Archive for the 'Reiseandenken' Category

Das Dromedar passte einfach nicht in die Teekanne

18. April 2013

Irgendwann in grauer Vorzeit verbrachte ich einige Zeit an einer Hochschule in Frankreich. Der geneigten Leserin ist natürlich bewusst, dass Marseille eigentlich gar nicht zu Frankreich gehört, der nicht geneigten ist es egal, sodass ich es bei dieser Vereinfachung belassen möchte. Zumal der Ort des Geschehens für die nächsten Zeilen nicht von Relevanz ist, da in allererster Linie die französische Sprache Gegenstand der Betrachtung sein wird, die – mancher mag es bedauern – auch ganz im Süden Amtssprache ist.

Jene Hochschule bildete sich einiges auf ihre Internationalität ein und lockte Studierende aus mancher Herren (w/m) Länder an, die wiederum mit recht heterogenen Vorkenntnissen der französischen Sprache ausgestattet waren. Der Besuch eines Sprachkurses war obligatorisch, den Unterricht hielt eine attraktive jüngere Dame, was indes nicht ausschlaggebend dafür gewesen sein dürfte, dass meine englischen Kommilitonen ihr bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit musikalische Jane-Birkin-Zitate zuhauchten.

Der Unterricht war eher unspektakulär, um nicht zu sagen: langweilig, und vermutlich hätte ich ihn längst vergessen, wenn es nicht diese eine, etwas länger nachhallende Wahrnehmungsdiskrepanz zwischen uns beiden gegeben hätte. Aus heutiger Sicht will ich gar nicht bestreiten, dass sie vermutlich recht hatte; damals aber erschien es mir ziemlich, wie sage ich das jetzt am besten, doof, einen Lückentext über ein beliebiges Thema zu erstellen.

Wobei “Lückentext” die Sache nicht trifft; vielmehr war, betrachtet man die prozentuale Verteilung von Lücken und Text, das Gegenteil der Fall. Man sollte also einen Text um einige vorgegebene Worte herum schreiben. Bei diesen Worten bzw. Wortkombinationen handelte es sich indes nicht um einzelne Begriffe, die dem Text einen inhaltlichen Rahmen geben würden, sondern vielmehr um Konjunktionen, Fügungen, idiomatische Wendungen.

Nichts Besonderes also, und zweifellos eine gute Übung für Leute, die sich in einer Sprache vernünftig ausdrücken wollen, vermutlich auch in der eigenen. Weshalb mich diese (Haus-) Aufgabe so störte, kann ich gar nicht mehr so genau sagen; ich weiß noch, dass wir eine andere, sozusagen: ernsthafte Klausur vor Augen hatten, dass mein Zeitplan ohnehin recht voll war, und dass, so ehrlich will ich dann ja auch sein, ich (selbstgefällig rückblickend: möglicherweise zurecht) der Meinung war, der Großteil der zu betrachtenden Wendungen sei ohnehin Teil meines aktiven Wortschatzes. Meine Missfallensäußerungen fruchteten nicht, sie wurde ungewohnt schmallippig und klar in ihrer Ansage.

Also fertigte ich, möglicherweise nicht in einem Zustand völliger Gelassenheit, einen entsprechenden Text an. Er trug – sinngemäß, genau bekomme ich es nicht mehr zusammen – den Titel “Die Bedeutung von Kreuzworträtseln im Sprachunterricht” und dürfte bei meinen Eltern auf dem Dachboden liegen. Die Argumentation war möglicherweise ein bisschen lückenhaft, die Sprache direkt, der Tonfall in Ansätzen rotzig. Wir sprachen danach eine Weile gar nicht mehr so herzlich miteinander.

Vermutlich hatte ich seither ein latent schlechtes Gewissen. Excusez-moi, Stéphanie! So nahm ich also 20 Jahre später den unverhofften Auftrag des geschätzten Herrn @DerUebersteiger gerne an, auch wenn ich die offene Rechnung mit mir selbst auf diesem Wege nur in Ansätzen begleichen würde:

Ein Text zu einer vorgegebenen Überschrift also. Einer Überschrift, die anders als die damaligen Satzverknüpfungen und Übergänge durchaus ein gewisses inhaltliches Schlaglicht setzt. Wer an dieser Stelle einwenden möchte, dass ein Metatext, wie er sich seit ein paar (also allen) Zeilen andeutet, nicht Sinn der Sache sei, mag recht haben. War auch gar nicht geplant.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ich tat mich ein bisschen schwer mit dem Sujet. Natürlich lag der Gedanke nahe, etwas über Kamele und Nadelöhre zu schreiben, um dann einen formvollendeten Bogen hinüber zu Dromedaren (leicht!) und Teekannen (so mittel) zu schlagen. Allein, es misslang.

