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6. Dezember 2009

Nur nochmal zur Sicherheit, dass ich es richtig verstanden habe:

Wenn ich mich recht entsinne, hat der Vorstand des VfB Stuttgart am Dienstag verkündet, dass Markus Babbel bis zur Winterpause Trainer bleibe. Heute soll er entlassen worden seinwurde er von seinen Aufgaben entbunden„.

Dazwischen lagen ein schlechtes Spiel gegen Bochum, das man in dieser Form schon zu dem Zeitpunkt nicht ausschließen konnte, als die Jobgarantie ausgestellt wurde, sowie massive Fanproteste, mit denen man in dieser Schärfe eher nicht rechnen konnte. Wenn nicht gerade Markus Babbel selbst seine Demission eingereicht hat (was ich durchaus für möglich halte), hat sich also aus Sicht des außenstehenden Laien seit Dienstag in erster Linie der Faktor „Unterstützung durch die Zuschauer“ geändert.

Mal ehrlich: Auch ich will als Fan ernst genommen werden. Aber ich will auch, dass die Leute, die dafür bezahlt werden, ihre Entscheidungen auf Basis anderer Kriterien fällen. Und dass diese Entscheidungen eine Halbwertszeit haben, die größer als 5 Tage ist. Oder wir legen uns ein neues Modell zu.

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Die Mitglieder von deinfussballclub.stu können direkten Einfluss auf das Management und den Betrieb des Traditionsvereins VfB Stuttgart nehmen. Wichtige Entscheidungen werden demokratisch per Online-Abstimmung auf unserer Internetplattform deinfussballclub.stu getroffen. Entschieden werden kann z. B. über Spielereinkäufe, Personalfragen, das Vereinsmanagement und alle weiteren Fragen des täglichen Vereinslebens. Das ist „Fußballdemokratie“ pur!

[Formulierungen skrupellos geklaut bei deinfussballclub.de]


Abschalten!

6. Dezember 2009

Als VfB-Anhänger hat man es in dieser Saison nicht leicht. Das gilt für mich genauso wie für viele andere, vermutlich gilt es sogar für den viel geschmähten „Erfolgsfan“, auch wenn er oder sie sich nun samstags anderen, aus individueller Sicht gegenwärtig schöneren Dingen widmen kann. Ich ziehe meinen Hut vor den Leuten, die gerade in dieser Spielzeit zu (fast) jedem Auswärtsspiel fahren und sich dort ein ums andere mal fragen lassen müssen, ob der Aufwand angesichts der gezeigten Leistungen gerechtfertigt sei. Ganz bitter war sicherlich die Erfahrung in Leverkusen am vergangenen Wochenende, als man sich auf dem Weg aus der Krise wähnte und brutal eines Besseren belehrt wurde.

Vor diesem Hintergrund gibt es beachtenswerte Gründe, die Unterstützung für Mannschaft und Verein zu hinterfragen, von denen man sich ent- und vielleicht auch getäuscht fühlt. Die Cannstatter Kurve hat sich in der vergangenen Woche dafür entschieden, die Mannschaft im gestrigen Spiel gegen den VfL Bochum nicht zu unterstützen. Die Wortführer vom Commando Cannstatt schrieben dazu in ihrem „Cannstatter Blättle“:

„…Der Einfluss von uns Fans ist begrenzt, aber wir müssen jetzt ein klares Zeichen setzen. Deshalb haben wir uns entschieden, beim nächsten Heimspiel gegen Bochum auf jegliche Art der organisierten Stimmung zu verzichten. [...] Die Sorge um das Wohl unseres Vereins lässt uns aber momentan keine andere Wahl als zu diesem Mittel zu greifen. Keiner hat Lust noch einmal einen Abstiegskrimi wie 2001 zu erleben. Die Erfahrung aus dieser Zeit lehrt uns auch, dass es wichtig ist, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und auf Veränderungen hinzuwirken. [...]„

