Hereinspaziert, liebe Freitagstexter!

6. November 2009

Frau Antjes aufgedeckter Lebenslüge habe ich es zu verdanken, dass die Dame mit dem wohlklingenden Namen Pleitegeiger mir die Ehre zuteil werden ließ, zum zweiten Mal die Damen und Herren Freitagstexter hier im Blog zu begrüßen.

Hintergrundinformationen zum Freitagstexter haben die Fachleute aus dem Hause Google zuhauf anzubieten. Alternativ kann ich mich selbst zitieren:

…beim Freitagstexter handelt es sich um einen Bildbetextungswanderpokal, der wöchentlich vergeben wird und dessen Siegerliste das Who is Who der bloggenden Bildbetexter versammelt.

So ist es nun an mir, diese illustre Runde, hoffentlich angereichert durch den einen oder die andere angedacht-Leser(in), ein paar Tage lang zu beherbergen und auf zahlreiche gelungene Kommentare, Titel, Bildunterschriften oder Ähnliches zu hoffen. Die Kommentare sind wie immer bis Dienstag offen, am Mittwoch wird der Pokal überreicht.

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Foto: pcgn7 | Bestimmte Rechte vorbehalten


New York – Münster – Hamburg – Duisburg

4. November 2009

Ein weiterer Podcast aus der Reihe „Ballpod“ ist in diesen Tagen produziert worden, und einmal mehr ist er anders als die vorherigen. Diesmal sogar ganz anders: Jürgen Kalwa hat aus New York die Macher von Nedsblog und Catenaccio, Nedfuller und Jens, zu ihren Vereinen sowie zum Projekt 18mal18 befragt, und Trainer Baade hat sich (unter anderem) erstmals ausführlich zu seiner Auseinandersetzung mit der Firma Jako geäußert. Ganz anders, wie gesagt, und erneut ganz hervorragend gelungen. Finde ich.

Wer sich das Ganze anhören will (und wer würde das nicht wollen?), dem lege ich zunächst den von Jürgen produzierten Teaser ans Herz:

Anschließend wird sie dann sicherlich das ganze Werk hören wollen:

Kommentare sind selbstverständlich erwünscht; am sinnvollsten erscheinen sie indes bei Podcast-Initiator probek, wo wir das Podcast-Feedback zumeist sammeln.

 

 


Eine Frage des Anstands

2. November 2009

Samstag früh geht die Familie in die Stadt. Die beiden Fixpunkte sind Spielwaren Kurtz und der Wochenmarkt. Während der Aufenthalt „beim Kurtz“ zwar recht lange dauert, der Sohnemann aber keinerlei Kaufwünsche äußert, wird auf dem Markt kräftig eingekauft. Man ist ja schließlich ein ökologisch geprägter, ernährungsbewusster Mitteleuropäer.

So stellt man sich mit all den anderen ökologisch geprägten, ernährungsbewussten Mitteleuropäern an seinem Lieblingsstand an, der längst kein Geheimtipp mehr ist. Wie gesagt: es ist Samstag, d.h. all die anderen jungen Eltern, aus dem Bett gefallenen Twens und gutsituierten Schwaben an der Schwelle zum Rentenalter haben noch viel vor und demzufolge ein großes Interesse an kurzen Wartezeiten. Insbesondere die älteren Mitbürger. Ich bin dann in der Regel recht großzügig. Die Leute haben es sich sicherlich über Jahrzehnte hinweg erarbeitet, Regeln und insbesondere Warteschlangen ignorieren zu dürfen. Außerdem ist ja Wochenende, da muss ich keinen Streit haben. In der Regel.

Kürzlich stand ich wieder einmal an. Äpfel wollte ich, und ein paar Birnen, vielleicht noch etwas Rosenkohl. Vor mir waren noch zwei Leute, hinter mir etwa fünf. Wobei „hinter“ insofern nicht stimmt, als man im Normalfall keine gerade Schlange bildet, sondern die Breite des Marktstands ausnutzt, sodass die Durchgänge passierbar blieben.