Misslungen ist auch der Versuch, einfach die Assoziationen wirken zu lassen. Die erste war eine schöne, aber auch sie brachte mich nicht weiter: “Tee im Harem des Archimedes”. Sie erinnern sich, damals in den 80ern? Ein paar Jahre vor den Beduinen von Paris, lange vor La haine. Natürlich auch ganz anders. Aber eben irgendwie so, wie man sich, kulturell beflissen, den französischen Film an sich vorstellte. Kein Grand Bleu, keine Visiteurs, auch kein Belmondo mehr. Sozialkritisch, und gut.

Das mag jetzt ein bisschen flapsig geklungen haben, war aber gar nicht so gemeint. “Tee im Harem des Archimedes” liegt auch nach wie vor zuhause herum, nicht auf dem elterlichen Dachboden, sondern bei uns daheim. Allerdings müsste ich wohl erst ein VHS-Abspielgerät organisieren. Dann könnte ich wenigstens auch die ganzen Kaurismäki-Filme mal ansehen. Oder Stop Making Sense oder Monterey Pop. Polanskis Macbeth vielleicht, oder was ich sonst noch nie zu Ende sah.

Mist, die Kurve wieder nicht  bekommen. Also, fürs Protokoll: Tee im Harem des Archimedes fand ich ganz großartig. Ich bezweifle nur, dass mir das, einer gewissen, hoffentlich auch für Außenstehende ersichtlichen (wenn nicht: egal, sind ja meine Assoziationen), Sinnfreiheit Ähnlichkeit bei der Namensgebung zum Trotz, nicht so recht weiterhelfen wird. Wer soll den bei “Dromedar” was falsch verstanden haben, bzw. was? Rommedahl? Teekanne statt Cezanne? Oder gar Zidane à la Völler? Der Rommedahl passte einfach nicht zu dem Zidane?

Bisschen weit hergeholt, ne? Weiß schließlich jeder, dass der Spieler, der nicht zu Zidane passt, den Zidane nicht besser macht, nicht geboren wurde. Selbst Materazzi machte er zum finalen Matchwinner.

Meine Güte, was erzähle ich hier? Ich sollte es an dieser Stelle bewenden lassen. Korrekter: hätte es etwa dreizehn Absätze früher tun sollen. Noch besser: drei Sekunden, nachdem ich den Übersteiger’schen Auftrag erhalten hatte. Zu spät. Und auch wenn ich hoch und heilig verspreche, beim nächsten Mal keine selbstbezogene Metadiskussion anzuzetteln, so befürchte ich doch, dass eines klar ist:

Eher passt ein Dromedar in eine Teekanne,
als dass der Übersteiger den Kamke noch einmal beauftragt.

Der Menschen Rudelseligkeit

19. September 2012

Jüngst hatte unser jugendlicher Held die Ehre, an einem außergewöhnlichen gesellschaftlichen Ereignis teilhaben zu dürfen, dessen übergeordneter Sinn in der Huldigung der Rudelseligkeit bestehen sollte.

In gesellschaftlichen Ereignissen insbesondere dieses Zuschnitts nur bedingt erfahren, sah er sich unversehens mit der Frage konfrontiert, was sie denn genau sei, diese Rudelseligkeit, und was sie vor allem so feiernswert mache. Im Zuge einer kurzen Literaturrecherche stieß er auf Stefan Andres, der in einer Rede en passant die ”tertianerhaft lärmende Rudelseligkeit der Sieger” beklagte, die zu feiern unser Protagonist nur einen sehr geringen Antrieb verspürte; an ganz anderer, ihm ungleich genehmerer Stelle las er von “rudelseliger Einhaltung” bestimmter Codes, “die das Gefühl der Zugehörigkeit zur Elite geben”.

Zwar nahm der junge Mann, der keineswegs von sich behaupten konnte, dem Empfang elitärer Schmeicheleien abhold zu sein, die süßen Worte mit einem Lächeln zur Kenntnis; gleichzeitig war ihm indes bewusst, dass die Ausrichter des Ereignisses in keinerlei Elitenverdacht stehen, oder vielmehr nicht im Verdacht, das Denken in Eliten zu fördern. So führte er, wohl oder übel, seine Überlegungen zur Rudelseligkeit fort und gab sich seinen Assoziationen hin.

Der Weg zu “bierselig” war ein kurzer, “rappelvoll” schaute kurz vorbei, trollte sich aber ebenso annähernd so schnell wie “riegeldumm” – an dieser Stelle hatte er sich seiner ungebetenen Gedanken ein wenig geschämt –, ehe sich unser Held, des Liebreizes der Gastgeber eingedenk, von der dunklen Seite entfernte und sich stattdessen – über den Umweg der heute zumeist nur noch bei der älteren Generation gebräuchlichen Saumseligkeit – ein gemeinsam erlebtes Glücksgefühl mehrerer Personen vor Augen führte. Von dem er allerdings nicht wusste, ob es Gegenstand oder Ziel der Feierlichkeit sein sollte. Oder beides.

Entsprechend verunsichert trat er seine Reise in die Hauptstadt an. Und konnte bereits beim Aufbruch nicht umhin, jene ausgelassen vorfreudige Grundstimmung festzustellen, die sich in seinem Innern breit machte und die sich – auch wenn er es sich nicht recht erklären konnte – einzig und allein als rudelselig bezeichnen ließ.