Die Beweggründe, die zu dieser Entscheidung führten, kann ich nachvollziehen, auch wenn ich sie letztlich für falsch halte. Wenn man -wie es die organisierten Fans gewiss nicht zu unrecht tun- davon ausgeht, dass die Unterstützung durch die Kurve einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Erfolg der Mannschaft hat, ist es gewagt, dieses Pfund vor dem Spiel gegen einen unmittelbaren Konkurrenten aus der Hand zu geben, quasi nach dem Motto: „Diese 3 Punkte setzen wir aufs Spiel, wenn wir dafür eine neue sportliche Leitung bekommen.“ Freundlicherweise wurden den zuwider Handelnden übrigens keine Sanktionen angedroht, was zu Beginn des Spiels durch eine Ansage bekräftigt wurde, der zufolge man anfeuern dürfe, wenn man denn wolle – die Geisteshaltung, die hinter dieser gnädigen Geste steckt, lässt mich schaudern. Hätte ich ohne dieses Zugeständnis Prügel erwarten müssen, weil ich mit gar nicht so wenigen Mohikanern Unterstützungsgesänge für die eigene Mannschaft anstimmte?

Wie gesagt: die Überlegungen, die zum Verzicht auf „Support“ führten, kann ich nachvollziehen, und vielleicht wird es ja heute bereits personelle Veränderungen geben. Ungeachtet dessen hat Markus Babbel natürlich recht, dass die Stimmung der Mannschaft nicht geholfen hat, und wenn jemals das Bild von der greifbaren Verunsicherung zutraf, dann in der ersten Halbzeit des gestrigen Spiels (aus vielerlei Gründen, wohlgemerkt). Gleichwohl hätte ich es begrüßt, wenn er seine Erklärungssuche nicht bei den Fans begonnen hätte. Es gab genügend andere Baustellen im bzw. rund um das Spiel des VfB. Die unangenehmste heißt für mich in zunehmendem Maße Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt (den man Horst Heldt aber kaum zum Vorwurf machen kann, nachdem er vor Monaten von allen Seiten dafür gefeiert wurde). Bisher dachte ich immer, er habe persönliche Gründe, den auf der linken Seite mutterseelenallein stehenden Cacau nie anzuspielen. Nachdem er gestern Magnin in der gleichen Weise aus dem Spiel nahm, in der Hoffnung, irgendwann einmal mit einem Dribbling nach innen zum Tor durchzukommen, frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper, bei dem es ins Bild passt, dass er beleidigt und mit einer wegwerfenden Handbewegung von dannen zieht, wenn der Trainer aus gutem Grund entscheidet, dass Elson und nicht Hleb einen Freistoß aus dem Halbfeld treten soll (unabhängig von der Frage, ob Trainer während des Spiels solche Entscheidungen treffen müssen).

Um es kurz zu machen: wenn das Spiel montags im DSF gelaufen wäre, hätte ich als neutraler Zuschauer spätestens nach einem Viertel der Spielzeit Peter Lustigs Rat befolgt: „Abschalten!“ Dann hätte ich allerdings auch die Szene verpasst, die mir wieder einmal überdeutlich meine eigene Inkonsequenz als Fußballfan vor Augen führte – aber auch die Distanz, die der VfB noch zum Thema „Abstiegskampf“ hat: taktische Fouls machen mich normalerweise rasend. Beim Gegner sowieso, aber auch als neutraler Zuschauer. Dass Elson jedoch in der 89. Minute nicht nur davon absieht, Christian Fuchs 40 Meter vor dem Tor zu foulen, sondern nach meinem Eindruck im Stadion fast noch das Bein zurückzieht, verstehe ich nicht. Ja, ich gebe zu, hier habe ich ein taktisches Foul gefordert. Eines dieser Fouls, bei denen man Spielern wie Mark van Bommel oder Christian Poulsen und selbst einem Sympathieträger wie Philipp Lahm anmerkt, dass sie das Spiel verstehen, Gefahren erkennen und sich für den Mannschaftserfolg auch mal zum Buhmann machen lassen. Das mag keine ehrenvolle Qualität sein – für die Tabelle ist sie viel wert. Und mit Blick auf gestern bezweifle ich, dass Fuchs auch aus 40 Metern getroffen hätte.

Detailliertere Aussagen zum Spiel selbst gibt’s einmal mehr im Brustring.