Eine gut gekleidete Dame gesellte sich zu den Wartenden, und es war offensichtlich, dass sie nicht gedachte, sich an Position 9 einzureihen. Nummer 1 ließ sie noch gewähren, bei Nummer 2 machte sie bereits erste Anstalten, sich zu Wort zu melden. Nummer 3 war ich, trotz ihres etwas ernsthafteren Versuches, mich zu verdrängen. Die weitere Entwicklung interessierte mich, und ich blieb noch ein wenig stehen. Als die Marktfrau die Nummer 4 bedienen wollte, meldet sich tatsächlich die besagte Dame mit einem entschlossenen „Jetzt bin aber ich dran!“ zu Wort.

Worauf die Marktfrau, eine zierliche Person mit breitem schwäbischem Einschlag, ihr sehr sachlich entgegnete:

„Nein, sie haben sich vorgedrängelt.
Solche Leute mag ich nicht.“

Wild schimpfend verließ die Dame den Stand, während ich lächelnd über den Markt schlenderte, um Frau und Kind beim Kurtz abzuholen.


Erinnerungen an Hargreaves

1. November 2009

Kurz nach der Jahrtausendwende, als Mehmet Scholls Haar bereits deutlich lichter wurde, stellte der FC Bayern mit Blick auf die Teenage Fans seinem Juwel Roque Santa Cruz die Herren Hargreaves und Feulner an die Seite, die von Zuschauern und Kommentatoren ob ihrer Lockenpracht das eine oder andere Mal verwechselt wurden. Die Gelegenheiten dazu waren aber insofern sehr begrenzt, als Feulner zunächst kaum mehr als ein gelegentlicher Nachrücker aus der Amateurmannschaft war, während sich Hargreaves rasch etablierte und bereits im Halbfinale und Finale der Champions League 2000/01 in der Startelf stand. In den Folgejahren war er ob seiner Vielseitigkeit, seiner Aggressivität und natürlich seiner fußballerischen Klasse eine verlässliche Größe beim FC Bayern, ehe er nach langem Hin und her im Sommer 2007 zu Manchester United wechselte. Nach einer erfolgreichen ersten Saison verletzte er sich zu Beginn der Spielzeit 2008/09 und hat seit dem 21. September 2008 kein Pflichtspiel mehr bestritten.

Vor wenigen Wochen ist Hargreaves nach mehreren Operationen und langwieriger Rehabilitation wieder zur Mannschaft gestoßen und soll nach jüngsten Aussagen in den nächsten Wochen sein Comeback feiern – wenn es nach der britischen Presse geht, am besten gleich bei einem Treffen auf höchstem Niveau. Ich würde mich über seine baldige Rückkehr auf den Platz freuen, zumal ich seine Spielweise, wie auch sein Auftreten außerhalb des Platzes, in der Regel sehr geschätzt habe. Die Ausnahme von der Regel war ein Spiel am 11. Dezember 2004, in dem Hargreaves seine taktische Aufgabe, Aliaksandr Hleb vom Platz zu treten, mit Bravour erfüllte.

An eben dieses Spiel dachte ich beim gestrigen Aufeinandertreffen des VfB und des FC Bayern nach einer guten Viertelstunde, als Hleb zum vierten Mal rustikal vom Ball getrennt worden war, und kam zu dem Schluss, dass Mark van Bommel die Hargreaves-Rolle nicht allein zugedacht war, sondern dass Schweinsteiger und Tymoshchuk ihn unterstützen würden. Tatsächlich nahm das Spiel jedoch einen anderen Verlauf. Der VfB hatte erst einmal keinen Mut mehr, Hleb seinen Schneid verkauft, die Bayern sortierten ihr Spiel besser, und Mark van Bommel erinnerte sich seiner fußballerischen Fähigkeiten, die gelegentlich ob seines Rauhbein-Images zu wenig gewürdigt werden.

Die Bayern kontrollierten das Spiel, doch in Strafraumnähe kamen sie nur, wenn Philipp Lahm im Spiel war und von Boka weder an Halbfeldflanken noch an Versuchen, den Ball seinen Stürmern im 16er in den Fuß zu spielen, gehindert wurde – glücklicherweise war die Innenverteidigung aufmerksam. Im Gegenzug ließ Lahm sein Gegenüber auch immer wieder aus dem Halbfeld flanken, was ähnlich gefährlich war. Selbst Hilberts Kopfball diente letztlich eher dazu, Hans-Jörg Butt die Gelegenheit zu einer attraktiven Parade zu geben, nachdem er bereits bei Julian Schiebers Schuss von der Strafraumecke die Flugshow eröffnet hatte.