Die Gewissheit, mit der ihn diese Erkenntnis ereilte, irritierte ihn zunächst sehr, und erst der Blick auf die Timeline ließ ihn wieder ein wenig zur Ruhe kommen: es schien ihr kein bisschen anders zu gehen. Ganz  Twitter (er dachte gerne in großen Zusammenhängen) rudelte selig vor sich hin, und so stellte er sich eben so lächelnd vor, wie ausgeprägt dann wohl die Rudelseligkeit bei den Auslösern der Kollektivwonne sei.

Zwar wohnte er der formalen Rudelseligsprechung nicht bei; bereits während der Anreise erreichten ihn jedoch erste Zeugnisse der folgerichtigen Rudelseligwerdung – in manchen Regionen wird sie dem Vernehmen nach auch als Saumbildung gefeiert –, deren Botschaft von Pankow (schön da) in die Welt hinaus getragen wurde.

Die Ungeduld wuchs, die Reisegeschwindigkeit sank, doch allen Unbilden und der Deutschen Bahn zum Trotz erreichte er spät am Abend den Ort des Geschehens, überbrachte dem rudelseligen und selbstredend wunderschönen Brautpaar seine herzlichsten Glückwünsche und reihte sich sogleich in die rudelselige Runde derer ein, die nichts Besseres zu tun hatten, als über Fußball, Polyandrie und das Brautkleid zu reden. Und zu essen.

In offensichtlich berauschter Rudelseligkeit imaginierte unser Protagonist einen göttlichen Tanz, rudelte sich dann selig mit den Herren @freval und @dogfood zusammen, um über den letzten großen Trinker im deutschen Fußball zu reden, rang vergeblich um Einfälle, wie er names wie zum Beispiel @keanofcu, @probek oder @othertimes möglichst unaufdringlich droppen könne, und brüskierte zu vorgerückter Rudelseligkeit den fremdenführenden @wikipeter, indem er den Kneipenbesuch und das letzte Glas im Stehn verschmähte:

Erst im Laufe des Folgetages wurde ihm schmerzlich bewusst, dass die Rudelseligkeit nicht alle erreicht hatte oder dass ihr Einfluss hier und dort bereits wieder verblasste. So beim Security Check im Fernsehturm, wo eine Person mit eher sprödem Charme dem Kinde (also nicht dem jugendlichen Helden selbst) ohne ein Wort der Erklärung die Wasserflasche entriss und sie entsorgte. (Ja, man hätte sich auch vorher mal die Piktogramme ansehen können.)

Egal. Er lächelte sie rudelselig an.
Möglicherweise lächelte sie zurück.

Zrrttn!

4. April 2012

Da tut man eine Reise, eine erlebnisreiche noch dazu, in die Großstadt, mit einer Reihe erquicklicher Begegnungen, Wiedersehensfreude und allem, was dazugehört, und dann muss man sich eingestehen, dass man zwar manches zu erzählen hätte, dass aber erst einmal dieses “Zrrttn!” im Gedächtnis haften geblieben ist.

Hat der Mann in der U-Bahn immer gesagt. Zumindest in der einen; bei den anderen Fahrten war es mir nicht aufgefallen. Und ich weiß halt nicht, ob in den Münchner U-Bahnen immer die selben Ansagen abgespielt werden, oder ob sie vielleicht doch nur inhaltlich gleich sind, vielleicht von verschiedenen Menschen eingesprochen. Sagen die Fahrerinnen und Fahrer gar stets im Livebetrieb “Zrrttn!”, und was wollen sie überhaupt zerrütten?

Lauter Fragen, die ich nicht beantworten kann, die ich im Grunde auch gar nicht beantworten will, aber irgendwie muss ich doch dieses “Zrrttn!” loswerden, bei dem ich mir mittlerweile zusammengereimt habe, dass es tatsächlich wohl eher “Zurücktreten!” hieß. Aber es hängt fest. Zrrttn! Zrrttn! Zrrttn! Z u r ü c k t r e t e n!

Nun möge sich die geneigte Leserin bitte nicht in die Irre führen lassen und zu dem Schluss kommen, ich wolle mich mit Gerd E. Mäuser befassen, oder gar mit Bruno Labbadia. Vielmehr geht es um die große Bühne, auf der, seien wir ehrlich, Olympique Marseille in diesen Tagen in etwa genau so viel verloren hatte wie es der VfB hätte. Nichts.

Und so bin ich nicht nur ein bisschen froh, dass l’OM nicht furchtbar unter die Räder kam gestern, an einem Ort, dem die einheimischen Twitteruser interessanterweise die Abkürzung “AA” widmen, die bei mir bis dato anders besetzt war. Kurz gestutzt habe ich schon. Aber egal. 2:0 für die Bayern, das spiegelt die Kräfteverhältnisse wohl nicht einmal ansatzweise wider – vermutlich hätte Ribéry seinen Kampf gegen den Gegner und dessen Anhänger auch ganz allein erfolgreich bestritten. Ok, zwei Chancen hatten die Gäste vor der Pause, und wenn sie bei der ersten nicht so fassungslos gewesen wären, plötzlich zu dritt allein im gegnerischen Strafraum zu stehen, hätten sie wohl das 1:0 erzielt und das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen kurzzeitig eine Illusion von Spannung vermittelt.