PS: Ja, ich habe gelesen, dass bei den Fanprotesten vor und/oder nach dem Spiel Ordner verletzt worden seien. Ich verurteile es. Aber ich habe keine Lust, mich hier intensiver mit Dummköpfen zu beschäftigen, die dem Vernehmen bzw. der hiesigen Sonntagszeitung nach Dinge wie „Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot“ skandiert haben sollen.

Und mit Udo Latteks bzw. Thomas Herrmanns Analyse der Fanszene im DSF-Doppelpass will ich mich auch nicht befassen.

[Nachtrag 6.12., 13:05: nach Medienberichten wurde Markus Babbel entlassen.]


Mach es zu Deinem Projekt!

4. Dezember 2009

Leider hatte ich in der laufenden Woche nicht sehr viel Zeit, mich ausführlich mit den Geschehnissen rund um das Neckarstadion zu befassen. Immerhin gab mir die eine oder andere Fahrt in der Stadtbahn die Gelegenheit, die Berichterstattung in den hiesigen Printmedien zu verfolgen, und ich muss sagen: die Stuttgarter Zeitung hält nichts von halben Sachen. Sie hat die Entlassung von Markus Babbel zu ihrem Projekt gemacht, ohne Wenn und Aber.

Bereits am Montag war alles klar:

„Heute soll die Entlassung des Teamchefs verkündet werden.
[...] sondierte Heldt nicht erst seit gestern den Trainermarkt – und er ist fündig geworden. Die Entscheidung fällt zwischen zwei Kandidaten [...]„

Am Dienstag war man noch immer guter Dinge:

„Aber die Tendenz hat sich verfestigt – Babbel muss gehen, wohl heute.“

Tags darauf wurde die Vereinsführung gerügt, die sich nicht an die Vorgaben der Presse gehalten hatte:

„Damit es in dieser turbulenten Woche beim VfB Stuttgart nicht in Vergessenheit gerät: der Tabellenvorletzte der Fußball-Bundesliga hat am Sonntag 0:4 verloren und ein desolates Bild abgegeben. In Leverkusen sind alle Kriterien erfüllt worden, die eine Entlassung von Markus Babbel gerechtfertigt hätten. [...]
Dennoch hält die Vereinsführung an Markus Babbel fest. Das ist ein Fehler. [...]
Der VfB braucht schnelle Hilfe, und die hätte nur ein Trainerwechsel in Aussicht gestellt.“

Am Donnerstag appellierte man dann an das Verantwortungsgefühl der „VfB-Bosse“:

„Verdammt groß ist jedenfalls nach den jüngsten Ereignissen die Chance, dass am Ende der Saison die ganze Fußballwelt [...] sagen wird: So still und sympathisch ist noch kein Club abgestiegen. [...]
Diese Sympathie als Maß aller Dinge ist riskant, [...] ‘denn wenn es auf die Beliebtheit ankommen würde, säßen Donald Duck und die Muppets längst im Senat’. Babbel ist immer noch VfB-Trainer. [...] gescheit hat darüber schon Laotse im alten China philosophiert: ‘Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.’“

Eines ist demnach klar:
Die Stuttgarter Zeitung stellt sich ihrer Verantwortung für den VfB.

Etwas anders sieht das Herr W., der einen gar vergnüglichen Leserbrief an die StZ verfasste:

„Tja, liebe Stuttgarter Zeitung, damit es in dieser turbulenten Woche nicht in Vergessenheit gerät: Ihr habt am Montag die Entlassung von Babbel bereits als feststehend verbreitet. Das war wohl nichts. Und da hilft es auch nicht, wenn sich jetzt der Sportchef persönlich in die Bresche wirft und wortreich erklärt, wer alles den Fehler begangen hat, nicht das zu tun, was die StZ angekündigt hat. Peinlich, peinlich. Natürlich gibt es gute Argumente für eine Entlassung Babbels, aber hier handelt es sich doch nur um den schlecht kaschierten Versuch, von eigenem Versagen abzulenken. Ente bleibt Ente.“

Möglicherweise ist es gewagt, diesen Leserbrief hier ungekürzt wiederzugeben, zumal ich nicht einmal weiß, wer mich abmahnen könnte: die Zeitung (vor der ich für den Abdruck des Leserbriefes den Hut ziehe) oder Herr W., oder gar beide? Ich wage jedenfalls zu hoffen, dass sich sowohl der Autor des Briefes als auch die Zeitung, so sie sich denn hierher verirrten, zunächst freundlich an mich wenden würden, wenn ihnen das ausführliche Zitat missfiele.


Kalt erwischt.

30. November 2009

Der VfB wurde am Wochenende kalt erwischt. Dies trifft zum einen auf die Mannschaft zu, die allem Anschein nach – ich habe nur ein paar Szenen in den dritten Programmen gesehen und einiges bei 90elf verfolgt – von der ersten bis zur letzten Minute völlig überfordert war.

Zum anderen, und das scheint mir fast noch schwerer zu wiegen, habe ich den Eindruck, dass das gesamte Umfeld genauso kalt erwischt wurde. Niemand konnte sich nach dem Befreiungsschlag in Glasgow vorstellen, dass nur wenige Tage später ein erneuter Tiefpunkt erreicht würde. Sicher, eine Niederlage galt keineswegs als ausgeschlossen, aber in dieser Form hat sie wohl niemand für möglich gehalten. Fans, Zeitungen, Blogger – im Grunde waren nach meiner Wahrnehmung alle überzeugt, dass man auf einem guten Weg sei, dass die Mannschaft sich der Situation bewusst sei, dass vielleicht auch die richtigen Akzente bei der Aufstellung gesetzt worden seien, und dass es sich eben doch bewährt habe, an Markus Babbel festzuhalten.

Doch nicht nur die relativ weit außen stehenden Beobachter ließen sich blenden. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Präsident Erwin Staudt zwischen Glasgow und Leverkusen ohne Not zu einer Aussage hinreißen ließ, die ohne allzu große Verrenkungen als „Jobgarantie“ bis in die Winterpause (und damit wohl auch darüber hinaus  - es ist eher nicht anzunehmen, dass das Mainzer Timing als neues Erfolgsmodell um sich greifen wird) interpretiert werden konnte?

Zwar hätte Staudt vermutlich nur wenig Probleme damit, diese Aussagen als „Geschwätz von gestern“ abzutun, wenn es denn doch zu einer Trennung käme, und wenn er sich doch nicht nur vom Übermut nach dem Spiel gegen die Rangers hat leiten lassen, sondern tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben. Nicht nur bei der FAZ wird Staudt neben Horst Heldt „der Fraktion zugerechnet, die Handlungsbedarf sieht„, sprich: Babbel entlassen will.

Mit dieser Entlassung habe ich heute eigentlich fest gerechnet. Eben weil das gestrige Debakel in dieser Form offensichtlich so unerwartet kam und die Entscheidungsträger mit großer Wucht getroffen hat, ging ich fest davon aus, dass Horst Heldt seine dritte Trainerentlassung rasch umsetzen würde. Ich hätte es schweren Herzens begrüßt. Und bin überzeugt, dass Heldt es getan hätte, wenn die Regelung der Nachfolge bereits weiter gediehen wäre. Nun werden also Namen wie Franco Foda, der unvermeidliche Christian Gross, Guido Buchwald (Prust) oder gar Krassimir Balakov gehandelt. Letzteres bisher allerdings nur vom einstigen Tor des Tages, Hansi Müller, was mich hoffen lässt, dass nichts dran ist – zu sehr ärgere ich mich noch über Balakovs hochdotierten Rentenvertrag als Assistenztrainer unter Magath und Sammer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine intensive Diskussion zum Thema „Entlassung ja oder nein“ wird derzeit in den Kommentaren beim Brustring geführt, und im Fanpod-Blog gibt’s ein paar Fragen an den Trainer.

 

 


Befreiungsschlag

25. November 2009

Fußball ist so schön einfach. Und so, wie soll ich sagen, unmittelbar. Für jeden verständlich. Innerhalb kürzester Zeit wird deutlich, ob wir einen genialen Moment oder einen fatalen Fehlpass erleben, ob ein Dribbling großartig oder stümperhaft, der Hackentrick pfiffig oder fahrlässig, der Abschluss sensationell oder einfach eigensinnig ist. Und einen Befreiungsschlag erkennt selbst der uninteressierte Laie auf Anhieb als solchen.

Etwas schwieriger wird es, wenn man das Ganze eine Ebene höher hebt, wenn der Befreiungsschlag nicht nur für eine konkrete Spielsituation, sondern im Idealfall für eine ganze Saison gelten soll. Zumindest mir fällt es dann schwer, aus der Situation heraus unmittelbar zu erkennen, ob der vermeintliche Befreiungsschlag tatsächlich geeignet ist, die Situation zu bereinigen, oder ob sie eben noch nicht geklärt ist. Bezieht man diese Frage auf den gestrigen Sieg des VfB Stuttgart in Glasgow, lässt sich sicherlich feststellen, dass Markus Babbel Gelegenheit bekommen hat, etwas Luft zu holen, dass sich die Mannschaft neues Selbstvertrauen geholt hat, und dass natürlich die Chancen in der Champions League intakt sind. Dennoch würde ich persönlich zögern, von einem nachhaltigen (Buzzword Bingo?) Befreiungsschlag zu sprechen. Ein Teil der Qualitätsmedien ist weniger zurückhaltend:

Tatsächlich spricht manches dafür, dass es sich um einen Befreiungsschlag handeln könnte. Erstmals war man in der Lage, die eigene Schwächephase nach dem wie so oft guten Beginn auf eine knappe Viertelstunde vor der Pause zu beschränken, um danach endlich einmal weiter nach vorne zu spielen und so letztlich, anders als gegen Glasgow und bei Urziceni, den Vorsprung auszubauen. Mit Kuzmanovic ist nach langer Suche nun doch der Gomez-Nachfolger gefunden: er hat gleich viel gekostet wie Marica, ist aber torgefährlicher. Cacau füllt die Lücke auf der 10. Pogrebnyak strotzt mittlerweile vor Selbstvertrauen – Rudys Tor hat er großartig mit der Hacke vorbereitet. Lehmann hat die verloren geglaubte Aggressivität wiederentdeckt und grätscht auch mal mit beiden Beinen voraus, wenn längst abgepfiffen ist.

Ok, etwas ernsthafter:
Vieles war gut gestern, insbesondere die Entschlossenheit, sich die Butter nicht wieder vom Brot nehmen zu lassen. Mit den ersten Erfolgserlebnissen kam auch das Selbstvertrauen für Ansätze zum Kombinationsspiel und die eine oder andere Einzelaktion zurück. Defensive Harakiri-Aktionen waren bis auf Pogrebnayks verheerenden Querpass, der beinahe zum Ausgleich geführt hätte, Mangelware. Das 2:0 kann man mit etwas Wohlwollen sogar als schnellen Gegenangriff nach einem am eigenen Tor abgefangenen Ball walten – wann hat man so etwas zuletzt gesehen? Die Abwehr stand souverän, im Mittelfeld war man mit Träsch und Kuzmanovic defensiv kompakt und hatte dennoch genügend Inspiration, nach vorne etwas zu bewegen. Ob das gegen stärkere Gegner als die Rangers bereits reicht, bleibt allerdings abzuwarten, zumal erneut keiner der eingesetzten Stürmer traf.

Sebastian Rudy? Zu ihm ist aktuell das meiste gesagt. Was mich absolut beeindruckt, ist seine enorme Ruhe am Ball, auch wenn man sie in der einen oder anderen Situation als Phlegma auszulegen geneigt ist. Für einen 19-Jährigen ganz außergewöhnlich, finde ich.

Die aufmerksame Leserin mag bemerkt haben, dass ich nicht so recht weiß, wie ich das Spiel einordnen soll. Einerseits habe ich mich über den hochverdienten Sieg und das Spiel des VfB außerordentlich gefreut und will auf anhaltende Besserung hoffen. Andererseits waren die Rangers einfach erschreckend schwach, sodass man nicht der Versuchung erliegen sollte, plötzlich alles in den hellsten Farben und höchsten Tönen darzustellen.

Aber am Sonntag wird erst einmal das Kanonenfutter aus Leverkusen hergespielt.