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Müller, Nogly, Hoeneß, Löw und die anderen

27. Oktober 2009

Heute ist DFB-Pokal, morgen auch. Am Wochenende war Bundesliga, davor Europapokal. Dass irgendwann davor zwei Länderspiele stattfanden, ist längst wieder aus dem Fokus verschwunden. Wie auch die Debatte um Thomas Müller, den Joachim Löw demnächst für die Nationalmannschaft nominieren möchte, was aber Uli Hoeneß nicht so gerne sähe:

„Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.“

Widerspruch fällt insofern zunächst schwer, als Hoeneß zwar bei seinem Länderspieldebüt auch erst 20 Jahre alt war; er hatte jedoch bereits 57 Bundesligaspiele absolviert, also nahezu zwei komplette Spielzeiten als Stammspieler.

Der Bundestrainer verweist gleichwohl auf das Beispiel Hoeneß und dessen Debütalter, und zieht zudem Spieler wie Messi, Rooney oder Beckenbauer zum Vergleich heran, die ebenfalls früh debütierten. Die Medien nehmen den Ball gerne auf und bringen Namen wie Maradona, Pelé, Ronaldo oder Seeler ins Spiel – schließlich soll Müller ja nicht irgendein durchschnittlicher Nationalspieler werden. Joachim Löw beweist dann doch etwas mehr Augenmaß und nennt noch einige Spieler aus dem eigenen Stall, die gemäß „unserer Philosophie“ frühzeitig in die Nationalmannschaft integriert worden seien: Podolski, Schweinsteiger, Lahm, Mertesacker, Özil. Interessanterweise ist Mesut Özil der einzige in dieser Reihe, der unter dem Cheftrainer Löw debütierte. Bei Per Mertesackers Debüt war er bereits als Jürgen Klinsmanns Assistent beteiligt, während Philipp Lahm, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger noch unter Rudi Völler Nationalspieler wurden.

Doch zurück zu Hoeneß’ Vergleich mit Helmut Schön. Rein rechnerisch feierte sowohl unter Schön als auch bei Joachim Löw jedes Jahr ein 19- oder 20-jähriger Spieler sein Debüt, unter Klinsmann waren es mehr als zwei. Bei den 21- und 22-Jährigen liegen Klinsmann und Löw mit 2,5 Debütanten pro Jahr etwas höher als Schön, die 23-Jährigen sind eine löwsche Domäne, von 24-26 sind Löw und Schön auf Augenhöhe (2,5), Klinsmann etwas darunter, und ab 27 stört nur noch Cacau die schönschen Neulinge – Peter Nogly war mit 30 der Älteste, kam aber nur auf 4 Länderspiele. Insgesamt gab Helmut Schön im Schnitt jährlich 7 Debütanten eine Chance, bei Löw sind es deren 9. Jürgen Klinsmann beschränkte sich auf 6-7 pro Jahr.

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Dabei hatten Jürgen Klinsmanns 19- und 20-jährigen Debütanten im Schnitt deutlich weniger Erstligaspiele absolviert als ihre Pendants bei Löw und Schön, die sich in den unteren Altersklassen diesbezüglich grob die Waage halten. Insgesamt aber hatte der durchschnittliche Neuling bei Helmut Schön mit 88 Einsätzen deutlich mehr Erstligaspiele auf dem Buckel, als dies später bei Löw (57) und Klinsmann (40) der Fall war. Auch musste er bei Schön deutlich über 23 Jahre alt sein, während Joachim Löw kurz vor dem 23. Geburtstag zugriff, Jürgen Klinsmann gar vor dem 22.

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Stimmt – diese Darstellung ist insofern irreführend, als beispielsweise der Nogly-Balken ganz unten länger ist als der 23er, der für insgesamt 19 Spieler steht. Ein wenig Abhilfe (von Klarheit wage ich nicht zu reden) schafft vielleicht die folgende Darstellung, bei der die Größe der Datenpunkte die Menge der damit erfassten Spieler vermittelt:

Debuetanten03

Naturgemäß sinkt die Zahl der theoretisch erreichbaren Länderspiele mit zunehmendem Debütalter – ein Umstand, der die Schweinsteiger’sche Zahl möglicherweise irgendwann in den negativen Bereich abgleiten lässt, während der mit 26 sehr spät berufene Bernard Dietz gerade so über die 50 lugen kann – als einziger der über 23-jährigen Debütanten der Ära Schön:

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Quervergleiche zu Jürgen Klinsmanns oder gar Joachim Löws Schützlingen verbieten sich hier – schließlich möchte ich keinen der Herren bereits als Ex-Nationalspieler titulieren. Weder Lukas Sinkiewicz noch Christian Schulz noch Mike Hanke noch Andreas Görlitz noch David Odonkor noch Marco Engelhardt noch Patrick Owomoyela noch Frank Fahrenhorst aus dem Klinsmann’schen Stall, und auch nicht die Löw-Debütanten Roberto Hilbert, Jan Schlaudraff, Tobias Weis, Alexander Madlung, Clemens Fritz, Manuel Friedrich oder Jermaine Jones.

Quellen: dfb.de, fussballdaten.de

Unter normalen anderen Umständen…

21. Oktober 2009

…könnte man das gestrige Spiel des VfB gegen den FC Sevilla rasch zu den Akten legen. Man würde sich darüber ärgern, dass eine couragierte Leistung gegen eine europäische Spitzenmannschaft nicht ausgereicht hat, dass man vorne die Chancen nicht verwertet und hinten vor allem bei Standards geschlafen hat. Angesichts der verdienten Siege aus den Spielen gegen die Rangers und in Bukarest, wo man jeweils früh in Führung ging und dann glücklicherweise nicht auf die dumme Idee gekommen wäre, mit dem Fußballspielen aufzuhören, hätte man nach wie vor eine hervorragende Ausgangslage, um die Gruppenphase zu überstehen und würde die gute Leistung als Ansporn für das bevorstehende Spiel in Hannover nehmen. Man sähe über Boulahrouz’ und Lehmanns Patzer hinweg, würde sich verwundert die Augen reiben ob Träschs starker Leistung, die viel mehr an einen modernen defensiven Mittelfeldspieler erinnerte als noch am Samstag, zollte Osorio, Boka, Cacau, Kuzmanovic und nicht zuletzt Elson das verdiente Sonderlob, ohne zu vergessen, ob der gleichwohl augenfälligen Defizite insbesondere vor dem Tor zu mahnen, und das wär’s dann auch.

Tatsächlich stellt sich die Situation aber etwas anders dar: „Es läuft einfach nicht in Stuttgart.“ In der Bundesliga steckt man im Abstiegskampf, in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur (wenngleich sie dank des bisherigen Verlaufs tatsächlich noch gegeben sind), die Mängel sowohl vor dem eigenen als auch vor dem gegnerischen Tor zählen zu den wenigen Konstanten der bisherigen Saison. Dementsprechend steht der Trainer zur Debatte – durchaus legitim, wobei man sich an der einen oder anderen Stelle schon fragen darf, welche Fehlleistungen herausgekramt werden. In der Stuttgarter Zeitung befasst man sich intensiv mit seiner Aktivität an der Seitenlinie, die derzeit genauso wenig vorhanden ist wie in der Vorsaison. Nur handelt es sich jetzt eben um Resignation. Wenn ich mich recht entsinne, resignierte Walerij Lobanowskyj Zeit seines Trainerlebens recht erfogreich. Andernorts wird Babbel die Tatsache, dass er Thomas Hitzlsperger zuletzt nicht immer spielen ließ, als „beispiellose Degradierung seines Kapitäns“ ausgelegt – würde man ihm vorwerfen, dass er gestern den seit Wochen ganz offensichtlich indisponierten Hitzlsperger statt Rudy oder meinetwegen auch Simak brachte, könnte ich das wenigstens inhaltlich nachvollziehen.

Dabei ist unstrittig, dass Babbel seit Saisonbeginn bei weitem nicht alles richtig gemacht hat. Die frühe Rotation hat die Mannschaft überfordert, die Struktur der Mannschaft scheint nicht gefestigt, seine Auswechslungen sind nicht nur des öfteren etwas unglücklich, sondern kommen vor allem häufig zu spät (hängt da etwa noch das erste Saisonspiel in Wolfsburg nach, als er bei Träschs verletzungsbedingtem Ausscheiden bereits dreimal gewechselt hatte?), und auch über die Systemfrage lässt sich diskutieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein Trainerwechsel helfen würde. Ich kann mir übrigens auch vorstellen, dass es dadurch keinen Deut besser würde.

Wichtiger ist an dieser Stelle sicherlich, wie Horst Heldt darüber denkt. Aber das weiß man halt nicht so genau. Nach dem gestrigen Spiel wurde er so zitiert, dass Markus Babbel „der Richtige“ sei: „Er liefert gute Arbeit ab, lässt sich nicht hängen, versucht sich gegen Niederlage [sic!] zu stemmen, marschiert voran, erreicht die Mannschaft und bereitet sich und die Mannschaft gut vor.“ Nun mag es sein, dass dies nur die offizielle Version ist, dass hinter den Kulissen längst die Entlassung vorbereitet wird und dass die Gespräche mit möglichen Nachfolgern laufen. Falls dem nicht so ist, stellt sich die Frage nach Heldts Motivation. Ist er wirklich überzeugt von Babbels Fähigkeiten und insbesondere davon, dass es gelingt, die Kurve nach oben zu bekommen? Oder fürchtet er, dass eine weitere Trainerentlassung nunmehr in deutlich höherem Maße auf ihn zurück fällt als noch bei Trapattoni und Veh? Dass seine Einkaufspolitik stärker in den Mittelpunkt rückt? Schließlich scheint er, wenn der oben verlinkte Stern-Artikel recht hat, dort mittlerweile selbst Defizite ausgemacht zu haben: „Vielleicht fehlt es einfach an Qualität.“

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

[Hier lasse ich gleich noch ein wenig Platz für den Fall, dass ich erklären muss, weshalb ich mich getäuscht habe.]

Ich hab noch nie gegen den Trainer gespielt.

19. Oktober 2009

Nach knapp 20 Minuten musste ich unweigerlich an Günter Perl denken. Und fragte mich, wieso sich Herr Wieland Perl wünscht, wenn er doch Brych haben kann. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte bis dahin drei durch die VfB-Brille klare gelbe Karten an die Herren Höwedes, Kuranyi und Bordon nicht gegeben (Rafinha will ich, gegen meine innere Überzeugung, beim frühen Zusammenprall mit dem konternden Cacau nichts Böses unterstellen). Dass sich Dr. Brych Minuten später seiner Karten erinnerte und deren zwei an Magnin und Khedira verteilte, verbesserte sein Ansehen in der Cannstatter Kurve nicht.

Aber das nur am Rande – am Schiedsrichter lag es nicht, dass der VfB wieder einmal am mittlerweile bekannten Mix aus zu einfachen Gegentoren und mangelnder Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor scheiterte. Immerhin: einige klare Torchancen waren diesmal zumindest vorhanden, und wenn der insgesamt vielversprechend auftretende Zdravko Kuzmanovic ein Torjäger wäre, hätte das Spiel früher eine Wende nehmen können. Insgesamt trat der VfB deutlich stärker und leistungsbereiter auf als in den letzten Spielen; eine auch spielerisch inspirierte Vorstellung konnte man wohl nicht erwarten.

So zog man denn auch bei der Presse die Schlussfolgerung, dass die Mannschaft zumindest nicht gegen den Trainer gespielt habe – in meiner Naivität glaube ich ja ohnehin noch immer, dass Fußballspieler eher selten bewusst verlieren wollen, um dem Trainer zu schaden. Ich selbst hab’s zumindest noch nie getan, dabei wäre mein Verlust an Punktprämien *sehr überschaubar* gewesen. Wie gesagt: im vorliegenden Fall haben sich die VfB-Spieler nicht verdächtig gemacht. Ob Markus Babbel die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, bleibt indes zu diskutieren:

Aufstellung:
Die Umstellung auf eine Mittelfeldraute war ebenso erwartet worden wie die daraus resultierenden kritischen Punkte. Mit Kuzmanovic und Khedira hatte man auf den Außen- (bzw. Halb-) Positionen im Mittelfeld spielstarke, ballsichere Leute, die allerdings beide gerne und viel nach innen drängen und nicht zu Protagonisten schnellen Flügelspiels taugen; die Außenverteidiger Magnin und Celozzi, die diese Aufgabe übernehmen könnten (besser: sollten), konzentrierten sich auf ihre Defensivarbeit, was angesichts der letzten Spiele nachvollziehbar ist, den eigenen Stürmern aber auch keine Freude bereitet haben dürfte. Christian Träsch spielte im defensiven Mittelfeld das, was man früher einen „Ausputzer“ nannte. Kann man machen, nimmt dann aber bewusst in Kauf, dass der Spielaufbau im Mittelfeld über die beiden Halbspieler erfolgen muss. Aliaksandr Hleb konnte nicht verhindern, dass die Diskussionen aus der Saison 2003/04 (dem „Jahr 1 nach Balakov“) wieder aufgegriffen wurden, die in aller Regel zu dem Schluss kamen, dass er keine „10″ ist. Wenn die Raute wirklich das System der Wahl sein sollte und man einen klassischen Spielmacher einsetzen will, wird man nicht umhin kommen, auf Elson oder Bastürk zurückzugreifen.

Auswechslungen:
Nach 30 Minuten habe ich mich gefragt, wieso Celozzi immer noch auf dem Feld ist. Nach 66 Minuten war ich ganz sicher nicht der einzige, der sich gefragt hat, wieso Babbel Celozzi vom Feld nimmt, nachdem dieser sich nicht nur defensiv gefangen hatte, sondern nach der Pause derjenige war, der endlich für etwas Belebung auf der Außenbahn sorgte, während dem an der Außenlinie bereit stehenden Hilbert genau dies zuletzt eher selten gelungen war. Julian Schieber hat sich einmal mehr bewährt. Natürlich kann man diskutieren, ob man ihn als dritten Stürmer hätte bringen sollen; andererseits wäre wohl alles richtig gewesen, wenn man nach dem von ihm initiiterten Ausgleich die Schalker nicht zur erneuten Führung eingeladen hätte. Eine gute Viertelstunde wäre geblieben, man war am Drücker, hatte die Defensive nicht aufgelöst, kurz: man hatte die besseren Karten. Elson kam hingegen zu spät. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen. 12 Minuten erscheinen mir dafür jedoch etwas kurz, gerade wenn man sich etwas mehr Inspiration erhofft und vor allem keinen anderen Spieler auf dem Feld hat, der in der Lage ist, einen Eckball oder Freistoß auch nur annähernd gefährlich vor das Tor zu bringen.

Letztlich bleibt eine bittere Niederlage, die man eigenen Nachlässigkeiten sowie natürlich einem gut organisierten und effektiven Gegner zuzuschreiben hat. Und die Frage, ob Günter Perl den Treffer von Kuzmanovic wenige Minuten vor Schluss auch abgepfiffen hätte.

Das reicht nicht für die ADW.

28. September 2009

Offensichtlich hat man in den Redaktionen versucht, den Trainer zu beeindrucken und die Alliteration der Woche zu formulieren. Bot sich ja an, irgendwie. Die Frage lautete demnach nur: Schießt Schieber Stuttgart zum Sieg, aus dem Tief oder gar aus der Krise? Wobei ich befürchte, dass das nicht reicht. „Schieber schießt Stuttgart an die Spitze“ hätte vielleicht eine Chance gehabt, aber davon sind wir dann doch noch ein Stückchen entfernt.

Und ob die Krise wirklich beendet ist, wird sich noch zeigen müssen. Zunächst aber tut es gut, die Sportberichterstattung endlich wieder – zumindest ein paar Tage lang – etwas entspannter verfolgen zu können. Dank Schieber, der zweimal an der richtigen Stelle stand, dank Hitzlsperger, der sich das Schießen dann doch nicht verbieten ließ, dank einer roten Karte für den Gegner, die ich zwar auch gegeben hätte, über die man aber sicherlich diskutieren kann. Und ganz bestimmt dank einiger anderer Aspekte, die zu erkennen anhand einer bloßen Sportschau-Zusammenfassung jedoch nicht möglich ist. Zu erkennen war indes, dass Timo Gebharts verbesserungswürdige Chancenauswertung im Spiel gegen Köln kein einmaliger Ausrutscher war.