Im Lauf so eines Spiels fragt man sich dann ja auch von Zeit zu Zeit, wie es dazu kommen konnte, dass diese Mannschaft, die sich im Spätherbst allem Anschein nach gefangen hatte, im Jahr 2012 von einer Enttäuschung zur nächsten eilt, vielleicht eher schlendert, und weiß gleichzeitig, dass man das Geschehen viel zu wenig verfolgt, um sich ein Urteil bilden zu können. Und doch wüsste man gern, wo der André Ayew geblieben ist, den man sich vor der vergangenen Saison nach Stuttgart wünschte, und wer der uninspirierte Alleinunterhalter in seinem Trikot war. Man hört auf, die Fehlpässe des dereinst verlässlichen Cheyrou zu zählen, fragt sich, wieso Loïc Rémy so gar nicht mitspielen will, wundert sich über den plumpen Jérémy Morel und bedauert Matthieu Valbuena, wenn er einen weiteren Defensivzweikampf gegen Franck Ribéry bestreiten muss.

Aber es war eine wahre Freude, wieder einmal ein “Aux Armes!” live im Stadion zu hören – und dann doch ganz vorsichtig die Lippen mitzubewegen, mehr schien angesichts der Übermacht umsitzender Klatschpappen nicht geboten. In der Tat ging es bemerkenswert laut zu in der AA – die Zuschauer nahmen die Vorlage des Vereins, der so zumindest kurzzeitig die Verantwortung für die Stimmung im Stadion übernommen hat, gerne auf.

À propos Stimmung: Ein wenig überrascht hat mich die anhand der Reaktionen auf die Zwischenergebnisse deutlich gewordene klare Präferenz für den AC Milan gegenüber dem FC Barcelona. Der gewohnt sachkundige Herr @probek mutmaßte, es könne mit Mark van Bommel zu tun haben, was für ihn persönlich ganz bestimmt gilt und was ich mir durchaus auch für andere Zuschauer vorstellen kann. Und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht erst in letzter Linie mit dem Wunsch zu tun habe, Barcelona in einem möglichen Finale aus dem Weg gehen zu können.

Dabei wäre das sehr wohl nachvollziehbar. Nur, wie gesagt, ich hätte nicht mit so einem, sofern mein akustischer Eindruck zutraf, klaren Meinungsbild gerechnet. Hätte mir sogar vorstellen können, dass man gerade danach trachte, dem allenthalben als Gralshüter des schönen, modernen und erfolgreichen Fußballs verehrten FC Barcelona im Endspiel die Grenzen aufzuzeigen. Wilde Spekulationen, ich weiß, und auch nicht wichtig. Im Grunde hatte ich wohl eine neutrale Haltung erwartet. Man ist ja schließlich man.

Aber all das war natürlich nur das Vorspiel zum eigentlichen Höhepunkt der Reise, dem Captain’s Dinner Zusammentreffen mit einer ganzen Reihe ranghoher FCB-Protagonisten in den sozialen Netzen. Angefangen bei Herrn @lik0n, der mir eine ungefälschte Karte verkaufte, über den vom Großmeister der urbanen Neurose beim Sitzen beobachteten @stehblog, der sich mit ungefälschten Karten besonders gut auskennt, den im Sonntagsstaat erschienenen @mickyrust bis hin zu Frau @ankegroener und Herrn @probek, die die angekündigten starken Gefühle nach dem – vermutlich zu leicht gefallenen – Sieg zunächst ein wenig vermissen ließen.

Was sich in der Küche des Geburtstagskindes aus nahe liegenden Gründen noch ändern sollte (zumgeburtstagvielglückzumgeburtstagvielglück…), aber wer wäre ich, die Gefühle des Herrn probek und seine Begeisterung für bildungsbürgerliche Geschenke (die, ganz viel Asche auf mein Haupt, nicht von mir kamen) schildern zu wollen, wenn nicht einmal Jürgen Bergener ihn danach frug.

Ich verliere mich ein wenig, Verzeihung, freue mich auf einen ohne mein Zutun quasi versprochenen Pfingstkuchen und trete in vorauseilendem Gehorsam zumindest zur Seite.

Zrrttn!

Bus- und Betttag

31. Januar 2012

Drüben beim Fitzelkönig geht’s seit einigen Tagen ans Eingemachte. Um “Fußball und Liebe“, und um das Spannungsfeld, das bisweilen aus dem mehr oder eben weniger harmonischen Zusammenspiel dieser beiden Himmelsmächte entsteht.

Aufhänger ist die Champions-League-Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Barcelona, die just am Valentinstag stattfindet, der bekanntlich in manchen Kulturkreisen eine besondere Bedeutung für Liebende hat. Hinsichtlich der hiesigen Verhältnisse zitiere ich gerne die geschätzte Online-Enzyklopädie:

Allgemein bekannt wurde der Valentinstag durch die vor dem 14. Februar verstärkt einsetzende Werbung der Floristen und der Süßwarenindustrie.”

Aber wir wollten ja nicht Sinn und Unsinn des Valentinstags diskutieren, sondern die Liebe. Und den Fußball. Und wie es die beiden miteinander aushalten.

In besagtem Text und den dortigen Kommentaren liegt der Fokus eindeutig auf passivem Fußball. Auf Konflikten, die sich aus dem Fandasein ergeben, sozusagen im Stil und Geiste von Fever Pitch, während Begriffe wie “Niemandsland”, “Kreisliga” oder “Ascheplatz” lediglich der Illustration elendiglichen Scheiterns dienen – dabei spielt sich doch dort, beim echten, ehrlichen Fußball, das wahre Leben ab.

Das war übertrieben. Aber es stimmt, dass “Fußball” für mich persönlich vor allem anderen der selbst betriebene Sport ist. Kicken, möglichst regelmäßig, mit Gleich- oder auch völlig anders Gesinnten, die aber meine Leidenschaft teilen, und die gerne auch ähnlich alt, dick und langsam sind wie ich. Wenn es dann um das Spannungsfeld zwischen Fußball und Liebe geht, steht mein Fandasein, obschon es an der einen oder anderen Stelle durchaus Konfliktpotenzial bergen könnte, zunächst einmal im Hintergrund. Keine Champions League, keine Auswärtsfahrten, kein Besuch in der Fußballstammkneipe, sondern der bloße Wunsch, selbst auf dem Platz zu stehen, und dessen Konsequenzen.

Wobei das mit dem Auf-dem-Platz-Stehen so eine Sache ist. Zu Zeiten der per kaiserlichem Dekret auf Jahre hinaus festgeschriebenen Unschlagbarkeit deutscher Fußballnationalmannschaften, als ich weder alt noch dick und darüber hinaus nicht ganz so langsam war, verließ ich aus mancherlei Gründen meinen Heimatverein, um mich beim benachbarten Platzhirschen zu versuchen, zunächst in dessen Reserve, die nur geringfügig höher spielte, mit der Option auf die erste Mannschaft, die allerdings einen etwas größeren Sprung darstellte.

So spielte ich in den ersten Wochen in der Reserve, die als Aufsteiger für Furore sorgte, während die Erste verheerend in die Saison startete und schon nach kurzer Zeit keinen Zweifel daran ließ, dass es einzig und allein darum gehen würde, den Abstieg zu vermeiden. Ich trainierte viel und fleißig, zudem hatte ich mir in jenem Studiensemester ein bisschen viel aufgeladen, mit der Konsequenz, dass mich meine Freundin, vorsichtig ausgedrückt, nicht übertrieben häufig sah. Meist wurde dreimal in der Woche trainiert, sonntags gekickt, sodass ich in meiner Ernsthaftigkeit auch samstags nur sehr bedingt “auf die Piste” ging, was bei der Dame meines Herzens mitunter für Verdruss sorgte.

Sicher, ich konnte ihre zeitweise Unzufriedenheit nachvollziehen und war auch auf der Suche nach Lösungen, sofern sie keine Kürzung der Fußballzeit und die Beibehaltung eines Mindestmaßes an Studienaufwand beinhalteten – ein schwieriges Unterfangen. Um kein falsches Bild entstehen zu lassen:  Meine Beziehung war mir wichtig, ich war jung und verliebt. Der Herbst mit seinen Freizeit verheißenden Feiertagen ließ mich insofern ein wenig im Stich, als sowohl der dritte Oktober als auch Allerheiligen auf ein Wochenende fielen – aber wir hatten ja noch, die Älteren werden sich erinnern, die Sachsen haben ihn nach wie vor, den Buß- und Bettag. Pläne wurden geschmiedet, die einen kleinen Ausflug und vor allem viel, wie soll ich sagen, Qualitätszeit zu zweit vorsahen. Schön.

Am Dienstag vor dem Feiertag – Buß- und Bettag fällt bekanntlich immer auf einem Mittwoch – trainierte ich locker mit der Reserve, die Erste war wegen einer für besagten Mittwoch angesetzten Nachholbegegnung nicht zugegen. Umso überraschter war ich, als der Abteilungsleiter, der sich sonst eher rudimentär mit der Zweiten befasste, zu uns auf den Platz kam. Die Überraschung nahm noch zu, als er mich kurz zur Seite nahm: “Hast Du morgen Zeit? Der neue Trainer würde Dich gerne zum Spiel mitnehmen.” Hatte ich noch gar nicht erwähnt, dass angesichts des anhaltenden Misserfolgs die Gesetze der Branche gegriffen und die Vereinsoberen einen Interimstrainer installiert hatten?

Der neue Trainer wollte mir also eine Chance geben, und ganz ohne Ehrgeiz war ich natürlich nicht. Aber da war ja auch diese romantische Verpflichtung. Also sagte ich dem Abteilungsleiter, ich müsse erst meine Freundin fragen, ob wir “den geplanten Ausflug” verschieben könnten. Dabei wussten wir beide, wie das eben so war, dass ich natürlich kicken gehen würde, koste es, was es wolle.

Was nichts daran änderte, dass der Anruf getätigt werden musste. Drama, Baby!

Ich verbrachte also den Abend infolge einer von meiner Freundin völlig grundlos abgesagten Verabredung zuhause. Am nächsten Morgen brachen wir recht früh auf. Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass wir, geographisch gesehen, so etwas wie das Tom Tomsk der Liga waren. Wir lagen in einem Zipfel des Verbandsgebietes, nicht wenige der anderen Mannschaften nah beisammen in einem anderen. So stand also eine knapp vierstündige Busfahrt bevor, genügend Zeit für das verunsicherte Schlusslicht, sich auf die Bewährungsprobe bei einem der Aufstiegsfavoriten einzustimmen. Wie ich schon sagte: Drama, Baby!

Der Busfahrer hatte vorgegeben, sich im Zielgebiet auszukennen, sodass ich mich zwar wunderte, dass er nach ein paar verkehrsbedingten Verzögerungen an einem Ort zur mittäglichen Nahrungsaufnahme bat, der nach meiner Wahrnehmung noch verdammt weit vom Zielort entfernt war, aber wie gesagt: er kannte sich aus, und auch die erfahrenen Mitspieler kannten die Liga und deren Spielorte gewiss besser. Als indes das Essen noch eine Weile auf sich warten ließ, wurden auch sie nervös, während der Fahrer gelassen blieb und erst unter verstärktem Druck zur raschen Weiterfahrt bewegt werden konnte.

Um es kurz zu machen: 10 Minuten vor dem geplanten Anpfiff kamen wir am Spielort an, der mit dem Auto und einigen Edelfans voraus gefahrene Abteilungsleiter machte sich als HB-Männchen hervorragend, nach 20 Minuten stand es 4:0, am Ende 7:0, und nach dem Spiel sollte der Trainer einem erfahrenen Spieler auf Nachfrage erläutern, dass “es für den Heinz sicher nicht gut gewesen wäre, ihn bei diesem frustrierenden Spiel einzuwechseln.”

Die Heimfahrt war ein wahres Vergnügen. Vorwürfe an den Busfahrer,  Vorwürfe an den Trainer, Vorwürfe an den abwesenden Ex-Trainer, Vorwürfe an die Vereinsführung, Vorwürfe der Spieler untereinander. Drama, Baby!

Der eine oder andere Gedanke, der mir in diesem Bus durch den Kopf ging, enthielt einen Anflug von Reue. Vielleicht wäre der Betttag doch die bessere Alternative gewesen.

Stadthallencharme

16. Januar 2012

So ein weihnachtlicher Aufenthalt im benachbarten Ausland bietet neben viel Schnee, Familie, Essen, Zeit und einigen weiteren ausschließlich positiven Aspekten nicht zuletzt Gelegenheit und Anlass, sich endlich mal wieder eine ganze Ausgabe des Magazins zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts, vulgo: ballesterer, in aller Ruhe und Detailtiefe durchzulesen. Und so stößt man nicht nur auf Ismuszitate der Welt Hertha Linke Textilvergehensredaktion oder auf Franz Binder, sondern vor allem auf Herbert Prohaska.

Prohaska – Austrianer, Held & Hawara” lautet denn auch der Aufmacher, und wer sich nun wie ich frug, wieviel Platz man ihm wohl einräumen würde, dessen kühnste Träume wurden übertroffen: über 20 der knapp 60 redaktionellen Seiten waren dem offiziellen Jahrhundertfußballer sowohl der Wiener Austria als auch des österreichischen Fußballs gewidmet, und auch wenn der eine oder andere Schmäh dabei war, so blieb doch ein in doppelter Hinsicht vielseitiges Bild übrig, das den gemeinen Leser, in diesem Fall: mich, ein bisschen wehmütig an jene 7 Seiten zurück denken ließ, mit denen die 11 Freunde kurz zuvor ihren Titelhelden Bernd Schuster und insbesondere besagten egozentrischen Leser abgespeist hatten.

Sicher, Schuster hat hierzulande nicht den Status, den Prohaska in Österreich genießt (das Kriterium ” internationales Renommee” lassen wir mal außen vor), und ohnehin verfolgen die 11 Freunde ein ganz anderes Konzept als der Ballesterer, und Schweinsteiger hatte neulich 11 Seiten, andere Titelgeschichten auch mehr, und überhaupt und sowieso. Kurz: ich hab mich gefreut über 22 Seiten Prohaska. Am Rande auch über Brigitte Xander.

Dabei stehe ich eigentlich Rapid viel näher als der Austria. Bzw. stand ich zumindest früher. Vermutlich lag es primär an der Trikotfarbe, violett war einfach nicht so meins, und die örtliche Kreisligatruppe war auch grün-weiß. Andere österreichische Vereine nahm ich kaum wahr, bzw. nur als Teil eines Doppelpacks (LASK/ VOEST oder Sturm/GAK), oder erfreute mich nur an ihrem Namen (Raika Flavia Solva) – Hansi Müllers FC Swarovski Tirol gab’s ja auch erst einige Jahre später –, und ein Faible für Hans Krankl tat sein Übriges dazu, dass es mich eher nach Hütteldorf zog. Meine drei Tags für Krankl lauten Lonely Boy, Düsseldorf und letztlich doch das kaum zu vermeidende Cordoba.

Tag Nummer vier wäre dann wohl Christian Keglevits gewesen. Nicht dass die beiden nach meiner Kenntnis eine besonders enge Beziehung hätten, bzw. wenn sie sie doch haben, hat mein Tagging nichts damit zu tun. Ich habe schlichtweg Keglevits’  Länderspieldebüt vor Augen, im September 1980, wie ich nachgeschlagen habe, gegen Ungarn. Als 19-Jähriger traf er – beim Debüt, wie gesagt – gleich doppelt, der Reporter hyperventilierte nahezu durchgängig und redete, so meine Erinnerung, bereits die Nachfolge das damals 27-jährigen und beim FC Barcelona unter Vertrag stehenden Krankl herbei. Seither denke ich beim Namen Krankl zumeist auch kurz an Keglevits, der heute, gut 30 Jahre später, bei 18 Länderspielen und 3 Toren steht.

Ich schweife ab. Es ging um Prohaska. Also hier auch, vor allem aber im Ballesterer. In aller Ausführlichkeit und – so zumindest meine Wahrnehmung – nicht übertrieben kritisch, auch wenn jene Punkte, die einer noch bedeutenderen internationalen Karriere wohl im Weg standen, genau wie jene, die man ihm in seiner Zeit beim ÖFB zum Vorwurf machte, angesprochen (und durchaus verständnisvoll behandelt) werden. Sehr schön die Ausführungen zu seiner Zeit in Italien, wobei die Schilderung der damaligen Ausländerregelungen in der Serie A wie eine Zeitreise anmutet – ein Eindruck, den Namen wie Tonino Cerezo (sic!) oder Roberto Pruzzo verstärken. Oder das ausführliche Interview mit dem Protagonisten, oder der immer wieder auftauchende Andi Ogris, oder jenes violette Bild, das diesem hier aus dem Austria Wien Archiv so ähnlich ist, oder Polsters Einlassung über den ungustiösen Prohaska, oder, oder, oder.

War ja auch ein Großer, der Mann. Gewann nicht nur vielfach die Meisterschaft und den Pokal, sondern war auch – und die Statistik führt es völlig zurecht noch vor der italienischen Meisterschaft, und dem dortigen Pokal auf, auch vor dem Europacupfinale oder Prohaskas WM-Teilnahmen – Stadthallensieger 1977, 1979, 1980, 1984, 1985 und 1986, zudem auch noch als Trainer in den Jahren1991, 1992 und 2000. Völlig unterschlagen hat man dabei, dass Prohaska zwischen 1976 und 1989 insgesamt zehn (!) Mal als bester Spieler des Stadthallenturniers ausgezeichnet wurde.

In der Hälfte der Fälle hätte ich vermutlich mit abstimmen können, so intensiv verfolgte ich das Geschehen in der Wiener Stadthalle zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Prohaska, Austria-Jahrhunderttorschütze Felix Gasselich, Ernstl Baumeister, hinten Sara, dann auch Polster und Nyilasi, und einfach nur Fußball. Noch bei der letzten Ausgabe 2009 fand das Turnier auf Parkett statt, ohne Kunstrasengedöns und dergleichen – zugegeben: ich kann nicht gänzlich ausschließen, dass das zwischenzeitlich einmal anders war, damals, als man das Turnier in einen Meisterschafts- oder Hallencup-Kontext befördern wollte, wovon niemand etwas hatte.

Wer übrigens meint, nur beim Rekordspieler Prohaska würden die Hallentrimphe so herausgehoben, der irrt. Man schaue sich einmal die Wikipedia-Einträge nicht nur der Vereine, sondern auch zahlreicher Spieler an, deren Erfolgserlebnisse in der Stadthalle nicht selten aufgeführt sind. Seien es Peter Schöttels 5 Siege, oder die ebenfalls 5 von Drabits, seien es die beiden Stadthallentitel, die Krankl als Trainer errang. Oder man frage nach bei Andreas Ivanschitz, dessen Lebenslauf auf der eigenen Website den folgenden Passus enthält:

“Im Jänner 2004 konnte er auch einen Titel mit seinem Klub feiern. Das in Wien mit einem sehr großen Stellenwert gesegnete Stadthallenturnier, das erstmals im Jahr 1959 ausgetragen wurde, ging nach einem packenden Finale gegen den großen Lokalrivalen Austria Wien an die Grün-Weißen, Ivanschitz erzielte in der Verlängerung das entscheidende Siegestor!
Ein Jahr später belegten sie den 2.Platz und Ivanschitz wurde zum “besten Spieler” dieses Turniers gewählt werden.”