Letztlich ist mir außer Tonis Abseitstor keine ernst zu nehmende Torchance der Bayern im Gedächtnis haften geblieben, beim VfB waren es nur unwesentlich mehr, sodass man wohl von einem angemessen Ergebnis sprechen kann. Die Interpretation eines Stadtbahn-Mitreisenden, wonach die Bayern nicht mehr wollten und der VfB nicht mehr konnte, kann ich natürlich nicht unwidersprochen hinnehmen – vielmehr ließ auch die VfB-Defensive letztlich einfach nicht mehr zu, auch wenn gerade Schweinsteiger, van Bommel und Tymoshchuk durchaus gewollt hätten. Mario Gomez gewann zwar in der ersten Halbzeit fast jeden Zweikampf gegen Matthieu Delpierre; Torgefahr wäre jedoch nur in einer Szene entstanden, wenn Schiedsrichter Kempter, der wieder einmal mit theatralischen Gesten auffiel, ihn nicht wegen eines diskussionswürdigen Foulspiels zurückgepfiffen hätte. In der zweiten Halbzeit tauchte Gomez völlig unter.

Für Gesprächsstoff sorgte natürlich die Verbrüderungsgeste von Mannschaft und Fans, als die Spieler, angeführt von Kapitän Hitzlsperger, nach dem Aufwärmen in die Cannstatter Kurve rannten und sich gemeinsam mit den Anhängern auf das Spiel einschworen (herrlich zu beobachten, wie die Medienvertreter völlig auf dem falschen Fuß erwischt wurden und hektisch in Richtung der Kurve rannten, nachdem sie die Spieler bereits auf dem Weg in die Kabine gewähnt hatten). Eine gelungene Aktion, die ziemlich gut zur allgemeinen Stimmung passte und das Zusammenrücken von Mannschaft, Fans und eben auch Trainer Babbel (der in der Kurve von Assistent Rainer Widmayer vertreten wurde) gut illustrierte. Dennoch würde ich nicht so weit gehen wie mein Nebenmann, der von Hitzlspergers bester Szene der gesamten Saison sprach.

Eine große Szene hatte schließlich noch Manager Horst Heldt, der im heutigen DSF-Doppelpass den Vorwurf, der VfB hätte die Gomez-Nachfolge viel früher regeln müssen, in aller gebotenen Subtilität als „gequirlte Scheiße“ abtat. Sehr dezent auch sein Hinweis, dass er Guido Buchwalds Kritik einzuordnen wisse – er könne leider auch nichts dafür, dass Buchwald derzeit keinen Trainerjob finde… Ich weiß, im Grunde darf sich ein offizieller Vertreter des Vereins nicht so über den VfB-Ehrenspielführer äußern. Mir hat er aber aus dem Herzen gesprochen.


Somebody called them Sebastian

31. Oktober 2009

Erstmals in der laufenden Saison kamen bei der zweiten Mannschaft des VfB im heutigen Spiel gegen die Bremer Reserve fünf Spieler mit Namen Sebastian zum Einsatz. Die Herren Enderle, Hertner, Hofmann, Rudy und Wolf konnten jedoch nichts an der leistungsgerechten 0:1 Niederlage ändern.

Etwas ernsthafter: Manches im Spiel des VfB II erinnerte an die Bundesligamannschaft. Sven Schipplock im Sturm mühte sich redlich, konnte aber so gut wie keine Torgefahr entwickeln. Im Mittelfeld war man mit lauter spielstarken Leuten besetzt, und doch gelang es Rudy, Didavi, Hertner und dem sehr präsenten Funk nur zu Beginn und in den letzten zwanzig Minuten, die Bremer Hintermannschaft mit ihrem Spiel in Verlegenheit zu bringen. In der Abwehr war man zwar weitgehend Herr der Lage; einige Stockfehler in der zweiten Hälfte ließen jedoch erahnen, dass der erste ernsthaft vorgetragene Bremer Angriff der zweiten Hälfte ein Gegentor mit sich bringen würde. Zurecht.

Bremen zeigte sich insgesamt robuster und nahm letztlich verdient 3 Punkte mit – somit entschied auch Pascal Testroet das 18mal18-interne Duell mit Sebastian Rudy für sich, über das es nebenan etwas mehr zu lesen gibt.

Hier hingegen gibt’s nur noch kurz was zu hören: