist für uns kein direkter Rivale – die Sache von “Südderbys” sind doch reine Mediengeschöpfe – was empfinden wir also gegenüber dem VfB?
Wir hatten mal zwei Umfragen gemacht. Bei den Vereinen, die wir mögen, landete der VfB weit hinten
http://www.clubfans-united.de/2011/03/17/fan-sympathien-wen-mag-der-clubfan-sonst-so/
bei den Vereinen, die wir ausgesprochen nicht mögen, landete der VfB aber auch nur im Mittelfeld
http://www.clubfans-united.de/2011/03/24/welcher-verein-ist-ein-rotes-tuch-fur-den-clubfan/
Man könnte also provokant sagen: Der VfB ist dem Clubfan weitgehend egal. Man verfolgt euer Treiben und solange man sich nicht in die Quere kommt, macht jeder so sein Ding. Nur eben zuletzt am Transfermarkt kam etwas Unmut auf und Bobic spielt da eine zentrale Rolle. Aber da sind wir auch auf andere nicht gut zu sprechen. Jammern hilft halt nix, wir müssen einfach unsere Verhandlungsposition selbst verbessern.

[hk] Zum Abschluss noch ein paar kurze Entscheidungsfragen, die ihr gerne mit ausführlichen Begründungen oder auch nur ganz knapp beantworten könnt:

Weyerich oder Horsmann?

[Clubfans United] Puh, jetzt greifst Du aber ganz schön in die Historien-Kiste und ich musste gleich mal Stefan als Telefonjoker ziehen. Stefan: Horsmann kam über Stade Rennes von den Bayern zum Club und war als Rädelsführer der Spielerrevolte im Oktober 1984 nach nur 13 Spielen wieder weg, oder sagen wir besser “wurde gegangen”. Wenn dann schon Weyerich, ein echter Clubberer wie wir in Nürnberg sagen würden, auch wenn er gegen Ende seiner Karriere für die Westvorstadt gekickt hat. Ein Makel, zweifelsohne …

[hk] Ekici oder Gündogan?

[Clubfans United] Da sind wir uns nicht ganz schlüssig. Ich bspw. sah Ekici und Gündogan immer als sehr unterschiedliche Spielertypen, bei denen Ekici offensiv, Gündogan (auch) defensiv seine Stärken hatte. Für Stefan waren Ekici und Gündogan in ihrer Spielanlage ähnliche Typen. Einer Meinung sind wir über Ekicis Standards, die in seiner Zeit in Nürnberg erste Sahne waren. Müssten wir uns entscheiden, dann für Gündogan, der taktisch insgesamt reifer wirkte und auch defensiv mehr arbeitete – und alleine schon weil er kürzlich unsere Derby-Schande gerächt hat.

[hk] Schieber oder Didavi?

[Clubfans United] Da sind wir uns einig: Wohl eher Schieber, der bei uns eine konstant gute Saison gespielt hat. Das würde zwar unseren Mangel an Kreativität nicht beheben – hier verspricht Didavi mehr -, aber bei ihm fehlt es vor allem (noch) an der besagten Konstanz.

[hk] Chandler oder, ähem, Celozzi?

[Clubfans United] Von Celozzi kennen wir fast nur die Statements von VfB-Fans – und die sind zu 90% negativ. Chandler hat zwar kein einfaches “zweites Jahr”, aber dennoch eindeutig: Chandler

[hk] Klewer oder Kargus?

[Clubfans United] Ohne Frage: Kargus. Klewer war ein guter zweiter Torwart und hatte das Zeug zum Helden für den Augenblick – aber auch nicht mehr, nicht weniger. Aber da sind wir uns intern etwas uneins. Stefan bspw. fand Klewer immer super, nicht nur als Elfmeterkiller im Pokal, und fand es nach dem Weggang von Schäfer zu eurem VfB sehr schade, dass er keine Chance als Nummer 1 bekommen hatte. Nach den Erfahrungen mit Blazek hätte man es wohl auch mal lieber mit Klewer probieren sollen …

[hk] Meyer oder Hecking?

[Clubfans United] Kann man das entscheiden? Meyer wurde geliebt, Hecking wird geschätzt. Meyer brachte wieder ein Stück Ruhm zum Ruhmreichen zurück, Hecking bringt uns vielleicht die Basis für eine stabile Zukunft.

[hk] Depp oder nicht? (Man möge mir diese billige Frage verzeihen.)

[Clubfans United] Keine Frage, der Club hat ziemlich “depperte” Dinge geschafft in seiner Historie, aber seit Jahren ist das auch längst Geschichte. Sogar der Abstieg nach dem Pokalsieg war nun so unglaublich auch nicht, denn viele Überraschungs-Mannschaften kommen danach mit Europapokal nicht zurecht und dann in die Krise. Und in den letzten Jahren haben Mannschaften wie Hertha oder die Eintracht schwer an unserem “Titel” gegraben. – Daher: Wir sind solange der Depp, solange wir selbst von uns glauben, dass wir es sind.

[hk] Vielen Dank für Eure Zeit und Eure ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen Antworten. Auf einen schönen Sportnachmittag am Sonntag!

[Clubfans United] Wir danken für das Interview bei uns und die interessanten Fragen im Interview hier. Vielleicht empfinden viele diese Fan-Interviews als belanglos, aber für viele (wie uns) entstehen damit auch Brücken und es werden Vorurteile abgebaut. Deswegen bleiben wir mit unseren Vereinen Rivalen, aber im Kern verstehen wir, was den anderen bewegt – denn wir sind alle Fans des wahrscheinlich geilsten Sports der Welt.