(Hervorhebung durch mich, Satzbau nicht.)

Bei der Vienna galt der einzige Sieg in der Stadthalle, trotz des lange und unübersehbar verblassten Glanzes des Turniers, im Jahr 2009 zumindest als Achtungserfolg und war in der Wikipedia eine eigene Überschrift wert, der FC Bayern hat ebenfalls noch keinen Löschantrag gestellt. Tatsächlich war er seit 1971 der einzige ausländische Turnierseiger, ehe ihm 2001 ein “Team Kroatien” nachfolgte. Wobei es meines Erachtens keiner ausländischen Topstars bedurfte. Den Reiz machten vielmehr die zahlreichen Aufeinandertreffen der Wiener Vereine aus, und, ja, ich gebe es zu, ein wenig erbauten mich zumindest am Rande auch immer Namen wie der FavAC oder eine Zeit lang die Kombination Vienna/Simmering.

Doch ich will mich hier nicht zum Stadthallenexperten aufspielen. Wer mehr über die einzelnen Turniere ab dem Jahr 1959 erfahren möchte, möge sich einmal beim Fanclub Austria 80 umschauen, wo alle Ergebnisse nachzulesen sind. Was mich stattdessen ein wenig umtreibt, ist die Frage, wieso der Hallenfußball in Deutschland selbst in den 80ern und 90ern nie diesen Stellenwert erlangte, wieso es nie gelang, eine Institution wie das Stadthallenturnier aufzubauen. Sicher, Österreich, und auch der österreichische Fußball, ist kaum mit den hiesigen Gegebenheiten zu vergleichen – man betrachte allein die Anzahl der Wiener Erstligaklubs. Dem könnte man wohl entgegen halten, dass die Dichte in Nordrhein-Westfalen ähnlich hoch ist, und auch wenn der nationale Primus (der aktuelle schon, ich weiß) nicht dort angesiedelt ist, hätte da durchaus das Potenzial für ein gleichermaßen langlebiges wie attraktives Turnier vorhanden sein können. Oder gibt bzw. gab es dieses Turnier tatsächlich, und ich hab’s nur nicht wahrgenommen?

Schließlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Hallenfußball hierzulande ein paar Boomwinter erlebt hat. Damals, als – wenn ich mich nicht irre – Mirko Votava den Torwart gab und genau das auf Intervention des DFB bald nicht mehr tun durfte. Irgendwie habe ich das Gefühl, man hat sich ein wenig verzettelt, in Regelfragen, und Bandenfragen, und Kunstrasenfragen, und Verletzungsgefahrfragen, und Grätschenfragen. In Österreich hat man gespielt. Auf Parkett, auf 49 mal 30 Metern. In Deutschland dürfte so ziemlich der einzige Spieler, dessen Leistung Auftritt bei einem Hallenturnier im öffentlichen Gedächtnis präsent ist, Quido Lanzaat sein.

Wie viele der werten Leserinnen und Leser hätten gewusst, dass Borussia Dortmund mit weitem Abstand Rekordgewinner des DFB-Hallenpokals ist, sogar der einzige Verein, der sich mehrfach, und zwar gleich vier Mal, in die Siegerlisten eintragen durfte? Überraschte es jemanden, dass der gemeine Internetsucher auf bvb.de diese Information nicht findet, auch wenn er (also ich) nicht ausschließen kann, dass sie irgendwo dort versteckt ist, oder wundert man sich eher darüber, dass es wenigstens im Wikipedia-Eintrag vermerkt ist? Hätte überhaupt jemand den am Ende gültigen Namen der Veranstaltung gekannt und nicht viel eher Hallenmasters gesagt?

Weiß jemand, welcher Spieler DFB-Hallenpokal-Rekordsieger ist und ob es Spieler oder auch Trainer gibt, die mit mehreren Vereinen gewannen? Kann sich jemand an persönliche Ehrungen erinnern, abgesehen von der des besten Torwarts 2001? In individuellen Wikipedia-Einträgen findet sich auf Anhieb bei Oliver Schmidt der Hinweis auf seinen Turniersieg 2000, den er mit seinem Trainer gemein hat – offensichtlich pflegt man derlei Einträge in Fürth. Aber sonst? Aber sonst? Alles Lüge?

Eigentlich wollte ich ja Herbert Prohaska huldigen. Und dem Ballesterer. Ersteres tat ich ein wenig, auch wenn ich dabei den Faden verlor. Letzteres fällt mir seit jenem Moment schwer, als ich auf Seite 59 eine Einschätzung zu Steffen Simons Reporterleistung las, der zufolge ich wohl einräumen muss soll, ihm bisher stets bitter unrecht getan zu haben, indem ich ihn nach handwerklichen Kriterien beurteilte:

“Das, liebe Freunde, ist mit Sicherheit Kunst.
Und zwar richtige.”

Für mich klingt das ja irgendwie nach Surrealismus.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 30 Followern an