Ein bemerkenswerter Nebenaspekt ist übrigens, dass der Dank nicht unbedingt den Neuzugängen zu gelten hat. Hleb verletzt, Pogrebnyak auf der Bank, Kuzmanovic spät eingewechselt – abgesehen von Celozzi, der allem Anschein nach weder positiv noch negativ auffiel, setzte Trainer Babbel auf altbekannte Gesichter. Zwar gehe ich fest davon aus, dass Hleb und Pogrebnyak weiterhin zur Stammelf zählen und dass Kuzmanovic Hitzlsperger und Khedira noch unter Druck setzen wird; das Vertrauen in (mehr oder weniger) bewährte Kräfte aus der Vorsaison gerade in einer sehr kritischen Situation halte ich gleichwohl für eine interessante Randnotiz.

Wobei „Vertrauen in bewährte Kräfte“ nichts mit dem zu tun hat, was Generationen deutscher Bundestrainer vorgelebt haben: Babbel setzte nicht auf alte Kämpen (Bastürk war ja leider verletzt), sondern auf Leute wie Schieber und Marica, die im Vorjahr eher ein Schattendasein führten, und brachte nach einer guten Stunde auch noch Clemens Walch, der seit der letzten Saison im Verein ist, bisher aber noch kein Pflichtspiel bei den Profis absolviert hatte.

Was unter dem Strich bleibt, sind drei Punkte und ein klarer Sieg (kein ungewöhnlicher Ausgang in Frankfurt, wenn man sich die letzten Jahre ansieht),  sowie hoffentlich das nötige Selbstvertrauen, um künftig, d.h. zunächst einmal morgen in Rumänien, mit etwas breiterer Brust aufzulaufen.

Darüber hinaus fände ich es ganz gut, wenn sich noch ein paar weitere Torschützen um den Weg aus der Krise verdient machen würden. Cacau und Khedira köpfen Krise weg, Pogrebnyak pulverisiert Probleme oder Maricas magische Momente machen Mut böten sich doch an.

Ach, fast hätte ich es vergessen: Gegen alle Stadionverbote, natürlich!

Strohfeuerwerk

17. September 2009

„Der VfB ist halt keine Champions League-Mannschaft. Die kommen da manchmal zufällig rein, und dann…“

Der Rest war Schweigen – meine Frau war sensibel genug, nicht noch mehr Salz in die Wunde zu streuen. Natürlich hätte ich zumindest dem „zufällig“ vehement widersprechen müssen, aber was hätte das gebracht? Die viel spannendere Frage lautet ja in der Tat, was auf das „und dann…“ in dieser Saison folgt – aber beantworten hätte ich sie in diesem Moment nicht können.

Kann ich natürlich auch jetzt noch nicht, aber die Zuversicht kehrt wieder deutlicher zurück, nachdem ich mir gestern von vielen Leuten rund um das Neckarstadion herum beinahe hätte einreden lassen, dass ein Punkt zuhause gegen Glasgow zu wenig sei, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren.  Dabei hatte der Abend gut hervorragend begonnen.

20 Minuten lang brannte der VfB ein Feuerwerk ab, das es in sich hatte. Cacau sprühte vor Tatendrang, Hilbert stand ihm in nichts nach, Boka duellierte sich erfolgreich mit jedem, der in seine Nähe kam, Hitzlsperger machte das Spiel schnell wie lange nicht, kurz: man sah eine begeistert auftretende Mannschaft, die sich nicht nur viel vorgenommen hatte, sondern dies auch vom Anpfiff weg umzusetzen begann. Nach besagten 20 Minuten hätte der VfB mit 2-3 Toren führen können; gereicht hatte es aber nur zu einem Treffer, den Pogrebnyak nach beherztem Einsatz von Hilbert und Cacau erzielte.

Danach ließ man es etwas ruhiger angehen, gestattete den Schotten etwas Luft zum Atmen und erlaubte ihnen die ersten zaghaften  Schritte über die Mittellinie, wo sie allerdings ziemlich verloren wirkten und nicht von Stellungsfehlern des zuletzt so starken Christian Träsch profitieren konnten (Tascis Leerlaufgrätsche mit 20 Metern Anlauf möge vom Mantel des Schweigens verhüllt bleiben). Grundsätzlich erschien es durchaus sinnvoll, ein wenig Tempo herauszunehmen, um sich etwas mehr Platz für die dann zu setzenden Nadelstiche zu verschaffen. Die Gelegenheit dazu ergab sich tatsächlich das eine oder andere mal, ohne jedoch zu zwingenden Torchancen zu führen. Mitunter schienen Cacau und Pogrebnyak etwas zu sehr darauf erpicht zu sein, mit Direktpässen zu unterlegen, wie gut sie mittlerweile harmonieren, anstatt die Freiräume gelegentlich auf eigene Faust zu nutzen (einmal war allerdings auch das Gegenteil der Fall). Insgesamt aber beruhigte sich das Spiel zum Ende der ersten Halbzeit hin sehr, sodass die Stuttgarter Zuschauer allmählich unruhig wurden und die Pause herbeisehnten, auf dass sich das Feuerwerk nicht als Strohfeuer entpuppe und ihre Mannschaft danach wieder zielstrebiger zu Werke gehen möge.

Was nicht geschah. Vielmehr wurde der Trend fortgesetzt, indem man sich in der Vorwärtsbewegung immer weniger zutraute und sich minütlich weiter zurückzog, sodass die Gäste gar nicht mehr anders konnten, als ihrerseits aktiver zu werden (und irgendwann den Ausgleich zu erzielen). Die üblichen Reflexe auf der Tribüne setzten zuverlässig ein: Aufforderung zum Kampf, Pfiffe, Hilbert-Kritik.  Im Ernst: Roberto Hilberts Hereingaben von rechts fanden speziell in der zweiten Halbzeit nicht ihr Ziel, teilweise kam es wegen missglückter Dribblings nicht einmal dazu. Das kann man – zurecht – kritisieren. Dann sollte man aber vielleicht auch die Frage stellen, wieso von der linken Seite keinerlei Signale kamen, sich in irgendeiner Seite am Stuttgarter Offensivspiel zu beteiligen, weder von Hleb (ok, angeschlagen) noch von Gebhart (bis auf die letzten drei Minuten). Aber es ist müßig, Fehler gegeneinander aufzurechnen. Ich schweife ab.

Letztlich müssen sich der VfB und sein Anhang glücklich schätzen, dass die Schotten kurz vor Schluss nur den Pfosten trafen. Dennoch ist der Start mit einem Heimpunkt natürlich alles andere als optimal. Da jedoch von den 15 noch zu vergebenden Punkten im Gegensatz zu früheren Jahren, als man sich beispielsweise gegen Barcelona im Grunde keine Chancen ausrechnete, kein einziger von vornherein abgeschrieben werden muss, habe ich derzeit keinerlei Lust, mich mit Vergleichen zur letzten Champions League-Saison des VfB zu befassen, als man recht kläglich ausschied. Einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Und vielleicht gegen Köln gewinnen, das wird schwer genug – wie ich im Übrigen auch im VfB FanPod zum Ausdruck brachte, für den ich vor dem Spiel ein paar Fragen beantworten durfte.

Kleine Randnotiz: Als Christian Träsch offensichtlich sehr heftig vom Fuß eines Schotten im Gesicht getroffen wurde (und eine Gehirnerschütterung davontrug) , hielt es Schiedsrichter Bussaca für ein gute Idee, sehr gemäßigten Schrittes und im angeregten Gespräch mit einigen Spielern zum am Boden liegenden Träsch zu flanieren, anstatt ihm rasch die nötige medizinische Behandlung zukommen zu lassen. Über so etwas kann ich mich fürchterlich ärgern.